Profitieren Deutschland und Österreich von Griechenlands „Rettung“?

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Die Griechenland-Rettung war immer zuvorderst eine Banken-Rettung.

Wenn derzeit leise Aufregung darüber herrscht, dass die Anfrage eines deutschen Grünen zu Tage brachte, dass Deutschland, wie auch Österreich, voran im Wege ihrer Nationalbanken ein paar hundert Millionen Euro verdienten, weil die Griechen brav die Zinsen für ihre „Rettungskredite“ bezahlen, so kommt diese Aufregung zu spät.

Die Griechenland-Rettung war immer weit überproportional die Rettung deutscher, aber auch französischer Banken, die griechischen Banken bedenkenlos Geld liehen, das diese bedenkenlos dem griechischen Staat für die Käufe von Waffen – voran aus Deutschland – und den griechischen Bürgen zum Kauf von Waren -voran aus Deutschland- weiter liehen.

Was sich jetzt bei der deutschen oder österreichischen Nationalbank ereignet, ist technisch zwingend

Natürlich schlägt sich der für Griechenland hilfreiche Kauf und Besitz griechischer Staatsanleihen in kleinen Zinsgewinnen nieder, die freilich in keinem Verhältnis zur Haftung beider Länder (bzw. aller „starken EU-Länder) für diese Staatsanleihe stehen.

Aber an diesen kleinen Gewinnen kann man ermessen, welch gewaltigen Gewinne deutsche oder französische Banken einstreiften, als Kredite an Griechen, Bürger wie Banken, in eine gewissen Phase (vor allem unmittelbar nach der Finanzkrise) mit gewaltigen Zinszahlungen verbunden waren.

Als Griechenland dann in die Pleite zu schlittern drohte und seine Kredite damit uneinbringlich und seine Anleihen wertlos gewesen wären, drohte diesen zuvor glänzend verdienenden deutschen und französischen Banken ein entsprechendes Fiasko.

Statt dass sie – ihre Aktionäre und Manager – die Kosten dieses Fiaskos getragen hätten, haben wir, die Steuerzahler, sie getragen. Nur diesmal nicht im Wege der direkten Bankenrettung sondern indem Griechenland mit ESM/EFSF-Milliarden gerettet wurde und wird, die es sofort fast zum allergrößten Teil an Banken weitergab und gibt.

Eine britische Studie, deren Seriosität ich nicht beurteilen kann, ermittelte vor ein paar Jahren, dass von den überwiesenen Milliarden nicht entfernt ein Zehntel tatsächlich bei den Menschen in Griechenland ankam. Der wirtschaftliche Zustand Griechenlands lässt das höchst wahrscheinlich erscheinen.

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3 Kommentare

  1. Von den Krediten, die direkt an den griechischen Staat geflossen sind, sind von 2010-16 knapp 40 Mrd. EUR in Griechenland geblieben. Die Gesamtsumme der geflossenen Kredite ist schwer nachvollziehbar, aber man kann davon ausgehen, dass der ‚Verbleib‘ zwischen 10-15% war.

    Dazu kommen noch rund 50 Mrd. EUR, die als Kredite an die Finanzagentur geflossen sind, die ihrerseits diese Kredite für die Rekapitalisierung der griechischen Banken verwendet hat.

    Und dann wären noch die Finanzierungen der EZB für die griechischen Banken (ELA, Target2), die schon einmal 100 Mrd. EUR überstiegen hatten, derzeit jedoch wesentlich niedriger sind (ich glaube um die 50 Mrd. EUR).

  2. Man kann den Banken vorwerfen, Griechenland, ein EU und Euro Land, lange finanziert zu haben. Kann man ihnen auch vorhalten, dass sie derzeit noch Laender wie Italien, Spanien Frankreich, Oesterreich und Deutschland finanzieren? Muessten die Banken nicht sofort den Hahn zudrehen, wenn man bedenkt, dass die explizite und implizite Staatsschuld eigentlich aller EU Laender bereits weit jenseits der 200% vom BSP steht? Und wenn man bedenkt, dass ja nicht das gesamte BSP zur Schuldenbedienung verwertbar ist, sondern hoechstens ein einstelliger Prozentbetrag. Sollten Banken einem Schudner, der 2,000 euro im Monat verdient und 2,100 verbraucht, einen Rahmen von 25,000 euro einraeumen? Noch dazu, wenn die Zinsen ja auch mal wieder steigen koennten. Zur Erinnerung: Mitte der 80er Jahre standen die Zinsen auf US Staatsanleihen bei 15%

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