Wie löst man das „deutsche Problem“?

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Das „deutsche Problem“ überschreibt der Economist seine jüngste Titelgeschichte, in der er ausführt, „warum der aktuelle deutsche Handelsbilanz-Überschuss schlecht für die Weltwirtschaft ist“.

Ich behaupte Gleiches seit Jahren und bin damit auf beträchtlichen Widerstand gestoßen: Deutschland gilt wirtschaftlich als Vorbild – sein gewaltiger Exporterfolg und seine minimale Arbeitslosigkeit werde ausschliesslich seiner Tüchtigkeit und Gerhard Schröders Agenda 2010 zugeschrieben.

Im Chor mit seinem schwäbischen Finanzminister und der Mehrheit seiner Wirtschaftsweisen hält auch eine Mehrheit der heimischen Wirtschaftsfunktionäre wachsende Sparguthaben des eigenen Staates – Handelsbilanzüberschüsse, Budgetüberschüsse und pralle Unternehmenskassen – ausschliesslich für eine Tugend.

Der Economist begründet (wie ich) mit simpler Mathematik, warum dem nicht so ist: „Um genügend Nachfrage vorzufinden, um laufend derartige Überschüsse (von acht Prozent des BIP) zu produzieren und Vollbeschäftigung zu erhalten, muss der Rest der Welt im gleichen Ausmaß Geld ausgeben und sich verschulden. In einigen Ländern, allen voran Italien, Griechenland oder Spanien, haben die (entsprechenden) Defizite Krisen befördert.“

Wie ist der Mechanismus beschaffen, der zu den deutschen Überschüssen führt?

Sein Konstrukteur ist tatsächlich Gerhard Schröder. Ihm, dem Kanzler einer SPD-dominierten Regierung, gestatteten die Gewerkschaften eine Politik der „Lohnzurückhaltung“: Bis vor wenigen Jahren erhöhte Deutschland seine Löhne nicht mehr im üblichen Ausmaß um Produktivitätszuwachs und Inflation, sondern so wenig, dass sie real kaum stiegen. Das ließ Deutschland nicht nur das mit der EU vereinbarte Inflationsziel von zwei Prozent ständig verfehlen, sondern hatte gravierendste Folgen: Die stagnierenden Löhne dämpften die Kaufkraft der Deutschen derart, dass sie weniger denn je in der Lage waren, selbst mehr von den Waren zu kaufen, die ihre Industrie ständig mehr produzierte.

Um sein Produktionsniveau und damit Vollbeschäftigung aufrechtzuerhalten, war Deutschland daher gezwungen, mehr denn je zu exportieren. Das gelang ihm besser denn je, weil seine Industrie dank der stagnierenden Löhne ihre sowieso hervorragenden Produkte zu günstigeren Lohnkosten denn je herstellen konnte. Die zusätzliche Käufer fanden sich voran in Südeuropa von Griechenland bis Spanien, wo man im neuen Euro schwelgte und sich bis über die Ohren verschuldete.

Überall in der Welt, vor allem aber in der EU und dort voran im „Süden“ gewann Deutschland auf diese Weise immer größere Marktanteile – und das war und ist mathematisch nur zulasten aller anderen Ländern möglich. Die extremen deutschen Überschüsse beruhen also in entscheidendem Ausmaß auf seine „Lohnzurückhaltung“

Deutschland eilt von Überschuss zu Überschuss zulasten des Restes der Welt, voran der EU.

Bis heute bezahlen – freilich vollbeschäftigte – deutsche Arbeitnehmer diese Politik mit einer erschütternden Zunahme armutsgefährdeter Familien. Aber noch viel teurer bezahlen Sie die Arbeitnehmer anderer EU-Staaten, die, wie etwa in Frankreich, Lohnerhöhungen im üblichen Ausmaß (und in Übereinstimmung mit dem Inflationsziel der EU) erhielten oder, wie im „Süden“, sogar relativ zu hoch entlohnt wurden. Ihre Unternehmen verloren den Absatz und die Arbeitsplätze, die deutsche Unternehmen hinzugewannen.

Deutschlands minimierte Arbeitslosigkeit entspricht der maximierten Arbeitslosigkeit von Frankreich bis Portugal. Ich nenne das ohne die Zurückhaltung des Economist „Merkantilismus“: Den einsamen Gewinn eines Landes zulasten aller anderen Volkswirtschaften im Wege von Lohndumping.

Dass der Merkantilismus sich als Wirtschaftsordnung nicht hielt, liegt daran, dass er letztlich auch dem anfänglichen Gewinner Nachteile beschert. Dass Deutschland durch seine „Lohnzurückhaltung“ alle EU-Länder sukzessive zu Lohnsenkungen zwingt, begrenzt seinen Exporterfolg – es kann ausserhalb der EU nicht soviel zusätzliche Nachfrage generieren wie es innerhalb der EU verliert.

Und sein Export kann einbrechen wenn der „Süden“ der EU wirtschaftlich kollabiert.

Deshalb sieht der Economist in Deutschlands extremen Überschüssen wie ich eine eminente Gefahr.

Wie ich meinte er, dass das „deutsche Problem“ nur zu lösen ist, wenn Deutschland seine Löhne nicht nur um jährlich zwei bis drei Prozent, sondern deutlich stärker erhöht. Wie ich glaubt er, dass das angesichts der Vollbeschäftigung u.a. dadurch möglich sein sollte, dass der Staat in große öffentliche Projekte investiert, wie das jüngst Manuel Macron gefordert hat. Die daraus resultierende Arbeitskräfteknappheit machte höhere Löhne unausweichlich. Die Investitionen sollten der Regierung umso leichter fallen, als Deutschlands Infrastruktur sich in erstaunlich schlechtem Zustand befindet. Vieles was ich hier über Deutschland schreibe gilt in Grenzen auch für Österreich. Schon weil Deutschland sein wichtigster Handelspartner ist, hat auch bei uns „Lohnzurückhaltung“ (wenn auch nicht im deutschen Ausmaß) geherrscht. Das hat zwar ebenfalls die Exporte befördert, aber auch ebenfalls die Kaufkraft gedämpft. Und so wichtig Exporte auch sind – die meisten Waren setzen Österreichs Unternehmen immer noch im Inland ab. So wie Deutschland die meisten Waren immer noch in der EU absetzt.

Es kann aus Gründen der Mathematik keine permanente Export-Weltmeisterschaft geben – wenn man es mir nicht glaubt, möge man es dem gewiss nicht „linken“ Economist glauben.

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5 Kommentare

  1. Dass sie die „Schuld“ Deutschlands am wirtschaftlichen Niedergang einzelner EU-Länder höher einstufen als ich den Fehler eines rigiden Arbeitsmarktgesetzes mit entsprechendem Kündigungsschutze hängt möglicherweise damit zusammen, dass sie nicht unternehmerisch denken sondern planwirtschaftlich.

    Zu meinen, Angesichts der enormen Arbeitslosenzahlen in Deutschland vor Hartz 4, man könnte weitermachen wie bisher und sogar die Lohnkosten weiter erhöhen, ist absurd. Lohnzurückhaltung ist NICHT von vorne herein Merkantilismus sondern viel mehr auch Marktwirtschaft die den Gesetzen von Angebot und Nachfrage folgt. Wenn Länder, deren Markenqualität und Arbeitseifer schon vorher kaum mit deutscher mithalten konnte meinen sie könnten sich erstens leisten alle vorhandenen Jobs, wie die von Beamten, zu pragmatisieren und zusätzliche Lohnerhöhungen zu genehmigen brauchen sie sich nicht wundern wenn sie sich auf der wirtschaftlichen Verliererseite wiederfinden. Wenn ihnen spanische Unternehmer von ihren Problemen mit deutscher Konkurrenz berichten dann brauchen sie nicht alles für bare Münze nehmen. Unternehmer jammern gerne über den starken Mitbewerb wenn sie von Fehlern und Unzulänglichkeiten in ihren eigenen Betrieben (und Staaten) ablenken wollen. Ihnen sollte klar sein dass ein Schutz vor Kündigungen, der in Spanien über exorbitant hohe Abfertigungen (die in der Zwischenzeit etwas reduziert wurden) umgesetzt wird, selbstverständlich auch die Kosten eines Unternehmens in die Höhe treibt. Weiters führt die daraus resultierende, höhere Arbeitslosigkeit (vor allem der Jungen – in Italien 40%) zu zusätzlichen Kosten für den Staat der gezwungen ist, durch höhere Steuern, die Finanzierung der Arbeitslosigkeit zu sichern. Diese, im Vergleich zu Deutschland, höheren Steuern haben selbstverständlich wiederum Auswirkungen auf die Kosten der Güter der Betriebe und des ganzen Staates. D.h. erst dann wenn die Länder die Kugeln, die sie sich sprichwörtlich „ins Knie geschossen“ haben, entfernen wird ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber Deutschland wieder zunehmen. So lange das nicht passiert kann man nur hoffen, dass Merkel und Schäuble einer Vergemeinschaftung der Schulden nicht zustimmen werden.

    Pessimistische Vorausschau: Da Reformen in diesen Ländern gegen den Widerstand der Bevölkerung nicht durchzusetzen ist (70% profitieren ja von dem Kündigungsschutz) wird erst eine Situation die an Griechenland erinnert die Länder dazu zwingen Reformen durchzuführen. Für Europa wird es dann allerdings zu spät sein. Eine unsagbar dumme, Egoismus fördernde, von Sozialisten als soziale Errungenschaft gefeierte Maßnahme (die eigentlich das Gegenteil davon ist) wird den Kontinent in den Ruin getrieben haben.

    Auch ich habe ihnen einen Link eines Kommentars aus „Capital“ zugesandt der die Vorwürfe an Deutschland relativiert und widerlegt. Sie selber schreiben, dass sie sich mit ihrer Sichtweise auf der Seite einer Minderheit befinden – warum also meinen sie, dass sie recht haben und nicht die Mehrheit an Ökonomen

  2. Ist was Wahres dran. Allerdings: man muss nicht alles kaufen, was angeboten wird, vor allem wenn man es sich nicht leisten kann. Und: man muss auch nicht die Löhne so erhöhen, wie es Griechenland et al. getan haben, wenn die Produktivität nicht entsprechend zugenommen hat. Das Gleiche wie Deutschland, kann man auch China, Holland, der Schweiz etc.vorwerfen. Warum sich Lingens seit Jahren an Deutschland abarbeitet, müsste ein Psychiater erforschen. Und zum Schluss: Deutschland bekommt seine Ueberschuesse im EZB Target 2 System gutgeschrieben. Der Saldo wird ohnedies nie bezahlt werden.

    1. Sehr geehrte Herren Stockmayr und Nichtschweiger,

      In Österreich und Deutschland ist die Mehrheit der Ökonomen tatsächlich anderer Meinung als ich. International ist es umgekehrt: Die überwältigende Mehrheit der Ökonomen, die zwangsläufig vor allem im angelsächsischen Raum angesiedelt ist, unter ihnen Nobelpreisträger Paul Krugman als lautstärkster, etwas hemdsärmeliger Vertreter, sind der selben Meinung wie ich.

      Zu Ihren Argumenten:

      1. Deutschlands relativ hohe Arbeitslosigkeit vor Gerhard Schröder hatte zwei Ursachen: Den hohen Automatisierungsgrad der industriellen Produktion (es ist der höchste der Welt) und die Wiedervereinigung mit dem desolaten Osten. Eine adäquate Reaktion zur Verminderung dieser Arbeitslosigkeit hätte in staatlichen Großinvestitionen (die zum Teil auch getätigt wurden) und vor allem in einer Verkürzung der Arbeitszeit bestanden. Auch Teile der Agenda 2010 -z.B die Zusammenfassung der sozialen Hilfeleistungen- waren eine richtige Reaktion. „Lohnzurückhaltung“ in dem von mir beschriebenen Ausmaß war, aus den Gründen die ich angeführt habe, die falsche Reaktion.

      2. Länder wie Frankreich, Großbritannien, Belgien, Schweden oder Dänemark konnten zuvor wirtschaftlich durchaus mit Deutschland mithalten. (Sie hatten ein ähnliches oder höheres BIP pro Kopf.) Mit der deutschen „Lohnzurückhaltung“ hat sich dieses Verhältnis verschoben. Sie alle haben zwingend Marktanteile an Deutschland verloren. Bei den von vornherein wirtschaftlich viel schwächeren Ländern hat der gleiche relative Verlust entsprechend dramatischere Auswirkungen gehabt.

      3. Deutschlands hohe Markenqualität hat ihm eine wirtschaftlich führende Stellung eingebracht, die aus diesem Grunde berechtig ist und die ich ihm keineswegs abspreche oder streitig machen will. Das Problem besteht darin, dass es ab etwa 2000 zusätzlich zu dieser sowieso überlegenen Qualität das beschriebene Lohndumping betrieben hat.

      4. Was den „Arbeitseifer“ betrifft, so wäre ich an Ihrer Stelle vorsichtig: Deutschlands Arbeitskräfte arbeiten im Jahr rund ein Viertel weniger Stunden als etwa die Spanier oder gar die Griechen und auch deutlich kürzer als die Österreicher. Derzeit wollen die Metaller -Gewerkschaften zu Recht- auf die 25 Stunden-Woche übergehen. Die Deutschem müssen nämlich – darin besteht ihre wichtigste Leistung- nicht so rasend arbeitseifrig sein, weil sie die am stärksten automatisierte Wirtschaft haben (siehe 1.)

      5. Zu Recht wird der exorbitante Kündigungsschutz Spaniens als einen Grund für seine Probleme angeführt. Da ich Spanien gut kenne, habe ich diesen Kündigungsschutz und seine Abfertigungen schon vor Jahren im profil mehrfach kritisiert. Zu den richtigen in Spanien durchgeführten Reformen gehörte daher die Abschaffung dieses Kündigungsschutzes bereits durch die Regierung Zapatero, so dass bereits seit damals keineswegs „70 Prozent der Bevölkerung davon profitiert“. Gleichzeitig sind auch die spanischen Löhne, die zuvor, wie ich auch schon vor Jahren geschrieben habe, zu stark -über den Produktivitätszuwachs hinaus- gestiegen sind, mittlerweile ca. 15 Prozent gefallen.
      Beides hat die Konkurrenzfähigkeit Spaniens tatsächlich etwas erhöht.

      Ähnliches gilt für andere Länder des „Südens“. Nur reicht es leider nicht entfern aus, den dramatischen Vorsprung zu verringern, den Deutschland durch zehn Jahre „Lohnzurückhaltung“ – nicht durch Markenqualität (die ist die ganze Zeit hindurch gleich gewesen, bei Autos sogar etwas gesunken) und schon gar nicht (siehe 5.) durch Arbeitseifer – erreicht hat.

      Es geht mir überhaupt nicht darum, der Deutschen Industrie ihre Vorzüge abzusprechen – im Gegenteil ich habe sie durch Jahre in unzähligen Texten hervorgehoben. Meine Kritik lautet vielmehr: Gerade weil die deutsche Industrie alle diese Vorzüge besitzt, ist es abwegig – schädlich für die „Weltwirtschaft“ (Economist) und insbesondere der der EU – und eben merkantilistisch – sich auch noch einen Lohnkostenvorteil durch „Lohnzurückhaltung“ zu verschaffen und das musste zwangsweise, die in meinem Text dargestellten negativen Folgen für alle anderen haben.

      Der Artikel in Capital ist so falsch, wie der im Economist richtig ist. (In ihrem Ruf als „Wirtschaftsmagazine“ unterscheiden sich die beiden etwa wie Lada und Mercedes)

  3. Sehr geehrter Herr Lingens,

    vielen Dank für Ihre Antwort.

    Ich beziehe mich auf die Überschrift des Artikels: „Wie löst man das deutsch Problem“ und geben ihnen die Antwort: „So nicht Herr Lingens!“

    Sie liegen bei ihrer Kritik an der deutschen Lohnzurückhaltung richtig – auch wenn ich meine, dass Löhne sich nicht nur von Produktivitäts-Zuwächsen oder EU-Vorgaben zu Inflationszielen u.ä. bestimmen lassen sondern in der Hauptsache von marktwirtschaftlichen Kriterien und auch dem Kräfteverhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern beeinflusst werden. Sie sind jedoch im Irrtum, wenn sie meinen dass eine Lohnerhöhung, selbst wenn sie deutlich ausfällt, die Probleme der EU-Länder Frankreich, Italien etc. lösen wird. (Ich meine jetzt nicht, dass eine Lohnerhöhung für deutsche Arbeitnehmer deswegen gleich unterbleiben kann) Erhöhen wir die Löhne der Deutschen! Wird dann der Außenhandels-Überschuss kleiner werden? Ich denke nein – das Gegenteil wird eintreten – er wird durch die nunmehr höheren Preise für deutsche Produkte noch höher ausfallen. (Beispiel Schweiz! Wenn ich eine Rolex möchte kaufe ich mir eine Rolex ob sie nur 10 oder 12-tausend kostet!)) Sie lassen sich in ihren Überlegungen zu sehr von planwirtschaftliche Denken (und Ökonomen deren Vorschläge ihnen persönlich sympathisch sind) beeinflussen. Der deutsche Außenhandelsüberschuss resultiert nämlich aus dem Umstand, dass Deutschland vorwiegend Produkte herstellt die dem Luxus-Bereich zugerechnet werden können und auf einen Weltmarkt trifft der diese Produkte nachfragt. Das wiederum ist ein Resultat der stark gewachsenen Anzahl wohlhabender Menschen für die ein Mercedes oder BMW bislang ein Wunschtraum war und die jetzt in der Lage sind diesen Traum in die Tat umzusetzen. (So absurd es – für Statussymbole ist ein hoher Preis nicht nur nicht abschreckend sondern erhöht die Begehrlichkeit!) Selbst nicht so Vermögenden kaufen sich eher einen gebrauchten Mercedes bevor sie sich einen, gleichteuren aber neuen Renault kaufen. DAS ist das Problem der Länder Frankreich, Italien, Spanien – sie haben keine vergleichbaren Modelle (mehr) in ihren Programmen um den deutschen Autoherstellern Paroli bieten zu können. Während die deutschen Autohersteller ihre Modellpaletten nach unten abgerundet haben (und so zusätzliche Käuferkreise zugewonnen haben) ist es den Herstellern aus F und I es nicht gelungen in die Oberklasse vorzudringen. Sie können es nicht Mercedes vorwerfen wenn Renault es, trotz mehrfacher Versuche mit geradezu peinlichen Modellen (R25, R30 Avantime, Vel-Satis!!), seit Jahrzehnten nicht schafft ein repräsentatives Auto auf den Markt zu bringen. Das selbe gilt für Peugeot, Citroen und die Fiat-Gruppe.

    Auf der anderen Seite haben es die Problem-Länder geschafft sich durch mehrere Schüsse in die eigenen Beine zu schwächen. Zu meinen man könnte gesetzlich verordnen, dass Arbeitnehmer, sollten sie einmal einen Job erhalten, diesen nie mehr verlieren dürften ist ein sozialpolitischer Selbstfaller der für die enormen Arbeitslosenzahlen in diesen Ländern, und nicht Deutschland wie sie schon wieder falsch schlussfolgern, verantwortlich ist. Auf diese Art hat man sich auch den eigenen Binnenmarkt geschwächt der von der Konkurrenz deutscher Produkte eigentlich unabhängig wäre.

    Ich war Unternehmer und ich kann ihnen sagen wie ich reagiert hätte wenn in Österreich ein Kündigungsschutz, vergleichbar mit F und I Gesetz geworden wäre. Ich hätte ab dem Moment keine Mitarbeiter mehr eingestellt. Als Unternehmer habe ich die Wahl wie groß ich meinen Betrieb wachsen lassen, wo ich investiere und produziere, ob ich selber produziere oder Teile meines Angebotes zukaufe etc. Genau so überlegen internationale Konzerne in welchen Ländern sie Produktionsstätten gründen und das werden selten die Länder sein in denen es unmöglich gemacht wird Leute abzubauen oder auch finanzielle Hürden gegen einen Abbau errichtet werden.

    Ich brauche ihnen nicht erklären, dass in einem Gebiet in dem z.B. ein Betrieb zusperrt und 500 Leute ihren Job verlieren weitere 150 – 200 (Schätzung!) die gar nicht in dem Betrieb gearbeitet haben, auch ihre Lebensgrundlage verlieren. In einem Gebiet in der keine Kaufkraft vorhanden ist braucht man auch keine Restaurants, Bars, Kosmetik- Fitness- Nagel-Studios, weniger Friseure, Masseure und Esotheriker und was es sonst noch alles in einer Wohlstand-Gesellschaft an sinnvollen oder sinnlosen Berufen gibt (Die eigentlich sinnlosen Berufe, von denen man eigentlich meint, dass sie niemand wirklich braucht bringen das „Mehr“ an Berufstätigen welche dann die Arbeitslosenzahlen reduziert!) Dieser Teufelskreis, der dann einsetzt wenn ein Betrieb geschlossen wird, wirkt auch im Falle von Arbeitsplätzen die erst gar nicht geschaffen werden. An diesem „Nichtschaffen“ von Arbeitsplätzen ist ein Kündigungsschutz Schuld der unternehmerisches Handeln bis zur Bewegungslosigkeit hemmt.

    Allen Gewerkschaftsbossen die sich immer so schlau vorkommen, wenn sie den Arbeitnehmer kräftige Lohnerhöhungen, mit dem Argument „die Kaufkraft zu stärken“, abringen wollen, mögen sich vor Augen führen welche Auswirkungen eine Arbeitslosigkeit von 40% bei den jungen Italienern auf die Kaufkraft des Landes hat. (Interessieren würde mich auch wie sie es Sozialisten mit ihrem Gewissen vereinbaren können das Leben und die Zukunft von hunderttausenden jungen Menschen zerstört zu haben?)

    Die hohe Arbeitslosigkeit dieser Länder beeinflusst auch den Beschäftigungsmarkt in den anderen EU-Ländern da, zumindest die gut ausgebildeten Italiener, Spanier, Franzosen und Griechen Jobs ist den anderen EU-Ländern anstreben und so Druck auf die dort heimischen Kräfte erzeugen.

    Beklagen sie also auch weiterhin die hohen Außenhandelsüberschüsse der Deutschen aber hören sie auf den Deutschen die Schuld an der Arbeitslosigkeit in F, I usw. zu geben – die sind vor allem hausgemacht und werden sich auch weiter verschlechtern so lange die entsprechenden Gesetze nicht vollständig rückgängig gemacht werden. (Da dass nicht zu erwarten ist – mal abwarten was demnächst in F passiert – die Gewerkschaften bauen schon Druck auf Macron auf – sieht es nicht so gut aus mit der Zukunft der EU)

    Zumindest ich (und ich hoffe es sehen ausreichend viele genau so) möchte, dass die angesprochenen Länder die notwendigen Reformen des Arbeitsmarktes umsetzen bevor es zu einer gemeinsamen EU-Finanzpolitik kommt so wie sie es in ihrem USA-Vergleich in einem anderen Artikel aufzeigen und verlangen.

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