Pilz´ genialer Anwalt

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In seinem Mitstreiter Alfred Noll hat Peter Pilz den denkbar besten Verteidiger. Dem Anwalt gelang es, die Diskussion „im Zentrum“, die Pilz´ Fall klären sollte, so zu lenken und zu dominieren, dass ausschließlich die angebliche oder wirkliche Belästigung einer Mitarbeiterin im grünen Klub im Jahr 2015 zur Sprache kam.

Der viel krassere Fall der Belästigung einer EVP-Mitarbeiterin am Rande des Forum Alpbach im Jahr 2013, der Anlass zu Pilz´ Rücktritt war, kam eine Stunde lang nicht vor.

Das verschob die Perspektive gewaltig.

Denn im Fall seiner grünen Mitarbeiterin hatte Pilz die vergleichsweise besseren Karten: Er hatte ihre Vorwürfe, die sie der Gleichbehandlungsanwaltschaft vorgetragen hatte, immer bestritten; die Angelegenheit war schon seinerzeit öffentlich geworden und eigentlich erledigt – beide Seiten hatten sich verpflichtet, darüber Stillschweigen zu bewahren.

Noll konnte den grünen Klubobmann Alber Steinhauser daher gleich zu Beginn in die Defensive drängen indem er behauptete, die Unterlagen der Gleichbehandlungsanwaltschaft seien ausschließlich dem grünen Klub zugegangen und fänden sich dennoch derzeit in allen Zeitungsberichten wieder.

Er brauchte die Vermutung eines politischen Racheaktes der „Grünen“ gar nicht mehr, wie Pilz das getan hat, auszusprechen, denn sie ergab sich von selbst. „Denn Sie werden doch nicht unterstellen, dass diese Unterlagen aus der Gleichbehandlungsbehörde kommen“, wies Noll die andere Möglichkeit ihres Aufscheinens in den Zeitungen entrüstet zurück.

Wäre ein Journalist unter den Diskutanten gewesen, er hätte einwenden müssen: „Selbstverständlich können die Unterlagen auch aus der Behörde kommen – Zeitungen leben von den Indiskretionen von Beamten.“

Auch sonst erschien die Angelegenheit nach der Diskussion unklarer als zuvor: Die Gleichbehandlungsanwaltschaft hat damals, wie das üblich ist, den Arbeitgeber der Frau, den „grünen Klub“, von ihren Vorwürfen verständigt und der hat die Angelegenheit zu ihrer Zufriedenheit geregelt – sie erhielt einen anderen Arbeitsplatz.

Laut Noll hätte Pilz aber die Möglichkeit einer Stellungnahme erhalten müssen, die ihm angeblich versagt wurde.

Steinhauser sagte dazu, ein Verfahren innerhalb des Klubs wäre nur möglich gewesen, wenn die Mitarbeiterin ihm zugestimmt hätte und diese Zustimmung hätte sie nicht gegeben. Das wäre aus ihrer Sicht verständlich- sie hatte einen andren Arbeitsplatz – aber dennoch ein Problem, wenn es so gewesen ist.

Tatsache ist: Pilz bezeichnet die Vorwürfe in seinen aktuellen Stellungnahmen als ungerechtfertigt. Ob sie das sind, weiß niemand. Und ob die Grünen den Zeitungen die Unterlagen darüber jetzt aus Rache zugespielt haben, werden deren Chefredakteure nicht preisgeben.

Nutznießer der so entstandenen Unklarheit ist zweifellos Peter Pilz: Er kann den Vorwurf einer Intrige aufrecht halten.

Deshalb wäre die Diskussion des zweiten Vorfalls „im Zentrum“ so viel klärender gewesen. Denn die Beschuldigung der EVP-Mitarbeiterin, die der „Falter“ zitiert ist völlig eindeutig: „Seine Hände waren überall! Zuerst umklammerte er meinen Arm, mit der anderen Hand war er an meinem Hals und dann an meinem Busen und Rücken. Auch sein Gesicht war viel zu nahe an mir. Das ging alles ziemlich schnell. Ich konnte mich nicht bewegen, nicht atmen, geschweige denn wehren“

Pilz bestreitet diese Aussage nicht, sondern sagt, er könne sich an absolut nichts erinnern.

Das ist zwar unwahrscheinlich, aber möglich, wenn er, wie auch sie sagt, stark alkoholisiert gewesen ist.

Er hat diesen Vorfall, für den es Zeugen gibt, zu Recht zum Anlass für seinen Rücktritt genommen und er hat mit grüner Rache nichts zu tun.

Allenfalls kann man bedauern, dass die Betroffene nicht schon 2013, als er sich ereignet hat, an die Öffentlichkeit gegangen ist. (Siehe auch: „Die gehortete sexuelle Belästigung“)

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5 Kommentare

  1. Die “noch” vorhandenen “Grünen” ,haben sich das doch etwas “anders” vorgestellt ,Peter Pilz ganz zu “entsorgen “! Steinhauser ist auch eine nicht gerade sehr sympathische ” Figur ” ! Moralkeulenschwinger haben zwar ” Hochsaison “, werden sich aber vielleicht doch wieder “etwas” beruhigen?

  2. Ich habe eine ganz andere Vermutung: Peter Pilz hat angekündigt, sich in Wien das umstrittene Heumarktprojekt – wofür Immobilienspekulanten hohe Geldbeträge für ein obskures Projekt des Paradegrünen Christoph Chorherr überwiesen haben – “näher anzusehen” und außerdem gedroht, in Wien mit eigener Liste anzutreten

    Das war das politische Todesurteil für Peter Pilz, schnell mußte er entsorgt werden bevor da etwas hochkommt.

  3. Es gibt ja einige Faelle, die Pilz bearbeitet und wenn der Skandal gross
    genug ist, dann kann es sein, dass die Polizei den Fuehrerschein
    entzieht plus die Opfer als verrueckt tituliert, ohne nachzuschlagen ob es
    nicht umgekehrt ist. Handelt es sich um seelischen Missbrauch uebertraegt sich
    dieses Gefuehl, handelt es sich um maximalen Leverage bestimmt der
    Einzelne die politischen Kandidaten je nach verwendeter
    Machtumkehrstrategie. Nehmen wir an es geht um die Anlage auf die
    Buerger also den Einkauf auf ihre Identitaet. Klar, dass das Personal
    des Staates je nach Fall sich gesund stoesst und von den Opfern
    anlageberaten laesst. Selbstverstaendlich kann es zu keiner Aussage
    kommen, daher muss er als Psychologe oder besser Soziologe einspringen,
    wenn das Opfer um seine Liebes bzw Zeugungsfaehigkeit beten muss. Sehe
    keinerlei Verfehlung, ausser dass der Staat seine Angestellten mit zu
    viel Rechten und Schutz ausstattet, wenn Rechts keine Mehrheit hat. Man sollte
    nicht vergessen, dass Pilz kein franzoesisches Unterhosenmodel ist, sondern optisch
    nicht so deutlich erkennbar arbeitet – das kann auf seine Frage was das hilft geantwortet werden.

  4. Der genialste von allen ist Peter Pilz selbst. Nach seinem Interview mit Corinna Milborn auf PULS 4 steht fest, dass Pilz hier das Opfer ist. Eine eindeutige Verschwörung seitens SPÖ/NEOS. Seitens der Grünen sowieso. Und die beiden betroffenen Frauen darf man verdächtigen, in Collusion mit diesen 3 Parteien gewesen zu sein. Es ist an der Zeit für einen Peter-Pilz-Untersuchungsausschuss, den Pilz selbst leiten sollte.

  5. Als Anwalt von Pilz braucht man gar nicht “genial” zu sein. Was Pilz – angeblich – gemacht hat, ist ein Lercherlschas gegen die Blöd- und Böswilligkeit von Glawischnig u. Co.
    Wer am Montag in Puls4 die Maurer und die Heinisch-Hosek gesehen hat, versteht, wo der “Irrsinn” zuhause ist.

    Für die SPÖ schaut es schlimm aus. Neben der Arbeiterschaft brechen denen – auch aus biologischen Gründen – die Stammwähler-Pensionisten weg. Aber auch mehr und mehr Frauen!
    Und die GrünInnen werden sich kaum erholen. Denn auch die “Intelligenzschicht” zweifelt zunehmend an dieser / ihrer Partei.
    Gut – bzw. schlecht – die Liste Pilz ist schwer ramponiert.
    Klare Sieger des “Pilz-Skandals”: ÖVP-FPÖ-Neos — trotz des “genialen” Alfred Noll

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