Alexander van der Nullen – die Neujahrsrede

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Ein paar nicht ganz unbedeutende internationale Persönlichkeiten (ein Nobelpreisträger, ein Ex-Premierminister, zwei Ex-Außenminister)- zugegebenermaßen lauter “Ausländer” -haben kritisiert, dass in Österreich “Erben des Neonazismus” an die Macht gelangt sind.

Hierzulande hat sich immerhin die Kabarettszene durch einen deutschen Gast des Themas angenommen: “Ein Wahlergebnis von 12 Prozent für die rechtsradikale AfD wäre in Österreich ein Linksruck gewesen.” Also habe ich mit Spannung auf die Neujahrs-Rede von Alexander van der Bellen gewartet: Wie würde er, der gelobt hat, Strache nicht anzugeloben, das Thema behandeln?

Ich denke, es war bewundernswert: Er hat die belangloseste, inhaltsloseste Rede gehalten, die ich je von einem österreichischen Bundespräsidenten gehört habe.

Vielleicht sollte man ein neues Bild von ihm gewinnen: Van der Bellen war ein genialer Wahlkämpfer. Er hat ein Versprechen gegeben, von dem klar war, dass er es nicht einhalten würde, aber es hat gereicht ihn zum Wahlsieger zu machen.

Ich habe mich seinerzeit immer gewundert, dass er, ein Professor für Volkswirtschaftslehre, sich als Chef der Grünen nie zu volkswirtschaftlichen Themen geäußert hat. Aber es war erfolgreich: Man hat ihn deshalb für ungemein klug gehalten und sehr geschätzt, auch wenn die Grünen auf diese Weise nie ein volkswirtschaftliches Profil entwickelt haben.

Vielleicht hatte auch das einen viel einfacheren Grund, als ich dachte: Der Mann hat in Wahrheit Null zu sagen.

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15 Kommentare

  1. Es war ja zu erwarten, dass das letzte Aufgebot der Linken (Sie bezeichnen diese als”ein paar nicht ganz unbedeutende internationale Persönlichkeiten” einen Boykott-Aufruf gegen die türkis/blaue Regierung startet. Interessant sind aber nicht die Proponenten dieses linken Zurufs, sondern vielmehr wer aller da nicht mit von der Partie ist.

    Und einer davon ist der linke Staatskünstler André Heller, der früher bei jedem Gezeter gegen alles Nichtlinke dabei war.

    Und warum macht André Heller nicht mit? Da attestierte er zunächst einmal der SPÖ “Beschämende Geistlosigkeit sowie radikales Fehlen an Einsicht und Würde“ und letztendlich kam es zum endgültigen Bruch mit der SPÖ als Kern versuchte, sich mit dem Schmäh „Kriterienkatalog“ an die FPÖ anzubiedern um damit doch noch mit Strache koalieren zu können.

    Daran erkennt man, welche Nullen in der SPÖ am Ruder sind, die nicht einmal ihre eigenen Gesinnungsfreunde halten können.

    Quelle:
    https://diepresse.com/home/innenpolitik/535736/Andre-Heller-kehrt-der-SPOe-den-Ruecken-zu

    1. Da ist “leider” etwas dran an Ihrer Analyse, obwohl ich seit meinen Jugendjahren immer “links” gedacht habe und bis vor ca.15 Jahren auch SPÖ gewählt habe! Wohin wird uns diese “Sozialdemokratie” noch führen? Und “wann” kommt, bzw. “könnte” wieder einmal die “Sozialdemokratie” “wiederbelebt” werden?

  2. Lieber Hr. Lingens, ich denke, das war einer der klarsten und präzisesten kommentare seit langem. Hr. VdB hat mich durch seine offenkundige weigerung, mit schüssel eine regierung zu bilden, so maßlos enttäuscht, daß er für mich seither leider unwählbar ist. Ich halte es für eine demokratiepolitische insolvenz, daß hr. VdB massiv über schwarz-blau gemeckert hat, aber den naheliegenden schritt, es BESSER zu machen, hat er gezielt vermieden. gründe ? ( faulheit ? ideenlosigkeit ? ) es ist letztlich unerheblich. LG hufnagl

  3. Die Neujahrsrede empfand ich enttäuschend und leer.
    Was für eine geistvolle, aufrüttelnde Rede hielt er dagegen in Brüssel!
    Ich war damals stolz und gerührt.
    In Anbetracht der Härten und Ungerechtigkeiten des Regierungsprogramms waren meine Erwartungen natürlich hoch. Kein einziges Wort darüber.
    Sogar die Anwesenden Kinder zeigten sich gelangweilt…

    1. kinder – keine ahnung warum. sowas von unnötig. Jugendliche, das ja!!! die bereits verstehen können, worum es gehen kann. ……
      aber das kind mit dem bad ausschütten? etwas verfrüht? es wird vdb noch brauchen. er muss nur auf jedes detail achten, es wahrnehmen, was hinter den akteuren in der struktur verändert wird. denn macht erwirbt man über strukturen und propaganda. mir scheint, die strukturellen veränderungen sind zu wenig thema, die weisungsrechte, aufpasser, delegitimierungen…. Kurz geht soeben bei Strache und co in die lehre. wenn man aber so angst vor rechter und extrem rechter regierung hat, sollte man sich nicht aufhalten mit entscheiden, die ohnedies nur ablenken oder die spö erneut schwächen sollen, sondern schaun, vergleichen, was ehemals rechte regierungen so mächtig werden ließ, über strukturelle veränderungen und adäquate propaganda. es gibt da einige in der regierung, die das genau studiert haben. aus dem ff wissen. also lernen wir geschichte. jeden tag gibt es auf ZDFinfo ausreichend dokus über propagandamschinerien der vergangenheit und jede menge details über klitzekleine wirkungsvolle beschlüsse und gesetze zum sozialabbau im “Lehrbuch der Sozialpolitik” von Lampert Althammer. Und vor allem, wie sie geeignet sind, die Macht zu zementieren. also wenn hier wirklich sorge ist, dann halte man sich nicht mit “gegessenen” entscheiden auf, dann analysiere man die strukturveränderunegn, die ja jetzt sogar dazu führen, dass neu angelobt werden muss. !!!!!!!!!!!!!!!!!!! Das sind ja nicht irgendwelche kleineren faux-pas, die ihnen da unterlaufen sind, oder Launen, das ist doch strategie. also bitte, an den Kern! und über den das volk am laufenden halten und wie strolz so schön sagte: “wir können jedes gesetz vor den verfassungsgerichtshof bringen”. naja, mal schaun.!! es geht ja schlag auf schlag.

  4. VdB ist angetreten, um Hofer zu verhindern. Diesen Auftrag hat er erfüllt. Aber mehr war von ihm nicht zu erwarten.

    Heute im Standard: “Nur jeder Vierte glaubt, dass Integration von Zuwanderern gelingt”. Was sollte VdB zu diesem Thema sagen, um sich nicht gegen eine eindeutige Mehrheit zu stellen?

    Sehr interessant war der Jahresrückblick 2017 mit Hugo Portisch in der ZIB2 am 29.12.2017:
    Portisch beklagte (u. a.) das unsolidarische Verhalten bzgl. der “Flüchtlings”-Verteilung in Europa. Wenig später sah er die Demokratie(n) in Europa in Gefahr. Ich vermute eher, wenn es zu diesem Thema in den Ländern Europas demokratische Abstimmungen gäbe, wäre das Ergebnis mehr als eindeutig. Vielleicht würde der Vatikan aus der Reihe tanzen …

      1. Interessant welche Analyse Hugo Portisch zu Sebastian Kurz im KURIER abgegeben hat:

        „Kurz hat energisch gehandelt und erstaunlicherweise Recht behalten. Auch in seiner eigenen Partei, wo er sehr wild aufgeräumt hat und alle dazu geschwiegen haben. Er hatte den Mut, mit den Freiheitlichen zu gehen, wobei ich das gar nicht so als Mut betrachte. Die Sozialdemokraten hätten das sicher gemacht. Der burgenländische Landeshauptmann Niessl hat schon darauf gewartet, mit den Freiheitlichen zu kooperieren, doch das ist durch den Kurz gestoppt worden.“

  5. Ja, was wohl hätte der Bundespräsident “noch” sagen können,”sollen”? Ich finde Van der Bellen hat seine “Antrittsrede” vorzüglich präsentiert, seine “Neujahrsansprache” “verdient” kaum Kritik! Hoffe,d ass er die Amtsperiode gesundheitlich schaffen wird und eventuell eine weitere Amtsperiode folgen kann!

  6. VdB hat sich erst im Wahlkampf zu Wirtschaftsproblemen geäußert, besser gesagt zu einem einzigen:
    er hat das Wirtschaftswachstum gepriesen und als erstrebenswert hingestellt – diese geisteskranke derzeitige Pseudoreligion der ganzen vom Kapitalismus diktierten Welt, in der dadurch alle anderen
    Werte allmählich vernichtet werden. Gerade von einem Wirtschaftsprofessor als grünen Parteiführer hatte ich mir einst einen Gegenentwurf erwartet. Welche Chancen hätte er dabei gehabt, selbst wenn es Utopien geblieben wären ! Heute habe ich hinsichtlich VdB keine Erwartungen mehr.

  7. Willkommen in der Realität

    Mehr als Mahnung geht nicht. Strache abzulehnen hieße leichtfertig eine Staatskrise zu provozieren. Derartiges darf von einem Bundespräsidenten nicht verlangt werden. Niemand als die SPÖ selber trägt Verantwortung für deren miserables Wahlergebnis.
    Bevor jedoch die Krokodilstränen gar zu reichlich fließen, sei in Erinnerung gerufen: Die roten Moralaposteln waren die ersten, die sich nach der Wahl ganz nach burgenländischem Vorbild als Partner der FPÖ angeboten haben. Vordergründig gegen Rechtsruck und zur Beruhigung des Auslandes, in Wahrheit aber aus nichts weniger als simpler Machtgier.

    1. Warum gab es eigentlich keine „besorgten Boykottaufrufe“ im Jahr 1983, als damals die Sinowatz SPÖ mit der FPÖ koalierte. Und nicht einmal dann reagierten die Linken im Ausland, als der damalige FPÖ Verteidigungsminister Frischenschlager den freigelassenen SS-Kriegsverbrecher Reder mit Handschlag begrüßte.

      Ach ja, da war halt die SPÖ aus purer Machtbesessenheit zu feige, die unselige Sinowatz/Steger Koalition aufzukündigen und es gab ja auch keine linken Zurufe aus dem Ausland!

  8. Da muss man genauer sein. VdB versprach, keinen KANZLER Strache angeloben zu wollen. Vor einem Jahr noch schien dieses Szenario ja möglich zur sein, als die FPÖ in Umfragen auf dem ersten Platz lag. Insgeheim dürfte er vielleicht nicht unglücklich darüber sein, dass ihm eine große Gewissensnot erspart geblieben ist.
    Und gewählt wurde er vor allem deshalb, weil es einen Mitbewerber gab, dem zugetraut wurde, er würde, anders als alle bisherigen Präsidenten, von den Befugnissen, die ihm die Verfassung einräumt auch rücksichtslos Gebrauch machen. Bei VdB weiß man, dass er das nicht tut und dennoch ist es beruhigend, zu wissen, dass er die Notbremse ziehen kann, falls alle Stricke reißen sollten. Und auch da glaube ich, dass er sehr lange nachdenkt, bevor er sich wirklich dazu entschließt.
    Alles in Allem hat er seine Bewährungsprobe bestanden und der peinliche Ausrutscher von Frühjahr möge ihm verzeihen sein (auch wenn es viele Frauen gibt, die ihm aus naheliegenden Gründen nicht verzeigen wollen).

  9. Leider muss ich Ihre Einschätzung des von mir gewählten Präsidenten teilen. Nur weil einer langsam spricht, ist er noch nicht intelligent, vgl. z.B. seine Kopftuch-Wortspende.

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