Nationales geschwärztes Liedgut

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H.C. Strache (Burschenschaft Vandalia) glaubt seinem niederösterreichischen Spitzenkandidaten Udo Landbauer (Burschenschaft Germania) so uneingeschränkt, dass er keine Ahnung von den Liedern seiner Burschenschaft hatte, wie Landbauer ihm glaubt, dass er drei Finger zum Bestellen von drei Bier und nicht zum Hitlergruß der Neonazis erhoben hat.

Herbert Kickl, ausnahmsweise kein Burschenschafter sondern nur FP-Innenminister, hält Ermittlungen gegen Landbauer für “ziemlich ausgeschlossen” hat der sich doch “uneingeschränkt” von der Germania distanziert, indem er seine Mitgliedschaft nicht vielleicht aufgekündigt, sondern “ruhend gestellt” hat. Denn antinazistisch wie sie ist, hat sich natürlich auch die Germania uneingeschränkt vom “abartigen Inhalt” ihres Liederbuches distanziert, den Hersteller preisgegeben und versichert, dass die entsprechenden Textstellen bei allen in ihrem Besitz befindlichen Exemplaren geschwärzt seien.

Funktioniert wenigstens die Justiz?

Die Vorstellung, dass Sebastian Kurz bei der Erkenntnis erschrecken könnte, aus welchem Milieu die Leute kommen, mit denen er sich da aufs gemeinsame Regieren eingelassen hat, kann man sich abschminken: Er hat mit dem gewohntem Teflon-Lächeln versichert, dass alles klar und allen Beteiligten zu vertrauen ist.

Fraglich ist eigentlich nur, ob die Justiz unter ihrem freiheitlichen Justizminister Josef Moser noch unabhängig funktioniert.

Wenn das so ist, hat die Staatsanwaltschaft in den Räumen der Germania und bei ihren Funktionären unverzüglich Hausdurchsuchungen durchzuführen, um nicht nur zu prüfen, ob sich dort weitere geschwärzte oder nicht geschwärzte Kopien des in Leder gebundenen Liederbuchs finden, sondern ob es dort andere Materialien ähnlichen Zuschnitts gibt.

Ermunterung zum künftigen MassenMord

Der Text stellt ja nicht nur nationalsozialistische Widerbetätigung in der eindeutigsten Form, nicht nur Volksverhetzung, sondern Ermunterung zum künftigen Massenmord dar. Der Verdacht der Begehung dieser Delikte erstreckt sich selbstverständlich sowohl auf die Burschenschaft als Ganzes wie auf ihre Spitzenfunktionäre, gegen die selbstverständlich Erhebungen einzuleiten sind. Dass Udo Landbauer 11 Jahre war, als das Liederbuch in Umlauf gebracht wurde, sagt nicht das Geringste darüber aus, was er über den Umgang damit weiß. Dass Stellen angeblich oder wirklich geschwärzt wurden, besagt ja, dass sie irgendwann sichtbar waren. Es sind also alle Personen zu vernehmen, die mit dem Auftrag zu diesem Liederbuch, seiner Redaktion, seinem Druck, seiner Bezahlung, seiner in Umlauf Bringung und Verwendung in irgend einem Zusammenhang gestanden sind.

In jedem andern Fall verletzt die Justiz ihre Amtspflicht.

 

 

 

 

 

 

 

5 Kommentare

  1. Hallo, man sollte diese Nazis möglichst rasch wieder vom offiziellen Österreich verschwinden lassen. Doch sie wurden leider demokratisch gewählt. Wir haben daher diese Regierung verdient und müssen sie aussitzen. Eine gesunde Demokratie muss das aushalten…

    1. Sie wurden wahrscheinlich auch nicht wegen solcher Liedtexte gewählt. Davon kann man ausgehen. Da muss es wohl andere Gründe gegeben haben …

  2. Dass in dem Burschenschafter-Singbuch scheiß-Texte stehen, stoßt wahrscheinlich auch hartgesotten FPÖ-ler bitter auf. Diejenigen, die das wirklich singen (oder gar kennen), schätze ich auf einige Hundert in Österreich und die werden uns – deshalb – nicht in finstere Nazi-Zeiten hinführen. Was sich derzeit auf Wiens Straßen – auch gegenüber der Polizei – abspielt, ist jedoch eine andere Geschichte …

    Was natürlich auffällt, ist, dass diese Sache einige Tage vor Landtagswahlen “großes Thema” ist.

    Aber wenn man über “böse” Textpassagen spricht, darf man auch “heiligen Schriften” nicht vergessen. Was so alles in der Bibel steht, ist auch nicht ohne. Aber gut, haben wir doch über 5 Millionen “christliche Gläubige” im Land. Die will man doch nicht vor den Kopf stoßen …

  3. Scheinheiligkeit, du hast einen Namen: KURZ
    Also scheinheiliger geht es nicht mehr. Da holt sich “unser jüngster BK” diese braune Tuchent ins Bett und dann wundert er sich, dass er Flöhe hat? Ganz empört tut er gegen das Liederbuch der Burschenschafter. Als Kanzler könnte er ja auch Strache “ordentlich abkanzeln” aber das kann er nicht, weil er ihn ja dringend braucht, sonst kann er mit seiner unmöglichen Mannschaft gleich abtreten. Jetzt merken hoffentlich die letzten Türkiswähler, was sie uns und sich da angetan haben! Das hat anscheinend nicht einmal sein Einflüsterer Schüssel vorhergesehen, was da Österreich blüht. Ich kann mich nur wiederholen. Was sagte Hofer? “Sie werden sich noch wundern, was man alles kann!!!”

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