Deutschland kommt zu Verstand – kommt Deutschland zu Verstand?

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Donald Trumps Drohung mit Strafzöllen zeigt erste Wirkung

Ein Irrer, Donald Trump, scheint Deutschland zur Besinnung zu bringen. Seit er sich grundsätzlich die Vollmacht ausstellen ließ, von der EU Zölle von 25 Prozent auf Stahl und 10 auf Aluminium einzuheben, und nun mehr darüber verhandeln will, bei wem er dabei eine Ausnahme macht, wird in Deutschland zum ersten Mal immerhin diskutiert, worüber ich hier seit Monaten schreibe und der deutsche Wirtschaftswissenschaftler  Heiner Flassbeck seit Jahren schreibt: Dass der permanente deutsche Exportüberschuss via Lohndumping ein handelspolitisches Grundproblem darstellt.

Ich habe meinen Ohren nicht getraut, als ich im ZDF einen Kommentar gehört habe, der aus meiner Feder kommen könnte: Dass den deutschen Mehrexporten zwingend Mindereinnahmen im „Süden“ gegenüberstehen. Dass dessen Exporte nach Deutschland schwer wachsen können, wenn Deutschland mittels „Lohnzurückhaltung“ seine Kaufkraft minimiert. Dass der deutsche Handelsbilanz-Überschuss gegenüber den USA drei Mal so hoch wie der des riesigen China ist und der amerikanische Präsident sehr wohl ein Interesse daran haben muss, diesen Zustand in den Griff zu bekommen.

Die WTO erlaubt die Gegenwehr der USA

Ich füge an: Die Verfassung trägt ihm auf, ein permanentes Handelsbilanzdefizit gegenüber wesentlichen Partnern abzubauen. Und nur wer von der WTO keine Ahnung hat, meint, dass deren Regeln das verbieten. Das Gegenteil ist der Fall: In Paragraph 12 gesteht sie jedem Land ausdrücklich zu, Importzölle zu verhängen um Handelsbilanz-Ungleichgewichte abzubauen. Seine Partner sind sogar verpflichtet, es dabei zu unterstützen.

Deutschland ist überzeugt, seine Überschüsse ausschließlich auf Grund seiner überlegenen Technologie und natürlich seines überlegenen Fleißes zu erzielen. Es scheint unendlich schwer zu begreifen, dass man dann, wenn man sowieso über eine jedenfalls hervorragende Technologie verfügt, nicht auch noch „Lohnzurückhaltung“ üben darf, weil man damit einen extremen Lohnstückkosten-Vorteil – auch zu Lasten des Wohlstandes der eigenen Bevölkerung – erzielt und weil man damit jedes andere Land in seinen Möglichkeiten beschneidet, mehr nach Deutschland zu exportieren.

Deutschland musste auf Widerstand stoßen

Das muss den Widerstand dieser übervorteilten Länder hervorrufen. Donald Trump hat vorgeführt, dass die USA sich selbstverständlich wehren können.

Leider hat es erst dieser Machtdemonstration eines psychisch und intellektuell Minderbemittelten bedurft, um die Deutschen dazu zu bewegen, ihren Verstand zu gebrauchen und vielleicht zu erkennen, dass sie es sind, die einen wirtschaftspolitischen Holzweg beschritten haben.

Jedenfalls hat Angela Merkel in einer ersten Stellungnahme angedeutet, dass es vielleicht gar nicht so schlecht für ihr Land sein könnte, wenn seine Bewohner besser verdienen.

Ihre „Wirtschaftsweisen“ haben den permanenten Überschuss freilich gleich wieder verteidigt. Ökonom Flassbeck meinte dazu in einer Klarheit, die ich nicht riskiere: „Es ist erstaunlich, wie dumm Weise sein können.“

4 Kommentare

  1. Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!
    Einerseits verstehe ich Ihre Argumentation Herr Lingens.
    Es ist eine Frage der internationalen Solidarität, zurückzutreten wo es Notwendig ist und den Anderen wenn nötig den Vortritt zu lassen. Also auf Deutschland umgemünzt: nicht so fleißig zu “ruachln”, sich mehr zurückzulehnen und über höhere Löhne und damit höhere Ausgaben im Ausland die Handelsbilanz auszugleichen.
    Im Privatleben haben wir ähnliche Phänomene: Da gibt es Leute die permanent und wie wahnsinnig danach trachten ihr Gehalt durch Überstunden zu erhöhen. Die dabei erledigte Arbeit und Leistung gelang anderen zum Nachteil – einerseits weil für sie nicht ausreichend Arbeit übrig bleibt (z.B. für Arbeitsuchende) und andererseits weil dadurch andere dazu angehalten werden, das selbe Leistungsneveau zu erreichen.
    Zum Zweiten gebe ich zu bedenken: Höhere Löhne in Deutschland erhöhen die Bereitschaft der Deutschen mehr Geld auszugeben – siehe oben. Dies für Produkte die sie vermutlich nicht so dringend benötigen da sie sie ansonsten ja schon gekauft hätten. Das stresst die Umwelt hier und anderswo. Weiters erhöht das die Bereitschaft der Deutschen für die selben Produkte und Leistungen mehr auszugeben und erhöht somit Preise z.B. der Konsumgüter. Dies insbesondere auch in Österreich, wo wir sehr eng mit der Deutschen Wirtschaft verbunden sind und das Preisniveau z.B. zwischen Freilassing (Deutschland) und Salzburg (Österreich) für uns Österreicher negativ ist.
    Höhere Lohnniveaus wirken inflationstreibend. Das kann durchaus auch positiv gesehen werden so lange man es im Griff behält.
    Ich für meinen Teil denke mir als Pensionist, daß ich dadurch für die benötigten Güter und Leistungen (z.B. die Installateurstunde etc.) mehr als bisher bezahlen werde müssen. Und dies bei – wie die Erfahrung der letzten Jahre lehrt – nicht synchron angehobener ASVG-Pension.

    1. Lieber Herr Walderdorff.
      Danke für Ihren Beitrag. Ich stimme mit Ihnen ganz überein. Ein ganz wichtiger Punkt ist, das sie sagen, mehr Konsum würde die Umwelt belassen. Hier möchte ich noch ergänzen.

      Ja genau deswegen muss Deutschland sich ökosozial wandeln.
      In Deutschland muss mehr nachhaltig im Sinne des Pariser Klimaabkommens konsumiert, investiert und produziert werden. Die Deutsche Autoindustrie ist der größte Verhinderer der europäischen Elektromibilitätswende. Das weiß ich aus ganz genauer Beobachtung des E-Mobil-Marktes über die letzten 5 Jahre.

      Und warum konsumieren und produzieren die Deutschen viel weniger nachhaltige Bio-Lebensmittel als wir Österreicher?

      Also es muss zu einem solarwirtschaftlichen Wandel und einer ökosozialen Erneurung in Deutschland kommen.

      Dann könnte ruhig mehr und besser in Deutschland konsumiert werden. Auch ein ordentliche City- und Autobahnmaut, ökologisch orientiert wie etwa in Norwegen oder Schweden für Deutschland würde den Klimazielen und ganz Europa dienen. Weil es nicht so billig wäre auf zerfallenden deutschen Straßen- und Schienenetzen billigst Güter hin- und her zu schieben.
      Und die deutschen Kohlekraftwerke, die billigst Strom erzeugen, endlich abschalten, etc. Die ökosoziale Nachaltigkeitsliste liese sich lange fortsetzen

      Leider wird Frau Merkel das wohl nicht schaffen wollen. Was meinen Sie?

  2. Was man den deutschen Bürgern erklären sollte, ist, dass Überschüsse in der Leistungsbilanz notgedrungen zur Kapitalexporten, d. h. Erhöhungen bei Brutto-Auslandsvermögen, führen. Anders ausgedrückt: als Weltrekordler bei Leistungsbilanzüberschüssen ist Deutschland notgedrungen auch Weltrekordler bei Vermögen, die es dem Ausland in irgendeiner Form zurückgeben muss, sei es als Auslandsinvestitionen und/oder als Kredite an das Ausland.

    Die Brutto-Auslandsinvestitionen von Deutschland liegen derzeit bei weit über 8 Billionen Euro! Das ist fast das Dreifache einer jährlichen Wirtschaftsleistung!!! Vermögen im Ausland sind mit Risken verbunden. So schätzt man z. B., dass Deutschland seit der Finanzkrise mindestens 500 Mrd. Euro an Auslandsvermögen verloren hat (sub-prime, Bernie Madoff, Island, etc. etc.). Diese Verluste sind dem Bürger insofern nicht wirklich bewußt, weil sie in den Bilanzen von Banken, Versicherungen, Unternehmen, etc. stehen. Es sind aber trotzdem Verluste der nationalen Volkswirtschaft.

    Den deutschen Bürgern, die so stolz auf ihre externen Überschüsse sind, ist wahrscheinlich nicht bewußt, welche Risken in diesen Auslandsvermögen schlummern. Dass möglicherweise Deutschland in Zukunft, wenn es auf diese Vermögen zurückgreifen muss (Pensionen, etc.) nur mehr einen Teil davon zurückbekommen wird.

    Ich glaube, auf diese Weise sollte man den deutschen Bürgern klar machen, dass es in ihrem ureigensten Interesse ist, für mehr Ausgleich in den externen Salden zu sorgen. Leistungsbilanzüberschüssler haben den Vorteil, mehr Arbeitsplätze und viel Cash zu haben. Der Preis, den sie dafür bezahlen müssen, ist, dass sie das Ausland finanzieren müssen.

  3. Ich bin Herrn Lingens unendlich dankbar für die ökonomische Bildungs- und Volksaufklärung die er im Falter, und hier in seinem Blog betreibt.

    Viele junge Europäer außerhalb des deutschen “Medien- und Nachrichtenschirms” sehen und erleiden selbst die Folgern der von deutschen Wirtschaftweisen dominierten EU, wie sie Herr Lingens beschreibt.

    Damit nicht die ganze restliche EU wie Ungarn wird, damit nicht in Frankreich Le Pen an die Macht kommen muss, um der die deutschen Großfirmen begünstigende EU entgegen zu treten, muss sich die EU zu einer an Chancengerechtigkeit orientierten, in Friedensprojekte investierenden Wirtschaftpolitik, hinwenden.

    Diese Bürger, es sind derzeit an die 65.000 Eingeschriebene, haben eine demokratische paneuropäische Bewegung gegründet, um allen einfachen Bürgern der EU, auch denen im Süden, mehr wirtschaftliche Chancen zu ermöglichen.

    Wir würden gerne Herrn Lingens um Rat fragen wie wir diese wahrhaft solidarische Wirtschaftspolitik auch in Österreich und Deutschland salonfähig machen können.

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