Der verfehlte Rückzug des Matthias Strolz

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Die Rede, die Matthias Strolz gehalten hat, um seinen Rückzug aus der Politik zu begründen, hat meine Erachtens nur gezeigt, wie unverzichtbar er für die Neos ist. Es gibt unter ihnen niemanden, der so reden könnte, der mit Worten und Gesten soviel Anstand, Aufbruch und inneres Feuer vermittelt.

Ich halte das Parteiprogramm der Neos zwar für anständig und ansprechend, aber Lösungen für die großen wirtschaftlichen, oder die großen, politischen Fragen der Zukunft sind dort so wenig zu finden, wie in den Programmen irgendeiner anderen Partei. Eigentlich war Strolz selbst, und waren die Menschen, die er um sich zu versammeln vermochte, ihr größtes Kapital. Ihm, nicht der Partei, hat man mit Abstand am ehestens zugetraut, zukunftsweisende Lösungen zu finden.
Daher halte ich seinen Rückzug für eine Katastrophe für die Neos und einen schweren Schaden für die politische Landschaft Österreichs. Nicht zuletzt angesichts der Schwäche der SPÖ unter Christian Kern, wären die Neos unter Strolz` Führung meines Erachtens am ehesten zu erfolgreicher Opposition gegen Türkis-Blau geeignet gewesen. Statt dessen können Kurz&Strache am 30 Juni zweifellos eine weitere Flasche Champagner entkorken.

Ein schwergewichtiger Gegner ist weg.

Ich weiß, dass ich im Sinne Strolz` etwas völlig anderes schreiben sollte: Dass jede Person ersetzbar ist; dass es nicht um Personen sondern um Ideen ginge; dass Strolz` Nachfolgerin oder Nachfolger doch eine Chance verdient usw.
Aber als Journalist muss ich schreiben, was ich für sachlich richtig halte: Nicht jede Person ist ersetzbar; Personen sind wichtiger als Parteiprogramme; ich sehe unter den potentiellen Anwärtern auf Strolz` Nachfolge niemanden, der auch nur annähernd seine Strahlkraft besitzt.
Ich glaube, dass er den Neos und Österreich einen großen Dienst erwiese, wenn er seinen Rückzug noch einmal überdenkt.

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9 Kommentare

  1. Ich bin Ihrer Meinung, es ist gut, dass Sie das jetzt schreiben. Ich hoffe, Herr Strolz erkennt, wie unverzichtbar er für die derzeitige politische Landschaft in Österreich ist. “Macht braucht Kontrolle” ist keine leere Worthülse, aber dazu sind Männer wie Herr Strolz gefragt.

    1. Das Strolz nicht freiwillig und völlig unvorbereitet für alle zurück tritt ist offensichtlich. Dass er für die Neos NICHT ersetzbar – ist ebenso.
      Ich wähle die Neos nicht, aber Strolz wurde in der kurzen Zeit ein politisches Schwergewicht und hat im Parlament immer sein “Herz auf der Zunge getragen” und es war ein Genuss im zuzuhören. Und er hat sehr oft auch recht gehabt mit dem was er von sich gab.

  2. Vor allem setzt Meinl-Reisinger ständig auf SPÖ – angriffe. Frag mich nur, mit wem sie mal koalieren will. Strolz hat gesehen, dass seine vision, mit der ÖVP zu gestalten, obsolet ist. Geht nimmer. Also abgang. Sein steckenpferd, die Bildung, kann er für lange an dem Nagel hängen. Wenn nicht für immer. Das ist aufgrund der Ideologie von kurz/Strache aussichtslos. Ergo.

  3. Seh ich ganz genauso. Ewig schade. Sein Rückzug bedeutet für das zarte liberale Pflänzchen sehr wahrscheinlich den Tod. Als Zugpferd ist Strolz nicht zu ersetzen. Die an ansprechenden Persönlichkeiten nicht gerade reiche österr. Politik verliert einen Anständigen. Wie groß der Energieverbrauch einer One-man-Partei aber wirklich ist, vermag sich ein Außenstehender vermutlich gar nicht vorzustellen, geschweige denn zu beurteilen.
    Die meisten Spitzenpolitiker verpassen den Absprung und werden irgendwann vom Hof gejagt. Strolz geht freiwillig aber eindeutig zu früh.

  4. Danke für diese Worte. Es erfüllt einem allmählich mit Sorge, welche politischen Schwergewichte sich in den letzten Monaten zurückgezogen haben. Man muss keiner ihrer Parteigänger gewesen sein, um sich angesichts ihrer Leistungen für unser Land (unsere Stadt) und ihrer Strahlkraft im Klaren zu sein, welche Verluste das für Österreich – gerade jetzt – bedeutet. Matthias Strolz hat gezeigt, wie Oppositionspolitik zu sein hat, sachlich, auch mit Witz aber ohne prinzipielle Polemik und auch mit positiven Gegenvorschlägen als Muster für die politischen Akademien aller Couleurs. Gerade dieser Mann will sich jetzt zurückziehen ! Herr Strolz, sind sie von allen guten Geistern verlassen ? Sie werden hierzulande gebraucht – jetzt !

  5. Stimmt, der Champagner ist geöffnet im Bund, in Wien und bei fast allen Mitbewerbern der Neos – Cheers. P.S. Respekt, kaum einer wie Strolz kann so pointiert und emotional Heads setzen: “Ich bin der Pilot meines Lebens” – Respekt! Und: Er wird wieder kommen, daher muss er jetzt gehen. Dieses “Spiel” der Aufmerksamkeit hatte schon einmal ein anderer Politiker gefahren, mit Erfolg: “Ich bin da und auch schon wieder weg.”

  6. Anscheinend nehmen es doch einige genauso wahr … Aber auch seltsam, dass man in dieser Partei noch keine Nachfolger sieht, die diesen Geist annähernd ähnlich vermitteln

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