Über den Umgang mit Alkohol-Problemen

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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zum Rücktritt aufzufordern, weil er die EU zu durch sein Torkeln beim EU-NATO-Gipfel zur “Lachnummer” gemacht hätte, ist sicher nicht die Form, mit einem solchen Problem umzugehen. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat FP- Generalsekretär Harald Vilimsky zu Recht dafür kritisiert.

Allerdings gibt es keinen Brüssel-Insider, der nicht um Junckers Alkohol-Problem weiß. Auch wenn Juncker in seiner Funktion in vielen Fällen ebenso sachkundig wie geschickt agiert hat, ist seine Alkohol-Krankheit eine reales Problem, so wie sie das bei Boris Jelzin, einem anständigen, intelligenten und vergleichsweise demokratisch gesinnten russischen Staatschef gewesen ist.

Dieses reale Problem besteht unabhängig davon, ob Junker bei der Nato-Tagung tatsächlich alkoholisiert war, oder, wie er behauptet, an Ischias litt.

Ein verantwortungsbewusster EU-Politiker hat das Recht, wenn nicht sogar eine gewisse menschliche wie politische Pflicht, sich EU-intern für eine möglichst schonende, erfolgreiche interne Bewältigung dieses Problems einzusetzen. Öffentliche Rücktrittsaufforderungen a la Vilimsky behindern diese erfolgreiche Bewältigung.

9 Kommentare

  1. Boris Jelzin, war nicht nur “ein anständiger, intelligenter und vergleichsweise demokratisch gesinnten russischen Staatschef”, sondern hat sich überhaupt nicht bereichert. Ein echter Vater des sowjetischen Wirtschaftswunders (halt nur für die Firma-Familie. Aber wer seiner Familie Gutes tut ist ja auch bewundernswert.)

  2. Was soll diese anmaßung. NIEMAND geht das irgendwas an, niemand mzss sich um sein “problem” kümmern. Er macht seine Arbeit. NIEMAND weiß, ob eines oder mehrere unserer Revierungsmitglieder koksen,kiffen oder saufen oder sogar ohne Drogen derartige perturbationen erleiden. Punkt. Unerträglich. Ein amerikanischer Präsident war Alkoholiker gewesen. Was Trump ist, wissen wir nicht. Und…….

  3. zu Ihrer einschätzung von b.jelzin (über die ich mich zutiefst wundern muß!) will ich mich gar nicht weiter äußern. zum verhalten von VdB. : ja und nein. jeder kleine maurer muß sich in einer derartigen situation mit einer saftigen abmahnung konfrontiert sehen. aber: 1: quod licet jovi… und 2. hr. junker ist mir im sturzbetrunkenen zustand wahrscheinlich noch immer lieber, als so manch anderer.

    de facto ist es nicht wirklich sachdienlich, hier so mit dem brecheisen einzudreschen, wie es VdB nun mal gerne macht.

  4. Warum hat sich unser Bundespräsident nicht aufgeregt, als vor einigen Wochen SPÖ Vorsitzender Kern Bundeskanzler Kurz & Vizekanzler Strache als “zwei Besoffene” beschimpfte?

    Kann sich Kern alles erlauben?

  5. Mir ist es eigentlich herzlich egal, ob Herr Junkers ein Alkoholproblem hat oder nicht. Alkoholismus ist ebenso ein med. Problem wie etwa Is hias, nur schwerer in den Griff zu bekommen wie etwa ein Ischiasleiden. Worauf Herr V. hier abzielt ist die Diskreditierung der EU. Als Vertreter einer Regierungspartei eines Landes, das den EU Ratsvorsitz hat, ein no go. Menschlich sowieso.

    1. Um das Problem der Alkoholkrankheit in einem heiklen Amt etwas hautnäher zu beleuchten: In schweren Phasen seiner Krankheit hat der Betroffene nur in wenigen Stunden des Tages die Fähigkeit klar zu denken und notwendige Entscheidungen richtig zu treffen.
      Es werden von ihm aber täglich Duzende solcher Entscheidungen verlangt.
      Dass ihm dafür zu wenig Zeit zur Verfügung steht, war weder bei diesem oder jenem Wiener Bürgermeister unproblematisch, noch ist es das bei einem Präsidenten Russlands oder der EU-Kommission.
      Vilimski hat in der falschen Form auf ein durchaus ernsthaftes Problem hingewiesen.

  6. Ein einfacher “Hackler” bekommt – nach vorhergehenden Abmahnungen – die “Fristlose”, wenn er sich in einem solchen Zustand am Arbeitsplatz aufhält. Junckers Alkoholproblem ist bekannt. Aber wer mahnt ihn ab? Merkel? Macron? …?

    Ehrlich: Glaubt wirklich wer den Ischias-Schmäh?

    Vilimkys Rücktrittsaufforderung mag unhöflich gewesen sein, ist aber sachlich gerechtfertigt.
    Unser Herr Bundespräsident mahnt jetzt deswegen die Regierung. Eigenartig: Wie vor einigen Tagen ein Gewerkschafter vom “Wegputschen der Regierung” gesprochen hat, hat er geschwiegen unser Herr Bundespräsident. Das jetzige Schweigen vom Kanzler abwärts wird allerdings – auch öffentlich – von VdB kritisiert.

    Trump – dieser talentbefreite Präsident – hat wenigstens zugegeben, dass er bei Putin Scheiße gesagt hat. Kann Junker nicht eingestehen, dass er an diesem Tag betrunken war und dass er sich in Zukunft zusammenreißen wird?

    Meine Einschätzung: Wieder mehr “einfache Menschen” drängt es emotional (weiter) aus der EU. Da kann die “Intelligenzia” noch so die Mauer machen …

  7. Ob EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker betrunken war oder ein Rückenleiden hatte, ist egal. Beide Erkrankungen haben den gleichen Wert, sie werden als Krankheit (Sucht, Bewegung und Stützapparat) anerkannt und auch medizinisch behandelt.
    Der miese Anwurf von FPÖ Generalsekretär Vilimsky richtet sich von selbst und ist zum Fremdschämen geeignet.
    Was die Information von Herrn Lingens über Jean-Claude Juncker betrifft, so hätte ich auf dieses “Insiderwissen” getrost verzichten können, denn der Vilimsky hat die “Causa” bereits hinausposaunt.

  8. Wirklich spaßig – eigentlich traurig – ist ja folgende Situation: Unsere “linke Reichshälfte” macht sich stark für einen konservativen EU-Spitzenpolitiker, der sich nachweislich für die Steuervermeidung von Konzernen in früheren Tagen federführend stark gemacht hat. Aber wenn es gegen die Blauen geht …

    Ich fürchte – das sage ich ehrlich -, dass die Rot-Grünen ganz lange weg vom Fenster sein werden. Aber wenn man (Politiker, Journalisten, Intellektuelle, …) in einer Blase lebt, hat man auch nichts gegen einen Alkoholabhängigen als EU-Kommissionspräsident, der uns irgendwelche G’schichtln reindrückt …

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