Als PR genial – ökonomisch goldrichtig

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Wahrscheinlich war es zwar ein PR-Gag, dass Kurz&Strache der Bevölkerung eine erfolgreiche Herbst-Lohnrunde wünschen – aber das ändert nichts an der ökonomischen Richtigkeit dieses Wunsches.

Als PR-Gag war der Satz, “Die Sozialpartner sollen sicherstellen, dass die Arbeitnehmer von der guten wirtschaftlichen Entwicklung in unserem Land profitieren” genial:

  • er suggeriert, dass diese “gute wirtschaftliche Entwicklung” auf der Arbeit der Regierung beruht – obwohl jeder Ökonom weiß, dass sie nur von den Vorgängerregierungen grundgelegt worden sein kann.
  • der durch den ” Zwölfstundentag” entstandene Eindruck, die Regierung sei arbeitnehmerfeindlich wird in sein Gegenteil verkehrt indem suggeriert wird: Weil wir die Wirtshaft so effizient gestalten, indem wir ihr beispielsweise den Zwölfstundentag zugestehen, können jetzt so hohe Gehaltsabschlüsse stattfinden. In Wirklichkeit führt die möglich gewordene 60 Stundenwoche nach wie vor zu Einkommensverlusten, weil sich die Zahl der Überstunden verringert.
  • und wenn die Gewerkschaft tatsächlich einen höheren als die vergangenen Lohnabschlüsse durchsetzt, ist ihr die Möglichkeit des Triumphierens genommen. Denn es wäre geradezu peinlich, wenn sie nicht durchsetzt, was selbst die Regierung für berechtigt hält.

Eine grundrichtige Aussage- aus welchem Motiv immer

Aber alle diese PR-Gewinne ändern nichts daran, dass die Aussage, dass die Arbeitnehmer von der wirtschaftlichen Entwicklung profitieren müssten, ökonomisch goldrichtig ist.

Das Zurückbleiben der Löhne hinter der Produktivität ist das zentrale ökonomische Problem der EU. Denn damit bleibt u.a. jene Kaufkraft der Massen zurück, die eine der wichtigsten Voraussetzungen für erhöhten Konsum darstellt, der seinerseits eine der wichtigsten Voraussetzungen für vermehrte Verkäufe darstellt. Und nur vermehrte Verkäufe bedingen Wirtschaftswachstum.

Henry Ford hatte eben sowohl volkswirtschaftlich wie im Sinne seines eigenen Unternehmens Recht als er sagte: “Meine Arbeiter müssen gut verdienen, damit sie meine Autos kaufen können.”

Die Metallindustrie verträgt und braucht höhere Löhne

Die Arbeitgeber der Metall-Industrie haben sowohl volkswirtschaftlich wie im Sinne ihrer eigenen Unternehmen Unrecht, wenn sie die gewerkschaftlichen Forderung “realitätsfremd” nennen: Höhere Löhne der Metaller lassen sie mehr Metallwaren einkaufen und Österreichs Lohnstückkosten sind mehr als konkurrenzfähig. Wenn behauptet wird, dass 20 Prozent der Betriebe an der Grenze ihrer Möglichkeiten sind (was durch keinerlei Daten belegt ist) dann ist es höchste Zeit dass diese schlecht funktionierenden Betriebe zu Gunsten von Marktanteilsgewinnen der gut funktionierenden zusperren bzw. erfolgreich fusionieren. Auch das zählt zum volkswirtschaftlichen Sinn einer angemessenen Lohnpolitik: dass sie die Struktur der Wirtschaft verbessert.

Doppelt so hohe Lohnabschlüsse wären das Beste

 Um die wirtschaftlichen Probleme der EU zu beenden, müssten die Lohnabschlüsse in Österreich, Holland, der Schweiz, aber vor allem Deutschland derzeit etwa in der doppelten der bisherigen Höhe stattfinden, um die in den letzten zwanzig Jahren dennoch erzielte Produktivitätssteigerung zu egalisieren: Um soviel Mehr-Einkünfte zu schaffen, dass die Mehrproduktion innerhalb dieser Länder von der eigenen Bevölkerung gekauft werden kann, statt dass sie in immer größerem Ausmaß exportiert werden muss, wo die Bevölkerung anderer Länder sie auf Pump kauft.

Österreich kann mit dieser Verdoppelung leider nicht vorangehen, solange Deutschland sie verweigert, denn Deutschland ist sein größter Handelspartner. Aber es ist schon ein Segen, wenn Österreich das Zurückbleiben der Löhne wenigstens nicht linear prolongiert.

Die Opposition sollte lauthals zustimmen, statt zu schäumen

Die Opposition sollte also nicht schäumen, sondern die Regierung zum Gefangenen ihrer eigenen Aussagen zu machen: Die Gewerkschaft muss versuchen, die geforderten 5 Prozent tatsächlich durchzusetzen, indem sie den Speer gegenüber den Arbeitgebern umdreht: ” Ihr werdet doch keine Lohnerhöhungen ablehnen, die selbst die Regierung für gerechtfertigt hält.”

Ein paar dumme Arbeitgeber werden Kurz& Strache ihre Aussagen dann übelnehmen – aber in der Sache bleiben auch Lohnerhöhungen dieser Größenordnung richtig. Sie werden Österreichs Wirtschaftswachstum ankurbeln, nicht behindern.

Kurz& Strache sind also kein ökonomisches Risiko eingegangen – ihr einziges Risiko besteht darin, dass der Ausgang der Gehaltverhandlungen ihre Aussage zum reinen PR-Gag degradiert.

2 Kommentare

  1. Dass die Gewerkschaft über die Einmischung der Regierung sauer ist, kann ich gut nachvollziehen. Denn was wird passieren?
    Variante 1: Es gibt einen hohen Lohnabschluss: Die Regierung verkündet stolz, dass dieser natürlich nur wegen ihrer Stellungnahme zustande gekommen ist. Leider glauben viele, auch Betroffene, solche Behauptungen und meinen daher, dass eine Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft unnötig wäre.
    Variante 2: Die Arbeitgeberseite bleibt dennoch stur und der Abschluß bewegt sich im Rahmen der bisherigen: Die Regierung verkündet, dass die Gewerkschaft unfähig wäre, wo sie denn so eine gute Steilvorlage geliefert hätte. Deshalb müssen Lohnerhöhung in Hinkunft von der Regierung festgesetzt werden. (Klingt momentan etwas überzogen, läuft aber darauf hinaus.) Alternativ werden die Verhandlungen auf die Betriebsebene (was einer Forderung der Arbeitgeber entspräche) bzw. gar auf den einzelnen Arbeitnehmer verlagert.

  2. Auch hier:”Dem Volk auf’s Maul geschaut”. Zumindest dem “noch” arbeitenden! SIE schaffen das, die zwei stets harmonierenden”Chefs” im “hohen Haus”!

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