“Ich bin nicht Christian Kern”

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Pamela Rendi -Wagner hatte Montag in der ZIB2 die erste größere TV-Konfrontation nach ihrer Kür zur Vorsitzenden der SPÖ zu bestehen. Mein Urteil ist geteilt.

Armin Wolf fragte sie im Wesentlichen warum sie glaube, in dieser Funktion besser abzuschneiden als Christian Kern, obwohl sie wie er eine urbane, in der Partei nicht verankerte Quereinsteigerin ohne politische Erfahrung sei. Sie antwortete im Wesentlichen: “Ich bin nicht Christian Kern”, begründete das aber recht geschickt mit ihrem Beruf als Ärztin der erfordere, dass man auch zuhöre und auf Menschen zugehe.

Wie die ihr in der Ausstrahlung sehr ähnliche NEOS -Obfrau Beate Meinl -Reisinger sprach sie etwas zu schnell, aber durchaus selbstbewusst und bestimmt.

Premiere gelungen.

Freilich nur wenn man davon absieht, was sie inhaltlich an Neuem von sich gab. Im abschließenden Frage-Rap, in dem sie eigentlich nur mit Ja oder Nein antworten sollte, aber stets weit mehr Worte gebrauchte, bekannte sie sich wie erwartet zu “Gesamtschule” wollte aber auf keinen Fall “Ja” sagen, als sie gefragt wurde, ob sie für “Erbschafts- und Vermögenssteuern” eintrete – da ginge so erklärte sie, die Entlastung der Löhne vor.

Die einzig ökonomisch vernünftige Antwort, die wohl auch Christian Kern gegeben hätte, und zu der sie ausreichend Zeit hatte, hätte gelautet: “Ja, ich treten für Erbschafts- und vermögensbezogene Steuern ein, weil sie der einfachste Weg sind, Steuern auf Löhne im gleichen Ausmaß zu senken.”

Ihre Zurückhaltung hatte freilich einen Grund: Die ÖVP hat es fertig gebracht durch absurde Behauptungen – “Rentnerinnen, die ihr Leben lang gespart haben, könne ihr mühsam Erspartes nicht ungeschmälert an ihre Enkerln weitergeben” – auch bei den einfache Leuten Ressentiments gegen die Erbschaftssteuer zu schüren. (Während ihr Schatzmeister Andreas Treichl im Standard erklärt, warum es eine sinnvolle Steuer ist und dass Erben, keine “Leistung” darstellt.)

Es kann für die SPÖ nicht sinnvoll sein, auf blödsinnige ÖVP-Argumente Rücksicht zu nehmen – Rendi-Wagner muss vielmehr jede Fernsehsekunde dazu nutzen, die (in Österreich ökonomisch extrem ungebildete) Öffentlichkeit wirtschaftlich aufzuklären.

8 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Lingens! Ich muss Ihren Beitrag präzisieren. Auf die Frage von Armin Wolf, warum man Joy Rendi-Wagner glauben sollte, antwortete sie:” Weil ich nicht Christian Kern bin.”
    Das heißt im Umkehrschluss, dass die designierte SPÖ Vorsitzende ihren Vorgänger als unglaubwürdig abkanzelt, der es mit der Wahrheit nicht immer genau nimmt.

    Und das Kuriose dabei ist, dass die SPÖ den unglaubwürdigen Christian Kern zum Spitzenkandidaten der EU Wahl nominieren will!

    Ja darf denn das wahr sein, demoliert sich die SPÖ selber?

  2. Andrea Treichl hat auch gemeint, die Leute sollten sich mehr Wissen über Aktien aneignen. Ja, und ich ergänze: über Betriebe ebenso. Zumindest das Prinzip sollten alle, ob selbständig oder angestellt, künstlerisch oder klerikal tätig, verstehen. So viel wie man interessierten Menschen in einem Tag, je 4 Stunden vor- und nachmittags, vermitteln kann. Es gibt wohl kaum jemand, dessen Leben nicht vom Geschehen in Betrieben beeinflusst würde.

  3. Der Hype um die – optisch attraktive – Frau Rendi-Wagner wird bald abklingen.
    “Hauptsache Frau” ist eindeutig zu wenig und absolut nicht mehrheitsfähig. Selbst die meisten Frauen – auch noch heute – wünschen sich eher einen “starken Mann”, der die politische “Führung” inne hat. Ich denke auch in der SPÖ. Nur war / ist dort niemand in Sicht.

    Das war auch mit ein Grund, warum die “Prinzessin” Kern gescheitert ist. Merkel und May sind – heute – auch abschreckende Beispiele.

    Kleine Anmerkung: Sobald “bessergestellte Sozis” ihre Kinder in Privatschulen stecken und sich nicht für “geschlossene Grenzen” einsetzen, wird das sehr lange nichts mit einer Kanzlerschaft der SPÖ. Ich bin ja gespannt, wie Wien in 10, 20, 30, … Jahren ausschauen wird.

  4. Sie ist nicht Kern – das stimmt.
    Aber sie ist “ein Produkt” dieser verlogenen Prinzessin. Sie kann einem Leid tun.
    Der Niedergang der SPÖ jedoch nicht … der ist schon selbstverschuldet.

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