Schreddern: Der kleine Unterschied

Indem er den Unterschied zwischen der Festplattenvernichtung unter Sebastian Kurz` und Christian Kerns Ägide präzise herausgearbeitet hat, hat Armin Wolf, Dienstag in der ZIB2 sein sicherlich Bestes getan, Kurz ein Schredder-Gate zu bereiten.

Ich glaube dennoch nicht, dass ihm das gelungen ist.

Was ist der Unterschied?: Unter Kern haben Mitarbeiter des Kanzleramtes sieben Festplatten sehr professionell, ohne jedes Aufsehen, schreddern lassen und dafür relativ viel Steuergeld bezahlt. Unter Kurz hat ein Mitarbeiter 5 Platten sehr auffällig – nervös, unter falschem Namen und unter persönlicher Anwesenheit – schreddern lassen und die vergleichsweise viel geringeren Kosten zu bezahlen vergessen.

Ich meine, dass sich dieser Unterschied ziemlich einfach erklären lässt: Die Kanzleramtsmitarbeiter die diese Aufgabe unter Kern übernommen haben, waren nicht nervös weil sie offenbar schon öfter mit eine solchen Aktion betraut waren. Der Mitarbeiter Kurz´ hat eine solche Aktion erstmals durchgeführt, wollte ja keinen Fehler machen und war daher besonders nervös.

Ich kann, trotz meiner mäßigen Sympathie für Kurz nach wie vor nicht sehen, wo er sich in der Frage des Schredderns falsch verhalten hätte. Ja ich verstehe sogar, dass er etwas irritiert war, dass man ihm einen Vorgang, der offenkundig bei allen Regierungsübergaben stattfindet, besonders angekreidet hat.

11 Kommentare

  1. Wenn jemand offiziell mit einem Auftrag und unter Angabe seines richtigen Namens erlaubterweise etwas vernichten lässt und dies anschließend auch regulär bezahlt wird, ist das allemal anders, als wenn jemand (zunächst eine, dann insgesamt doch 5!?) Festplatten offenbar ohne offiziellen Auftrag und ohne Wissen des Staatsarchives unter falschem Namen ohne Bezahlung Schreddern lässt.

  2. Die SPÖ verbeißt sich in diese Schredderei in der Meinung, damit politisch zu punkten.

    Und dabei vergißt sie ganz und gar Zukunftsideen zu präsentieren um dadurch wählbar zu werden.

    Mit dieser Strategie besiegelt die SPÖ ihre Niederlage.

  3. Jeder Regierung die abtritt, vernichtet ihre inofiziellen Unterlagen, Was störend bei der Kurz Regierung ist, dass diese den Beamten pauschal Untreue vorwirft. Dieser Vorwurf ist ungeheuerlich und zeigt das die Türkisen bzw. ÖVP kein Vertrauen in die Beamtenschaft hat.
    Die Medien stürzen sich auf ein echtes “Nudelthema” und zwischenzeitlich werden 125 Arbeiter und Angestellte von der VOEST abgebaut und Trump ist schuld. Keine Partei, auch nicht der ÖGB setzt gegen solch einen Personalabbau Massnahmen, das bedeutet, dass anscheinend die Menschen egal sind und wir uns mit Nebensächlichkeiten beschäftigen. Vor zwanzig Jahren hätte es Kurzarbeit gegeben, die Regierung hätte das Unternehmen für eine gewisse Zeit suventioniert und die “Hackler” hätten ihren Arbeitsplatz behalten. Jetzt bezahlt diese Menschen das AMS und wir beschäftigen und mit einem Mitarbeiter der ÖVP, der patschert agiert hat.

  4. Es ist etwas anderes , wenn jemand den offiziellen Weg geht oder es heimlich und inoffiziell macht . Das ist eindeutig dubios.
    Inge Auböck

  5. Offenbar versucht man künstlich einen Skandal von Ibiza ausmassen zu inszenieren.
    Man erreicht dadurch, dass die wirklichen Skandale, die diese Regierung verbrochen hat, ignoriert oder verharmlost werden.
    Besonders lächerlich ist die Aktion von Peter Pilz, Anzeige gegen jemanden zu erstatten, gegen den die Staatsanwalt genau wegen dieser Vorgänge bereits Untersuchungen eingeleitet hat.

  6. Ich habe die Wastl Hudelei richtig satt. Alle Medien scheinen in irgend einer Weise in finanzieller Abhängigkeit oder Erwartung zur türkisen ÖVP zu stehen. Die vorgetragene Politik der Umfärbung und Postenbesetzung in einem erschreckenden Ausmaß mit drastischer Erhöhung der Gehälter einhergehend. Die versuchte und schlimmstenfalls gelungene Zerstörung der Gebietskrankenkassen und der einmalig kostengünstigen und effizienten Selbstverwaltung wo sofort die türkis/blauen Funktionäre nach drastischer Erhöhung der Sitzungsgelder verlangt haben. Das wird unsere Kinder und Enkel finanziell noch schwer treffen, geht es doch nur um die Schlechterstellung der Versorgung zu Gunsten privater Gesundheitsversicherungen. Naiv wer sich beim Ex-Finanzminister Löger und Ex-dabei Uniqua General nichts denkt. Die eigene Klientel und ihre ohnehin besser gestellten Krankenkassen der Beamten-, Bauern, usw hat man nicht angerührt nach dem Motto “Heiliger Sankt Florian verschon mein Haus zünd´ das Andere an”. Alle GKK Versicherten sollten ihrem heiligen Zorn bei der kommenden Wahl auf hellblau/dunkelblau freie Bahn geben, so sie die kommenden Auswirkungen bemerkt und verstanden haben.
    Und dann noch der Versuch der Spaltung der Sozialpartnerschaft wie überhaupt der Zivilgesellschaft
    zu Gunsten ohnehin besser und sehr viel besser gestellter. Der Sozialstaat wurde gemeinschaftlich von den Sozialpartnern nach dem großen Krieg geschaffen angesichts des Elends und der Weitsicht von Politikern aus unterschiedlichen Lagern die teils auch miteinander von den Nazis ins KZ gesteckt worden waren.
    Reformen ja wo diese sinnvoll sind, aber Zerstörung der Wohlfahrt, jenen nehmen die ohnehin nichts haben, Alleinerzieherinnen mit Kindern, gesellschaftlich abgehängte, Menschen mit Beeinträchtigung, Mindestpensionisten und Mindestsicherungsbezieher das war bisher nicht denkbar.
    Aber diese jungen Yuppie “Alles geht” Politiker die nach dem Taschengeld der Eltern und Studium oder Parteiakademie direkt dicke Politiker Gehälter genommen haben, woher sollen die um die Sorgen und Probleme der Menschen wissen.

    Wer so eine Politik auf dem Rücken des großen Mittelstand abwärts betreibt ist nicht Regierungsfähig. Die Frage bleibt stehen ob das wohl viele die es massiv betrifft wohl auch verstanden haben.

  7. Lieber Peter, das seh ich auch so. Auch jeder Akt hat einen Skartierungsvermerk. Nach dem wird er von der zuständigen Stelle gelöscht oder archiviert. Wenn ich ihn einfach mitnehme und shreddere, wäre das zumindest ein Disziplinarverfahren.

  8. bin bass erstaunt über diese zeilen – als ob hier ein anderer geschrieben hätte. zeichnen sich doch ihre sonstigen beiträge, auch wenn ich ihre meinung nicht immer teile, durch eine sehr gute analyse und nachvollziehbare argumentationsstränge aus. “armin wolf tat sein bestes, kurz ein schreddergate zu bereiten” – haben sie ein anderes interview gesehen und/oder den falter nicht gelesen? “nervöser mitarbeiter, der keinen fehler machen wollte” – und dann wohl vor lauter nervös seinen namen vergisst, nicht zählen kann und aufs zahlen vergisst? und dieser nervöse mann ist ja nicht irgendeiner, sondern zählt angeblich zum türkisen inner circle – und das geschieht alles ohne wissen des jungen mannes, der dann später alt-bk wird? ernsthaft?

  9. Der Punkt an der Schredder-Affäre ist doch nicht die Tatsache, dass Daten aus dem Kanzleramt vernichtet wurden. Das Punkt ist, dass die Art und Weise, wie das unter vollkommener Paranoia an dem dafür vorgesehen Prozedere vorbei, passiert ist, den Verdacht nahe legt, dass auf diesen Festplatten Daten zu finden gewesen wären, die Korruption o.ä. in einem Ausmaß belegt hätten, das weit über das Maß hinausgeht, das man sich von einem Politiker in der Position von Kurz irgendwie sowieso erwartet. Insbesondere durch die zeitliche Nähe zum Ibizia-Skandal…

    Da die Daten vernichtet wurden, lässt sich das natürlicht nicht mehr überprüfen – deshalb wird Kurz jetzt die Vernichtung der Daten per se angekreidet.

  10. Der Unterschied: Kern hatte als gechäftsführender Bundeskanzler nicht tageweise, sondern wochenweise Zeit zwischen Wahlergebnis- Bekanntgabe und Einsetzen einer neuen Bundesregierung seine dubiosen Festplatten schreddern zu lassen, Kurz dagegen nicht einmal Sekunden, wenn er nicht seiner Amtsenthebung – in ;Minutenschnelle .- vorauseilend gehandelt hätte oder nacheilend noch tat.

  11. Laut Medienberichten betrugen die (ursprünglich nicht bezahlten) Kosten für das Schreddern von 5 Festplatten der ÖVP 76 Euro, das sind 15,20 Euro pro Festplatte. Das entspricht in etwa den marktüblichen Kosten, die ich im Internet recherchieren konnte. Ebenso laut Medienberichten betrugen die Kosten für das Schreddern von 7 Festplatten der SPÖ 2.100 Euro, das sind 300 Euro pro Festplatte.

    Mich wundert, dass niemand hinterfragt, weshalb die SPÖ mit Steuergeldern das 20-Fache eines Marktwertes bezahlt. Das ist vielleicht bei Festplatten nicht von großer Bedeutung, wenn aber das gleiche Prozedere bei größeren Projekten angewendet wird, dann geht es schon ins Geld. Interessant wäre, zu erfahren, ob es sich bei der von der SPÖ beauftragten Firma um eine SPÖ-Nähe handelt.

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