Arme Pamela

Ich halte Pamela Rendi-Wagner auch nicht für eine rasend geeignete Spitzenkandidatin der SPÖ. Es irritiert mich, wenn jemand zwei Monate braucht, um vorbeugende Sicherheitsverwahrung abzulehnen. Und Erbschafts- und sonstige Vermögensbezogene Steuern für nicht vordringlich zu halten, scheint mir wenig Einsicht in wirtschaftliche Probleme zu offenbaren.

Aber der Fachärztin und Exministerin Rendi-Wagner vorzuwerfen, dass sie in Frankreich in einem luxuriösen Strandclub ist, ist absurd. Da hätte man Bruno Kreisky mit seiner Villa in Döbling (die er billigst über die Wiener Städtische Versicherung erwarb) seinen Nadelstreifanzügen und seinem Rover nie die SPÖ anführen lassen dürfen. Ähnlich absurd ist der “Shitstorm” in den asozialen Medien, weil sie nicht will, dass das “Schnitzel zum Luxus” wird. Nicht dass das eine brillante Auseinandersetzung mit dem sehr ernsthaften Problem der durch den Fleischkonsum verursachten Klimaprobleme wäre, aber ein Verbrechen wider die Umwelt ist es auch nicht.

Wäre Rendi-Wagner in einer Almhütte abgestiegen, so hätte man ihr vorgeworfen, sich dem Bauer anzubiedern und hätte sie einen fleischlosen Tag gefordert, man hätte ihr Verbotspolitik vorgeworfen – sie kann zur Zeit nichts richtig machen.

 

 

 

10 Kommentare

  1. Ich denke, dass Frau Rendi-Wagner nicht nur die nicht Erfolg versprechende Frontfrau ist. Ich finde, sie hat große Probleme mit den starken “Hintergrundmännern” und dem Parteiapparat. Wo ist die klare Vision der SPÖ? Wofür steht sie? Für billiges Schnitzen? Für Besteuerung von Kerosin, kurz: Klimaschutz auch mit unpopulären Maßnahmen. Welche Haltung zu Zuwanderung und Flucht hat diese Partei? Die soziale Frage? Die Rolle des Staates als Wachstumsbremse oder Beschleuniger (angesichts sinnvoller “Belbungsinvestitionen”)?
    Kurz sagt nichts Inhaltliches, die “Schwiegersohngeschichte” und gerne gehörte allgemeine Aussagen (Sparen, “im System”, Schließung der Balkanroute, bewusst in Kauf genommenes Ersaufen lassen von Menschen in Not, Schuldenreduzierung, für Durschnitts- & Geringverdiener nicht verstehbare Scheinvorteile wie Familienbonus, viele Ankündigungen…) – Fotos mit den “Führern der “freien”(?) Welt…
    Vernünftige Klimapolitik (mit Wirtschaftsverstand) können die “Grünen” besser, Opposition mit Neoliberalismus-Touch die NEOS, die ehemaligen Regierungsparteien beherrschen straff rechte Politik mit intelligent verschleierten Zielen und einfachen Phrasen besser. “Wer kein Ziel hat, für den ist jeder Weg falsch” (denke sinngemäß von Viktor Frankl). Und auch jede*r Spitzenkandidat*in falsch.

  2. Was mich an Joy Rendi-Wagner so stört ist, dass sie als SPÖ Vorsitzende die Gesamtschule zwecks kultureller Durchmischung fordert, ihre beiden Töchter aber in eine katholische Privatschule schickt.

  3. Anscheinend ist Ihnen sehr geehrter Herr Lingens nicht´s besseres eingefallen, als die SPÖ Parteivorsitzende vor einen vermeintlichen Shitstorm zu schützen. Es ist doch völlig egal wo und wie sie urlaubt.
    Besser wäre es wenn Sie sich mit wichtigen Themen – wie z. B. mit der EU nach dem Brexit – beschäftigen würden.

  4. Natürlich ist es Unsinn von den Sozis zu verlangen, dass Sie im Papieranzug und Holzpantoffeln herumlaufen. Viktor Adler wurde die Sorgen um die Bestreitung seines Lebensunterhalts dank des Erbes seines Vaters erleichtert. Adlers Vater war einer der wenigen Gewinner des Börsenkrachs 1873 am Schottenring. Lenin hielt seine revolutionären Reden auf der hinteren Sitzbank seines offenen Rolls-Royce stehend. Der Oldtimer konnte bis zur Schließung des Lenin-Museums im roten Ziegelbau rechts beim Eingang zum Roten Platzes besichtigt werden. Wo sich das Gefährt heute befindet ist ein Geheimnis. Vielleicht spielen Putins Enkel damit?
    Es geht um etwas ganz anderes:
    Die Roten liegen am Boden und die Caffè-Engländer-Jean-d‘Arc macht auf Gunter Sachs in Saint Tropez an der Cote Acur. Das wäre so, wie wenn der Feuerwehrhauptmann von Wien sich während des Hofburgbrandes auf den Himalaya tragen lässt. Wir alle haben in Krisenzeit rund um die Uhr alles getan, um zu retten war zu retten ist. Nicht eine Sekunde dachten wir nur an einen einzigen Urlaubstag. Auf den Weg der SPÖ zur prozentuellen Einstelligkeit soll die Basis für eine rennen, die gleichzeitig Austern schlürft und im Champagner badet. Gut auf facebook verspricht die Nobelrote: „Wie müssen die Schwachen mitnehmen“. Wann geht der nächste Flug für die Proleten? Ach ja, dann fällt einem noch ein, dass die Nummer-1-Sozialistin Karl Marx für einen faulen Hund hielt.

  5. Das ist leider wahr aber “arm” ist Reni Wagner deshalb auch nicht. Für Politikerinnen liegt die Messlatte der Frustrationstoleranz sehr hoch – das weiß sie. Ich hoffe allerdings, dass sie nicht verbittert aus der Politik aussteigen werden wird. Noch kann ich mir unser Land ohne Sozialdemokratie nicht vorstellen.

  6. Der in der und für die Öffentlichkeit angekündigte Jesolo-Urlaub wird doch sicher noch drangehängt und entsprechend journalistisch aufbereitet werden.

  7. Natürlich ist es Prvatsache wo man im Urlaub sein ehrlich verdientes Geld ausgibt. Aber es zeugt wohl nicht von hohem politischen Feingefühl, so etwas als sozialdemokratischer Spitzenkandidat ausgerechnet im beginnenden Wahlkampf zu machen.

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