Korrekte Hilfe erspart die Depression nicht

Freunde von mir betreiben einen vermutlich vier Monate hindurch geschlossenen Kosmetiksalon. Derzeit haben sie aus dem “Härtefonds” tausend Euro erhalten. Das ist für nichts gut, selbst wenn sie ein viel kleineres Unternehmen hätten.

Im konkreten Fall müssen sie die anteiligen Kurzarbeitsgehälter für drei Angestellte vorfinanzieren und sollten wahrscheinlich auch die an ihrem Standort hohe Miete weiter bezahlen, denn sie könnten vom Vermieter zwar deren Stundung fordern, aber nach vier Monaten müssten sie den gestundeten Betrag mit 4 Prozent Zinsen abzahlen.
Sie werden also besser fahren, indem sie bei ihrer Bank einen Überbrückungskredit aufnehmen, denn der darf nur ein Prozent Zinsen kosten und wenn die Bank ihn korrekt beantragt, erhält sie angeblich von der zu diesem Zweck gegründeten Wirtschaftsagentur binnen 24 Stunden eine Haftungsgarantie über 100 Prozent. Das ist, wenn es wirklich so klappt, sinnvoll geregelt. Insbesondere nachdem der Kredit neuerdings bis zu 500.000 Euro betragen darf.
Zu Ende des Jahres wird das Unternehmen darüber hinaus Geld aus einem beantragten Betriebskostenzuschuss erhalten, mit dem einen bestimmten Prozentsatz des tatsächlichen eingetretenen Verlustes ersetzt wird. Zur Höhe dieses Prozentsatzes werden derzeit die entsprechenden Richtlinien ausgearbeitet.

Weniger korrekt funktionierte schneller, einfacher und besser

Das ist alles kaufmännisch sehr korrekt: Es wird sehr rasch notwendige Liquidität geschaffen, und der vom Unternehmen am Ende zu tragende Verlust wird zumindest keine astronomische Dimension erreichen. Ich fürchte dennoch in Übereinstimmung mit dem Ökonomen und ehemaligen Staatssekretär im deutschen Finanzministerium Heiner Flassbeck, dass es eine EU-weite Depression nicht abwenden wird. Das gelänge nach seiner und meiner Überzeugung nur, wenn den Unternehmen gar kein Verlust erwüchse indem seine allfälligen Schulden komplett vom Staat übernommen werden.
Auch die Überbrückung für Kleinst- und Kleinunternehmen – kleine Kosmetiksalons, Friseure, Espressos – wäre viel einfacher nach dem System zu lösen gewesen, das ich vorige Woche hier vorgeschlagen haben: Der Finanzminister überweist diesen Unternehmen, deren Daten er in Händen hält, sofort 20.000 Euro, die sie auf keinen Fall zurückzahlen müssen.
Das hätte zahllosen der rund 300.000 EPUs erspart, komplizierte Anträge zu stellen und die Wirtschaftskammer hätte sich nicht mit deren Überprüfung herumschlagen und darauf gewaltige Mengen Zeit aufwenden müssen. Diese Zeit hätte sie dazu nützen können, die Anträge viel schneller zu bearbeiten, in denen es um höhere Beträge geht.

6 Kommentare

  1. Wieder sehr “treffende” Worte von Peter Michael Lingens!Ist,”wäre” nur zu hoffen,wenn dieser Text auch das “hohe Haus” erreichen würde!”Gerne” auch “Richtung” Hofburg” Insassen “!

  2. 300,000 mal 20,000 Euro wie von Ihnen vorgeschlagen wären 6 Mrd. Euro. Da von Hilfsmaßnahmen im zweistelligen Milliardenbereich die Rede ist, wäre das wahrscheinlich machbar gewesen.

  3. Lieber PML,
    wie auch immer wir die Zukunft von linker/rechter oder rechter/linker Tasche finanzieren: Das werden Ihre und meine Enkel bezahlen. Dazwischen wird wohl ein Wohlstandseinbruch der Extraklasse in den nächsten 5 Jahren liegen ?

  4. Ja, dafür ein großes Dankeschön an Kurz und den Seinen. Die Kleinen müssen untergehen, damit die Großindustriellen weiter marode Betriebe aufkaufen können. Dies Kurz-Regierung betrügt uns Österreicher Tag für Tag. Unter dem Motto: “Koste es was es wolle” wird unser aller Steuergeld den Milliardären überlassen. DFas istr noch nicht alles. Es wird noch ärger, als wir denken. Bedankt Euch bei dieser “Österreich-Ausverkaufs Regierung.

    1. Das Gesetz, das den Ausverkauf von Schlüsselbetrieben ins Ausland verhindern soll, wird lt. BM Schramböck in Kürze kommen. Wohl 10 Jahre zu spät, aber immerhin…

  5. Das alles kann kein Staat in einer “freien Marktwirtschaft” stemmen.
    Und ganz lustig wird’s, wenn “Fremde” (z.B..China) unsere “Großen” aufkaufen beginnen. Und kein Gesetz wird sie hindern, weil keines in diese Richtung bis jetzt geändert wurde.
    Wir werden noch ganz spannende Zeiten erleben, selbst wenn wir bereits im fortgeschrittenen Alter sind …

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