Corona-Rückfälle bleiben ungefährlich

Rudolf Anschobers Aussage, dass uns mit der Lockerung des Shuttdown die kritischsten Corona- Wochen noch bevorstünden, kann man, so hoffe ich, getrost relativieren, ohne des Spiels mit dem Leben Tausender geziehen zu werden.

Es ist ausgeschlossen, dass uns ein – zweifellos mögliches- Wiederaufflammen der Epidemie mehr Tote beschert, als unser Gesundheitssystem aushält. Denn wir haben die meisten Spitalsbetten und nach Deutschland die meisten Intensivbetten je 100.000 Einwohner der Welt. Derzeit sind noch tausend davon frei, und da die Influenza-Saison zu Ende ist, werden täglich noch mehr davon frei werden.
Ich riskiere sogar die Aussage, mit der ich den Bonner Virologen Hendrik Streeck hier zitiert habe: “Für Deutschland (Österreich) dürfte die Anzahl der Toten zu Ende dieses Jahres nicht höher als im Durchschnitt vorangegangener Jahre ausfallen.”

Viele Zahlen die wenig sagen

Viele Epidmiologen haben Ähnliches im Gegensatz zu den meisten Virologen immer behauptet und die täglich veröffentlichten Horrorziffern, selbst aus Italien und Spanien, und jetzt aus den USA, immer etwas relativiert. Man könne Regionen mit ungenügendem (kaputtgespartem) Gesundheitssystem und dichter Bevölkerung, (Lombardei, Madrid, Paris) nicht mit Regionen vergleichen, die ihres Reichtums wegen trotz staatlichen Sparens genügend Intensivbetten besäßen, Regionen mit großer Luftverschmutzung, (Wuhan, Lombardei) nicht mit ländlichen Regionen mit sauberer Luft, und Länder mit überalterter Bevölkerung und vielen Vorerkrankungen (Lombardei) nicht mit Ländern mit viel jüngerer Bevölkerung.
Die Zahlen über “Corona-Infizierte” gäben vor allem darüber Auskunft, wie viele Test-Kits verwendet  wurden und die Aussage, dass es in den USA bereits mehr Corona-Tote als in Spanien sei schon deshalb wenig sinnvoll, weil sie nicht berücksichtige, dass die USA 335 Millionen Einwohner, Spanien aber nur 47 Millionen Einwohner hätte. Und weil man schon gar nicht wisse, wie viel Corona-Infizierte es tatsächlich in den beiden Ländern gäbe.

Ideologie könnte schlimmer als das Virus gewesen sein

Zumindest einige dieser Epidemiologen bleiben bei der Aussage, dass sich zu Ende des Jahres herausstellen würde, dass die Corona -Mortalität, wenn man sie über die gesamte Bevölkerung, seine dichten Städte und das weite Land hinweg berechne, die Sterberate vergangener Jahre allenfalls marginal erhöhte, dass der jüngste Corona-Virus also doch ein relativ harmloser sei.
Ich wende gleich ein, dass das an den gehäuften gespenstischen Todeszahlen in der Lombardei, Madrid, Paris oder New York nichts ändere. Nur halte ich für möglich, dass man dafür eher das “Sparen des Staates” als das Virus verantwortlich machen sollte. Wobei New York einen absurden Sonderfall darstellt: Während Italien, Spanien oder Frankreich dieses Sparen von Maastricht und Angela Merkels Spar-Palt mehr oder minder aufgezwungen wurde, haben die steinreichen USA von sich aus, aus purer Ideologie, seit jeher auf ein starkes staatlich abgesichertes Gesundheitssystem verzichtet.

PS: Weil ich Sie grundsätzlich auch informieren will, was gegen hier gemachte früheren Aussagen spricht: Die Erfahrungen des SMZ Süd mit Plaquenil lassen mich doch daran zweifeln, dass ich es so sicher nähme, wenn ich an Covid-19 erkrankte – dort soll es die Gesundung der Patienten nämlich – glaubwürdig – erschwert haben. Ich werde also doch lieber die zahlreichen in Deutschland laufenden Studien abwarten.

11 Kommentare

  1. Da wir – in Österreich – mit statistischen 0,33% Infizierten um Zehnerpotenzen!!! von einer “schützenden Durchseuchung” entfernt sind, müssten wir weiterhin alles stoppen, bis ein wirksames Medikament/Impfung den Menschen zur Verfügung steht. Weil sich Corona immer wieder – auch mit allen Schutzmaßnahmen – rasch ausbreiten wird.

    Wenn das noch länger dauert, können wir die Wirtschaft abschreiben. Dass die 30er Jahre übertroffen werden, trauen sich viele “Spezialisten” mittlerweile auszusprechen. Für die Folgen daraus sind sie leider immer noch zu feig, das zu thematisieren.

    Aber es kommt, wie es kommt. Und ein paar Klugscheißer werden Jahrzehnte später (wieder) naiv fragen, “wie(so) das passieren konnte”.

    1. Die Stunde der Klugschwätzer ist jetzt! Und die Artikel von Herrn Lingens sind ein sehr gutes Beispiel dafür.
      Klugscheißer konsumieren die Wortmeldungen von durchwegs klugen Spezialisten, verdauen das dann und stellen ihre Stoffwechselprodukte danach ins Internet.

      1. Thomas, der überwiegende Teil unseres Wissen resultiert nicht aus eigener Erfahrung, sondern ist ein Produkt von dem, was wir gehört, gelesen, was uns gelehrt wurden. Einige von und fassen das zusammen, garnieren es mit eigenen Erfahrungen und Meinungen. Das macht Herr Lingens so und viele andere auch. Die “Stoffwechselprodukte” entsorgen wir nicht im Internet sondern am stillen Örtchen und spülen sie dort runter.

    1. Sie gehören, wie die Ergebnisse im SMZ-Süd- zu den Daten, die gegen die Daten chinesischer Studien oder Didier Raoults und gegen die Empfehlung Südkoreas sprechen. Allerdings wurden in Brasilien 600 mg verabreicht, während Raoult ausdrücklich nur 500 mg empfahl. Die Todesfälle hängen mit Herzrhythmusstörungen zusammen, die mit der Dosis steigen.
      Alles sieht derzeit danach aus, dass ein ehemaliges Ebola – Medikament sich besser bewährt; alle diese Medikamente gegen Corona-Viren greifen auf relativ ähnliche Weise an der ziemlich gleichen Stelle ins Geschehen ein; vermutlich auch die neu entwickelten. Das macht die Bewertung so schwierig – wirklich wissen wird man es wohl nur nach noch mehr Testreihen.

  2. Es wäre vielleicht insgesamt besser, wenn Sie bei ihrem “Leisten” bleiben. Schreiben Sie doch wie immer ihre sehr guten sozioökonomischen Kommentare, aber lassen Sie bitte ihr medizinisches Halbwissen ruhen.
    Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund.

    1. Auch Sebastian Kurz oder Rudolf Anschober sind keine Ärzte und treffen dennoch auf Grund ihres “medizinischen Halbwissens” die schwerwiegendsten Entscheidungen und Anordnungen seit Jahrzehnten, denen Sie und ich folge leisten. Das geht auch nicht anders, denn selbst wenn sie Ärzte wären, müssten sie Epidemiologen und Virologen sein, um in Fragen einer Pandemie mehr als Halbwissen zu besitzen, und bekanntlich sind selbst Spitzen-Virologen von Schweden bis Österreich, von Anders Tegnell bis Christoph Steininger oder Christian Dorsten bis Hendrik Streeck und Didier Raoult höchst unterschiedlicher Meinung.
      Kurz und Anschober können also nichts anderes tun als ich: Versuchen, sich an Hand der verschiedensten Studien, der Aussagen verschiedenster Experten nach bestem Wissen und Gewissen und mit ausreichendem IQ eine Meinung zu bilden.
      Ich werde das also auch weiterhin versuchen und dabei sicher gelegentlich irren – so wie auch Kurz und Anschober sich gelegentlich geirrt haben werden. Ich unternehme meine Versuche jedenfalls so transparent wie möglich, indem ich nie weglasse, was gegen die von mir favorisierte Sicht bestimmter Studien spricht.

      1. Niemand wird wohl ernsthaft glauben, dass Kurz und Anschober irgendeine Entscheidung nach dem Ansehen von Videos oder dem Studium wissenschaftlicher Publikationen treffen.
        Es wird wohl so sein, dass Virologen, Epidemiologen und Infektiologen, aber auch Mathematiker und andere Spezialisten aktiv an den Entscheidungsfindungen beteiligt sind.
        Die Politiker haben dann die Aufgabe die Machbarkeit zu prüfen, sie in gesetzliche Verordnungen zu gießen und die gemeinsam getroffenen Entscheidung zu erklären und vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen.
        Jedenfalls ist mir kein einziger Politiker bekannt, der die Ansicht vertreten hat, er hätte durch das Fernstudium in der Quarantäne die Kompetenz erlangt Therapieempfehlungen abzugeben.
        Nicht einmal Frau Rendi Wagner, die sehr wohl kompetent ist, hat sich da eingemischt.

  3. Seit 2015 (4 Jahre) starben laut Statistik Austria durchschnittlich 82.750 Menschen pro Jahr. Selbst wenn heuer die Corona-Sterbefälle 1.000 erreichen würden, wäre das wohl noch im Rahmen der statistischen Standardabweichung.

  4. Herr Lingens, ich schätze Ihre Kommentare sehr. Aber Sie sollten nicht in fast jedem Post Merkel’s Sparen für alle Übel Europas verantwortlich machen. Ich gebe Ihnen recht, dass Deutschland viel mehr in seine Infrastruktur investieren hätte sollen und dafür auch langfristige Null Zinsen Kredite aufnehmen hätte sollen. Aber dass Italien’s und Frankreich’s Arbeitskräfte über ihre Verhältnisse gelebt haben ( gemessen an ihrer Produktivität), dass Italien überbürokratisiert ist und es seit Jahrzehnten nicht schafft, das Mezzogiorno weiter zu entwickeln, dass Frankreich’s Gewerkschaften blind radikal sind u.s.w. das könnte man schon auch einfließen lassen.

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