Corona: Wie geht es weiter mit Medikamenten?

Wie geht es weiter mit dem Malaria-Medikamente Hydroxychloroquin, (HCQ)nachdem Donald Trump es als “amerikanisches Wundermittel gegen das chinesische Virus” gepriesen hatte, weil Studien des französischen Virologen Didier Raoult, die freilich ohne Kontrollgruppe stattfanden und daher zu Recht als mangelhaft kritisiert wurden, positive Ergebnisse erwarten ließen?

Im Moment ist das Medikament Spielball politischer Auseinandersetzungen:

Vorerst machte HCQ auch in Brasilien Furore, weil sich Präsident Jair Bolsonaro ebenso begeistert wie Trump hinter seine Verwendung stellte, nachdem man ihm, wie Trump, vorgeworfen hatte, keinerlei Vorkehrungen gegen die Covid-19 Epidemie getroffen zu haben.

Mittlerweile hat der oberste medizinische Berater Trumps Anthony Fauci sich ebenso kritisch zu HCQ geäußert wie Bolsonaros Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta. Bolsonaro trennte sich darauf von Mandata, Trump wagte vorerst noch nicht, sich von Fauci zu trennen.

Laura Ingraham, die Moderatorin von Trumps Leib- TV-Sender Fox macht weiterhin unverdrossen HCQ-Propaganda: wer dessen Wirksamkeit anzweifle, verlange wohl auch eine Doppelblindstudie darüber, ob der Himmel blau sei, schmetterte sie die Kritik an Raoults Studien und Trumps Empfehlungen – die mittlerweile auch die Einnahme von Desinfektionsmitteln umfassten-ab.

Was sagen neue Studien?

Am 8. April zeigten Daten aus Spitälern in verschiedenen Ländern- unter anderem auch aus dem SMZ-Süd in Wien- dass die Kombination von HCQ und Azithromycin das Risiko für Herzschäden und Herzversagen erhöhen könnte.

Wenig später wurde eine brasilianische Studie abgebrochen: Die mit einer hohen Dosis HCQ behandelten Patienten hatten eine höhere Sterblichkeit als jene ohne HCQ-Behandlung. Raoult hatte bei seinen Versuchen allerdings ausdrücklich eine niedrige Dosierung empfohlen.

Am 14. April fand eine französische Studie mit 181 Patienten beim Einsatz von HCQ bei schweren Covid-19-Lungenentzündungen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen der HCQ- und der Kontrollgruppe.

Aus Marseille, wo er in der Zwischenzeit Besuch von Präsident Emmanuel Macron erhalten hatte,  twittert Didier Raoult am 20. April ein Zitat von Ferdinand Foch, einem französischen General im Ersten Weltkrieg: «Auf dem Schlachtfeld studiert man nicht. Man tut einfach, was man kann, man wendet an, was man schon weiß. Um dort ein wenig auszurichten, sollte man also vieles wissen, und das gut.»

 Ein Wendepunkt?

Am 21. April erklären Ärzte von amerikanischen Veteranen-Spitälern, die mehrere hundert Patienten untersucht hatten, es gebe Hinweise, dass HCQ zu einer höheren Sterblichkeit führe – hingegen keine Anzeichen dafür, dass es das Risiko für eine Beatmung senke.

Am 22. April setzte Raoult wie Trump einen Tweet ab:. “Fake-News” nannte er darin die angeführte amerikanische Studie und kritisierte ihre Methode und Patientenauswahl. Er selbst präsentiert neuerlich eine Studie ohne Kontrollgruppe, die abermals positive Ergebnisse suggeriert.  Mit seinem Team hält er an seinen Erkenntnissen fest.

Am selben Tag warnte allerdings die amerikanische Aufsichtsbehörde für Medikamente FDA vor der Einnahme von HCQ und verwies auf mehrfach beobachtete schwere Herzrhythmusstörungen.

Der französische Gesundheitsminister rät bei der Verwendung des Mittels zur Vorsicht und verweist dabei auf die Studie aus den Veteranen-Spitälern der USA.

Vierzig Studien weltweit

In Nord- und Südamerika, in Europa, Afrika, Iran, und China laufen derzeit rund vierzig Studien zur Wirksamkeit des Medikaments. Auch in der weltweiten WHO-Studie «Solidarity» mit mehreren tausend Patienten soll eine Gruppe HCQ erhalten.

Meine persönliche Einschätzung auf der Basis der in diesem Text angeführten Informationen: Zu Beginn hätte ich, mit drei Herzinfarkten der “Hochrisikogruppe” zugehörig, die Behandlung mit HCQ im Zweifel nach dem Motto begrüßt: Es könnte nützen und scheint jedenfalls nicht zu schaden, weil es ja auch bei Rheuma und Malaria durch Jahrzehnte ohne gravierende Nebenerscheinungen eingenommen wurde.

Heute reagierte ich genau umgekehrt: Ob es nutzt ist ungewiss und die Indizien für gravierende Nebenwirkungen sind jedenfalls so gewichtig, dass man sie nicht ignorieren kann. Man muss zweifellos die Ergebnisse solider Studien abwarten.

 

 

4 Kommentare

  1. ich bin sicher, dass die schweren nebenwirkungen schon bei den zugelassenen anwendungsgebieten bekannt waren und man sie hätte nachlesen können.

  2. Fast alles was derzeit im Netz zu lesen ist, sind preprint papers (also ungeprüfte, nicht bestätigte Arbeiten) und diese werden von Leuten, die etwas davon verstehen mit größter Vorsicht gelesen und diskutiert.
    Es ist völlig normal, wenn in dieser Phase Wissenschaftler unterschiedliche Ansichten haben und sich darüber austauschen.
    Völlig unnötig, ja kontraproduktiv ist es aber wenn Menschen, die kaum etwas davon verstehen, diese unfertigen Arbeiten aufgreifen und dazu öffentliche Aussagen oder sogar Empfehlungen abgeben.

    Auch wenn jetzt Hochkonjunktur für Klugscheisser ist.

  3. Aufgrund dieser Ihrer Recherchequalität ersuche ich Sie, die zur Zeit anlaufende Impfpropaganda zu analysieren. Die restlichen Medien scheinen weder Dringlichkeit noch Bedeutung zu erkennen noch zu reagieren. Danke

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