Objektiv ungerecht-subjektiv gerecht

Dancing Stars ist ein geniales Fernsehformat: Die bestmögliche Unterhaltung für die größtmögliche Zahl. Schön für die Augen, angenehm für die Ohren. Spannend wie eine Fußballweltmeisterschaft – bei der ja auch nicht zwingend das Team gewinnt, das den besten Fußball spielt.

Man kann sich über jemandes körperliche Fähigkeiten freuen, wie bei einem Tennis-Turnier und erlebt gleichzeitig wie auf einer Bühne seine künstlerische Ausdrucksfähigkeit. Man kann sich identifizieren: Ich, der ich ein schlechter Tänzer bin, weil ich kein Rhythmusgefühl habe, bin froh, dass Norbert Oberhauser, der auch kein Rhythmusgefühl hat, trotzdem Anklang bei Frauen findet, meine Frau, die eine hervorragende Tänzerin ist, ärgert sich mit Silvia Schneider, dass die Jury ihre Leistung nicht respektiert.

 Das unbelohnte Talent

Das letzte Mal, als ich über die Show schrieb, fühlte ich mich in der Überzeugung, bestärkt, dass man keine Volksabstimmungen abhalten soll, denn dann werden hervorragende Paare kränkend- etwa für Dragqueen Tamara Mascara – abgewählt, während ein sympathischer Fußballer weiterkommt. Diesmal musste ich lernen, dass eine Professionelle Jury um nichts besser ist. Der einzige Tanz, von dem ich etwas verstehe, weil ich in Spanien und in Kuba etliche Wettbewerben erlebt habe, ist die Salsa und das Paar, das sie am besten getanzt hat, hat dafür die schlechtesten Noten erhalten: Silvia Schneider und Danilo Campisi. Bei jedem der Wettbewerbe, die ich gesehen habe, wäre es umgekehrt gewesen. Das gilt in den Augen meiner Frau auch für alle anderen Tänze und über alle Tänze hinweg dürften die beiden auch den besten Notendurchschnitt erreicht haben. Auch ihr Showtanz war mit Sicherheit der beste: Die Folies Bergère hätten sicher sie ausgeschieden. Sie wurde Opfer einer Haltung, die ich zu meinem Ärger oft genug bei Lehrern in der Schule erlebt habe: „Du hast Talent- das ist keine Leistung.“

Die höhere subjektive Gerechtigkeit

Wertungsrichter Balazs Ekker hatte sicher recht damit, dass Michaela Kirchgasser die größte Leistung aller Teilnehmer erbracht hat: Ihre Entwicklung von Auftritt zu Auftritt war tatsächlich atemberaubend. Sie tanzte am Ende kaum viel schlechter als Silvia Schneider, die vor ihrem Jus-Studium eine Tanzausbildung absolviert hat. So gesehen war Kirchgassers Leistung auch über die von Cesár Sampson zu stellen, der sich zwar auch enorm, aber eben nicht in ihrem Ausmaß, entwickelt hat. In den Augen der Jury war ihm vermutlich zu viel Rhythmusgefühl von vorne herein angeboren. Michaela Kirchgasser hingegen hat sich von Tanz zu Tanz gesteigert, ist schmiegsamer und schmiegsamer, sinnlicher und sinnlicher geworden: Ihr Ehemann bekommt sie sexy wie nie zuvor zurück. Sowieso ist sie extrem sympathisch, und dass sie außerdem eine der besten Schifahrerinnen der Welt war, ist in Summe schon extrem eindrucksvoll: Es war subjektiv gerecht, dass sie mit Vadim Gabuzov zum Dancing-Star gekürt wurde.

Ich gestehe dass es mir subjektiv lieber wäre, wenn das objektiv beste Tanzpaar einen Tanzwettbewerb gewinnt. Gleichzeitig ist mir, wie Balazs Ekker, Michaela Kirchgasser sympathischer als Silvia Schneider. Gerechtigkeit -das ist mir bewusst- ist objektiv denkbar schwierig.

3 Kommentare

    1. Ich bin auch erstaunt, dass der seinerzeit „gefürchtete“ Peter Lingens, der sich sogar mit Kreisky völlig zurecht wegen der skandalösen Wiesenthal-Affäre anlegte, jetzt auch Tanzshows kommentiert.

      Ich habe Sie immer gerne gelesen und mache das auch heute noch.
      Alles Gute und bleiben Sie bitte negativ ……. im Sinne von COVID 19 Tests!

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