Die Show-Impfer

Wenn es wirklich so ist, dass von mehr als 60.000 an Österreich bereits gelieferten Impfdosen nur 6.000 verimpft wurden und dass erst am 13. Jänner mit breiterer Impfung begonnen werden soll- ich kann es nicht glauben, obwohl die ZIB es so gemeldet hat – dann ist es mehr als nur verantwortungslos.

Es wurde durch Tage, trotz täglich mindestens 1.600 Neuinfektionen, unterlassen, tausende Menschen vor einer Infektion zu schützen – darunter mit signifikanter Wahrscheinlichkeit auch solche, die auf Grund von Vorerkrankungen gefährdet sind, an Covid-19 zu sterben. Das grenzt an die Frage, ob es nicht durch die Staatsanwaltschaft zu untersuchen ist.

Die fehlende Plattform

Problematisch ist auch der „Impfplan“. Niemandem erschließt sich, warum ein gesunder 71jähriger in einem Pflegeheim wesentlich früher geimpft werden muss als ein 71 jähriger mit schwersten Vorerkrankungen, der zu Hause lebt. Die Dringlichkeit der Impfung in Altersheimen liegt zwar auf der Hand, weil dort eine Vielzahl von Personen von gegenseitiger Ansteckung und Tod bedroht ist – aber das hindert doch nicht, gleichzeitig eine (längst vorbereitete) digitale Plattform zu eröffnen, bei der man sich in jedem Bundesland unter Angabe seines Alters und seiner Vorerkrankungen zur Impfung anmelden und die Vorerkrankungen dokumentieren kann. Diese Plattform könnte zumindest extrem Gefährdeten einen Impftermin bei einer zentralen Impfstelle – in Wien etwa im AKH – zuweisen. Ein Freund von mir, 71, schwer Zuckerkrank, schwer Herzkrank und an Prostatakrebs leidend, aber zu Hause lebend, hat sich per e-mail ans Gesundheitsministerium gewandt und angefragt, wann er geimpft werden kann – und nicht einmal eine Antwort erhalten. Wenn er an Covid-19 sterben sollte, hätte das Ministerium seinen Tod zu verantworten.

Wirklich gelungen ist der türkis-grünen Regierung bisher nur die erste Show-Impfung in Gegenwart von Sebastian Kurz und Rudolf Anschober.

16 Kommentare

  1. Kurz und seine Fleckerlteppich-Politik
    Was sich beim Thema Corona, Impfen, Auf- und Zusperren und Tests in den letzten Wochen abgespielt hat, ist „Höchstes Unvermögen zur Potenz“. Diese Kurz-Regierung hat anscheinend nichts mehr im Griff. Letzte Woche gab es andere Aufsperrtermine als heute. Die Schulen bleiben geschlossen bis irgendwann. Die Impfdosen lagerten schon vor Weihnachten in den Kühlschränken, aber niemand kann genau sagen, wann, wo und wer geimpft wird. Bis heute sind die vor Wochen versprochenen FFP 2 Masken für alle über 65 bei denen nicht eingetroffen! Die zuständige Bürokratie ist nicht einmal im Stand, den schon seit vielen Jahren Internationalen Impfpass (siehe Foto) auch für die Eintragung der Corona-Impfung zu aktivieren. Da „denkt man nach“ wie man die Impfung behördlich bestätigen soll!
    Eine Bestätigung am Handy? Was ist, wenn mein Handy verloren geht oder die Eintragung irrtümlich gelöscht wird? Dem „Sonderbeauftragten Auer“ merkt man deutlich an, er hat noch nie eine Krise bewältigen müssen und verliert von Tag zu Tag den Überblick. Heute so, morgen so. Langsam wird Österreich ein Staat mit einem Kanzler und einer Regierung aus Schilda. Es wird Zeit, dass die „Altpolitiker der ÖVP“, Kurz endlich die Leviten lesen und ihm schleunigst zeigen, wo und wie es weitergeht. Wir brauchen einen verantwortungsvollen Politiker als BK und keinen selbstverliebten „Showmaster mit Geilomobil“!

  2. Heute in ZIB2 ist mir fast schlecht geworden – Hr. Wolf hat die Unfähigkeit unseres Gesundheitsbereichs schmerzhaft im Interview mit der Sektionschefin Reich herausgearbeitet !
    Außer einem maliziösen Lächeln hat er von ihr nichts Zielführendes erfahren können.
    Und die über 70-jährigen müssen noch bis März (!) warten.
    Das ist ein wirklicher Skandal ! 😱😱😱

  3. Lieber Staberl,

    die feine Feder von Lingens verrät selbstverständlich ein Verständnis für die Außenseiter in unserer Gesellschaft.
    Das ist eine Ethik die sich gegen jeden Größenwahn und Egoismus auflehnt. Im Gegensatz zu Ihnen zeigt Lingens wie man auf subtile Art jede Form von Show-Impfungen ablehnt – natürlich auch jene von Ludwig und Hacker. Er bleibt aber bei einem Beispiel, verliert sich nicht auf Nebenschauplätzen und wirkt dadurch effektiver.

    Mit dem Hinweis, sich einfach auf eine digitale Plattform, unter Angabe seines Alters und seiner Vorerkrankungen für die Impfung anzumelden, durchschneidet Lingens den „Gordischen Knoten“ in dem sich die Impf-Arge der Regierung offensichtlich verstrickt hat. Und wenn man dann auch noch schwer erkrankte Menschen beim Impfplan mitberücksichtigt (so wie ursprünglich angedacht) dann wäre der verdammte Virus bald Geschichte.

    So aber bleibt nur zu hoffen, dass trotz aller Unkenrufe und politischem Hick Hack, auch die sehr späten Impfungen letztendlich zum Ziel führen. Übrig blieben dann leider jene vulnerablen Personen, die es nicht über die Zeit schaffen konnten und auf deren Grabsteinen irgendwann auch die Inschrift – …ging von uns im Corona Jahr 2021 – verblassen wird. Ob die politisch verantwortliche Elite am Friedhof der Hoffnungslosigkeit darauf baut?

  4. Kann es sein, dass der späte Impfbeginn ein Föderalismusthema ist? In Wien „darf“ aus Sicht der westlichen Landesfürsten nicht früher geimpft werden, als z.B. in Tirol.
    Eine mögliche Erklärung. Damit würde es einige Mittäter geben. Es bleibt natürlich völlig verantwortungslos. Zudem wieder eine Unfähigkeit, rechtzeitig für die Logistik zu sorgen.

  5. Ich vermisse engmaschige, kleinteilige Logistik, wie sie etwa die Post, aber auch Konzerne wie Spar, Rewe, Geb. Weiss – um nur ein paar zu nennen – perfekt beherrschen. Stattdessen wird das Ganze von Lehrern, Maturanten und Philosophen geleitet. Es muss gewährleistet sein, dass Tag für Tag einige 1000–10000e Menschen geimpft werden, übergebliebene Dosen rasch andernorts weiter verteilt werden und zum Einsatz kommen. Und das ganze natürlich entlang von Risiko–Prioritäten und regionaler Gerechtigkeit.

    @Staberl Wer immer hier Staberl spielt, spare sich dumpfbackenen Zynismus und poche auf einen rationalen, wohl durchdachten Weg, der rasch aus dem sich abzeichnenden Impfdesasterführt.

    1. Ich würde gerne auf einen dumpfbackenen Zynismus verzichten und natürlich auf einen rationalen wie auch durchdachten Weg pochen.

      Nur ist halt die Realität anders, wie diese beiden aktuellen Skandale beweisen:

      Fall 1: Skandal in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG). Im Maimonides-Zentrum (dem Seniorenheim der IKG) wurden am 30. Dezember nicht nur hochbetagte Bewohner und medizinisches Personal geimpft – sondern auch Unter-30-Jährige sowie Mitglieder des Kultusvorstands und Familienangehörige; darunter auch Präsident Oskar Deutsch (57), der bereits Fehler eingeräumt und sich entschuldigt hat.

      Fall 2: Dem ORF wurden für Februar bereits Tausende Pfizer-Impfdosen zugesichert. ORF-Chef Alexander Wrabetz wandte sich mit dieser frohen Kunde bereits schriftlich an die Belegschaft. Alle ORF-Mitarbeiter samt ihrer Angehörigen sowie alle ORF-Zulieferfirmen würden Ende Februar mit Pfizer geimpft werden

      Was mich am von mir ansonsten sehr geschätzten Herrn P.M. Lingens so stört ist der Umstand, dass er nur selektiv kritisiert, vor allem gegen Kanzler Kurz und die Regierung.

      Wahrheiten wie diese erwähnten aktuellen Skandale bei der Impfverteilung oder dem Showauftritt der beiden SPÖ Entertainer Ludwig & Hacker mit Beethoven-Musikuntermalung anläßlich einer Impfung im Klinikum Favoriten läßt er ganz einfach unter den Tisch fallen!

  6. Lieber Herr Lingens,
    ein sachdienlicher Hinweis für ihren Freund. Ich bin 75, habe Diabetes und Prostatakrebs und wollte daher auch einen früheren Impftermin. Habe mich nicht an das Gesundheitsministerum, sondern an den Gesunheitsstadtrat Hacker gewandt. Sein büro hat mir immerhin geantwortet, dass ich mich auf einer Impfseite der Stadt Wien ab 18. Jänner vormerken lassen kann. Vielleicht hilft der Hinweisa Ihrem Freund..

    1. Höre ich hier einen Nähe zu Kurz und Co. heraus? Dann lesen Sie meinen Beitrag am beginn und korrigieren Sie, was daran falsch wäre! Muss man in Österreich jetzt als Politiker Studienabbrecher sein , damit man Karriere als glückloser BK macht oder sind es die Geldspenden der neureichen?

      1. Wenn Sie schon den Kanzler Kurz als Studienabbrecher bezeichnen dann sollten Sie nicht vergessen, dass der SPÖ Kanzler Faymann nicht einmal die Matura hat.

        Aber das wird ja gerne von der linken Seite verschwiegen….

    1. Merci für den Rat.
      Für „vulnerable“ Menschen wäre ja auch eine vorgezogene Impfung denkbar und zwar mit jenem Impfstoff, der schon aufgetaut ist, aber in Altersheimen nicht verimpft wird. „Einerseits weil es noch keine Logistik dafür gibt und andererseits weil sich aufklärende Gespräche mit den älteren Menschen eben viel Zeit benötigen“ sagt ja auch die Expertin Sektionschefin Reich. Welche Sektion betreut denn die Chefin eigentlich?

  7. Typischer Staberl-Kommentar. Herzlichen Glückwunsch zum 100er! Der Priorisierungskatalog des nationalen Impfgremiums richtet sich objektiv danach, wo am ehesten Cluster entstehen können. Das ist u.a. in Justizanstalten, Asylheimen und Obdachlosen-Unterkünften.
    „Wie ist so etwas bitte möglich, was haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht?“ Sie richten den Feuerwehrschlauch dorthin, wo am ehesten Brandnester zu erwarten sind. Sehr vernünftig und gescheit.
    Aber so weit denken Sie, Staberl, nicht mit. Nichts wissen und laut tönen, das war ja immer schon Ihr Rezept.

    1. Zum Posting Ilya Kuryakin

      Sie schreiben betreffend Priorisierungskatalog : „Die Verantwortlichen richten den Feuerwehrschlauch dorthin, wo am ehesten Brandnester zu erwarten sind.“

      Ja, wenn dem nur so wäre – aber die Realität ist halt anders!

      Fall 1: Skandal in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG). Im Maimonides-Zentrum (dem Seniorenheim der IKG) wurden am 30. Dezember nicht nur hochbetagte Bewohner und medizinisches Personal geimpft – sondern auch Unter-30-Jährige sowie Mitglieder des Kultusvorstands und Familienangehörige; darunter auch Präsident Oskar Deutsch (57), der bereits Fehler eingeräumt und sich entschuldigt hat.
      https://kurier.at/chronik/wien/uebriggebliebene-impfdosen-fuer-unter-30-jaehrige-ikg-praesident-entschuldigt-sich/401147523

      Fall 2: Dem ORF wurden für Februar bereits Tausende Pfizer-Impfdosen zugesichert. ORF-Chef Alexander Wrabetz wandte sich mit dieser frohen Kunde bereits schriftlich an die Belegschaft. Alle ORF-Mitarbeiter samt ihrer Angehörigen sowie alle ORF-Zulieferfirmen würden Ende Februar mit Pfizer geimpft werden
      https://www.oe24.at/oesterreich/politik/geheim-orf-bekommt-tausende-pfizer-impfdosen/459404745

      Nichts wissen und laut tönen, ist das nicht Ihr Rezept?

  8. Diese Regierung ist langsam gemeingefährlich! 59 Medienexperten glätten täglich alle Pressetexte plus ORF „Kurz-gerecht“. Aber wo ist ein „Impfboard“, das Österreich jetzt dringend braucht? Dazu gehört kein Volksschullehrer (Anschober), kein Philosoph (Dr.Auer) und auch kein machthungrigen Maturant (Kurz). Dazu braucht es Experten für österreichweite IT-Lösungen, Mediziner, ORG-Manager, Wissenschaftler!
    Van der Bellen müsste ein Machtwort sprechen und dieses Board einberufen!
    Sonst bestimmt ein Herr Hörl über Österreichs Gesundheit!

  9. Sehr geehrter Herr Lingens!

    Bitte bleiben Sie objektiv! Wenn Sie von einer Show-Impfung in Gegenwart von Kurz & Anschober schreiben, dann verschweigen Sie die am gleichen Tag stattgefundene Show-Impfung im Klinikum Favoriten mit SPÖ Bürgermeister Ludwig und SPÖ Stadtrat Hacker.

    Das besondere an dieser Show war, dass sie sogar musikalisch mit Beethovens „Ode an die Freude“ unterlegt wurde; so wird von der Wiener SPÖ das Jubiläumsjahr von Beethoven politisch instrumentalisiert – erbärmlich!

    Und wenn wir schon beim Thema sind:

    Warum erwähnen Sie nicht den Priorisierungskatalog des nationalen Impfgremiums ? Wenn man sich diesen durchliest, dann entdeckt man zu seinem Erstaunen, dass Gefangene bereits im Februar gegen COVID-19 geimpft werden, und zwar vor Polizisten oder Feuerwehrleuten oder Lehrern.

    Wie ist so etwas bitte möglich, was haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht?! Da kommen Gefangene – die doch eigentlich ohnedies von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen sein sollten – deutlich früher dran als systemerhaltende Berufstätige aber auch Angehörige von Risikogruppen!

    So ein Verhalten nennt man politisch korrekte Provokation gegenüber jenem Großteil der Österreicher, der sich nichts zuschulden hat lassen kommen und auch brav immer seine Steuern gezahlt hat.

    Da fragt man sich ernsthaft: Welchen Stellenwert haben die anständigen Menschen eigentlich in unserem Land?

    Und noch ein Tipp an Ihren 71-jährigen zuckerkranken Freund, wie er rasch zu einer Impfung kommt:
    damit man rasch zu einer Impfung kommt?: Na ganz einfach, er verkleidet sich als Obdachloser und kommt bereits im Februar dran, weil Obdachlose und Strafgefangene VOR Polizisten, Feuerwehrleuten oder Lehrern laut Priorisierungskatalog geimpft werden.

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