„Unverantwortlich“

Bayerns Politiker nennen Österreich „unverantwortlich“ und das ist die einzig treffende Bezeichnung für die Corona-Politik so ziemlich aller Politiker Tirols sowie Österreichs Kanzler Sebastian Kurz:

Tirol ist das Zentrum einer höchstwahrscheinlich Österreichweiten, vermutlich europaweiten Ausbreitung der südafrikanischen Corona-Variante B.1.351. Ihre Mutationen machen sie einerseits infektiöser, andererseits lassen spezifische Veränderungen (K417N, E484K und N501Y) noch ganz andere Sorgen wachsen. Die Varianten könnte, zumindest teilweise, dem immunisierenden Schutz von Antikörpern entfliehen. Das hieße, auch wer bereits infiziert war oder geimpft ist, könnte sich erneut anstecken, zudem der AstraZeneka-Impfstoff, den Österreich und die EU vor allem bestellt haben wenig (Südafrika ab sofort impft ihn nicht mehr), und der Biontech und der Moderna-Impfstoff möglicherweise nur verminderten Schutz gewähren.

Kurz wird damit Schuld an einer erheblich verlängerten Pandemie in Österreich und womöglich in ganz Europa sein – mit allen zugehörigen wirtschaftlichen Konsequenzen.

Ein Leser wird unter diesen Blog sicher wieder schreiben, dass ich Kurz hasse – ich schätze ihn nur richtig ein und bin von seiner untadligen Frisur und seinen wohlfrisierten Worten nicht ganz so beeindruckt.

Ein verantwortlicher Kanzler hätte am ersten Tag, an dem er vom Zirkulieren der südafrikanischen Variante in Tirol erfuhr, einen totalen Lockdown und eine komplette Grenzsperre dieses Bundeslandes verhängt. Ein verantwortungsvoller Landeshauptmann Günter Platter und Co hätte das nicht bekämpft, sondern von sich aus angeboten und nach Kräften unterstützt. Und zwar voran im Interesse Tirols, das wirtschaftlich auf Jahre hinaus unter dem Ruf der „Unverantwortlichkeit“ leiden wird, den es dieser Tage europaweit errungen hat.

PS: Erst am 12. Februar besteht immerhin eine Testpflicht beim Verlassen von Tirol, Kinder sind davon ausgenommen.

Pharmazeutische Zeitung: Escape-Mutationen machen Sorgen

 

 

11 Kommentare

  1. nur zur klärung: in östterreich gilt die ministerverantwortung.
    theoretisch hat der bundeskanzler dem gesundheitsminister nichts zu sagen, hat ihm keine weisungen zu erteilen.

  2. Ich würde vorschlagen eine neue Krankheit in das internationale Verzeichnis (ICD 10) einzuführen.

    Man könnte sie zu „Ehren“ des vorigen amerikanischen Präsidenten die „Trumpsche Krankheit“ nennen.

    Gekennzeichnet ist sie durch totale Selbstüberschätzung und das Ignorieren jedes wissenschaftlichen evidenzbasierten Ratschlages.

    Bei Trump hat das unter anderem dazu geführt, die Einnahme von Desinfektionsmittel zu empfehlen oder zu überlegen, ob man nicht Hurrikans mittels Atombomben stoppen könnte.

    Bei uns hat man jetzt erlebt was diese Erkrankung beim tiroler Landeshauptmann und seinen Parteifreunden auslösen kann.

  3. AK-Kämmerer Zangerl, gestern um 12:49 Uhr, als schon längst bekannt war, dass 293 Fälle der Südafrika-Mutation in Tirol festgestellt worden waren: „sowohl für mich (!!) als auch für einen Großteil der Expertinnen und Experten … (sei die Notwendigkeit einer Quarantäne) …nicht ersichtlich“: soll wohl heißen, dass sich die ExpertInnen seiner Meinung angeschlossen haben!?
    Nach all dem Schwachsinn und den gockelhaften Drohgebärden der Möchtegern-Virologen Zangerl und Walser aus dem Hinterarlberger Land reicht es verständlicherweise allen anderen, die in Österreich westlich und östlich der tirolischen Verbal-Kraftlackl wohnen.
    Rufen wir ihnen daher gemeinsam die bekannte ÖVP-Parole zu „Hände falten, Gosch’n halten!“ oder „Mander, ’s isch Zeit für den Rücktritt!“

  4. Ach herrje. Ist es nicht endlich allen klar geworden, dass unsere bisherige strategie nichts brachte und nicht alternativlos ist. Das virus ist ja eh schon da. 0berall. Wie alle Mutationen. Auf der welt. Schaut hier niemand nach asien, indien? Die impfung kann nur ein stein sein im puzzle. Daa ist doch jetzt evident. Diese Länder haben medikamente. Die schwere verläufe eimbremsen. Wann werden wenigstens die Journalisten die medikamentendebatte breit eröffnen.

  5. Ein aggressiver Tiroler Adler
    In der ZIB2 am Sonntag drohte der Tiroler WK-Präsident Walser lautstark gegen Wien und die geplanten Corona-Maßnahmen in Tirol. Was ist schon ein WK-Präs. gegen die Regierung und deren Verordnungen? Der gute Mann scheint vergessen zu haben, was bisher gerade sein Bundesland Tirol mit seiner säumigen LReg. Österreich beschert hat. Von Ischgl über Privatspitäler und Golfspieler in Südafrika dreht sich der Sündenreigen. Vergessen auch die hunderten Corona Toten in ganz Europa bis Island! Und dann droht dieser uneinsichtige Mensch mit Aktionen? Es wäre besser, er würde schweigen und einmal nachdenken, bevor er mit solchen Geschützen auffährt. Diese Andreas-Hofer-Mentalität ist vielleicht in Tirol noch angebracht, aber nicht im Rest von Österreich. In dieser Pandemie finde ich das mehr als leichtsinnig, wenn nicht sogar gefährlich. Solche „Wortspenden“ sind nur Wasser auf die Mühlen der Corona-Gegner und Nichtversteher. Es genügt schon, wenn sich bisher die Seilbahn- und Großhotelbesitzer zusammen mit ihrem ewig knurrenden Verteidiger und Seilbahnkaiser Hörl unnötig zu Wort melden. Auf der einen Seite wurden nach der Ischl-Affäre die Bediensteten einfach gekündigt und brutal auf die Straße gestellt und etliche dieser Großhoteliers empfingen hunderttausende Euros zur „Überbrückung der Notlage“. Womöglich auch ein Steuer-Zuschuss für manche Golfreisen nach Südafrika! Und was brachten sie dafür zurück? Das Südafrika-Virus, eine ziemlich gefährliche Variante von Corona. Wenn auch die „Privatarmee“ von LH Platter, die „Tiroler Kaiserschützen“ eine schon veraltete Tradition bezeugen und für den Fremdenverkehr vorzeigbar sind, so sind sie in dieser gefährlichen Corona-Zeit etwas antiquiert . Den aufmüpfigen Tirolern ins Stammbuch: „Mander, ischt Zeit, tuats was gscheits!“

    1. Manche Tiroler haben eine überschäumende Courage und keine Angst vor ihrer Rhetorik.
      Ein paar Regierungsmitglieder haben eine ausschweifende Rhetorik und Angst vor der eigenen Courage. Vielleicht könnte man einmal den Versuch unternehmen, ideale Politiker zu züchten.

  6. Warum kritisieren Sie nicht auch Italien als unverantwortlich, wo bei unserem südlichen Nachbarn jetzt auch schon die Gastronomie geöffnet hat?

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