Lehren aus der Covid-19 -Pandemie

Die nächste Pandemie kommt bestimmt – und kann weit tödlicher ausfallen. Was hat sich bei der Bewältigung der Seuche bewährt? Und was bedarf der Revision?

Covid-19 ist hoffentlich tatsächlich überwunden. Impfungen und Immunität nach überstandener Erkrankung sollten eine Vorstufe zur Herdenimmunität geschaffen haben und der Rest verbliebener Vorsicht und weitere Impfungen sollten genügen, die Seuche nicht mehr aufflammen zu lassen.

Der Rest verbliebener Angst sollte veranlassen, darüber nachzudenken, welche Lehren aus dem Kampf gegen Covid-19 zu ziehen sind. Denn die nächste Pandemie kommt bestimmt. Die Globalisierung mit viel mehr Reisetätigkeit und globalem Nahrungsmittelhandel macht zunehmend wahrscheinlich, dass auch viel gefährlichere Seuchen, wie etwa Ebola, das 1976 im Kongo erstmals ausbrach, nicht auf einen Kontinent beschränkt bleiben – und bei Ebola lag die Mortalität bei 90 Prozent gegenüber 2,3 Prozent bei Covid-19. Ebola wird nur weit schwerer – durch den Verzehr von Tierfleisch oder durch Körpersäfte, nicht aber durch Tröpfchen in der Atemluft- übertragen. Doch eine Mutation machte auch das jederzeit möglich: Die Behauptung des Philosophen Karl Popper, dass die grüne Sorge, dass der Mensch die Natur vernichte, keineswegs begründeter sei, als die Sorge, dass ein Virus die Menschheit ausrotte, hat Hand und Fuß.

Ständige Beobachtung ist unverzichtbar

Die wichtigste Lehre daraus hat Bill Gates schon 2015 gezogen: Es braucht in jedem Land eine Behörde, die ständig nach Virus- Erkrankungen sucht und sie oft schon entdeckt, während sie sich noch in der Tierwelt abspielen. Nicht minder muss sie für möglich halten, dass einer der vielen Viren, die Menschen bewohnen, plötzlich gefährlich mutiert. Die Furcht vor einer „natürlichen“ todbringenden Virus-Mutation sollte angesichts der Präzision moderner gentechnischer Verfahren jedenfalls weit größer sein, als die Sorge, dass ein misslungener gentechnischer Versuch ein solches Virus hervorbringt. Vielmehr- das ist die entscheidende Lehre aus Covid-19- ist überlegene Gentechnik unsere wichtigste Waffe im Kampf gegen Pandemien. Das Tempo, in dem vielgeschmähte „Konzerne“ einen wirksamen Impfstoff herstellten, ist der wesentlichste Grund für Optimismus. Eine Lehre daraus muss sein, wie wichtig Grundlagenforschung ist: Österreich etwa hat aus historischen Gründen- wir profitierten von Wissenschaftlern aus dem ehemaligen Ostblock- überragende Institute für molekulare Biologie denen man gar nicht genug Geld geben kann, um ihre Forschung voranzutreiben.

Gott sei Dank gab es „Konzerne“

Es hat aber auch der „Kapitalismus“ seine Vorteile: Natürlich haben die „Konzerne“ auch in Erwartung gewaltiger Gewinne gewaltige Mittel in die rasche Produktion von Impfstoff gesteckt. Deshalb bleibe ich skeptisch gegenüber Joe Bidens noch so anständiger Initiative, den „Patentschutz“ auszusetzen.

Wesentlich für die rasche Erzeugung des Impfstoffes war nicht zuletzt die Erkenntnis der „Chicago Boys“ unter Donald Trump, dass der „Markt“ alleine nicht rasch genug funktioniert: Die Regierung muss im Fall einer Pandemie riskieren, hohe Summen in der bloßen Hoffnung auf eine rasche Impfung zu investieren. Der ideale Ablauf wäre: Sie erreicht im Gegenzug für frühe hohe Investition eine Senkung der Lizenzgebühr für den entwickelten Impfstoff.

Die Renaissance des Staates

Damit bin ich bei der überragenden Rolle des Staates im Kampf gegen Pandemien: Selbst den überzeugtesten Befürworten der „Ausgabenbremse“ wie Sebastian Kurz müsste klar geworden sein, dass sie die extremen Covid-19 -Todeszahlen in Italien oder Spanien verantwortet, weil die Reduzierung der Intensivbetten nun einmal der einfachste Weg zur Senkung der Staatsausgaben war. Dennoch hat nur Frankreichs Präsident Emanuel Macron dezidiert erklärt, dass Einrichtungen des Sozialstaates- zu deren wichtigsten die Spitäler zählen- „nicht Luxus, sondern Notwendigkeit“ sind.

Der Staat bekämpfte Covid-19 umso erfolgreicher, je früher er Maßnahmen ergreift und durchsetzt. Südkorea, das keine Diktatur ist, vermochte die Mortalität mittels Social Distancing und lückenloser Befolgung der Maskenpflicht selbst ohne Lockdown in Grenzen zu halten und verzeichnete mit nur 1,1 Prozent den bei weitem geringsten Wirtschaftseinbruch. Ansonsten erwies sich ein möglichst energischer durchgehaltener Lock down als günstiger als der österreichische Weg, die Maßnahmen aus Rücksicht auf die Wirtschaft, immer wieder zu lockern: das kostet insbesondere die Wirtschaft am Ende besonders viel Geld.

Pandemie brauchen harte Maßnahmen

Leider war ausgerechnet Gesundheitsminister Rudolf Anschober unter denen, die den Nutzen von Masken bestritten. Bei Seuchen, so ziehe ich eine weitere Lehre, hat die Regierung nicht einen liebenswerten Lehrer, sondern einen Epidemiologen zur obersten Instanz von „Maßnahmen“ zu machen.

Ich glaube, dass ihm aber auch ein Seuchengesetzes zur Verfügung stehen muss, das es zulässt, blitzartig schärfste Maßnahmen zu verordnen, ohne jedes Mal vom Verfassungsgerichthof gerügt zu werden. Selbstverständlich müsste man, wenn es um Ebola statt Covid-19 ginge, auch Kontrollen innerhalb von Wohnung und Vergleichbares anordnen können. Rechtsstaatlichkeit in Zeiten einer Pandemie sollte nicht dadurch gesichert sein, dass der VfGH ständig Maßnahmen aufhebt, sondern dass jede Maßnahmen innerhalb einer Frist von nur 10 Tagen parlamentarisch neu beschlossen werden muss, um in Geltung zu blieben. Ich glaube auch nicht, dass man bei einer App, die entwickelt würde, um vor Ebola-Ansteckung zu warnen, soviel Rücksicht auf den „Datenschutz“ nehmen könnte, wie man jetzt bei der Entwicklung eines grünen Impfpasses nimmt.

 

7 Kommentare

  1. Hallo aus Loy,
    ich finde keine sachbezogenen Aussagen in diesem Forum, die sich auch mal um ein näheres Verständnis des Covid-19 Virus bemühen. Nur Populismus ist angesagt, der sich gegen jede wissenschaftliche Erkenntnis in Bezug auf den Impfstoff richtet etc.pp..
    Ich selbst habe es mit Humor und einem Rückblick versucht, aber das wurde fast gar nicht beachtet.
    In Peters Bericht hier kann ich mich dagegen sehr gut wieder finden!!
    Das nehme ich zum Anlass meinen gerade veränderten Bericht hier zu teilen:
    https://4alle.wordpress.com/2021/11/15/covid-19-mal-anders-erklart-und-mehr/
    Titelbild und Schlagzeile habe ich gerade verändert.
    Muss man nicht mögen, aber egal, wir haben nichts dazu gelernt.
    Ich wünsche noch `n schönen Tag!!
    Jürgen aus Loy (PJP)

  2. Ich habe immer kritisiert, dass wir in Zeiten der Pandemie einen Volksschullehrer als Gesundheitsminister hatten, genauso wie wir immer noch in Zeiten einer der grössten Wirtschaftskrisen einen Philosophen als Finanzminister haben.
    Aber was die Maskenpflicht betrifft muss man Anschober in Schutz nehmen. Es waren anerkannte Experten, die offiziell am Anfang der Pandemie die Maskenpflicht abgelehnt haben.
    Überhaupt hat der Lehrer Anschober immer auf die Experten gehört, zum Unterschied beispielsweise vom Polizisten Platter in Tirol.

  3. Eine Bevölkerung, die von Viren dezimiert wird, lebt im Krieg. In den USA hat die Pandemie mehr Opfer gefordert als der zweite und der Vietnamkrieg zusammen. Deshalb muss für eine begrenzte Zeit Kriegsrecht gelten – auch wenn das bedeutet, den Datenschutz und die Freiheitsrechte (kurzfristig!) auszusetzen – da ist Michael Lingens unbedingt Recht zu geben. Und auch darin, dass er bei dieser Gelegenheit eine Lanze für den Kapitalismus bricht. Es sind privater Erfindungsgeist, ja und auch private Gewinnsucht, welche die unglaublich schnelle Entwicklung und Produktion der Impfstoffe ermöglichten. Aber der Staat darf sich diesem Imperativ eben nicht unterordnen. Das Gesundheitssystem ist kein Luxus.

  4. Sehr geehrter Herr Lingens!

    Es wundert mich sehr, dass Sie sich auf Lingens.online noch nicht zur causa prima, nämlich den Attacken auf Bundeskanzler Kurz, auseinandergesetzt haben.

    Gerade Ihr persönliches Schicksal, ich verweise auf die Kalal-Affäre in den 90er Jahren, müßte Sie doch motivieren zu schreiben, was es heißt von der Justiz ungerecht verfolgt zu werden.

    Gerade Sie müßten auf das Menschenrecht einer Unschuldsvermutung bis zu einer RECHTSKRÄFTIGEN Verurteilung durch ein unabhängiges Gericht vehementest pochen!

    Es kann doch nicht sein, dass einige Staatsanwälte darüber entscheiden können, mit einer bloßen Anklage ihnen missliebige Politiker einfach auszuhebeln ohne ein gerichtliches Urteil abzuwarten.
    Ich erinnere, dass mehr als 90% aller Anklagen der WKStA entweder eingestellt werden oder aber mit einem Freispruch enden.

    Warum melden Sie sich zu dieser causa nicht zu Wort?

    Sie waren doch mehrfach von der Justiz betroffen, ich denke auch daran, wie erst 10 (!) Jahre später der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein gegen Sie gerichtetes österreichisches Strafurteil aufgehoben hat.

    Und auch Ihre Auseinandersetzungen mit Christian Broda waren legendär.

    Sie sind und waren für mich ein personifiziertes Justizopfer und gerade deshalb bedauere ich sehr, dass Sie sich nicht zu Wort melden.

  5. … und wieder ein Donald Trump Lob …
    Es muss immer einen starken Staat geben, der für das Wohl und die Gesundheit der Bevölkerung sorgt, besonders in Krisenzeiten. Zum Glück kann man in Demokratien unfähige und korrupte Staatslenker (ich erspare mir das *Innen – aber das wäre wieder ein eigenes Thema) abwählen. Das geht aber nur, wenn die Medienmacht nicht einseitig die Unfähigen und Korrupten (bei diesen beiden Personengruppen wurde überraschend doch nie gegendert) stützt.

  6. Ihre Aussage: „Wesentlich für die rasche Erzeugung des Impfstoffes war nicht zuletzt die Erkenntnis der „Chicago Boys“ unter Donald Trump, dass der „Markt“ alleine nicht rasch genug funktioniert“ erstaunt mich einerseits, bestätigt aber meine Meinung:

    Donald Trump war bei der Impfstoffbeschaffung um ein Vielfaches erfolgreicher als die trödelnde EU.

    Es war nicht alles schlecht, was von Trump verordnet wurde.

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