Deutschlands absurdes Schulden-Theater

Schuldenbremser Christian Lindner wird Schuldenkönig: er investiert 212 Milliarden. Die Opposition schreit auf. Die verwirrten Deutschen erwartet Wirtschaftswachstum.

Deutschlands Finanzminister aus der FDP,Christian Lindner, hat den Wählern versprochen, der Mann zu sein, der in der Regierung mit SPD und Grünen auf den Staatshaushalt achtet: „Mit uns kann es keine Regierung geben, die Steuern erhöht oder die Schuldenbremse missachtet. “  

Jetzt missachtet er sie wie kein deutscher Finanzminister vor ihm: Bereits der reguläre Haushaltsentwurf für das laufende Jahr umfasst 99,7 Milliarden Euro Neuverschuldung. In den Klimaschutz will er60 Milliarden investieren die der Bundestag eigentlich als Corona-Hilfe bewilligt hat, so dass die Opposition die Umwidmung durch Lindner zweifellos höchstgerichtlich anfechten wird. Hinzu kommen 100 Milliarden Kredit als „Sondervermögen“ zur Sanierung der kaputtgesparten Bundeswehr.Um die Bevölkerung von den gestiegenen Gas-, Öl und Benzinpreisen zu entlasten,braucht der Bund rund 12,5 Milliarden. Der Bundeszuschuss für Renten wird auf 87 Milliarden geschätzt. Auch nur schätzen kann man die Kosten zur Bewältigung der Flüchtlingswelle aus der Ukraine. Aber von 2015 bis 2020 mussten 34 Milliarden für Asylwerber ausgegeben werden.

Damit beantragt die Koalition nach derzeitigem Stand mindestens 212,2 Milliarden an Krediten. Wäre die von Lindner beschworene „Schuldenbremse“ in Geltung, so dürften es maximal 0,35 Prozent des BIP, also rund 12,9 Milliarden sein.

Der ehemalige Chefredakteur des „Handelsblatt“ Gabor Steingart, der jetzt die angesagte Wirtschafts- Plattform „The Pioneer Briefing“ betreibt und die angeführten Zahlen sorgsam aufgelistet hat,ist denn auch voll Hohn für den „neuen Schuldenkönig Christian Lindner“ und stellt ihm den serösen Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz von der CDU gegenüber.

Wäre Lindner nicht in der deutschen Staatsschulden-Phobie befangen und hätte er eine Ahnung von Volkswirtschaft, so erklärte er nur, er mache nicht „Schulden“, sondern nähme „Kredite“ für sinnvolle Investitionen auf. So hingegen erklärte er, er würde die Schuldenbremse schon nächstes Jahrwieder einhalten und musste sich rundum sagen lassen, dass das unmöglich sei.

Ähnlich verquer reagierte Friedrich Merz.Anlässlich des Ukraine Krieges konnte er nicht anders, als die 100 Milliarden für die Bundeswehr in der Budgetdiskussion begrüßen, und aus dem selben Grund müsste er auch sehr viel lieber in alternative Energien investieren als mit deutschen Zahlungen für Öl und Gas Putins Krieg zu finanzieren. Zudem gibt es mittlerweile in der deutschen Industrie auch Funktionäre und sogar Ökonomen, die den Sinn der Schuldenbremse anzweifeln. Merz hätte die Chance gehabt, zumindest zu sagen, wie richtig es ist, sie derzeit auszusetzen – zumal die EU zweifellos beschließen wird, das auch 2023 zu tun. Aber Merz erkannte, um wie viel bequemer und populärer es ist, Lindner seine „Missachtung“ der Schuldenbremse vorzuwerfen.

Ich möchte die ob dieser Missachtung verstörten Deutschen trösten: Obwohl der Ukraine Krieg trotz der jüngsten  positiven Signale weiter geht, werden ihnen die 212,2 Milliarden beantragter Kredite einWirtschaftswachstum bescheren, das nur ein Öl/Gas-Lieferstopp Russlands verhindern kann. Die deutsche SolarIndustrie wird angesichts der 60 investierten Milliarden wie nie zuvor Windräder, Wärmepumpen oder Solaranlagen herstellen, so dass Deutschland die Abhängigkeit von russischen Bodenschätzen relativ rasch vermindern und seine Energieproduktion dauerhaft verbilligen wird. Ähnlich günstig – wenn auch nicht ganz so günstig – werden sich die 100 Milliarden auswirken, die in die Bundeswehr investiert werden: Natürlich werden voran deutsche Rüstungskonzerne profitieren – die Aktie von Rheinmetall ist bereits explodiert – aber eine der Hauptanschaffungen werden neue F-35 Abfangjäger aus den USA sein, weil Europa zur Zeit nichts Vergleichbares zu bieten hat. Falls die Bundeswehr ihre in den letzten Jahrzehnten gefährlich geschrumpften Mannschaften um zusätzliche Berufssoldaten aufstockt, wird selbst das der Konjunktur zu Gute kommen, denn auch die Summen, die Soldaten oder Beamteverdienen und ausgeben, sind gleichzeitig Einnahmen aller anderen Wirtschaftssubjekte.

Die guten Wirtschaftsdaten der USAberuhen nicht zuletzt darauf, dass sie sich selbst in Zeiten, in denen Demokraten und Republikaner aufs Heftigste gestritten haben,auf hohe Militärausgaben einigen konnten. Der Weg aus der Weltwirtschaftskrise der Dreißigerjahre wurde beschritten, indem die USA Dollar gedruckt und für die Hochrüstung gegen Hitler ausgegeben haben.

Das Einzige, was in Deutschland angesichts des 212,2 Milliardenbudgets von Christian Lindner passieren kann, ist, dass der jetzt schon beträchtliche Fachkräfte -Mangel zu massiven Lohnerhöhungen führt. Aber auchdie wären, gesamtwirtschaftlich betrachtet, ein Segen, milderten sie doch ein wenig den so kritischen Lohnstückkosten – Abstand zwischen den Unternehmen Deutschlandsund den Unternehmen seiner europäischen Konkurrenten, deren Arbeitskräfte keine Reallohnverluste erlitten haben.

Ob Deutschlands Ökonomen und Politiker auf Grund des Wirtschaftswachstums, dasLindners Budgets trotz des Ukraine-Krieges und seiner Energie-Verteuerung auslösen wird, begreifen werden, dass die Schuldenbremse ökonomischer Unsinn ist- weiß ich nicht. „Schulden“ mit „Schuld“ statt mit „Kredit“ gleichzusetzen ist eine Religion – und Religionen widerstehen der Vernunft am längsten.

1 Kommentar

  1. Ich vebessere meine Beitrag;

    DIE EZB schöpft das Geld für diese sgn. „Schulden“ mit QE „aus dem Nichts“ . Sie kann dabei keine Schulden bei ihren Sparern machen, da bei ihr keine Sparguthaben angelegt werden können. Und sie könnte auch nur Schulden insoweit zurückzahlen, als sie dabei auf Steuereinnahmen aus anderen Steuer-Quellen zurückgreifen könnte. Die sgn „Investitionen“ in die Bundeswehr sind ja keine, sondern sind Langfrist Konsum ähnlich dem eines Häuslebauers. Das in das Haus gesteckte Darlehen ist ein Langfrist-Konsum, das aus seinem zukünftigen Erwerbseinkommen zurückgezahlt wird, und nicht durch gewinnbringenden Verkauf des Hauses. Ebenso ist der Schutz der Bevölkerung durch die Bundeswehr ist Lamgfristkonsum

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