Die Nachteile des totalen Verbrenner-Aus

Ein Verbrenner-Aus, auch für Autos die E-Fuels nutzen, verzögert die Entwicklung klimaneutraler Treibstoffe für Flugzeuge und kostet Österreich eine große Chance.

Auf der IAA Mobility-Messe in München zeigt BMW eine E- Limousine mit 800 Kilometer Reichweite und VW einen E-Polo um nur 25.000 Euro, die auch in China wieder punkten sollen. Porsches Punkstück hingegen ist ein Verbrenner, denn E-Porsches sind Ladenhüter und der Verkauf ist um 90 Prozent eingebrochen. Die Porsche-Aktie ist aus dem prestigeträchtigen Leitindex des DAX geflogen und illustriert den Zustand der Branche.

Hintergrund der Messe ist die Auseinandersetzung zwischen dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer, der nur E-Mobilität für zukunftsfähig hält und Kanzler Friedrich Merz der das von der EU beschlossene Verbrenner- Aus ab 2035 wie CSU -Chef Markus Söder kippen will, weil er meint,  dass es der Autoindustrie als Herzstück europäischer Industrie Europas weiteren Schaden zufügt. Wie Karl Nehammer fordert er Technologieoffenheit, während Dudenhöffer meint, dass nur die Festlegung auf E-Autos KFZ-Konzernen unverzichtbare Planungssicherheit vermittelt. Dagegen spricht allerdings, dass weder die USA noch China, Japan oder Südkorea Verbrenner-Autos verbieten – ihre KFZ- Konzerne gehen bei der Planung davon aus, dass es sie in unterentwickelten Ländern noch lange und in entwickelten Ländern weiterhin geben wird. In der EU hält man dem entgegen, dass man der Welt im Kampf gegen den Klimawandel ein Vorbild sein will, indem man die CO2- Emission durch den Straßenverkehr endgültig beendet.

Dieser Ehrgeiz hat nicht zuletzt mit VW zu tun: VW Chef Martin Winterkorn, wegen seines Anteils am einstigen Porsche-Erfolg Vorstand der VW-Dachgesellschaft Porsche SE, war der Mann, unter dessen Aufsicht sich der „Dieselskandal“ ereignet hat: Bekanntlich manipulierte VW sein Abgasmanagement dahin, dass der CO2-Anteil seiner Abgase am Prüfstand weit geringer als im realen Betrieb ausfiel. Winterkorn, der deshalb bis heute vor Gericht steht, behauptet, das nicht gewusst zu haben. Doch der Dieselskandal hat nicht nur die deutsche Autoindustrie in Verruf gebracht, sondern auch den den Beitrag des CO2-Ausstoßes von Autos zum Klimawandel zum Gegenstand ganz besonderer Besorgnis gemacht.

Ich teile die grundsätzliche Besorgnis, nachdem ich das Glück hatte, in Leo Szilárd einen der nach Albert Einstein größten Wissenschaftler des Jahrhunderts zu kennen[1]: Schon in den Fünfzigerjahren machte er mir klar, warum CO2 auf dem Weg eines Glashauseffekts der Erdatmosphäre zu einer Klimaerwärmung führen muss, die zur größten Herausforderung der Zukunft würde. Ich schicke das voraus, weil ich in der Folge begründen will, wieso die EU dieser Herausforderung meines Erachtens verfehlt entgegentritt.

Erstens: Klima entsteht nicht im Himmel über Europa, sondern global und es zeigt sich, dass die CO2-Emission seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 außer während „Corona“ nie abgenommen hat., weil ökonomische Gesetzmäßigkeiten das nicht zulassen: Was immer an fossilen Brennstoffen – Erdgas, Öl und Kohle- gefördert wird, wird auch verbrannt. Was Europa davon unter großen Anstrengungen weniger verbrennt, verbrennen andere Volkswirtschaften mehr. Um die CO2 -Emission ernsthaft zu vermindern, müssten sich die großen Förderländer, Saudi-Arabien, Russland, Iran, Venezuela und USA, einigen, die Förderung kontinuierlich zu drosseln – das ist so gut wie ausgeschlossen.

Zweitens: Obwohl das so ist, soll die EU die Möglichkeiten, die CO2-Emission zu vermindern, natürlich wahrnehmen. Gerade weil Handeln dringlich ist, muss Überlegung dabei vor Hektik gehen. So haben Flugzeuge „nur“ einen 3 Prozent Anteil am weltweiten CO2 -Ausstoß aber leider stark steigend. Klimaneutrales Fliegen kommt daher besonderer Beachtung zu, wegen der enormen Zunahme des Flugverkehrs. 2044 wird es laut Einschätzung der Flugzeughersteller die doppelte Anzahl von Flugzeugen geben. Weil Batterien viel zu schwer sind und Wasserstoff viel zu rasch entweicht, kommen dafür als alternativer Treibstoff nur E-Fuels in Frage: Treibstoffe, die durch die Verbindung von „grün“ erzeugtem Wasserstoff mit der Luft entnommenem CO2 hergestellt werden. Da sich E-Fuels genauso zum Antrieb herkömmlicher Autos eignen und sogar übers bestehende Tankstellennetz vertrieben werden können, wäre es absurd, sie dort nicht einzusetzen, denn ihr Vorteil ist dramatisch: Sie emittieren beim Verbrennen nur das CO2, das der Atmosphäre bei ihrer Herstellung entnommen wurde – sie sind klimaneutral.

Das Grazer Unternehmen AVL-List ist bei ihrer Herstellung führend: es betreibt seit längerem eine funktionierende Probeanlage, in der der benötigt grüne Wasserstoff mittels Solarstrom hergestellt wird. Das Unternehmen ist überzeugt, dass der Preis pro Liter E-Fuel im Fall der Massenproduktion konkurrenzfähig ist, womit man der ernsthaften Verminderung der CO2 Emissionen nahekäme. Entscheidend ist freilich, dass es tatsächlich zur Massenproduktion kommt, und das hängt von der Gesetzeslage ab: Wenn Autos mit Verbrenner-Motoren in der EU ab 2035 verboten sind, auch wenn sie E-Fuels nutzen, kommt es schwerlich dazu. Fällt das Verbot – und die EU bastelt diskutiert eine entsprechenden Ausnahmegenehmigung- so kommt es zum dramatischen Nutzen für klimaneutrales Fliegen, vielleicht doch zum Wettbewerb zwischen E-Autos und E-Fuel-Autos.

[1] Szillard erkannte, dass und wie sich die im Atomkern enthaltene Energie nutzen lässt und wurde damit zum Vater der in Österreich verpönten Kernkraft, (die international allerdings eine Renaissance erlebt) und, zu seinem Leidwesen, auch der Atombombe, deren Abwurf er freilich mit allen Mitteln zu verhindern suchte.

8 Kommentare

  1. Es gibt keine klimaneutralen Autos. Es gibt auch keine klimaneutralen Menschen. Jedes lungenatmende Lebewesen verursacht das lebensnotwendige Spurengas CO2. Es steuert unter anderem unsere Atmung.
    Tiefliegender, kohlenstoffhältiger Dauerhumus unserer Böden wird beim Pflügen an die Oberfläche gewendet und oxidiert zu CO2. Unsere Äcker setzen bei unsachgemäßer Bearbeitung riesige Mengen CO2 frei. Ohne Bepreisung. Die Rüstungsinustrie ist genausowenig klimaneutral, wie die rohstoffintensiven Kriege. Mit der Klimaneutralität wird der Menschheit genau wie bei der inszenierten Coronaersatzgrippe mit den Inzidenzzahlen, Unsicherheit und Angst zugefügt. Der menschengemachte Klimawandel wird hauptsächlich durch das Treibhausgas Wasserdampf verursacht. Die unabhängigen Wissenschaftler wissen das. Wasserdampf ist aber keine Gelddruckmaschine. Co2 dagegen eine gut geölte. Das erfährt man aber nicht in den Massenmedien. ATOMKRAFTWERKE sind so wie kalorische Großkraftwerke Wasserverdampfungsmaschinen mit angeschlossener Stromproduktion. Die imense, andauernde Wasserverdampfung verursacht, nachweislich Starkregen und Gewitter. Der Flugverkehr leistet auch seinen Beitrag.
    Die klimaverträglichste Autonutzung ist, die Nutzungsdauer des Fahrzeugbestandes zu verlängern. Die Fachkräfte in den KFZ Werkstätten wären dankbar und könnten regional zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Die zahlen auch Steuern. Die KI gesteuerten Autofabriken eher nicht. Wenn die Politik bei unseren geliebten Autos wirklich etwas vernünftiges für den Klimawandel tun möchte, müssten die das Getriebe und die Kupplung verbieten. Diese Bauteile sind bei der heute verfügbaren Technik schlicht unnötig. Der Elektromotor kann das viel besser. Ruckfrei beschleunigen und Bremsenergie zurückgewinnen, kann kein energieschluckendes Getriebe und keine Feinstaub produzierende Kupplung. Es braucht auch niemand die viel beworbenen paralellen Hybridfahrzeuge! Serielle Hybridfahrzeuge werden von den Medien wie Aussätzige behandelt. Mein Opel Ampera Bj. 2013 fährt heute noch perfekt. Dabei sind diese genial. Keine überdimensional großen Akkus, keine gigantische Ladeinfrastruktur notwendig. Der Verbrennungsmotor macht nur den Strom. Die Serie e-power verzichtet überhaupt auf eine externe Strombetankung. Elektrofahrzeuge besonders serielle Hybrid könnten sogar das volatile Stromnetz bei Wind – und Sonnenflaute stabilisieren. Millionen Notstromaggregate wären verfügbar.
    Die Politik gehorcht bei der Gesundheit der WHO, bei der Friedenspolitik der unterwürfigen, kriegsriskanten EU, bei den Konsumgütern der kurzlebigen Wegwerfindustrieprodukten und beim Klima dem CO2 geschwafel eines Bill Gates, der Bäume und Wälder als klimaschädlich erklärt und in der Tiefsee lagern möchte. Dass e-fuels etwas bringen ist genau so verfehlt, wie bei der Coronainszenierung dem gläubigen Volk gesagt wurde, dass die Genspritzen helfen, schützen und quasi nebenwirkungsfrei sind. Die Nachwehen werden von der Politik unterdrückt, wo es geht, sind aber schon teilweise in unaufhaltsamer Aufarbeitung. Die Pharisäer haben derzeit noch Hochsaison. Glaubt nicht alles, was gesagt und geschrieben wird.

  2. Wo haben Sie denn die 25 Prozent Anteil des Flugverkehrs am weltweiten CO2 -Ausstoß her?
    Alles was ich bisher dazu so fand, war eher im Bereich 3-5%.
    In der Wikipedia fand ich dazu folgendes: „Der Luftverkehr ist weltweit für knapp fünf Prozent des menschengemachten Klimaeffekts verantwortlich, in der Schweiz im Jahr 2015 sogar für über 18 Prozent. Geht die Entwicklung so weiter wie bisher, wird dieser Anteil bis 2020 auf fast 22 Prozent anwachsen [Anm.: in der Schweiz].“ https://de.m.wikipedia.org/wiki/Umweltauswirkungen_des_Luftverkehrs

    EU-weit: „Obwohl Luftfahrt und Schiffsverkehr jeweils nur etwa 4 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU ausmachen[…]“ https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20191129STO67756/co2-emissionen-des-luft-und-schiffsverkehrs-zahlen-und-fakten-infografik

  3. Ich bin gegen überhastete zu wenig bedachte Lösungen, was die Folgen betrifft. Der E-Hype ist mE reine Propaganda für eine noch nicht ausgereifte, dabei extrem störanfällige Technologie – erst kürzlich verbrannten Leute hilflos in einem Tesla, weil sie die Türen nicht öffnen konnten, die offenbar nur via Elektronik, Knopfdruck zu öffnen sind…

    1. Desinformation und Angst sind wirkmächtige Werkzeuge der mächtigen. Die betreiben auch wikipedia und die allwissenden Faktenchecker. Bleibt neugierig und glaubt nicht alles.

  4. Wolfgang Wiedeking? Es gab/gibt einen Wendelin Wiedeking, der mit VW/Porsche schon lange nichts mehr zu tun hat und meines Wissens im Abgasskandal nicht angeklagt ist. Und es gibt einen Martin Winterkorn, der offenbar hier gemeint ist. Aber ich kann mich irren.

      1. Meiner Erinnerung nach war Winterkorn nie Porsche Chef, sondern VW Chef, als Wiedeking/Porsche den kecken Übernahmeversuch gestartet haben (begonnen hatte dieser Übernahmeversuch unter dem glücklosen VW Chef Bernd Pischetsrieder). Der Schaden, den Winterkorn & Co. mit dem Dieselskandal VW, der deutschen Automobilbranche und insbesondere dem Verbrenner/Diesel zugefügt haben, ist m. E. mit Worten nicht zu beschreiben.

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