Seit ich beim Falter bin, veröffentliche ich meine Kommentare auch auf meinem Blog „Lingens online“. Vor ein paar Tage teilte mir ein Freund, der ihn verwaltet, mit, dass es ihn nicht mehr gibt.
Seine Erkundigung beim Anbieter meiner Domain ergab, dass man mir unter einer alten von mir nicht mehr einsehbaren E-Mail -Adresse, eine Verlängerungsanfrage gestellt hätte, und als meine Antwort ausblieb, hätte man meine Domain abgeschaltet. Um sie zu aktivieren, hätte ich mich gegenüber dem US Registrar, „Whois“ zu legitimieren, was in meinen Fall insofern komplizierter war als ich den Blog im Rahmen einer Firma betreibe. Von ihr brauche es einen Firmenbuchauszug, eine Strom- oder Gasrechnung, und einen Personalausweis der Geschäftsführerin (meiner Frau). Ich haben das alles geschickt, und werde hoffentlich bald sehen, ob es reicht.
Was ich schon jetzt gesehen habe, ist meine völlige Abhängigkeit von einem zentralen weltweit tätigen US-Internet-Unternehmen. Und natürlich kann der US-Geheimdienst jeden meiner Texte lesen. (gegenüber US-Bürgern darf er das laut Verfassung ausdrücklich nicht, hat es aber natürlich getan. Dass ein Mitarbeiter- Eduard Snowden- das aufdeckte, führte zu einem Haftbefehl gegen ihn, vor dem er nach Russland floh.) Am Rande begriff ich, wie schwer es ist, in den USA zu wählen: Da, es dort keine Meldepflicht gibt, bedarf es einer Strom- oder Gasrechnung, um den Wohnort (die Wahlberechtigung) nachzuweisen.
Nicht nur ob ich meinen Blog weiter betreiben kann, hängt von den USA ab, sondern bei Recherchen bin ich natürlich von Google abhängig und schreibe meine Texte auf „Microsoft 365“ die meine texte automatisch in die Microsoft Cloud stellt. Beide Abhängigkeiten teile ich mit 500 Millionen EU-Bürgern. Deshalb ist es so unsinnig, wenn angesichts der Zölle Donald Trumps gefordert wurde, im Gegenzug doch die US-Internet-Dienste höher besteuern: sie verteuerten sich damit für uns selbst, und die USA könnten damit reagieren, sie uns einzuschränken oder ganz vorzuenthalten: Damit wäre Europa ein Entwicklungsland.
Die Abhängigkeit ist eine nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch militärische: US-Waffensysteme, wie das Raketenabwehrsystem Patriot oder die derzeit besten Jagdflugzeuge F35 bedürfen amerikanischer Software und selbst unsere endlich nachtflugtauglichen Eurofighter wären es nicht mehr, wenn die USA die Software mit einem Knopfdruck deaktivierte, was sie sogar rechtlich darf. Die größte Katastrophe für das ukrainische Heer bestünde bekanntlich darin, dass Elon Musks Satelliten ihm keine Einsicht mehr ins Schlachtfeld gewährte.
Alle diese Abhängigkeiten waren nicht so kritisch, solange die USA klar auf Seiten Europas standen – aber unter Donald Trump ist das nicht mehr der Fall und auch keinem künftigen US-Präsidenten wird Europas Wohlergehen ein vorrangiges Anliegen sein. Wenn die EU wirtschaftlich und militärisch nicht völlig abgehängt werden will, muss sie alles tun, um bei „Digitalisierung“ und „Künstlichen Intelligenz“ aufzuholen, denn das, wird um so schwieriger je mehr sich der Vorsprung der USA vergrößert.
Es gab und gibt in der Wirtschaft immer von einer bestimmten Technologie dominierte Zeitalter: im Zeitalter der Eisenbahn lag Europa vorne und die USA mussten aufholen, was ihnen freilich gelang. Es folgte das Zeitalter des Autos in dem Europa um eine Nuance voran lag. Weil die deutsche Lohnzurückhaltung auf ganz Europa abfärbte, erzielten voran die großen deutschen Auto- Konzerne gewaltige Gewinne. Auf diesen Gewinnen ruhte man sich aus un versäumte den Eintritt ins Zeitalter der Computerisierung und Digitalisierung, obwohl europäische Forscher zu beidem grundlegende Beiträge geliefert hatten. Nicht zuletzt auf Grund brillanter jüdischer Wissenschaftler, die aus Österreich und Deutschland geflohen waren, übernahmen US-Universitäten wie Stanford oder das MIT eine führende Rolle im Bereich der Physik und brachten immer mehr Absolventen hervor, die eine führende Rolle bei der Entwicklung der Hardware (Computer), wie der Software (Programme) spielten. Bill Gates war mit Microsoft zweifellos ein Pionier, aber weil man in den USA sehr rasch begriff, das schnelles Rechnen und rasche Kommunikation nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch von überragender Bedeutung sind, hatte er viele Nachfolger: Die Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak vermochten mit dem iPhone Leistungen zu erbringen, für die man früher zimmergroße Computer brauchte. Später machten selbst weit weniger brillante Männer wie Mark Zuckerberg mit Facebook Milliarden, weil sich zeigte, dass digitale Plattformen wie Amazon oder selbst Airbnb einfach auf Grund Skalierung und der großen Zahl erreichter Personen Geldmaschinen sind. Gelichzeitig gibt es noch vor dem Staat genügend Aktionäre, Fonds und Unternehmen, die in die neue Technologie investierten und jeder neuen Idee rasches Wachstum bescheren. Das Geld vermehrt sich sozusagen automatisch von selbst Und das mit immer größerer Geschwindigkeit.
Was kann Europa dem entgegensetzen: In erster Linie Konzentration auf eigene Forschung: Beim Quantencomputer haben wir -noch- die Nase vorn. Zweitens: Nur ein maximal geeintes Europa mit einem geeinten Kapitalmarkt, kann im Ausmaß der USA in Digitalisierung und KI investieren- derzeit stehen Billionen- Investitionen in den USA nur einstelligen Milliarden-Investitionen in der EU gegenüber. Dass es bald nicht einmal die geben wird, wage ich für weiterhin sparend EU-Staaten mit Sicherheit vorherzusagen: Es gibt auch die automatische Geldverminderung.