Pensionsfonds wären mehrfach nützlich!

Steuerlich begünstigte Pensionsfonds, die Aktienvermögen schaffen und verwalten, können Pensionen ergänzen und einen wichtigen Beitrag zu nötigen Finanzierungen leisten.

Während meine Generation hofft, dass die Steuern auf Zuverdienste zur Pension sinken, hegt die Generation meiner Kinder die von Konservativen und der Agenda Austria gelegentlich geschürte Befürchtung, dass ihre Pensionen nicht mehr sicher sind. Ich halte das insofern für unbegründet, als Österreichs Pensionssystem, das darauf beruht, dass die jeweils arbeitende Generation im Weg der Pensionsversicherung für die Pensionen der in den Ruhestand tretenden aufkommt, sich bisher als besonders widerstandsfähig erwiesen hat, auch wenn der Staat dazu einen immer größeren Beitrag aus Steuern leistet. Worin ich mit der Agenda Austria allerdings übereinstimme, ist die Forderung, es, wie in den skandinavischen Ländern, automatisch der höheren Lebenserwartung anzupassen: Es muss sich auf die Höhe der Einzahlungen oder aber der ausbezahlten Pensionen auswirken, wenn die Lebenserwartung um zehn Jahre steigt.

Ansonsten werden wir voran in Deutschland, und da selbst von konservativen Medien, um unser Pensionssystem beneidet: 2022 lag die durchschnittliche Pension in Österreich bei 1.640, in Deutschland bei 1.120 Euro, war also um 47 Prozent höher, was vor allem für Frauen lebenswichtig ist. Zugleich sind diese höheren Pensionen zwangsläufig hauptverantwortlich für unsere ständig kritisierten hohen „Lohnnebenkosten“, die eben voran aus den Beiträgen zur Pensionsversicherung bestehen. Ebenso hauptverantwortlich sind sie dafür, dass unsere „Abgabenquote“ höher als die deutsche ist, während wir die gleiche Steuerquote haben. Die dänische Abgabenquote, so wende ich diesbezüglich ein, war lang die höchste Europas – aber der dänische Staat bietet seinen Bürgern auch größte Sicherheit, und das trägt zweifellos dazu bei, dass sich Dänen bei Befragungen als besonders zufrieden outen und als glücklichste Bevölkerung der Welt gelten. Eine hohe Abgabenquote kann auch Kennzeichen eines perfekten Sozialstaates sein.

Derzeit wird ein angeblich „überbordender Sozialstaat“ von Neoliberalen als in hohem Maße verantwortlich für die dürftige wirtschaftliche Entwicklung Europas diffamiert. In Wirklichkeit liegt ihr zu Grunde, dass die Maastrichtkriterien die Staaten der EU daran hindern, sich wie die USA zu verschulden und auf diese Weise entsprechendes Wirtschaftswachstum zu generieren. „Die Maastrichtkriterien gehören in die Mottenkiste“, hat Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker im Gegensatz zur Agenda Austria als erster heimischer Politiker ausgesprochen und vorerst so vergeblich wie ich gefordert, dass Österreich das in Brüssel anspricht und Verbündete sucht.

Worin ich mit der Agenda Austria hingegen übereinstimme, ist der Nutzen einer zusätzlichen Aktien-finanzierten Säule der Pension – Betonung auf „zusätzlich“. Vorsicht ist deshalb geboten, weil in Ländern, in denen die Aktien-finanzierte Säule eine nicht nur zusätzliche Rolle spielt, in Phasen abstürzender Aktienkurse auch die Pensionen kritisch sanken. Solche Kursstürze sind aber ungleich seltener als steigende Kurse: Auf längere Sicht lohnen Aktien immer – damit auch Fonds, die sie verwalten.

Die ersten Pensionsfonds wurden 1759 in den USA zur Versorgung der Witwen und Waisen von Ministern geschaffen.1875 schuf „American Express“ den ersten Fond eines Unternehmens. Seit 1921werden Einzahlungen in Pensionsfonds steuerlich begünstigt und fast alle großen US-Unternehmen haben sie: sie sind Teil des Entgelts, das ein Unternehmen seinen Angestellten bietet. Weltweit existieren heute rund 46.000 Pensionsfonds – dank der langen Tradition 90 Prozent davon in den USA – und legen gemeinsam rund 24 Billionen Dollar auf den Kapitalmärkten an. In den USA wird der Großteil der Altersvorsorge über Pensionsfonds abgewickelt, aber sie spielen auch eine wichtige Rolle bei der Finanzierung nötiger Großprojekte, aber selbst von Startups. Dank ihrer enormen finanziellen Potenz ist auch ihr internationaler Einfluss gewaltig: Wenn sie Ihr Geld vorrangig in einem bestimmten Land anlegen, ist das von größtem Vorteil für dessen Kapitalmarkt – das ist Teil der US- Weltmacht. Selten aber doch gibt’s das auch umgekehrt: Derzeit droht der niederländische Pensionsfond PME US-Vermögensverwaltern seine Milliarden zu entziehen, wenn sie zu große Nähe zur Trump- Administration aufweisen.

Ich hielte es für sinnvoll, wenn Österreich, ohne das staatliche Pensionssystem anzutasten, einen ähnlich großen Pensionsfonds hätte. Raiffeisen, das einen offenen Pensionsfond hat, hat seine Kunden leider vor allem in Südtirol. Letztlich hängt der Erfolg von Pensionsfonds vom Ausmaß ihrer steuerlichen Begünstigung ab und ich glaube, dass Österreich da etwas tun sollte.

Darüber hinaus glaube ich, dass voran jüngere Menschen lernen sollten, den Kauf von Aktien dem Sparbuch vorzuziehen, auch wenn sie nur kleine Beträge zur Verfügung haben, denn meist kompensieren die Sparbuchzinsen nicht einmal die Inflation. Natürlich kann man sich bei Aktien leichter verspekulieren, aber beim Sparbuch tut man das der Inflation wegen fast ständig. Die meisten Banken helfen beim Aufbau vergleichsweise sicherer Aktienportfolios und es gibt Unternehmen, die jungen Leuten das Management solcher Portfolios zu sehr günstigen Preisen oder sogar gratis anbieten. Natürlich ist immer auch ein gewisses eigenes Wirtschaftswissen von Nöten – deshalb ist es so wichtig, dass Wirtschaft endlich wesentlicher Bestandteil aller Lehrpläne wird.

 

 

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