Die USA werden in Venezuela wieder Öl fördern. Dabei ist schon das heute weltweit geförderte und verbrannte Öl unvereinbar mit dem Pariser Klimaziel. Was verbleibt der EU?
Donald Trump droht Venezuela, Grönland, Panama, Kolumbien, Kuba und dem Iran auch militärisch. In manchen dieser Staaten, voran Kuba, Iran und Venezuela, sieht die Opposition das als Chance. Nur dass es Trump nur am Rand um die Destabilisierung von Diktaturen geht: niemand zweifelt, dass es ihm voran um Venezuelas weltgrößte Ölreserven geht.
Unter allen negativen Folgen seiner Politik ist ihr Nachteil für den Kampf gegen den Klimawandel am gravierendsten. Denn schon jetzt werden weit mehr fossile Brennstoffe gefördert = verbrannt, als mit vorsichtigsten Klimazielen vereinbar ist. Die Chance, dass Solarenergie rasch genug billiger als fossile Energie ist und der Klimawandel so gebremst wird, verringert sich mit der Erschließung der venezolanischen Öl-Reserven ein großes Stück weiter.
Der verstorbene Präsident Venezuelas Hugo Chavez hat die von US-Konzernen finanzierte Ölindustrie seines Landes bekanntlich verstaatlicht – sie den USA also tatsächlich weggenommen. Während er sie aber zumindest so weit in Gang hielt, dass er ihre deutlich schmäleren Gewinne breiter verteilen konnte, ruinierte sie sein nur mehr autoritärer Nachfolger Nicolás Maduro in kaum vorstellbarem Ausmaß: Statt dreieinhalb Millionen Barrel pro Tag, förderte sie nur mehr ein paar hunderttausend. Im gleichen Ausmaß verarmte die Bevölkerung und wurde der Klimawandel ungewollt gebremst.
Dass Trumps militärischer Coup nur zur Verhaftung Maduros und seiner Frau wegen angeblichen (durchaus wahrscheinlichen) Drogenhandels führte, nicht aber dazu, dass er durch einen Demokraten oder eine Demokratin, etwa Friedensnobelpreisträgerin Marina Corina Machado ersetzt wurde, um demokratische Wahlen vorzubereiten, kann Trump vor Demokraten damit verteidigen, dass den USA zu Recht vorgeworfen wurde, dass sie den Irak gefährlich destabilisierten, indem sie nach dem Sieg über Saddam Hussein auch seine Generäle, hohen Beamten und bekannten Politiker ausgewechselt haben. Indem Trump Maduros Stellvertreterin Delcy Rodríguez als Übergangspräsidentin im Amt beließ, ersparte er sich seine Militäraktion auszuweiten, denn Venezuelas Militär, das schon hinter Maduro gestanden war, steht auch hinter ihr. Gleichzeitig schuf er beste Voraussetzungen dafür, Venezuelas Öl wieder ganz in die Hand der USA zu bringen: Rodríguez erklärte sich zu Verhandlungen bereit, die zweifellos mit der Rückkehr der größten US-Öl-Konzerne nach Venezuela enden. Für die Bevölkerung wird das anfangs nicht einmal so schlecht sein, denn laut Experten der Firma „Rystad Energy“ braucht es mehr als 185 Milliarden Dollar und rund sechzehn Jahre, um Venezuelas total verrottete Bohranlagen wieder in Gang zu setzen.
Im Moment fördert nur Chevron dank einer Ausnahmegenehmigung geringe Mengen des venezolanischen Öls, aber Exxon hat schon sein Interesse angemeldet und in Texas befinden sich Anlagen, die das sehr dickflüssige Öl Venezuelas besonders gut verarbeiten können und in den Startlöchern scharren. Damit wird die Verbilligung des Öls zwar noch nicht in den nächsten Jahren, wohl aber in einem Jahrzehnt eine erhebliche sein und dann ständig fortschreiten.
Umweltorganisationen sind natürlich entsetzt, auch wenn das derzeit im Orinoco-Delta ungenutzt in den Atlantik austretende venezolanische Öl ständig dessen Tierbestand reduziert.
Nicht nur sie werden allerdings keine Chance gegen Trumps Politik haben, sondern auch Friedensnobelpreisträgerin Machado, die bereits anbot, ihren Preis mit Trump zu teilen, dürfte wenig Chancen haben, Rodríguez, die sie „schlimmer als Maduro“ nennt, wenigstes in Zukunft zu verhindern. Denn gerade, weil die Erschließung von Venezuelas Ölvorräten nicht so schnell geht, braucht Trump, aber auch jeder andere US-Präsident, dort möglichst stabile Zustände, und leider stellt sich autoritäres Regieren, wie Rodríguez es fortsetzen will, als erstaunlich stabil heraus (siehe Kuba, Iran, Russland, China).
Ich glaube daher, dass die EU ihre Klimapolitik überdenken soll. Schon jetzt spricht viel dafür, dass fossile Energie noch lange billiger als Solarenergie ist, aber mit der Entwicklung in Venezuela hat diese Wahrscheinlichkeit erheblich zugenommen, obwohl sein Öl wegen seiner Dickflüssigkeit relativ teuer ist. Indem die EU völlig auf billiges russisches Öl und Gas verzichtet, schadet sie sich wirtschaftlich, ohne Russlands Vorstoß in der Ukraine aufzuhalten oder den Klimawandel abzuwenden. (so falsch es wäre, zur völligen Abhängigkeit von Russland zurückzukehren) Bezüglich der Ukraine wäre es erfolgreicher, ihr dank einer gestärkten Wirtschaft vielleicht doch die Waffen kaufen zu können, die ihr einen faireren Frieden einbringt, und jedenfalls wird die Sicherung eines von Russland doch gewährten ungerechten Friedens und der Wiederaufbau teuer sein. Bezüglich des Klimawandels wird man sich, so fürchte ich, mit einer kontinuierlich steigenden CO2-Steuer begnügen müssen, um Druck in Richtung einer verbilligten Herstellung alternativer Energie auszuüben. Und eine gestärkte Wirtschaft der EU scheint mir auch am ehesten in der Lage, doch Solarenergie in der Wüste zu produzieren und als Gleichstrom in die EU zu leiten.
Solange die Regierungen der großen Ölstaaten nicht daran denken, sich darauf zu einigen, die Öl-Förderung kontinuierlich zu drosseln, scheint es mir nur wirtschaftliche Nachteile einzubringen, wenn man einsam versucht, jedes CO2 zu vermeiden.
4 Kommentare
Um welche Klimaziele geht es? Geht es um die Erwärmung der Atmosphäre, dann muss der Wärmeeintrag insbesonders der menschengemachte Wasserdampf maßgeblich reduziert werden. Geht es um die Verkümmerung der Natur und der Lebewesen, dann muss das lebenswi chtige Spurengas Co2 reduziert und massiv besteuert werden. Immer mehr Menschen verstehen inzwischen, dass Wort – und Sinnverdrehungen langfristig nicht zielführend sind. Sondervermögen müssen auch zurückgezahlt werden. Das venezianische Erdöl wird nicht weniger, wenn es nicht auf den Markt kommt und den Rohölpreis senkt. Für die Frackingölindustrie ist ein Überangebot bedrohlich. Die Weltmächte reden wieder miteinander, konsolidieren sich territorial und verlassen den Weg der unipolaren, von den angloamerikanischen Eliten diktierten menschenverachtenden, Weltherrschaft. Die FED wird Federn lassen müssen und alte Brenton Woods Verträge, in denen der Währung auch Sachwerte gegenüberstehen mussten, werden wieder adaptiert werden müssen um den Crash abzufedern. Das derzeitige Geplänkel ums Öl sind Nebenschauplätze. Die Einflusszonen werden jetzt neu abgesteckt. Am Ende sind auch die von Deutschland gebrochenen 2+4 Verträge neu zu bewerten. Das bankrotte Europa sollte sich nicht allzusehr einmischen und einmal einen friedensichernden Beitrag zu leisten versuchen. Vielleicht gibt es in der EU auch friedenswillige Nationen.
Es ist traurig, aber wahr: Europa allein kann den Klimawandel nicht stoppen. Aber seine heroischen, einsamen Bemühungen werden Europas Wettbewerbsfähigkeit reduzieren und über kurz oder lang seine – unsere – Wirtschaft ruinieren. Dann werden wir -hurra! – noch weniger CO2 produzieren, was aber wegen der durch Trump forcierten Renaissance fossiler Brennstoffe weltweit überhaupt nicht mehr ins Gewicht fallen wird. Der Schluss ist nicht schön, aber leider wahr: Wir sind die Dummen.
Ein ehemaliger US-Studienkollege, der seit 50 Jahren im texanischen Ölgeschäft verankert ist, schreibt mir folgendes. Im Orinoco Becken ist das Rohöl extra-schwer. Der API-Grad bewegt sich zwischen 6,5 und 10,5, (extra-schwer). Das Perm-Becken in West Texas hat einen API zwischen 44-49 (sehr leicht). Das Orinoco-Öl ist wie Teer. Es ist sehr teuer in der Förderung sowie in der Aufbewahrung. Wenn dieses Öl in Texas wäre, dann bräuchte man einen Ölpreis von $70, damit die Rechnung aufgeht. Aber in Venezuela, wo wir uns die Ölfelder mit Gewalt holen? Wo die Produktion wegen mangelnder Instandhaltung von 3,8 Mio. auf 1 Mio. gesunken ist? Das kann nicht funktionieren. Ein Ölkonzern weiß, dass er im fremden Land einen Service leisten muß, um als Partner gesehen zu werden. Ansonsten wird er als Imperialist gesehen, der gekommen ist, um das Land auszubeuten. Jeder LKW und jede Pipeline ist dem Risiko ausgesetzt, in die Luft gesprengt zu werden und das wird auch in Venezuela so sein. Chevron wird eines Tages noch bereuen, dass Trump Maduro gekidnappt hat. Und natürlich sind die texanischen Ölmagnaten wütend auf Trump, dessen Wahlkampf sie so stark unterstützt hatten. Trump möchte mehr Öl auf den Markt bringen. Er hat den Ölpreis von $77 auf $57 gedrückt. Beim Preis von $57 bewegen sich die Förderungsfirmen in Richtung Konkurs. Umso schlimmer wird es in Venezuela sein.
Schlusssatz: „The Exxon CEO was correct when he said that Venezuela was ‚uninvestable'“.
Die Fördermöglichkeiten des Öls in Venezuela sind momentan sehr gering , weil die Anlagen sehr veraltet sind. Zunächst müssten sehr hohe Investitionen getätigt werden , um überhaupt an das Öl zu kommen. Das kann Jahre dauern ….. sehr interessant ist dazu der Artikel aus der Zeit vom 8. Januar:
„Donald Trump:
Von wegen Öl
Die Ressource, um die es Trump wirklich geht, steckt nicht im Boden, sondern in unseren Köpfen: Aufmerksamkeit“ ein Kommentar von Bernd Ulrich
Lese immer wieder gern den Newsletter von Peter- Micheael Lingens …. regt mich zum Nachdenken und Weiter-recherchieren an , Danke