Trump hat es eilig: Während die Ukrainer frieren, fahren die USA ihre waffentechnische Unterstützung dramatisch zurück – die EU kann sie nicht ersetzen.
„Der Frieden war noch nie so nah“, sagt mit Oberst Markus Reisner der sachkundigste Beobachter des Ukrainekrieges – „aber es wird ein Frieden zu Lasten der Ukraine sein: Russlands Mindestanspruch wird es sein, zur Krim auch den gesamten Donbas und den Oblast Saporischschja zu erhalten.“ Auch wenn es dessen gleichnamige Hauptstadt noch längst nicht erobert hat.
Ich teile diese Ansicht. Der Frieden wird kommen, weil Wladimir Putins Beute so reich ist und er das riesige Land militärisch sowieso nie voll kontrollieren könnte. Die Frage ist nur, ob die EU in der Lage ist, die Rest-Ukraine militärisch so abzusichern, dass Putin sie nach einem Jahr nicht neuerlich überfällt, um eine ihm genehme Marionetten-Regierung zu installieren.
Denn Donald Trump wird ihn daran nicht hindern. Schließlich wäre es ihm ein Leichtes gewesen, einen für die Ukraine ungleich günstigeren Frieden zu erreichen, indem er sie mit den besten Waffen unterstützt. Das aber tut er nicht: sicher, weil ihm an guten Geschäften mit Russland gelegen ist; wahrscheinlich, weil es länger dauerte und er glaubt, den Friedensnobelpreis so schneller zu erhalten; vielleicht auch, weil er wirklich keine Toten mehr sehen will. Ich halte es allerdings auch nicht für eine abwegige Verschwörungstheorie, dass Trump Putin ausgeliefert ist, weil der nachweisen könnte, dass er ihn mit Geld des KGB vor der Pleite gerettet hat.
Vor allem zu Beginn der russischen Offensiv wäre es dem „Westen“ leicht gewesen, sie aufzuhalten, denn Russlands Armee war völlig desorientiert. Wochenlang standen ihre Panzer der Reihe nach aufgefädelt schutzlos da. Aber Joe Biden lieferte der Ukraine nicht die dazu nötigen Luft-Boden-Raketen. Allerdings nicht aus Trumps Gründen, sondern weil er sich davon beeindrucken ließ, dass Putin den Einsatz von Atomwaffen androhte, obwohl ich sicher bin, dass er zwar zu jedem Verbrechen bereit, aber kein Selbstmörder ist. Danach gab es die Chance, die Russen zurückzudrängen, als die Truppen der Ukraine anlässlich ihrer Sommeroffensive die russische Abwehrlinie durchbrochen hätten, hätte ihr Deutschland unter Olav Scholz schwere Panzer geliefert. Aber der tat das, aus den gleichen Motiven, so wenig wie Biden.
Das blieb die Regel: Was immer die Ukraine erhielt, erhielt sie zu spät; schwere Panzer erst, nachdem die Russen massive Panzersperren errichtet hatten, F16 Jagdflugzeuge erst, nachdem es zu spät war, Russland die Lufthoheit streitig zu machen. In den letzten Monaten – und das macht Reisner wie mich so sicher, dass Trump möglichst rasch zu einem Ende kommen will – ließ er der Ukraine immer weniger Patriot-Abfangraketen zukommen, so dass viele ihrer Abschussvorrichtungen leer blieben. Und das genau in dem Moment, in dem Putin die Taktik der russischen Armee endgültig und restlos umgestellt hat: Da sie am Boden kaum vorankommt, konzentriert sie sich auf Kriegsverbrechen: Am 3., 6. und 7. Februar griff sie aus der Luft mit insgesamt 1.303 Drohnen, Marschflugkörpern und Raketen an, und obwohl es den Ukrainern gelang, 80 Prozent davon abzufangen, reichte das, die wichtigste zivile Infrastruktur zu zerstören: In Kiew wurden zwei der drei wichtigsten Heizkraftwerke zerstört und das dritte wurde ebenso schwer beschädigt wie die größten nahen Umspannwerke. Ganz Kiew mit Ausnahme des Regierungsviertels kann nicht mehr mit der notwendigen Energie versorgt werden: In den Häusern herrschen im Schnitt Raumtemperaturen von 6 bis 7 Grad. Gleichzeitig funktionieren viele Wasserleitungen nicht mehr, weil der Frost die Rohre bersten lässt. Das alles müssen die Menschen in Kiew aushalten, obwohl es unter die sicheren Städte zählt.
Zuletzt blieb der Ukraine nichts übrig, als mit gleicher Münze zu antworten: Nach ukrainischen Angriffen auf die russische Stadt Belgorod fielen dort für etwa 100.000 Menschen Strom und Heizungen aus. Aber das ist kurzfristig – die Ukrainer frieren seit Jahren. Langfristig bedeutungsvoller wäre der Versuch, die russischen Erdölraffinerien zu treffen, um Russlands wichtigste Einnahmequelle zu drosseln – aber aktuell ist das unerheblich.
Während Russland seine Sommeroffensive vorbereitet, ist nur noch eines der militärischen Hilfsmittel, die die USA der Ukraine bisher gewährten, voll in Funktion: Elon Musks Skylink liefert ihrer Armee weiterhin Einsicht ins Schlachtfeld. Bezahlt wurde das seit 2022 von Polen mit 77 Millionen Euro und im laufenden Jahr sollen es weitere 18,3 Millionen sein. Allerdings wurden immer wieder Empfangsgeräte nach Russland geschmuggelt, so dass auch dessen Armee sie partiell nutzen konnte. Schon lange fordert Wolodymyr Selenskyj, dass Skylink den Empfang in Russland unterbindet, und soeben scheint das zahlende Polen das erreicht zu haben.
Nur ist Trump in der Lage, Musk zu zwingen, der Ukraine Skylink nicht mehr zugänglich zu machen und das schwächte sie militärisch in kaum absehbarem Ausmaß. So sehr Vertreter der EU in München auch erklärten, unverrückbar hinter der Ukraine zu stehen, muss man sich doch darüber im Klaren sein, dass die EU die USA technisch nicht ersetzen kann: Sie hat so wenig ein Skylink vergleichbares Satellitensystem wie ein Patriot vergleichbares Luftabwehr-System.
Indem Trump von Selenskyj spätestens im Juni einen Friedensvertrag fordert, setzt er ihn unter einen Druck, dem Stand zu halten mir kaum möglich scheint
2 Kommentare
Herr Lingens, Sie reihen sich brav in die militaristische Links-Grün-Woke Gesellschaft ein. Sie wollen die Hauptursache des „russischen Angriffskrieges“ – die NATO-Osterweiterung – einfach nicht zur Kenntnis nehmen.
Wie sich die Trump-USA aufführt, darüber lese ich nichts von Ihnen. Die betreiben reine brutale Interessenpolitik, egal ob in Venezuela, Grönland, Iran, Kuba … oder sonst wo auf der Welt.
Zu Kuba: Kein Wort! USA beitreibt da einen 100%igen Völkerrechtsbruch. Wieso halten „die Linken“, „die Guten“ so auffällig die Goschn – von unserem Herrn Bundespräsident abwärts. Ja, Kuba ist weit weg, Fidel Castro und Che Guevara sind längst Geschichte … und was geht uns Kuba an? Um die Ukraine, eines der korruptesten Ländern dieser Erde, hat sich bei uns bis vor vier Jahren auch niemand geschissen!
Oder glauben Sie, sehr geehrter Herr Lingens, dass Russland Nato-Länder überfallen, einmarschieren und besetzen würde?
Der gute, korrupte Herr Schauspieler Selenski steht seit den Friedensverhandlungen in Istanbul unter Dauerdruck. Den Druck den Boris Jonson 2022 ausübte, damit kein Frieden zustandekommt, hätte Selenski standhalten und den Frieden durchziehen sollen. Die vielen Todesopfer auf beiden Seiten hat der Wertewesten zu verantworten. Der Bürgerkrieg von dem unser ORF Korrespondent Herr Wehrschitz seit 2014 berichtet ist noch immer nicht beendet. Die russischsprachige Bevölkerung in Osten der Ukraine wollen keine Schikanen der Regierung Selenskis.
Herr Lingens, sie beklagen in ihrer fundierten, kriegsverliebten Expertise die zögerlichen Waffenlieferungen des Westens und sind sicher, dass der Bösewicht Putin die Atomkarte nicht ziehen wird. Nennt man das russisch Roulette auf Kosten von Europa? Der gute Wertewesten hat aus purer Machtdemonstration gegenüber Russland 1945 ohne militärische Notwendigkeit 2 Atombomben über den Köpfen der Zivilbevölkerung gezündet. Soviel zur schwindenden Glaubwürdigkeit der Gutmenschen und ihrer medialen Handlanger. Die multigeschlechtlichen Gutmenschen verlieren allmählich die Wählerstimmen und errichten krampfhaft Brandmauern und digitale Kontrollinstrumente zur Freiheitsberaubung. Vielleicht ist Europa demnächst froh, wenn über die funktionstüchtige Röhre der Nordstreampipeline wieder zuverlässig Energie aus Russland geliefert wird. Leere Gasspeicher helfen vielleicht beim Denken und Handeln. Eine Gasmangellage hilft nur den Amerikanern und zerstört Europa noch mehr.
Die Musik fängt wieder an, wenn die Waffen schweigen und das Sterben aufhört. Ich denke, dass eine bündnisfreie Restukraine ohne westliche Wahlbeeinflussung gute Zukunftschancen hätte. Herr Selenski soll sich eine EU-aufnahme abschminken. Soooo blöd ist die undemokratische, totalitärträchtige EU vielleicht doch noch nicht.