Ob der Krieg USA gegen die Mullahs wirklich bald endet, ist höchst unklar. Jedenfalls bleiben Öl- und Gaspreis hoch und gefährden die Wirtschaft.
Donald Trump liebt Ultimaten. Dieses ist dennoch das riskanteste seiner Karriere: Entweder, so hat er bekanntlich erklärt, die Straße von Hormus ist binnen 48 Stunden offen oder er bombardiere Irans Kraftwerke. Die Mullahs, die wissen, dass Hormus ihr wichtigstes Faustpfand ist, haben erwartungsgemäß zurückgedroht, dass sie dann die Golfstaaten weit über US-Stützpunkte hinaus angreifen, Urlaubsgebiete beschießen und nichts und niemanden schonen würden.
Ich glaube nicht, dass sich daran demnächst etwas ändert und damit kann auch Trump kaum ganz zurück, obwohl das Bombardement nach angeblich guten Gesprächen um fünf Tage verschoben hat. Gar nichts zu unternehmen, würde ihm wohl als Schwäche ausgelegt und kostete ihn genauso die Midterm -Wahlen wie die steigende Inflation. Ich könnte mir vorstellen, „nur“ die der Straße von Hormus vorgelagerte Insel Kharg angreifen wird, weil es dort unterirdische Abschussbasen für Raketen gibt, vor allem aber, weil sich dort Irans größte Verladungsanlage für Öl befindet, die zu verlieren ihn entscheidende Einnahmen kostete. Jedenfalls hätte er dazu ein weiteres Kriegsschiff und 2.500 Marins zur Verfügung. Wenn Sie diese Zeilen lesen, könnten Sie schon wissen, was er getan hat.
Eines ist sicher: Öl und Gaspreis werden hoch bleiben. Denn Israel hat im iranischen Teil Katars bereits das weltgrößte Gasfeld in Brand geschossen und der Iran darauf das weltgrößte LNG-Terminal des Golfstaats beschädigt. Für China, Japan und Indien, die voran über die Straße von Hormus versorgt werden, ist das schon jetzt wirtschaftlich katastrophal. Für Österreich ist es in dem Ausmaß weniger, als es seine hohe Abhängigkeit von (russischem) Öl/Gas reduziert und den Einkauf diversifiziert hat. Trotzdem sind die nunmehrigen Öl/Gas-Importe aus den Golfstaaten, den USA und Norwegen, die schon bisher teurer als Russlands Öl/Gas waren, noch viel teurer geworden. Wirtschaftsforscher Gabriel Felbermayr hat wie ich für die Auflösung der Mindestölreserve plädiert und die Risiken der geplanten Senkung der Mineralölsteuer aufgezeigt: Sie kann den Fiskus Einnahmen kosten, die der Mineralölindustrie verbleiben; deren Margen zu beschränken, kann die Tankstellen trockenlegen. Nur sinnwidrig wäre der Wegfall der CO2 -Steuer, denn sie drängt uns das Nützlichste zu tun: grüne Energie zu forcieren.
Die USA kostet jeder Kriegstag ein Milliarde Dollar, Russland kaum weniger. Beide bekommen einen Teil davon durch den gestiegenen Öl/Gas -Preis wieder herein. In der EU sollte man nachdenken, ob ihr der Verzicht auf russisches Öl/Gas nicht mehr Probleme als Russland beschert, das beides, wenn auch billiger, eben an China verkauft.
Trump will vom US-Parlament dennoch 200 Milliarden Dollar, obwohl er den Irankrieg als bereits gewonnen bezeichnet hat, und auch Israel glaubt ihn demnächst gewonnen. Angesichts ihrer Lufthoheit ist denkbar, dass fast alle von oben sichtbaren Abschussrampen, Munitionsdepots und Produktionsstätten tatsächlich ausgeschaltet wurden. Aber Unterwasser-Minen und unterirdische Abschuss-Basen sind von oben nicht sichtbar und haben Tankschiffe schon deshalb problemlos am Passieren der Straße von Hormus gehindert, weil niemand sie versichert. So dürftig Trump Europa in der Ukraine unterstützt, hat er bekanntlich von den europäischen NATO Partnern gefordert, dass sie Tankschiffe wie vor Suez mit Kriegsschiffen begleiten. Bisher haben sie das mit der Begründung abgelehnt, dass das nicht ihr Krieg und schon gar kein NATO-Fall sei. Nur im Fall eines Waffenstillstands wollen sie helfen. Diese Weigerung Trump zu unterstützen birgt das Problem, dass Europa die USA als NATO-Partner mehr braucht, als die USA Europa brauchen, und auch die Tankschiffe bringen mehr Öl nach Europa als in die USA. Allerdings erreichen Irans Mittelstreckenraketen Europa, nicht aber die USA.
Dass es Trump so wichtig ist, dass der internationale Ölpreis durch Öffnung der Straße von Hormus sinkt, liegt daran, dass die Inflation sein größtes Handikap bei den Midterm-Wahlen ist. Aber nun sinkt er sicher gar nicht. Und so sehr ich hoffe, dass er sie verliert, ist sein Sinken für Europa, Japan, China und Indien als Handelspartner noch weit wichtiger, denn die USA haben dank Fracking (teureres) eigenes Gas und Öl.
Den Iran, wenn man ihn angegriffen hat, nicht wenigstens maximal zu schwächen, halte ich für restlos unsinnig: In ein paar Jahren erholte er sich und stellte die alte Gefahr dar. Daher scheint mir vorteilhaft, alles zu tun, was die Fehler in Trumps Kriegsführung ausgleicht und den Sieg Israels und der USA sicherstellt. Nicht aus Sympathie für Trump und Netanjahu, wohl aber, weil eine massive Niederlage der Revolutionsgarden den Nahen Osten sicherer macht und nicht zuletzt die einzige, vage Chance für einen Regimewechsel ist. Diese noch so vage Chance zumindest aufrecht zu halten, sollte ein Kriegsziel bleiben. Denn völlig unerreichbar ist es nicht: Hohe Militärs der Revolutionsgarden, denen Geld aus ihren Industriebeteiligungen ungleich wichtiger als der Islam ist, könnten einer Regierung zustimmen, der weder die Vernichtung Israels noch das Kopftuchverbot wichtigstes Anliegen ist. Zwar würde damit noch längst nicht Demokratie und Freiheit, wohl aber eine gewisse Normalisierung erreicht. Trump, dem es zwar kaum um Demokratie und Freiheit für die Iraner gegangen ist, wäre an einem solchen Arrangement jetzt mehr denn je interessiert.
2 Kommentare
Falls die „westliche“ Wirtschaft – zumindest in Europa – kollabiert und es zu Massenarbeitslosigkeit kommt, ist wieder „alles möglich“. Und der „Schuldige“ – wie damals – ist ziemlich eindeutig auszumachen.
Mich wundert ja, dass die „Intellektuellen“, die Woken und Linken allesamt die Goschn halten. Auf den irren Trump kann man leicht schimpfen, sonst ist weitgehend Stille …
Nachsatz: Viele sind besorgt, wie sich die Erde durch den „menschengemachten“ Klimawandel in einigen Jahrhunderten verändern wird, aber was bereits in einigen Jahren passieren kann …
Heute, am 26.03.2026 schreibt PML:
„Ob der Krieg USA gegen die Mullahs wirklich bald endet, ist höchst unklar. Jedenfalls bleiben Öl- und Gaspreis hoch und gefährden die Wirtschaft. “
Warum auf einmal so zögerlich?
Peter Micheal Lingens schrieb am 10.03.2026:
„Denn die Entwaffnung des Iran – die Zerstörung der Langstreckenraketen und Abschussrampen, der Anlagen zu ihrer Produktion und zur Uran-Anreicherung – gelingt sicher.“
Gratuliere zu so viel Einsicht in die Weltpolitik!!