Trumps segenreicher Streit mit Leo XIV

Trumps Streit mit dem Papst lässt ihn hoffentlich die Midterm-Wahlen verlieren und zwingt Militär-Aktionen präziser zu überdenken: Venezuela und Kuba sind nicht Iran.

Für die Demokratie der USA wäre es ein beträchtlicherer Schaden gewesen, wenn es dem katholischen Außenminister der USA Marco Rubio bei seiner jüngsten Audienz bei Papst Leo XIV gelungen wäre, die Differenzen zwischen Donald Trump und dem Oberhaupt der katholischen Kirche abzubauen. Denn diese Differenzen tragen wesentlich dazu bei, dass Trump bei den Midterm-Wahlen hoffentlich eine Niederlage erleidet.

Er meinte bekanntlich „auf der fifth avenue jemanden erschießen zu können“, ohne an Zustimmung zu verlieren, aber den Papst zu kritisieren, kostet ihn nicht nur unter katholischen, sondern unter allen christlichen US-Wählern Stimmen.

Dabei ist Trumps Kritik ausnahmsweise nicht völlig unberechtigt: Dass der Papst grundsätzlich für Frieden ist, hat er mit jedem Menschen, der diese Bezeichnung verdient, gemein – aber Krieg gegen das herrschende Regime Venezuelas, Kubas oder des Iran ist von Krieg gegen die Bevölkerung dieser Länder zu unterscheiden. Die Kritik des Papstes an Trumps Irankrieg war nur berechtigt, sofern der Vorwurf lautete: dieser Krieg war schlecht vorbereitet; Trump hat nicht bedacht, dass er zwingend Bodentruppen brauchte, um die Bevölkerung von der mörderischen Tyrannei des Mullah-Regimes zu befreien; stattdessen hat sein Bombardement nur geschätzte zehntausend Iraner umgebracht und der Welt eine Ölkrise beschert, ohne die Chance auf einen Umsturz herbeizuführen.

Venezuela und Kuba sind nicht der Iran

Wirklich problematisch ist die Kritik des Papstes an Trumps militärischem Eingreifen in Venezuela und seinem offenbar geplanten Eingreifen in Kuba. Die Militäraktion zur Entführung Nicolas Maduros hat 100 venezolanische Sicherheitskräfte das Leben gekostet – der in Venezuela endemische Hunger kostet mit Sicherheit jedes Jahr über 100 Opfer. Ein Chaos wie seinerzeit im Irak hat Trump vermieden, indem die Stellvertreterin Maduros, Celia Rodriguez, von vornherein als neue Regierungschefin feststand, und auch wenn sie keine Demokratin ist, hat sie politische Häftlinge immerhin amnestiert. Dass es Trump vermutlich um Venezuelas weltgrößte Ölreserven ging, ändert nichts daran, dass die Konzessionen, die US-Konzerne nun erhielten, für die Investitionen sorgen, die notwendig sind, die unter Maduro völlig verrotteten Ölförderanlagen zu sanieren und damit Arbeitsplätze und Einkommen zu schaffen. Es ist zwar ungewiss, ob Venezuela wieder zu dem Wohlstand zurückfinden wird, den es schon einmal besaß, aber dass es der Bevölkerung in Zukunft ungleich besser als bisher gehen wird, steht außer Zweifel. Trumps Eingreifen war daher ein Segen und ein funktionierender UN-Sicherheitsrat hätte ihm als humaner Intervention zustimmen müssen – nur kann es mit Russlands Vetorecht keinen funktionierenden Sicherheitsrat geben.

Gefängnis unter Palmen

Ähnliches gilt für Trumps offenbar geplantes Eingreifen in Kuba. Auch dort haben Jahrzehnte kommunistischer Diktatur das Land völlig verarmen lassen. Seit die russische Hilfe restlos versiegt ist, ist es nachts völlig finster: Es gibt nicht einmal mehr den Treibstoff, um Strom- Generatoren zu betreiben.

Aber das Land ist nicht nur arm, es ist auch ein Gefängnis. Wenn man wie ich zum Teil in Spanien lebt, lernt man unweigerlich Kubaner kennen, die einem erzählen, warum sie geflohen sind. Ein 17- Jähriger verbarg sich einen Monat unter der Zuckerlieferung eines Frachtschiffs, das nach Helsinki fuhr, um seinem Elend zu entgehen. Ein anderer, Mitglied eines Volleyball-Teams, sprang bei einem Match in Italien ab, um auf den Dächern von Eisenbahnzügen ohne Fahrkarten nach Spanien zu gelangen. Seine Mutter, eine Opernsängerin, sprang bei einem Gastspiel von Borgy and Bess in Graz ab, um ihm zu folgen. Beide waren Privilegierte des kubanischen Regimes – ihnen fehlte nicht Nahrung, sondern Freiheit. Ein vierter meiner kubanischen Freunde, dessen Familie einen Bauernhof besessen hatte, wurde mit seinen Eltern enteignet und in Centro Havana in einer Wohnung einquartiert. Er kam nach Spanien, weil eine Frau ihn freikaufte.

Der Polizeistaat

Als ich 2006 mit ihm in Havanna war, wurden wir alle paar Minuten von der Polizei angehalten, denn da er schwarz ist, hielt man ihn für einen Einheimischen und denen war der Kontakt mit Menschen, die wie ich sofort als Ausländer erkennbar waren, verboten. Nur indem er seinen spanischen Pass zeigte, konnten wir weitergehen. So kam ich auch in die Wohnung seiner Mutter, in die die Familie nach Verlust ihres Bauernhofes eingewiesen worden war: Wenn es regnete, floss das Wasser dort beim Dach herein und beim Haustor hinaus. Zwar wurde die Altstadt (Vieja Havana), seit sie 1982 „Weltkulturerbe“ wurde, saniert, aber der durchaus prächtige Rest der Stadt verkam wie fast alles. Das Einzige, was in Kuba noch immer besser als in den umliegenden Ländern funktioniert, ist die Ausbildung von Ärzten – aber davon kann man als Gesunder nicht leben.

Che Guevara als Mörder

Die Verklärung, die das Castro- Regime zur Linken nach wie vor erfährt, ist verfehlt. Zu meinen Freunden in Spanien zählte auch der amerikanische Spitzenjournalist John Lee Anderson, der lange in Kuba gelebt und das Standardbuch „Che“ zur kubanischen Revolution verfasst hat. Es ist aus vielen Gründen lesenswert, aber ein wesentlicher ist, Che Guevara genauer kennenzulernen: Als Kommandant einer Kampfgruppe ordnete er an, einen Angehörigen seines Trupps, der sein Gewehr versehentlich nicht sofort bei der Hand hatte, auf der Stelle zu erschießen. Als die Kameraden sich weigerten, den langjährigen Kampfgefährten zu töten, zog er den Revolver und tat es selbst. Nachdem das Buch veröffentlicht wurde, meldeten sich bei Anderson mehrere Guerilleros, die von ähnlichen Vorfällen mit dem Arzt Guevara berichteten: Er hätte ein perverses Verhältnis zum Töten gehabt. Nur weil man in Europa so wenig von Kuba weiß, hängt ein Konterfei Guevaras in Millionen Haushalten und prangt auf Millionen T- Shirts.

Ein Land als Bordell

Was Anderson am meisten an dem Land erschüttert, das er lieb gewonnen hat und von dem er sagt, nirgendwo anders gäbe es bessere Liebhaber und Liebhaberinnen, ist der Umstand, dass es heute zu einem einzigen Bordell geworden ist: Sextourismus ist Kubas wichtigste Einnahmequelle – und wird es ohne Strom bald auch nicht mehr sein.

Es wird keine große Militäraktion mit hohem Blutzoll brauchen, um das herrschende Regime zu stürzen, denn die Bevölkerung wird darüber heilfroh sein.

Kuba, wieder von den USA beherrscht, wird vermutlich wieder Bordelle, Spielcasinos und Golfplätze haben, aber als Polizeistaat von der Prostitution leben müssen, wird es nicht mehr.

Wenn der Papst über Venezuela und Kuba spricht, sollte er seine Worte daher auf die Goldwaage legen und wird sehr viel ausführlicher sein müssen, um Missverständnisse zu vermeiden.

3 Kommentare

  1. Warum schafft Krieg so selten Frieden?
    Wer einen Krieg beginnt, verliert ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit!
    Das trifft auf den Ersten Weltkrieg zu, der von Österreich-Ungarn vom Zaun gebrochen wurde, und noch mehr für NS-Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg. Aber auch in der Zeit seit 1945 lässt sich kaum ein Beispiel finden, in dem ein Aggressor seine Kriegsziele erreichen konnte. Nordkorea eroberte Südkorea nicht, die arabischen Staaten verloren ihre Angriffskriege gegen Israel, die Sowjetunion ging in Afghanistan unter, der irakische Diktator Saddam Hussein scheiterte mit der Invasion von Kuwait, Serbien unter Slobodan Milošević tat es in Kroatien und Bosnien-Herzegowina.
    Die USA haben seit 1945 keinen einzigen bedeutenden militärischen Sieg erzielt – sei es in Vietnam, Afghanistan oder Irak. Manchmal war es eine internationale Allianz, die sich dem Angreifer entgegenstellte, in anderen Fällen eine lokale Bevölkerung oder Regime, die sich dank asymmetrischer Kriegsführung behaupten konnten. Was als kurzer Krieg oder „militärische Spezialoperation“ gedacht war, mündete allzu oft in ein jahrelanges militärisches Fiasko mit hohen Opferzahlen.

  2. Wie immer ein höchst interessanter und bedenkenswerter Beitrag zur internationalen Politik. Wenige wagen es so wie Peter Lingens, liebgewordene Denkgewohnheiten und -tabus infrage zu stellen.

  3. Im stetem Kampf gegen diktatorische Unmenschlichkeit ist es verdammt schwer sich neutral, innerhalb gesellschaftlicher Vorstellungen von Moral, zu verhalten. Dem kühlen analytischen Kopf wird mit Ethik widersprochen, auch dann wenn seine Überlegungen mathematisch überzeugen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.