Die Regierung glaubt ernsthaft, dass Sparen bei Universitäten das Wirtschaftswachstum sichert. In der theologischen Fakultät Roms glaubt man auch ernsthaft an den Teufel.
Am nächsten Mittwoch, dem 27. Mai, soll es am Ring in Wien, in den Landeshauptstädten und Universitätsstandorten zu einer Großdemonstration unter Beteiligung aller Rektorinnen und Rektoren der Universitäten kommen, um dagegen zu protestieren, dass die 22 Universitäten beim Dreijahresbudget rund eine Milliarde Euro weniger, nämlich 15,5 Milliarden statt der 16,5 Milliarden Euro, erhalten sollen obwohl sie selbst den Finanzbedarf mit 18 Milliarden beziffert haben, um die Inflation abzugelten.
„Uns fehlen 2,5 Milliarden Euro bis 2030, das ist eine Kürzung von rund 14 Prozent“, sagt die Präsidentin der Universitäten-Konferenz Brigitte Hütter. Diese Einsparungen seien „beispiellos“. Durch das geplante Budgetminus müssten die Unis 10.000 Vollzeitstellen einsparen – „ein Fünftel unserer Kolleginnen und Kollegen“, sagt Hüttner. Dadurch würde sich auch das Betreuungsverhältnis für die 270.000 Studierenden deutlich verschlechtern.
Auch der Rektor der Universität Wien, Sebastian Schütze, kann die Sparmaßnahmen nicht nachvollziehen: „Das ist, als würde man einfach die Uni Wien einsparen“. Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien meint, dass dem Gesundheitssystem durch die Einsparungen das Rückgrat gebrochen würde, und wies darauf hin, dass das Uniklinikum am AKH Wien ein Drittel der Versorgungsleistung in Wien sicherstelle.
In der Diskussion mit Brigitte Hütter in der ZIB 2 versuchte Armin Wolf redlich, den Standpunkt der Regierung zu verteidigen und zeigte in Grafiken, dass die Universitäten jedes Jahr mehr und voriges Jahr sogar erheblich mehr Geld bekommen hätten. Gleichzeitig wäre die Zahl der Studenten gesunken. Von einem Kollaps der Universitäten zu sprechen sei vielleicht doch eine Übertreibung.
Ich kann das zwar nicht im Detail, wohl aber generaliter beurteilen: Die Vorstellung, dass es der Wirtschaft nutzt, wenn man die Ausgaben für Forschung und Entwicklung kürzt, ist schlicht absurd. blanker Schwachsinn, auch wenn selbst die Rektoren immer wieder Verständnis dafür zeigen, dass der Staat sparen müsse.
Wir verdanken diese Ansicht bekanntlich einer Studie des Ökonomen Kenneth Rogoff, der aus den Daten von 44 Volkswirtschaften in 200 Jahren ermittelt haben will, dass die Wirtschaft ab einer Staatsschuldenquote von 90 Prozent schrumpft, anstatt wächst – die EU, um es noch besser zu machen, verfügte bekanntlich eine Staatschuldenquote von 60 Prozent, deren Nichteinhaltung wir das aktuelle Defizitverfahren und damit auch die beabsichtigten Kürzungen bei den Universitäten verdanken.
Um Kenneth zu folgen, muss man alle Kriterien, die Karl Popper für die Wissenschaft aufgestellt hat und die in allen Bereichen außerhalb der Ökonomie gelten, negieren: Man muss negieren, dass Japan, das seit Jahren Schuldenquoten von über 200 Prozent vorweist, ebenso besser als die EU wächst, wie die USA, deren Quote seit Jahren über 100 Prozent liegt. Normalerweise spricht man in der Wissenschaft davon, dass dieses Ergebnis die These von Rogoff „falsifiziert“ hat. Man muss am Rande negieren, dass sich aus statistischen Daten überhaupt keine Gesetzmäßigkeit ableiten lässt – allenfalls kann die Übereinstimmung einer Statistik mit den Vorhersagen einer These diese wahrscheinlicher machen. Und zuletzt muss man negieren, dass Rogoff ein simpler Rechenfehler nachgewiesen wurde, dass er Volkswirtschaften, die seiner These widersprechen, nicht berücksichtigt hat und dass auch sein Ergebnis sich ins Gegenteil verkehrte, wenn man eine einzige der von ihm untersuchten Volkswirtschaften wegließe.
Man muss ein Ökonom Deutschlands oder der EU sein, um seine Wirtschaftspolitik nach Rogoff auszurichten. Und man muss restlos schwachsinnig sein, wenn man meint, dass die Kürzung des Budgets der Technischen Universität Wien, der Montan-Universität Leoben oder irgend einer anderen Universität, außer vielleicht der theologischen, die Wirtschaft in Zukunft stärkt
Zumindest bei der theologischen Universität Rom wäre die Kürzung wirtschaftlich sehr wohl von Vorteil. Sie verhinderte, dass dort weiterhin 200 Studierende im „Exorzismus“, der Austreibung des Teufels, ausgebildet werden, denn die durchzuführen, kann zur ernsthaften Verschärfung einer psychischen Krankheit führen und den Staat damit sinnloses Geld kosten.
Es gibt, so war in der oben besprochenen ZIB 2 auch zu hören, diesen Studienlehrgang tatsächlich. Manchmal zweifelt man, dass die Welt eine auch nur halbwegs rationale ist.