Das ausrechenbare Budget-Fiasko

Nur wirtschaftlich Ahnungslose konnten glauben, dass Markus Marterbauer mit der von der EU verordneten Politik wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

 Seit voriger Woche herrscht helle Aufregung über Österreichs höher als angenommenes Budgetdefizit. Statt bei 4,5 liegt es bei 4,9 Prozent und die endgültigen Zahlen könnten noch schlechter ausfallen. „Wie konnte das sein?“ fragt Andras Szigetvari im Standard, setzt sich aber nur mit dem zu späten Erkennen der Überschreitung auseinander: Bundesländer und Gemeinden hätten ihren erhöhten Abgang zu spät erkannt und erst jetzt gemeldet.

Auch „Schuldige“ suchen die Medien. Ich hatte gefürchtet, die Kritik würde voran Finanzminister Markus Marterbauer treffen, so ungerecht das wäre, lässt die EU ihm doch keine Wahl – aber zu meiner Überraschung traf sie voran die Finanzverwaltung, die nicht früher Alarm geschlagen hat. Am Tatbestand des Misslingens der Sanierung ändert das freilich nichts.

Dabei ist die Erklärung dieses Misslingens denkbar einfach: Die Mastrichtkriterien, mit denen die EU alle Staaten zum Sparen zwingt, sind widersinnig; und es ist doppelt widersinnig, Staaten, die sie, wie Österreich, nicht einhalten, zu noch mehr Sparen zu zwingen.

Ich habe vorhergesagt, dass das Sparen des Staates die Rezession vertiefen wird und die Aufregung wird noch größer sein, wenn sich herausstellen wird, dass dem so sein dürfte: Die Auftragseingänge für die Industrie sind heuer jedenfalls um 2,3 Prozent geringer als 2024.

Es frustriert, ausgerechnet den Ökonomen der EU ökonomisch Zwingendes klar machen zu müssen: Jemand muss mehr ausgeben, damit mehr produziert und gekauft wird (die Wirtschaft wächst): Konsumenten sparen lieber; Unternehmen sparen seit über zwei Jahrzehnten auch; das Ausland verschuldet sich weniger als bisher für uns. Aber Europas Staaten, die das, wie die USA, mit ihreb Investitionen  ausgleichen müssten, werden durch die Mastrichtkriterien daran gehindert, sich dafür höher zu verschulden.  Obwohl die Behauptung Kenneth Rogoffs, auf denen sie beruhen, spätestens seit Japans Staatsschuldenquote von über 200 Prozent falsifiziert ist: Es stimmt in keiner Weise, dass hohe Staatsschulden Wachstum kosten. Bei Nobelpreisträger Joseph Stieglitz ist seit 2016 in Ziffern nachzulesen, dass die EU sich vor Einführung der Mastrichtkriterien wirtschaftlich besser als danach entwickelt hat. Dem Wirtschaftskreislauf durch Sparen ständig Geld zu entziehen, schwächt ihn und kann zum Kollaps führen, weil nicht stimmt, dass mehr Gespartes mehr Investitionen bewirkt.

Marterbauer weiß das meines Erachtens – er hat sich geopfert, um das Schlimmste – extremes Sparen – abzuwenden. Aber die durch jedes staatliche Sparen unvermeidliche Beschädigung der Wirtschaft bringt die schwarz-rot-pinke Regierung in eine teuflische Lage: Das anhaltende Totalversagen der EU wird ihr angelastet werden. Die FPÖ, die alles noch viel schlechter machte, baucht nur abzuwarten.

Derzeit wird gerätselt, was es bedeutet, dass die Regierung ihr Ziel verfehlt – ob sie dann strafweise noch mehr sparen muss? Ich kann das beantworten: Österreich ginge bankrott. Von Deutschland dominiert verhält sich die Kommission wie der Präsident des Fiskalrats Christian Badelt, der, statt das staatliche Sparen grundsätzlich abzulehnen, bedauert, dass man seine Warnungen, das Sparziel zu verfehlen nicht befolgt hat. Die Mehrheit deutscher Ökonomen vermag Staatshaushalte nicht anders als aus der Perspektive der schwäbischen Hausfrau zu sehen, für die Sparen die größte Tugend ist. Verknüpft mit dem deutschen Protestantismus ist das zu einer Ideologie geworden, gegen die rationales Denken keine Chance hat.

Dass es Österreich schlecht geht, hängt natürlich auch direkt mit Deutschland zusammen: Die Hoffnung, dass wir von einem deutschen Aufschwung profitieren könnten, war verfehlt. Auch Deutschlands Rezession vertieft sich, obwohl die EU der Regierung gestattet, im Wege eines Sondervermögens jährlich zusätzlich 100 Milliarden für die Sanierung des kaputtgesparten Heeres und weitere 100 Milliarden für die Sanierung der kaputtgesparten Infrastruktur auszugeben. Nur dass dem ein Sparvolumen von 350 Milliarden auf Seiten von Konsumenten und Unternehmen gegenübersteht, so dass es weitere 150 Milliarden brauchte, das auch nur zu egalisieren.

Früher konnte Deutschland das, indem es mit Waren, die es zu Dumpinglöhnen produzierte, andere Europäer, Russen, Chinesen und voran Amerikaner dazu verführte, sich an seiner Stelle zu verschulden. Seit das in viel geringen Ausmaß gelingt, ist das deutsche Mega-Export-Modell nicht mehr tragfähig.

Auch in Deutschland wird Nebensächliches dafür verantwortlich gemacht: Es fehle an Wettbewerbsfähigkeit, obwohl deutsche Waren noch immer besonders preisgünstig sind – statt zu monieren, dass es der Lohnzurückhaltung wegen ab  Kaufkraft fehlt. Oder man beklagt die übergroße Bürokratie, obwohl alle Staaten damit kämpfen. Natürlich funktionierte auch Österreich besser, wenn es den Föderalismus zähmte – vernünftige Sparsamkeit sucht immer nach Gelegenheiten, solche Fehlkonstruktionen zu beseitigen – aber das allenfalls eingesparte Geld wäre an anderer Stelle auszugeben, damit das Gesamtvolumen der Staatsausgaben auf keinen Fall schrumpft. Denn Staatsausgaben, selbst verfehlte, sind immer gleichzeitig Einnahmen der Bürger und der Unternehmen. Auch in Deutschland sucht man zwar zu Recht nach Fehlkonstruktionen, aber sie zu finden ändert nichts am entscheidenden Zusammenhang: Je mehr Geld ein Staat ausgibt, desto besser geht es seinen Bürgern.

 

 

 

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Pensionsfonds wären mehrfach nützlich!

Steuerlich begünstigte Pensionsfonds, die Aktienvermögen schaffen und verwalten, können Pensionen ergänzen und einen wichtigen Beitrag zu nötigen Finanzierungen leisten.

Während meine Generation hofft, dass die Steuern auf Zuverdienste zur Pension sinken, hegt die Generation meiner Kinder die von Konservativen und der Agenda Austria gelegentlich geschürte Befürchtung, dass ihre Pensionen nicht mehr sicher sind. Ich halte das insofern für unbegründet, als Österreichs Pensionssystem, das darauf beruht, dass die jeweils arbeitende Generation im Weg der Pensionsversicherung für die Pensionen der in den Ruhestand tretenden aufkommt, sich bisher als besonders widerstandsfähig erwiesen hat, auch wenn der Staat dazu einen immer größeren Beitrag aus Steuern leistet. Worin ich mit der Agenda Austria allerdings übereinstimme, ist die Forderung, es, wie in den skandinavischen Ländern, automatisch der höheren Lebenserwartung anzupassen: Es muss sich auf die Höhe der Einzahlungen oder aber der ausbezahlten Pensionen auswirken, wenn die Lebenserwartung um zehn Jahre steigt.

Ansonsten werden wir voran in Deutschland, und da selbst von konservativen Medien, um unser Pensionssystem beneidet: 2022 lag die durchschnittliche Pension in Österreich bei 1.640, in Deutschland bei 1.120 Euro, war also um 47 Prozent höher, was vor allem für Frauen lebenswichtig ist. Zugleich sind diese höheren Pensionen zwangsläufig hauptverantwortlich für unsere ständig kritisierten hohen „Lohnnebenkosten“, die eben voran aus den Beiträgen zur Pensionsversicherung bestehen. Ebenso hauptverantwortlich sind sie dafür, dass unsere „Abgabenquote“ höher als die deutsche ist, während wir die gleiche Steuerquote haben. Die dänische Abgabenquote, so wende ich diesbezüglich ein, war lang die höchste Europas – aber der dänische Staat bietet seinen Bürgern auch größte Sicherheit, und das trägt zweifellos dazu bei, dass sich Dänen bei Befragungen als besonders zufrieden outen und als glücklichste Bevölkerung der Welt gelten. Eine hohe Abgabenquote kann auch Kennzeichen eines perfekten Sozialstaates sein.

Derzeit wird ein angeblich „überbordender Sozialstaat“ von Neoliberalen als in hohem Maße verantwortlich für die dürftige wirtschaftliche Entwicklung Europas diffamiert. In Wirklichkeit liegt ihr zu Grunde, dass die Maastrichtkriterien die Staaten der EU daran hindern, sich wie die USA zu verschulden und auf diese Weise entsprechendes Wirtschaftswachstum zu generieren. „Die Maastrichtkriterien gehören in die Mottenkiste“, hat Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker im Gegensatz zur Agenda Austria als erster heimischer Politiker ausgesprochen und vorerst so vergeblich wie ich gefordert, dass Österreich das in Brüssel anspricht und Verbündete sucht.

Worin ich mit der Agenda Austria hingegen übereinstimme, ist der Nutzen einer zusätzlichen Aktien-finanzierten Säule der Pension – Betonung auf „zusätzlich“. Vorsicht ist deshalb geboten, weil in Ländern, in denen die Aktien-finanzierte Säule eine nicht nur zusätzliche Rolle spielt, in Phasen abstürzender Aktienkurse auch die Pensionen kritisch sanken. Solche Kursstürze sind aber ungleich seltener als steigende Kurse: Auf längere Sicht lohnen Aktien immer – damit auch Fonds, die sie verwalten.

Die ersten Pensionsfonds wurden 1759 in den USA zur Versorgung der Witwen und Waisen von Ministern geschaffen.1875 schuf „American Express“ den ersten Fond eines Unternehmens. Seit 1921werden Einzahlungen in Pensionsfonds steuerlich begünstigt und fast alle großen US-Unternehmen haben sie: sie sind Teil des Entgelts, das ein Unternehmen seinen Angestellten bietet. Weltweit existieren heute rund 46.000 Pensionsfonds – dank der langen Tradition 90 Prozent davon in den USA – und legen gemeinsam rund 24 Billionen Dollar auf den Kapitalmärkten an. In den USA wird der Großteil der Altersvorsorge über Pensionsfonds abgewickelt, aber sie spielen auch eine wichtige Rolle bei der Finanzierung nötiger Großprojekte, aber selbst von Startups. Dank ihrer enormen finanziellen Potenz ist auch ihr internationaler Einfluss gewaltig: Wenn sie Ihr Geld vorrangig in einem bestimmten Land anlegen, ist das von größtem Vorteil für dessen Kapitalmarkt – das ist Teil der US- Weltmacht. Selten aber doch gibt’s das auch umgekehrt: Derzeit droht der niederländische Pensionsfond PME US-Vermögensverwaltern seine Milliarden zu entziehen, wenn sie zu große Nähe zur Trump- Administration aufweisen.

Ich hielte es für sinnvoll, wenn Österreich, ohne das staatliche Pensionssystem anzutasten, einen ähnlich großen Pensionsfonds hätte. Raiffeisen, das einen offenen Pensionsfond hat, hat seine Kunden leider vor allem in Südtirol. Letztlich hängt der Erfolg von Pensionsfonds vom Ausmaß ihrer steuerlichen Begünstigung ab und ich glaube, dass Österreich da etwas tun sollte.

Darüber hinaus glaube ich, dass voran jüngere Menschen lernen sollten, den Kauf von Aktien dem Sparbuch vorzuziehen, auch wenn sie nur kleine Beträge zur Verfügung haben, denn meist kompensieren die Sparbuchzinsen nicht einmal die Inflation. Natürlich kann man sich bei Aktien leichter verspekulieren, aber beim Sparbuch tut man das der Inflation wegen fast ständig. Die meisten Banken helfen beim Aufbau vergleichsweise sicherer Aktienportfolios und es gibt Unternehmen, die jungen Leuten das Management solcher Portfolios zu sehr günstigen Preisen oder sogar gratis anbieten. Natürlich ist immer auch ein gewisses eigenes Wirtschaftswissen von Nöten – deshalb ist es so wichtig, dass Wirtschaft endlich wesentlicher Bestandteil aller Lehrpläne wird.

 

 

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Der gefährlicher Rückstand bei KI

Seit ich beim Falter bin, veröffentliche ich meine Kommentare auch auf meinem Blog „Lingens online“. Vor ein paar Tage teilte mir ein Freund, der ihn verwaltet, mit, dass es ihn nicht mehr gibt.

Seine Erkundigung beim Anbieter meiner Domain ergab, dass man mir unter einer alten von mir nicht mehr einsehbaren E-Mail -Adresse, eine Verlängerungsanfrage gestellt hätte, und als meine Antwort ausblieb, hätte man meine Domain abgeschaltet. Um sie zu aktivieren, hätte ich mich gegenüber dem US Registrar, „Whois“ zu legitimieren, was in meinen Fall insofern komplizierter war als ich den Blog im Rahmen einer Firma betreibe. Von ihr brauche es einen Firmenbuchauszug, eine Strom- oder Gasrechnung, und einen Personalausweis der Geschäftsführerin (meiner Frau). Ich haben das alles geschickt, und werde hoffentlich bald sehen, ob es reicht.

Was ich schon jetzt gesehen habe, ist meine völlige Abhängigkeit von einem zentralen weltweit tätigen US-Internet-Unternehmen. Und natürlich kann der US-Geheimdienst jeden meiner Texte lesen. (gegenüber US-Bürgern darf er das laut Verfassung ausdrücklich nicht, hat es aber natürlich getan. Dass ein Mitarbeiter- Eduard Snowden- das aufdeckte, führte zu einem Haftbefehl gegen ihn, vor dem er nach Russland floh.) Am Rande begriff ich, wie schwer es ist, in den USA zu wählen: Da, es dort keine Meldepflicht gibt, bedarf es einer Strom- oder Gasrechnung, um den Wohnort (die Wahlberechtigung) nachzuweisen.

Nicht nur ob ich meinen Blog weiter betreiben kann, hängt von den USA ab, sondern bei Recherchen bin ich natürlich von Google abhängig und schreibe meine Texte auf „Microsoft 365“ die meine texte automatisch in die Microsoft Cloud stellt. Beide Abhängigkeiten teile ich mit 500 Millionen EU-Bürgern. Deshalb ist es so unsinnig, wenn angesichts der Zölle Donald Trumps gefordert wurde, im Gegenzug doch die US-Internet-Dienste höher besteuern: sie verteuerten sich damit für uns selbst, und die USA könnten damit reagieren, sie uns einzuschränken oder ganz vorzuenthalten: Damit wäre Europa ein Entwicklungsland.

Die Abhängigkeit ist eine nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch militärische: US-Waffensysteme, wie das Raketenabwehrsystem Patriot oder die derzeit besten Jagdflugzeuge F35 bedürfen amerikanischer Software und selbst unsere endlich nachtflugtauglichen Eurofighter wären es nicht mehr, wenn die USA die Software mit einem Knopfdruck deaktivierte, was sie sogar rechtlich darf. Die größte Katastrophe für das ukrainische Heer bestünde bekanntlich darin, dass Elon Musks Satelliten ihm keine Einsicht mehr ins Schlachtfeld gewährte.

Alle diese Abhängigkeiten waren nicht so kritisch, solange die USA klar auf Seiten Europas standen – aber unter Donald Trump ist das nicht mehr der Fall und auch keinem künftigen US-Präsidenten wird Europas Wohlergehen ein vorrangiges Anliegen sein. Wenn die EU wirtschaftlich und militärisch nicht völlig abgehängt werden will, muss sie alles tun, um bei „Digitalisierung“ und  „Künstlichen Intelligenz“ aufzuholen, denn das, wird um so schwieriger je mehr sich der Vorsprung der USA vergrößert.

Es gab und gibt in der Wirtschaft immer von einer bestimmten Technologie dominierte Zeitalter: im Zeitalter der Eisenbahn lag Europa vorne und die USA mussten aufholen, was ihnen freilich gelang. Es folgte das Zeitalter des Autos in dem Europa um eine Nuance voran lag. Weil die deutsche Lohnzurückhaltung auf ganz Europa abfärbte, erzielten voran die großen deutschen Auto- Konzerne gewaltige Gewinne. Auf diesen Gewinnen ruhte man sich aus un versäumte den Eintritt ins Zeitalter der Computerisierung und Digitalisierung, obwohl europäische Forscher zu beidem grundlegende Beiträge geliefert hatten. Nicht zuletzt auf Grund brillanter jüdischer Wissenschaftler, die aus Österreich und Deutschland geflohen waren, übernahmen US-Universitäten wie Stanford oder das MIT eine führende Rolle im Bereich der Physik und brachten immer mehr Absolventen hervor, die eine führende Rolle bei der Entwicklung der Hardware (Computer), wie der Software (Programme) spielten.  Bill Gates war mit Microsoft zweifellos ein Pionier, aber weil man in den USA sehr rasch begriff, das schnelles Rechnen und rasche Kommunikation nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch von überragender Bedeutung sind, hatte er viele Nachfolger: Die Apple-Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak vermochten mit dem iPhone Leistungen zu erbringen, für die man früher zimmergroße Computer brauchte. Später machten selbst weit weniger brillante Männer wie Mark Zuckerberg mit Facebook Milliarden, weil sich zeigte, dass digitale Plattformen wie Amazon oder selbst Airbnb einfach auf Grund Skalierung und der großen Zahl erreichter Personen Geldmaschinen sind. Gelichzeitig gibt es noch vor dem Staat genügend Aktionäre, Fonds und Unternehmen, die in die neue Technologie investierten und jeder neuen Idee rasches Wachstum bescheren. Das Geld vermehrt sich sozusagen automatisch von selbst Und das mit immer größerer Geschwindigkeit.

Was kann Europa dem entgegensetzen: In erster Linie Konzentration auf eigene Forschung: Beim Quantencomputer haben wir -noch- die Nase vorn. Zweitens: Nur ein maximal geeintes Europa mit einem geeinten Kapitalmarkt, kann im Ausmaß der USA in Digitalisierung und KI investieren- derzeit stehen Billionen- Investitionen in den USA nur einstelligen Milliarden-Investitionen in der EU gegenüber. Dass es bald nicht einmal die geben wird, wage ich für weiterhin sparend EU-Staaten mit Sicherheit vorherzusagen: Es gibt auch die automatische Geldverminderung.

 

 

 

 

 

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Die Problematik der Russland-Sanktionen

19 Sanktionspakete haben Putin nur wenig gestört, aber Energie für uns verteuert. Dabei erleichterte billige russische Energie die Waffenlieferungen an die Ukraine.

Dass die EU soeben das 19. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen hat und am zwanzigsten arbeitet, signalisiert schon von diesen Zahlen her, dass die Wirkung der Sanktionen voran im Bereich Erdöl und Erdgas sehr überschaubar ist. Wirklich weh tut Wladimir Putin nur, dass er keine Produkte der Hochtechnologie mehr erhält: Das lässt russische Flugzeuge wegen fehlender Ersatzteile vom Himmel fallen und erschwert die Entwicklung moderner Waffen.

Dass die EU schon durch Jahre kein russisches Erdöl mehr kauft, lässt Putin dagegen kalt – er verkauft es an China, Japan, Südkorea und trotz Trumps Zöllen an Indien, auch wenn er Pipelines ausbauen musste. Bei Erdgas war das Transportproblem größer und die EU vor allem ursprünglich sein mit Abstand größte Abnehmer. Mittlerweile ist einmal mehr China der größte Kunde, aber auch Japan und die Türkei sind Großabnehmer und über die türkische Pipeline fließt russisches Erdgas auch weiterhin in die EU, voran die Slowakei und Österreich, dessen Abhängigkeit von Erdgas immer besonders groß war (was unsere besonders hohe Inflationsrate anlässlich der Verteuerung russischen Gases erklärt.). 2024 erreichten Chinas Gasimporte einen Rekordwert von 31 Milliarden Kubikmetern und 2025 dürften es 38 Milliarden Kubikmeter sein. Das ist geschätzt die Hälfte der Mengen, die Putin durch das Ende des Transits über die Ukraine verloren gehen.

Die derzeit größten Einnahmen erzielt er aber mit dem Flüssiggas LNG, das mit Tankern aus den Förderge­bieten Sibiriens durchs Eismeer nach Europa verschifft wird. Die EU ist diesbezüglich Putins größter Abnehmer, wobei Frankreich, Belgien und die Niederlande die größten Mengen kaufen. Auch Deutschland ist ein guter Kunde: SEFE als Nachfolger von Gazprom- Germania, importiert allein im laufenden Jahr LNG- Lieferungen im geschätzten Wert von zwei Milliarden Euro. Aber selbst Spanien, das Gas ursprünglich preiswert aus Algerien bezog (und deshalb keine Inflation hatte) kauft russisches LNG. Was in den Gasterminals zwischen Huelva in Spanien und Klaipéda in Litauen ankommt, macht die EU heute zum größten Flüssiggaskunden Russland- weit vor China und Japan. Und der Durst wächst stetig: In der ersten Hälfte des Jahres 2025 haben europäische Kunden deutlich mehr Flüssiggas aus Russland gekauft als 2024. Die Gesamtmenge übersteigt dabei sogar jene, Menge, die zuvor über die Ukraine-Pipeline verkauft wurde. Im vergangenen Jahr erreichten Russlands LNG-Exporte ihren bisherigen Rekord.

Wie die EU damit bisher und weiterhin Putins Krieg finanziert, hat Greenpeace im September ausgerechnet. Der russische Exportkonzern Yamal LNG hat demnach allein in den ersten drei Kriegsjahren Flüssiggas für 34 Milliarden Euro verkauft und rund 5,4 Milliarden als Steuer an den Staat abgeführt. Dafür kann Putin sechs Millionen Artilleriegranaten, also das Doppelte der aktuellen Jahresproduktion beschaffen. Frankreich, Spanien, Belgien oder die Niederlande haben seit 2022 deutlich mehr Geld für LNG nach Russland überwiesen, als sie der Ukraine an bilateraler Hilfe geleistet haben.

In Summe gehen Ökonomen davon aus, dass der Wegfall aller Verkäufe über die Ukraine- Pipeline Russland nur etwa 0,2 bis 0,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) kostet – viel zu wenig, um Putins Kriegsmaschinerie eine Delle zuzufügen. Gleichzeitig büßt die Ukraine 0,5 Prozent ihres BIP ein, weil sie keine Transit -Gebühren mehr erhält. Daher das große Ziel für das zwanzigste Sanktionspaket: ab 1 Jänner 2027 will die EU kein russisches LNG mehr kaufen.

Ich bin nur nicht sicher, dass Sanktionen, die fossile Brennstoffe betreffen, wirklich der richtige Weg sind, Russland zum Einlenken zu bewegen. Das Argument „Wir finanzieren durch unsere Einkäufe dieser Brennstoffe Russlands Krieg gegen die Ukraine“ klingt zwar sehr überzeugend, aber ich weiß nicht, ob es wirklich so stark ist. In der Vergangenheit galt für Europa immer die Überlegung (der Vorwurf), dass seine entwickelten Länder enorm davon profitieren, unterentwickelten Ländern billig ihre Rohstoffe abzukaufen. Das unterentwickelte Russland war dabei unser Hauptlieferant für die fossilen Brennstoffe Erdöl und Erdgas. Zwar wurde beides wesentlich teurer, weil Putin 2020 mit der OPEC eine Förderkürzung vereinbarte, aber das ist lange vorbei. Ich zweifle daher, dass es unserer Wirtschaft guttut, wegen der Sanktionen kein billiges russisches Gas mehr zu kaufen: Die Slowakei, die allerdings auch an den Transitgebühren verdiente, büßt ohne russisches Gas zum Beispiel 0,3 Prozent ihres BIP ein.

Ich frage mich daher, ob die Nachteile, die Europa erleidet, indem es den Kauf billiger fossiler Energie aus Russland beendet, nicht größer als die sind, die Putin erleidet. Denn es ist ja nicht so, dass Russland für seine fossilen Brennstoffe kein Geld mehr erhielte – es erhält es nur von anderen Staaten. Ein Boykott, an dem so viele große Staaten sich nicht beteiligen, hat immer nur sehr begrenzte Wirkung. Jedenfalls gelte es eingehend zu berechnen, ob es für die EU nicht besser wäre, der Ukraine auf dem Wege einer Wirtschaft, die auf der Basis billiger russischer Energie besser als jetzt funktioniert, mehr Waffen zu liefern. Man brauchte ja nicht zur viel zu großen einstigen Abhängigkeit zurückzukehren. Erdgas des Klimawandels wegen durch Solarenergie zu ersetzen, bliebe unverändert wichtig, zumal sie immer billiger wird.

 

 

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Militärindustrie bleibt Trumpfkarte

Die überlegene US- Militärindustrie ermöglicht Donald Trump überall Erfolg. Dass er in den USA einen Bürgerkrieg heraufbeschwört, verhindert die erfolgreiche Bilanz.

Grund für Donald Trumps erfolgreiches Engagement in Gaza war höchstens am Rand die Qualität seines 20- Punkte- Plans, der meines Erachtens auch nicht von ihm, sondern seinem Schwiegersohn Jered Kushner stammt (Trump selbst hatte noch kurz zuvor geplant, alle Palästinenser auszusiedeln und in Gaza Luxusressorts zu errichten). Aber er hat sich den aktuellen Plan zu eigen gemacht und vermochte vor allem, seinen Anfang durchzusetzen – nicht dank Diplomatie, sondern dank der überlegenen US-Militärindustrie. Er konnte nicht nur allen arabischen Diktatoren drohen, sie nicht mehr wie bisher zu beliefern, sondern, anders als Joe Biden,  auch Israel in die Schranken weisen, indem er drohte, auch dessen Unterstützung durch US-Waffensysteme zurückzufahren. Trump, das müssen ihm seine Gegner lassen, mag keinen Krieg. Natürlich ist höchst ungewiss, ob aus dem Gaza-Waffenstillstand tatsächlich Frieden wird, aber die Chance dafür lebt.

Bezüglich der Ukraine schien Trump endlich begriffen zu haben, dass es Wladimir Putin und nicht Wolodymyr Selenskyj ist, der jeden Frieden ablehnt. Er erklärte bekanntlich, dass die Ukraine das Recht hätte, verlorene Gebiete zurückzuerobern und schien bereit, ihr zu diesem Zweck weitreichende Tomahawk -Raketen zukommen zu lassen. Aber dann genügte ein einziger Anruf Putins, der ihm schmeichelte, der größte Friedensstifter aller Zeiten zu sein und zugleich zum x-ten Mal mit dem Einsatz von Atomwaffen drohte, um ihn davon wieder abkommen zu lassen. Stattdessen will Trump Putin in Budapest treffen, wo der alles versuchen wird, einen Frieden zu russischen Bedingungen anzubahnen.

Dabei ist die US-Militärindustrie der russischen derart überlegen, dass Trump, wenn er der Ukraine zukommen ließe, was Selenskyj fordert, dort sehr wohl einen Zustand herbeiführen könnte, bei dem Putin sich frägt, ob es nicht besser ist, sich mit der Krim und allenfalls einem winzigen Stück des Donbass als Beute zu begnügen und die Sanktionen los zu sein, als weiterzukämpfen und Verluste zu riskieren. Trump könnte auch für die Befriedung der Ukraine den Nobelpreis erhalten, wenn er konsistent agierte.

Was es zu einem solchen Problem macht, ihm den zu verleihen, ist der Umstand, dass er im eigenen Land bürgerkriegsähnliche Zustände heraufbeschwört: Er verlegt Militär in demokratische Bundesstaaten, um dort Krieg gegen angeblich ausufernde Kriminalität zu führen; er missachtet alle Regeln der Gewaltenteilung; er negiert Gerichtsurteile. Angesichts der Manipulation von Wahlkreisen und der Erschwernis der Stimmangabe für vermutlich demokratisch wählende Bürger fürchte ich, dass schon bei den Midterm- Wahlen keine fairen Verhältnisse gegeben sind, die einen Sieg der Demokraten ermöglichen. Der wird nur stattfinden, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse für die Amerikaner eindeutig verschlechtert haben.

Im Moment hat seine Zollpolitik die Inflation etwas erhöht, aber gleichzeitig investieren immer mehr ausländische Firmen Milliarden in den USA. Zum Taiwanesischen Chiperzeuger TSMC oder den Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis gesellte sich neuerdings der Autokonzern Stellantis, der aus den US-Firmen Jeep und Chrysler, aber auch den europäischen Firmen Fiat und Ferrari sowie Citroen und Peugeot besteht und 21 Milliarden Euro in den USA investieren will. Die Gewerkschaft UAW, die nicht nur die Arbeitskräfte der Autoindustrie, sondern auch der Luftfahrt- und der Landmaschinenindustrie vertritt und und damit eine der größten der USA ist, erklärt, dass mittlerweile außer Zweifel stünde, dass Trumps Zölle zu einer Stärkung der traditionellen US- Industrie geführt haben. Es bleibt verfehlt, seine Wirtschaftspolitik nur unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass sie Österreichs und Deutschlands Auto- und Zulieferindustrie in Verlegenheit bringt. Denn es gibt eben wirklich die Problematik, dass voran deutsche Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht haben, indem sie ihren Arbeitskräften Löhne bezahlen, die nicht der erhöhten Produktivität entsprechen.

Ein US-Präsident, der anders als Trump, nicht nur energisch, sondern auch vernünftig ist, hätte dieses Problem mit der EU besprochen und einen für alle Seiten vorteilhaften Kompromiss gefunden, es zu lösen. Statt der Zollkeule hätte der Dollar gegenüber dem Euro noch mehr als derzeit abgewertet und damit wären US- Exporte in die EU in dem Maße leichter geworden, in dem EU- Exporte in die USA schwieriger geworden wären. Nur gegen einige Länder, Deutschland, die Länder Skandinaviens oder die Schweiz, die sich durch permanente Lohnzurückhaltung auszeichnen, wären Zölle wahrscheinlich unvermeidbar gewesen. (Dass Zölle manchmal unvermeidbar sind, sehen mittlerweile auch die Europäer und führen sie selbstverständlich gegenüber China ein.)

Schließlich ist auch Trumps Bemühen, Ausländer ohne entsprechende Arbeitsbewilligung in ihre Heimat abzuschieben, nicht absurd: Die USA haben ein enormes Problem mit der massiven anhaltenden Zuwanderung aus Lateinamerika. Nur dass Trump einmal mehr nicht Maß zu halten und überlegt vorzugehen vermag: Derzeit geht die von ihm zu diesem Zweck geschaffene Behörde ICE auch gegen dringend benötigte Landarbeiter oder von der Industrie durchaus benötigte Mitarbeiter vor.

Trump, wenn er vernunftbegabt wäre und konsistent agierte, könnte ein herausragender US-Präsident sein – so bleibt er ein lebensgefährliches Risiko für sein Land.

 

 

 

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War es das Ende der Rezession?

Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und Institut für höhere Studien (IHS) halten Österreichs Rezession in ihren jüngsten Prognosen für überwunden.

Das WIFO erwartet für 2025 beim Wirtschaftswachstum ein Plus von 0,3 Prozent und glaubt, dass die Wirtschaft 2026 um 1,1 Prozent wachsen wird, das IHS erwartet, dass die Wirtschaft heuer um 0,4 Prozent und 2026 um 0,9 Prozent wachsen wird. Als Grund für die Anhebung der Wachstumszahlen verweisen sie auf die veränderte Datenlage: Laut Statistik Austria war der Zustand der österreichischen Wirtschaft schon im ersten Quartal besser als vermutet und hat dank erhöhten Konsums Wachstum ermöglicht. Das Phänomen bleibt leider zwiespältig, denn gegenüber Deutschland bleiben Österreichs Löhne weiterhin überhöht, weil dort eine weit geringere Steigerung stattgefunden hat. Dass die Institute die Zukunft neuerdings dennoch positiv sehen, begründen sie auch mit der veränderten internationalen Lage, auch wenn sie ihre Prognose diesmal mit einer Menge Fragezeichen versehen, denn 2023 und 2024 haben sie sich mit ähnlich positiven Prognosen gründlich geirrt.

Worin bestehen die internationalen Veränderungen?

  • Die EZB hat ihren sinnlos harsch erhöhten Referenzzinssatz mittlerweile gesenkt und das sollte der gesamten Wirtschaft, voran der Baukonjunktur zugutekommen. Da Österreich mit der STRABAG einen der größten Baukonzerne Europas beherbergt, sollte das für uns von besonderem Vorteil sein.
  • Die deutsche Regierung hat endgültig beschlossen, den Gemeinden 100 Milliarden Euro zur Verbesserung ihrer Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Da es sich dabei voran um Straßen und Bauwerke handelt, sollten STRABAG und Porr davon abermals überproportional profitieren.
  • Die Barriere für den Export in die USA besteht nicht nur aus 15 Prozent Zoll auf alle Waren und 50 Prozent Zoll auf Stahl, sondern aus zusätzlichen 10 Prozent, um die sich der Euro mittlerweile gegenüber dem Dollar verteuert hat. Wie sehr das unseren US-Exporten schadet, ist derzeit nicht abzuschätzen – gering wird der Schaden nicht sein, denn etwa VW hat mittlerweile bereits 10 Prozent seines US-Absatzes eingebüßt und unsere Zulieferer verlieren entsprechend mit. Als einziger Vorteil verbleibt uns, dass die meisten unserer Exportgüter Marktnischen bedienen und dass die VOEST eigene Aanlagen in den USA besitzt, deren Produktion sie ausweiten kann.
  • Da Österreichs Konjunktur so sehr von der Entwicklung Deutschlands abhängt, bleibt entscheidend, wie es mit der deutschen Rezession weitergeht. Die deutsche Automobilindustrie ist trotz ihrer aktuellen Schwierigkeiten nicht chancenlos: Auch E- Autos bestehen ja nicht nur aus Batterien, sondern aus zahllosen Teilen, die in Deutschland immer hervorragend gefertigt wurden. So konnte VW seinen Absatz von E-Autos trotz Verlusten in den USA und in China steigern, weil die Markentreue in Europa extrem hoch ist. Aber die überragenden Gewinne, die Deutschlands Schlüsselindustrie bisher abgeworfen hat, wird es nicht mehr geben und die Zahl der Beschäftigten wird sich deutlich verringern, weil E-Autos nicht zuletzt auch einfacher zu fertigen sind. Schon jetzt ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland stark gestiegen und das ist budgetär doppelt fatal: Das Steueraufkommen verringert sich, während das Ausgaben für Arbeitslose steigen. Wohin das führt, wenn es anhält, kann man in Frankreich beobachten, das dank der deutschen Billigkonkurrenz immer mehr Marktanteile verlor und damit immer mehr Arbeitslose zu versorgen hatte.

Bisher verloren in der deutschen Auto-Industrie 50.000 Menschen ihre Arbeit und Bosch, Continental und ZF haben ähnlich viele Kündigungen angekündigt. In Österreich sollte man daher mit dem üblichen Zehntel solcher Kündigungen rechnen. Betroffen scheint mir voran Magna, das bisher Autos für BMW, Mercedes und Toyota fertigte und meines Wissens derzeit nur kleine neue Aufträge aus China hat, um diese Großaufträge allenfalls zu ersetzen. Während Deutschland einen Teil der frei gewordenen Kapazitäten der Autoindustrie und ihrer Arbeitskräfte dazu nutzen kann, Panzer und Geschütze zu produzieren, ist das neutrale Österreich diesbezüglich gehandicapt.

Österreichs größtes Handicap ist freilich, dass der Staat zusätzliche Einsparungen vornehmen soll, statt das Wirtschaftswachstum durch staatliche Investitionen anzukurbeln. Es muss darauf hoffen, dass es von einem Aufschwung Deutschlands profitiert, das dieses Problem nicht zu haben scheint, billigt ihm die EU doch nicht nur zu, 500 Infrastrukturmilliarden auszugeben, sondern dazu im Wege eines Sondervermögens in zehn Jahren tausend Milliarden in Aufrüstung zu investieren, so dass es heuer scheinbar zusätzliche 200 Milliarden investieren kann. Nur dass Deutschlands Konsumenten und Unternehmen heuer 350 Milliarden sparen, das heißt nicht investieren. Bleibt also eine Investitionslücke von 150 Milliarden. Schon jetzt hat Deutschlands Wirtschaft daher wesentlich weniger Auftragseingänge und ist ein Ende der deutschen Rezession nicht abzusehen. Die von Friedrich Merz geführte Regierung aus CDU-CSU und SPD will daher dringend Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, obwohl die schon jetzt so groß ist, dass es allen anderen Staaten Märkte abgejagt und Trumps Zölle herbeigeführt hat. Ich glaube leider nicht, dass diese Politik zu einem guten Ende führt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Frankreichs zwingendes Fiasko bricht auf

Man muss Mega- Schulden haben, wenn man seit 20 Jahren Marktanteile an Deutschland verliert, Macron sich nicht wehrt und die EU entgegen ihren Regeln nicht eingreift.

Als Emmanuel Macron 2017 Präsident Frankreichs wurde, begleiteten ihn die größten Hoffnungen der EU und seines Landes – soeben hat er acht Regierungen verschlissen, davon fünf in den letzten 21 Monaten. Die Neue Zürcher Zeitung fürchtet zwar unsinnig, dass Frankreich aufgrund seiner Verschuldung zum nächsten Griechenland wird, aber wenn kein Wunder geschieht, regiert spätestens 2027 die Riege Marine Le Pens. Ich behaupte: So wie die EU seit 2000 ökonomisch konstruiert ist, war diese Entwicklung unausweichlich.

Deutsche Medien meinen freilich, bei Frankreich gravierende ökonomische Fehler zu orten: anders als Deutschland hätte es Strukturreformen versäumt. Die Bevölkerung verstünde nicht, wie verkrustet seine Strukturen wären: ein viel zu großer Zentralismus; viel zu starke kommunistische Gewerkschaften; mangelnde Flexibilität des Arbeitsmarktes; die zu geringe Bereitschaft einer abgehobenen Elite, sich mit Problemen des kleinen Mannes zu befassen und die Verschonung dieser Elite vor Strafverfahren wegen Korruption – auch wenn Ex- Präsident Nicolas Sarkozy soeben zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

An jedem dieser Vorwürfe ist etwas dran und hinzu tritt als grundsätzlicher Nachteil der relativ große Anteil der Landwirtshaft an Frankreichs BIP. Denn weil es dort kaum noch Produktivitätsfortschritte gibt, bleiben die Einkommen zurück und vertiefen die Kluft zwischen Land und Stadt. Auch mit dem Problem, das die Rechte derzeit allenthalben stärkt, ist Frankreich gleich doppelt konfrontiert: es mußte schon Millionen Zuwanderer aus seinen Kolonien aufnehmen. Aber trotz all dieser Schwächen hatte Frankreich noch 2005 ein reales (Kaufkraftbereinigtes) BIP pro Kopf von 36,703 USD- nur um 1.200 USD weniger als Deutschland. Denn es hat beste Schulen und Universitäten, gute Techniker (Red Bull gewann die F1- Weltmeisterschaft zweimal mit Renault-Motoren), weit stärkere Banken und eine konjunkturunabhängige Luxusgüterindustrie. Letztlich unterscheiden sich die beiden Nationen in ihren ökonomischen Voraussetzungen nur marginal. Dennoch hat sich der Abstand im realen BIP pro Kopf schon nach wenigen Jahren verdoppelt und bis zum Amtsantritt Macrons auf 6.200 USD verfünffacht. Bis heute hat er sich auf 9.500 USD verachtfacht. Gleichzeitig ist Frankreichs Staatsschuldenquote mit 111 Prozent des BIP die höchste nach Griechenland und Italien und, weit schlimmer, gibt es 18 Prozent junge Arbeitslose. Wie wir hat es ein Defizit-Verfahren am Hals und die Bemühungen es zu reduzieren, werden wie überall scheitern oder in Rezession münden. In Wahrheit aus Gründen der Mathematik: Der Staat kann nicht sparen, wenn schon Konsumenten und seit 20 Jahren auch Unternehmen Nettosparer sind, deshalb machen die USA, auch für uns, ständig steigende Staatsschulden – Frankreich macht sie angeblich, weil auch Macrons nach einem Monat schon wieder zurückgetretener Regierungschef Sébastien Lecornu Einsparungen von 40 Milliarden so wenig durchs Parlament gebracht hat wie sein Vorgänger. Denn der rechte Flügel Marine le Pens lehnt sie zurecht ebenso ab wie die linke Volksfront unter Jean- Luc Mélenchon. Dessen Vorschlag, das Problem zu lindern, nicht zu lösen, indem man hohe Vermögen mit 2 Prozent besteuert, lehnen die verbliebenen liberalen Anhänger Macrons ab. Frankreich ist restlos unregierbar.

Auf die Frage, wie es soweit kommen konnte, gab der Ökonom und ehemals stellvertretende deutsche Finanzminister Heiner Flassbeck soeben in einem Interview die seit Jahrzehnten gleiche Antwort: „Weil Frankreich Deutschland zum Nachbarn hat!“ Weil es ihm auf Grund der aufgebrochenen Dramatik weder Leser noch Kollegen übelnehmen, wiederholt er auch die immer gleiche Begründung: Frankreich hat seine Löhne Jahr für Jahr nach der einst für ganz Europa gültigen Benya- Formel erhöht, während Deutschland das seit 2000 nicht mehr tat. Damit haben sich französische Waren gegenüber deutschen schon bis 2017 um 20 Prozent verteuert und in entsprechend gewaltigem Ausmaß hat Frankreich Marktanteile an Deutschland verloren. Sein Leistungsbilanzüberschuss gegenüber Frankreich hat sich verdreißigfacht. Kein ökonomisch noch so versierter Staatspräsident hätte diese Entwicklung verhindern können. Denn um Marktanteile zurück zu gewinnen, müßte Frankreich seine Löhne um mehr als 20 Prozent senken, was eine Revolution auslöste und auch die Binnenkonjunktur einbrechen ließe.

Die EU- Kommission weiß um den angeführten Missstand. Ihre Regeln verbieten ihn genauso wie die der Welthandelsorganisation WTO: Ist ein Land dauerhaft mit Überschüssen eines anderen Landes konfrontiert, hat es das Recht, dagegen Maßnahmen zu ergreifen Doch innerhalb des Euro konnte Frankreich das nicht tun und die von Deutschland dominierte EU- Kommission hat nichts unternommen. Obwohl Donald Trump auch auf Basis der WTO- Regeln das Recht hätte, sich gegen den deutschen Überschuss von 80 Milliarden Dollar jährlich zu wehren, tat er es auf die gewohnt brutale, wie er meint schnellere Weise, mittels Zöllen und Frankreich büßt dabei schuldlos mit. Macron selbst hat sich nie ersthaft gewehrt, weil er die Deutschen in Wahrheit bewundert und kopieren will- dass lauter gleichzeitige Überschüsse denkunmöglich sind versteht er nicht. In Wirklichkeit könnte nur Deutschland die Situation retten, indem es im Einklang mit Ländern, die bei ihm maßgenommen haben, seine Löhne drastisch erhöhte und indem die EU sich wie die USA verschuldete.

 

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Die falsche Lohnsteigerung holt uns ein

Für Arbeitnehmer und Pensionisten war es falsch, sich bei ihren Einkommen an der extremen Inflation von 2023 zu orientieren. Für Rumänien oder Kroatien ist es ein Fiasko.

Die Pensionisten-Verbände von SPÖ und ÖVP murren über eine Pensionsregelung, die bekanntlich vorsieht, dass Pensionen bis 2.500 Euro die volle Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent erhalten, während Pensionen darüber nur um einen Fixbetrag von 67,50 Euro erhöht werden. Zwar erleiden zwei Drittel der Pensionisten damit keinen Verlust durch unsere weiterhin überdurchschnittliche Inflation, aber die Kaufkraft der Pensionisten insgesamt sinkt derzeit und bedeutet weniger Verkäufe für unsere Unternehmen. Doch da man sich der widersinnigen Forderung der EU nach Milliardeneinsparungen des Staates beugen muss, war es eine gute und sogar faire Lösung, denn die Erhöhung der Pensionen davor ist etwas zu hoch ausgefallen, indem sie sich an der extremen Inflation des Jahres 2023 orientierte.

Die jetzt von der Regierung erzielte Einsparung ist groß, und da künftige Pensionserhöhungen auf dem aktuellen Niveau aufsetzen, wirkt sie fort. Die NEOS drängen daher, auch den Gehaltsabschluss mit den Beamten aufzuschnüren, und Finanzminister Markus Marterbauer will es versuchen. Hat er Erfolg, verringert es derzeit einmal mehr die Kaufkraft eines Teils der Bevölkerung, aber auch die Beamten haben 2023/24 zu hohe Gehaltsabschlüsse erreicht, weil ihnen zu Unrecht die Benya-Formel zu Grunde gelegt wurde, für die die Inflation eine entscheidende Rolle spielt. Noch viel mehr galt das allerdings für die noch viel größere Gruppe der Arbeitnehmer technischer Industrien, deren Einkommen in Kollektivertragsverhandlungen mit den Arbeitgebern fixiert wurden: Diese Abschlüsse waren, voran bei den Metallern, zu hoch- unsere Lohnstückkosten zählen plötzlich zu den höchsten der EU.

Die Benya-Formel, Lohnerhöhung = Produktivitätsfortschritt+ Inflation des abgelaufenen Jahres, ist nämlich nur dann richtig, wenn die Inflationsrate tatsächlich auf den Lohnerhöhungen des abgelaufenen Jahres beruht: Sie liegt dann im Idealfall um die zwei Prozent. Aber die Inflationsrate 2023 hatte nicht wie sonst Lohnerhöhungen, sondern die extreme Verteuerung russischen Gases zur Ursache und war damit als Basis der Benya-Formel ungeeignet. Die deutschen Gewerkschaften, die leider durch 25 Jahre negierten, dass man die Löhne aus Fairness gegenüber anderen Ländern, normaler Weis stets gemäß der Benya-Formel erhöhen muss, begriffen ausgerechnet 2023/24 richtig, dass sich die Benya-Formel diesmal nicht zur Basis von Lohnverhandlungen eignet, zumal die Verteuerung russischen Gases ein befristetes Phänomen ist: Sie begnügten sich mit einer 2,4-prozentigen Erhöhung der Kollektivvertragslöhne zuzüglich einer Einmalzahlung. Unsere sonst so vernünftigen Gewerkschaften begnügten sich nicht damit und so ist es zu einem kritischen Wettbewerbsnachteil gegenüber unserem wichtigsten Konkurrenten gekommen. Nur wenn Deutschland, wie das grundsätzlich richtig wäre, seine Löhne gewaltig erhöhte, könnten andere Länder sie endlich auch erhöhen und es ginge allen besser.

So hingegen sind unsere etwas zu großen Lohnerhöhungen derzeit auch Ursache unserer weiterhin überdurchschnittlichen Inflation: Es bleibt unseren Unternehmen nichts anders übrig, als ihre Lohn-Mehrkosten auf die Preise zu überwälzen. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass sich der ÖGB bei den nächsten Lohnverhandlungen an unserer internationalen Konkurrenzfähigkeit orientieren wird.

Grundgelegt wurde das Missverständnis in Bezug auf die Inflation leider durch die EZB: Auch sie begriff nicht, dass die Teuerung 2023 durch die Explosion des russischen Gaspreises ausgelöst wurde und reagierte bekanntlich mit einer harschen Zinserhöhung, wie das Lehrbuch sie nur für eine lohngetriebene Inflation empfiehlt – dieser Reaktion verdanken wir die Rezession und insbesondere die Probleme der Bauwirtschaft. Es ist das zentrale Problem der EU, dass zentrale Wirtschaftsprobleme von ihren Spitzengremien, sei es die EZB, sei es die Kommission, nicht verstanden werden. Die Kommission versteht nicht, dass die Wirtschaft nicht wachsen kann, wenn der Staat spart, obwohl auch Konsumenten und Unternehmen sparen, oder dass Frankreich und Italien sich schwer verschulden mussten, weil Deutschland ihnen dank Lohnzurückhaltung Marktanteile abjagte. Derzeit sehen weder EZB noch Kommission, dass sich bereits ein nächstes Fiasko anbahnt: So erhöhte etwa Rumänien seine Löhne zuletzt um 18,1 und 16,6 Prozent, und auch das neu aufgenommene Kroatien liegt mit 15,9 und 11,2 Prozent in einem Bereich, der unmöglich den Produktivitätszuwächsen entsprechen kann. Während Österreich die Chancen hat, dass sein künftiger Produktivitätszuwachs seine Lohnerhöhungen aushält, haben diese Staaten sie sicher nicht: Zum kritischen Nord -Süd -Gefälle kommt es in der EU zu einem auch politisch denkbar kritischen West-Ost- Gefälle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sommerlich ORF-Plattform für Herbert Kickl

Ein schlecht vorbereiteter Klaus Webhofer bot Herbert Kickl im letzten „ORF-Sommergespräch“ dieses Jahres die ideale Plattform zu einer die Fakten völlig verdrehenden Kritik an der Regierung und ihrem Verhältnis zu Russland. Nachdem er eine Reihe uninteressanter Fragen gestellt hatte, auf die man sich die Antwort Kickls ausrechnen konnte- etwa: wie er damit umgeht, dass er in Umfragen als nicht vertrauenswürdig bezeichnet wird – kam er auf das Thema Inflation zu sprechen, und Kickl konnte dort lang und breit, und vor allem unwidersprochen, ausführen, dass sie darauf beruht, dass Österreich kein russisches Gas mehr kauft, weil es sich in die Sanktionspolitik der EU einbinden ließ. Nicht einmal ansatzweise wendet Webhofer ein, dass die Ursache der Inflation darin zu finden ist, dass Wladimir Putin in Vorbereitung des Ukraine-Krieges gemeinsam mit der OPEC jene Drosselung der Öl- und Gasförderung beschloss, die Energie so teuer machte, dass alles Produzierte sich entsprechend verteuern musste. Die EU hat zwar den Kauf russischen Öls, nicht aber russischen Gases sanktioniert, weil sie weiß, wie abhängig Österreich, Deutschland, aber auch viele andere Staaten davon waren und zum Teil noch sind. Während die EU Putin wegen seines Krieges wie der damit verbundenen Inflation zu Recht ächtet, hat die FPÖ bekanntlich einen nicht aufgekündigten Freundschaftsvertragmit seiner Partei „Einiges Russland“ und sorgt sich Kickl, dass wir unsere Neutralität gefährden, indem wir Putins Krieg kritisieren und uns den Sanktionen der EU angeschlossen haben.

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Endet Trumps Machtrausch bei der FED?

Einen Präsidenten, der die Unabhängigkeit der FED beschneiden kann, hält nichts mehr auf. Aber eine Notenbank, die das Gegenteil der Politik will, ist ein Problem.

Indem Donald Trump mit Lisa Cook eine Gouverneurin der Notenbank FED gefeuert hat, greift er erstmals in der US-Geschichte in die Unabhängigkeit dieser Institution ein. Er hat zwar das Recht, eine Gouverneurin zu entlassen, aber es bedarf dazu „triftiger Gründe“ und die sind bei Cook höchst fraglich. Der Chef der Aufsichtsbehörde für den Hypothekenmarkt, William Pulte, den CNN einen „republikanischen Kampfhund“ nennt, nachdem er mit Senator Adam Schiff und der New Yorker Generalstaatsanwältin Lätitia James schon zwei heftigen Kritikern Trumps „Hypothekenbetrug“ vorgeworfen hat, erhebt folgenden Vorwurf gegen Cook: Sie hätte einen günstigen Zinssatz für den Kauf ihrer Wohnung in Atlanta erhalten, indem sie sie als Hauptwohnsitz deklarierte, obwohl sie zuvor ihr Haus in Michigan als Hauptwohnsitz deklariert und dafür ebenfalls einen Kredit erhalten hat. Cook nennt diesen Vorwurf unzutreffend und jedenfalls bezieht er sich auf die Zeit vor ihrer FED-Tätigkeit. Aber selbst, wenn er richtig sein sollte, ist fraglich, ob er ein „triftiger Grund“ ist, sie aus einer Funktion zu entlassen, in der ihre unbestrittene ökonomische Expertise gefragt ist. Cook hat jedenfalls gegen ihre Entlassung geklagt und der Rechtstreit wird zweifellos vor dem Supreme Court landen[1]. Dort sind schon mehrere Verfahren um gekündigte Behördenleiter gelandet, doch das Höchstgericht hat bisher noch keine Entscheidung Trumps rückgängig gemacht, hat er doch für eine Mehrheit republikanischer Richter gesorgt. Im Falle der Notenbank gibt es allerdings ein früheres Urteil des Supreme Court, das die Unzulässigkeit personeller Eingriffe in die FED mit ihrer Besonderheit begründet: „Die Federal Reserve (FED) ist eine einzigartig strukturierte, quasi-private Institution, die der besonderen historischen Tradition der Ersten Bank der Vereinigten Staaten folgt.“ Diese historische Tradition ist eindeutig: Die Unabhängigkeit der FED ist ihr höchstes Gut. Das sollte die Entlassung Cooks ausschließen, solange sich FED-Präsident Jerome Powell und andere FED-Gouverneure der Forderung nach ihrer Entlassung nicht anschließen. Aus rechtsstaatlicher Sicht ist die Sache für mich eindeutig: Sollte der Supreme Court ihre Entlassung dennoch akzeptieren, so wäre das ein Riesenschritt hin zu Trumps Allmacht und an Gefährlichkeit nur noch davon übertroffen, dass das Höchstgericht auch akzeptiert, dass er via Notstand Zölle diktiert hat, obwohl ein Berufungsgericht es soeben als unzulässig erklärt hat.

Nur aus ökonomischer Sicht sind beide Themen komplexer. Zölle können nötig sein und Notenbanken sind die mächtigsten auch politischen Akteure:  Als FED-Chef Paul Volcker die Zinsen zu Beginn der Ära Ronald Reagans hochhielt, schwächelte die US-Wirtschaft, als Alan Greenspan sie senkte, boomte sie. Der Euro wäre Geschichte, hätte EZB-Chef Mario Draghi nicht erklärt, ihn mit allen Mitteln zu stützen. Als die Staaten der EU zu wenig investierten, um die Konjunktur aufrecht zu erhalten, verhinderte die EZB mit ihrer Null-Zins -Politik, dass sie völlig einbrach. Zuletzt sorgte sie durch ihre harsche Zinserhöhung für die aktuelle Rezession, obwohl die Teuerung, die sie bekämpfte von der Verteuerung fossiler Brennstoffe herrührte und in einer von deutscher Lohnzurückhaltung geprägten EU nicht das Geringste mit überhöhten Löhnen zu tun hatte.

In den USA ist die Situation anders. Ausgangspunkt der Teuerung war zwar auch dort die Verteuerung fossiler Energie, aber sowohl in Trumps erster Amtszeit wie unter Joe Biden stiegen die US-Löhne massiv und wurde zur Überwindung der Coronakrise noch mehr Geld als bei uns in die Wirtschaft gepumpt – das hat die Inflation sehr wahrscheinlich verschärft. Das Rezept, das das Lehrbuch zu ihrer Dämpfung empfiehlt, verlangt extremes Fingerspitzengefühl, denn es besteht darin, die Wirtschaft durch einen hohen Zins so abzukühlen, dass die Arbeitslosigkeit zunimmt und weitere Lohnerhöhungen ausschließt. Schon unter Biden erhöhte die FED die Zinsen auf 5,5 Prozent, senkte sie unter Trump auf 4,5 Prozent und hat sie bis heute dort belassen. Zuletzt stellte Powell zwar eine vorsichtige Senkung in Aussicht, weil der Arbeitsmarkt schwächelt, aber man kann durchaus meinen, dass Trump recht hat, wenn er seit Monaten eine deutliche Zinssenkung forderte. Weil Regierende niedrige Zinsen fast automatisch vorziehen, hat man den Notenbanken in aller Welt größtmögliche Unabhängigkeit zugestanden, um die Lage möglichst unbefangen einzuschätzen. Zwei Mitglieder des siebenköpfigen FMOC (Federal Open Market Committee) der FED, der die Zinsen festlegt, waren schon bisher dafür, sie zu senken, Brook unterstützte Powell am energischsten, sie beizubehalten. Da mittlerweile eine weitere Gouverneurin freiwillig ausscheidet, kann Trump hoffen, mit den von ihm nominierten Nachfolgern eine Mehrheit für massive Zinssenkungen zu gewinnen. Das ist ein höchst problematischer Eingriff in die Unabhängigkeit der Notenbank, nur ist auch ihre totale Unabhängigkeit ein nicht wirklich gelöstes Problem: Es kann passieren und ist schon passiert, dass die Regierung die Wirtschaft mit hohen Investitionen ankurbeln will, während die Notenbank mit hohen Zinsen auf der Bremse steht. Solang er nicht Recht bricht, ist zulässig, dass ein Präsident die FED auf Seiten seiner Politik sehen will.

 

 

 

 

 

 

[1] Schon Dienstag urteilt ein Gericht, ob Cook vorerst weiter amtieren darf, aber die Entscheidung ist zwar ein Indiz, aber nicht bindend

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Trump im Zoll -Notstand

Zölle wegen angeblichen Notstands zu dekretieren, war rechtswidrig. Nur wenn der Supreme Court ein Berufungsgericht desavouiert, bleibt Trump eine Mega-Blamage erspart. 

Donald Trump könnte vor seiner größten Niederlage stehen – oder der Supreme Court vor dem größten Rechtsbruch der US-Geschichte. Ein US-Berufungsgericht hat Freitag voriger Woche erklärt, Trump habe mit der Verhängung der Zölle vom 2. April seine Befugnisse überschritten und sie seien ungültig. Die Entscheidung tritt erst am 14. Oktober in Kraft, sodass Trump die Zeit hat, sie beim Supreme Court anzufechten. Sollte er Trump im Gegensatz zum Berufungsgericht Recht geben, so wäre der Rechtsbruch beispiellos. Denn das Hauptargument, mit dem Trump Zölle dekretiert hat, war immer grotesk: Die 1,2 Billionen Dollar Leistungsbilanzdefizit, dem die USA gegenüberstünden, stellten einen Notstand dar, der ihm Dekrete erlaube. Nur dass es solches Defizit seit drei Jahrzehnten und vier Präsidenten gibt, ohne dass selbst Trump in seiner ersten Amtszeit von einem Notstand gesprochen hätte.

Nun ist Trump nicht der erste Präsident, der mit Notstandsverordnungen Politik macht. Seit 1977 haben das US-Präsidenten 69-mal getan. Nur das sich diese Notstände doch irgendwo festmachen ließen. So ließ Jimmy Carter 1979 nach der Erstürmung der US-Botschaft in Teheran den Handel mit dem Iran per Notstandsdekret untersagen. George H. W. Bush nutzte das Gesetz für Sanktionen gegen Serbien im Jugoslawienkrieg, sein Sohn für Sanktionen gegen den Irak. Fast immer haben die Präsidenten ein bestimmtes Land ins Visier genommen oder den Handel mit bestimmten Gütern (etwa Diamanten) untersagt. Noch nie aber wurden per Notstand Zölle, noch dazu in globalem Maßstab, verhängt. Primär dort setzte bereits im Mai die Klage mehrerer Unternehmen und US-Bundesstaaten, darunter auch zweier republikanischer, beim US-Gerichtshof für internationalen Handel in New York an: Trump habe kein Recht, Zölle einzuführen, weil das Gesetz es dem Präsidenten nur erlaube, die Einfuhr ausländischer Produkte im Notfall zu unterbinden, nicht aber mit Zöllen zu belegen. Nur das entspreche dem „International Emergency Economic Powers Act“ von 1977, der es ihm erlaubt, Sanktionen einzuführen, wenn eine „außergewöhnliche Bedrohung der Wirtschaft oder der Sicherheit des Landes“ vorliegt. Das ist zwar vage, aber es ist schwer, daraus abzuleiten, dass sich die USA von der Schweiz derart bedroht fühlen, dass sie ihr 39 Prozent Zoll vorschreiben müssen.

Gegen dieses Urteil wehrte sich die Trump-Regierung vor dem Berufungsgericht. Dieses hob eine Blockade der Zölle, die das New Yorker Gericht verfügt hatte zwar vorerst auf, um den Fall zu prüfen, hielt die Entscheidung der unteren Instanz mit seinem nunmehrigen Beschluss aber in großen Teilen aufrecht: „Das Gesetz räumt dem Präsidenten zwar erhebliche Befugnisse ein, um auf einen ausgerufenen nationalen Notstand zu reagieren“, hieß es in der Urteilsbegründung, „aber keine dieser Maßnahmen schließt ausdrücklich die Befugnis ein, Zölle, Abgaben oder Ähnliches zu erheben.“ Das Urteil bezieht sich auf die von Trump erstmals Anfang April angekündigten länderspezifischen Zölle, die Dutzende Handelspartner der USA, darunter die gesamte EU betreffen. Nicht von der Entscheidung betroffen sind Zölle, die auf anderer rechtlicher Grundlage erlassen wurden. So erlaubt ein Gesetz dem Handelsminister, die Einfuhr von zu Gütern zu beschränken, wenn der Import den Sicherheitsinteressen der USA zuwiderläuft. Er muss dazu allerdings ein Prüfverfahren einleiten, das meist um die neun Monate dauert, weil dabei interessierte Parteien öffentlich anzuhören sind. Dieses Verfahren nutzte Trump für seine Zölle auf Stahl und Aluminium sowie Autos, auch wenn ich nicht weiß, wie die Sicherheitsinteressen gefährden – Metalle sind dagegen kriegswichtig.

Für Trump ist die Aufhebung seiner wunderbaren Zölle durch das Berufungsgericht die bisher größte juridische Niederlage und er schäumt entsprechend. Das Gericht sei verrückt, befangen und setze die Nation einer Katastrophe aus. Doch er sei zuversichtlich, dass der Supreme Court sie verhindern werde. Wenn die USA noch ein Rechtssaat sind, wird ihr Urteil zu einer Katastrophe für Trump. Das größte Risiko besteht nicht in der Teilnahme der zuletzt von Tump ernannten religiösen Richterinnen – wer gegen Abtreibung ist, kann dennoch für den Rechtsstaat sein – sondern bei zwei konservativen Richtern, deren Neigung zu Geschenkannahme altbekannt ist und in der so tiefen ideologischen Spaltung des Landes: Wenn das Richterkollegium zu dem Schluss gelangt, hier ginge es nicht um die richtige Auslegung eines Gesetze, sondern um Sein oder Nichtsein des republikanisch-konservativen Amerika, dann ist auch das ungeheuerlichste Fehlurteil denkbar.

In der Sache müsste Trump auch bei einem korrekten Urteil keineswegs voll von seinen Zöllen abrücken, er muss sie nur ordnungsgemäß und vermutlich differenziert und entsprechend langsam im Kongress durchbringen. Für die EU ist spannend, wie weit zwischenstaatliche Abkommen aufrecht bleiben, wenn sie unter dem Druck ungesetzlicher Zölle zustande gekommen sein sollten. Auch das von mir hier so oft aufgezeigte Problem, dass ihr gewaltiger Leistungsbilanzüberschuss gegenüber den USA inadäquaten Löhnen zu danken ist, bliebe bestehen: Trump könnte bei der World Trade Assoziation (WTA) und bei der EU dagegen klagen, denn beide lehnen dauerhafte Überschüsse ab. Trump müsste nur die Mühen zivilisierter Politik auf sich nehmen.

Das New Yorker Gericht hob die sonstigen Zölle jedenfalls auf und argumentierte wie folgt: Der Präsident habe die Verfassung verletzt, als er reziproke Zölle auf so breiter Front eingeführt habe. Das dürfe nur der Kongress.

 

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Österreichs teures, unbrauchbares Heer

Dafür, dass Österreich das militärisch unsicherste Land der EU bleibt, riskieren wir viel Geld und die übliche Korruption für die Aufrüstung des Bundesheeres

 Obwohl von der EU zu absurdem Sparen vergattert, geben wir bekanntlich 16 Milliarden zur Aufrüstung des Bundesheeres aus, und mindestens eine Milliarde davon fließt nach Italien, um Trainingsjets des Typs Leonardo zu bezahlen. Dass wir pro Jet das Doppelte Nigerias zahlen steht fest, aber das Verteidigungsministerium begründete es mit der ganz anderen Ausstattung und Bewaffnung. Dem steht gegenüber, dass seine „Interne Revision“ festhielt, die Ausschreibung sei „ohne Not“ von vornherein auf Leonardo zugeschnitten gewesen. Das Ministerium bestreitet diese Behauptung und die Grünen wittern „Korruption“.

Ich kann den konkreten Fall nicht beurteilen, wohl aber wiedergeben, was VP-Obmann Erhard Busek mir allgemein zu Staatsaufträgen sagte, als er mir die Informationen übergab, die „profil“ den AKH-Skandal aufdecken ließen: „Bei jedem Staatsauftrag sind 10 Prozent Korruption unvermeidlich– bei Rüstungsaufträgen sind es 30 Prozent.“  1970 hatte ich Kontakt zu einem Direktor der Schweizer Waffenschmiede Hispano Suiza, die eben vom Konkurrenten Oerlikon übernommen worden war. Er zeigte mir eine ganze Reihe von Dokumenten, die unter anderem 40 Prozent Korruption bei Waffenkäufen Frankreichs nahelegten. Bezüglich Österreichs besagten sie nur, dass wir für ein Feuerleitsystem das Sechsfache Deutschlands bezahlt hatten. Andere Dokumente wollte er mir erst übergeben, wenn ich diese Story veröffentlicht hatte. Das tat ich, aber weitere Dokumente blieben aus: Oerlikon hatte ihm die strittige Provision bezahlt. Eine Untersuchung der Justiz zu unserem Feuerleitsystem unterblieb unter Christian Broda wie erwartet. Als SP-Verteidigungsmister Karl Lütgendof starb, fanden sich in seinem Safe Oerlikon-Aktien – aber das konnte auch purer Zufall sein. Für Österreich als Kunde für Rüstungskäufe hegte mein Informant jedenfalls größte Wertschätzung: „Österreich kauft alles zum vielfachen Preis.“

Das kann sich natürlich geändert haben, aber wie Erhard Busek halte ich Korruption bei Rüstungsaufträgen für unvermeidlich. Die EU muss dennoch aufrüsten, wenn sie Wladimir Putin nicht hilflos ausgeliefert sein will und da Österreich ihr angehört, sollte es theoretisch auch aufrüsten. Ich teile nur die Ansicht des Präsidenten der Offiziersgesellschaft Erich Cibulka : Das aktuelle Bundesheer mit 6 Monaten Ausbildung ohne Wehrübungen ist zur Landesverteidigung unbrauchbar. Insofern sind die 16 Milliarden Euro, die die Regierung bis 2032 investieren will, hinausgeschmissenes Geld. Man kann sie nur damit rechtfertigen, dass der Bau von Kasernen und der Kauf von Pandur-Panzern die heimische Wirtschaft stärkt.

Vielleicht kann man zumindest diskutieren, was unsere Sicherheit tatsächlich erhöhte. So glaube ich, dass nur ein Berufsheer den Anforderungen moderner Kriegsführung gewachsen ist. Und nur Männern, die sich freiwillig dazu melden und entsprechend bezahlt werden, ist zuzumuten Ihr Leben zu riskieren. Ein Berufshehr ist teuer, aber zu etwas Gut und wir haben beste Offiziere, es zu führen. Vor allem aber müssen wir die Neutralität endlich so diskutieren, wie die Offiziere, die die neue Wehrdoktrin erarbeitet haben, das wollten, ehe Karl Nehammer und Christian Stocker erklärten, sie stünde nicht zur Diskussion, „weil 80 Prozent der Österreicher der Neutralität anhängen.“ Ich will zumindest zur Diskussion stellen, ob wir mit 16 Milliarden Euro nicht sehr viel Geld ausgeben, ohne unsere Sicherheit zu erhöhen.

Es ist zwingend viel teurer, ein Heer zu finanzieren, das allein in der Lage ist, ein Land militärisch zu schützen, als es in einem Bündnis mehrerer Staaten zu tun. Deshalb hat sich im „Westen“ die NATO gebildet, und gab es im „Osten“ den Warschauer-Pakt. Sollten die Österreicher meinen, dass „Neutralität“ an sich vor Krieg schützt, belegt die Geschichte das Gegenteil: Adolf Hitler überfiel nacheinander die neutralen Länder Luxemburg, Belgien, Holland, Dänemark und Norwegen. Dass er die Schweiz verschonte, lag nicht an ihrer Neutralität, sondern daran, dass General Heinz Guderian Hitler überzeugte, dass es viel besser ist, Frankreich überraschend über die angeblichen nicht Panzergängigen belgischen Ardennen als über die Schweiz anzugreifen.

Österreichs Sicherheit nach dem Krieg beruhte in keiner Weise auf der Neutralität, sondern darauf, dass es bei der Teilung der Einflusssphären im Jalta klar dem „Westen“ zugezählt wurde, so dass die Sowjetunion davon ausgehen musste, dass die USA einen Vorstoß nach Österreich nicht hinnehmen würden. In kritischen Situationen, während der Ungarn-Aufstandes oder des Prager Frühlings, hat sich unsere Regierung dennoch immer besorgt bei der US-Regierung erkundigt, ob man uns auch wirklich verteidigte.

Seit der „Wende“ umgeben uns mit Ausnahme der militärisch weit stärkeren Schweiz nur NATO-Staaten: wir sind dank Trittbrettfahrens relativ sicher. Derzeit ist die Nato zwar theoretisch stärker denn je, weil sich ihr auch das neutrale Schweden und das neutrale Finnland angeschlossen haben, aber in der Praxis hat die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sie arg geschwächt -mehr Schutz als die Neutralität bietet sie unverändert. Und die EU wird, wer immer US-Präsident wird, in Zukunft sehr viel mehr für ihre Sicherheit tun müssen. Ob sie ewig hinnimmt, dass Österreich weniger als alle anderen in Rüstung investiert und keine Gefallenen riskiert, weiß ich nicht.

 

 

 

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Die Ohlin-Klippen des Freihandels

Der Ökonom Bertil Ohlin sah Freihandelsprobleme der USA voraus. Mit China haben sie noch keinen Deal, obwohl sie den am meisten brauchten. Der EU kann Ähnliches blühen. 

Während Donald Trump mit der EU, Japan oder Südkorea „Deals“  gelangen, scheitert er bisher in Peking: Man drohte einander zwar Zölle von mehr als hundert Prozent an, schob ihre Einführung aber bis 12.August hinaus und Trump ist noch immer nicht am Ziel. Dabei hat China mit 423 Milliarden den größten Anteil am US-Leistungsbilanzdefizit von 1,29 Billionen Dollar – aber es hat auch ein Beinahe-Monopol für„seltene Erden“, die unverzichtbar für alle modernen Technologien sind. Dazu dient es vielen US-Unternehmen als Werkbank, so dass Zölle den Preis von Apple-Handys bekanntlich verdreifacht hätten und selbst chinesischen Plunder zu verteuern ist für Trump nicht leicht, denn es trifft mit der Unterschicht sein größtes Wählerreservoir.

Es sind diese gegenseitigen Verschränkungen, die die Industriellenvereinigung oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung veranlassen, Freihandel für unabdingbar zu halten und zu vermuten, dass Trumps Zollkriege den Amerikanern am meisten schaden. Als die USA im ersten Quartal 50 Milliarden Dollar an Zöllen einkassierten, ruderte die FAZ zwar zurück, aber die jüngsten US-Arbeitsmarktzahlen sind so schlecht, dass Trump die Leiterin der Statistikbehörde entließ. Die Folgen der Zollkriege für die USA bleiben unklar – nur dass sie uns schaden ist sicher.

Die Gleichsetzung von Freihandel und wirtschaftlichem Erfolg ist dennoch ein Mythos: Historisch entstanden alle starken Industrien, die Englands, Deutschlands oder der USA hinter hohen Zollmauern und in der jüngeren Geschichte war das nicht anders: Südkoreas Autoindustrie entstand hinter Zollmauern von 400 Prozent. Seinen aktuell so unbestrittenen Ruf dankt der Freihandel Nobelpreisträger Paul Krugman, der, auch wenn er außeracht ließ, dass Transportkosten unmöglich serös zu ermitteln sind, darauf verwies, dass nur weltweit Hindernis-freier Verkauf von Waren die großen Serien ermöglicht, durch die sie so billig sind. Aber auch die Argumente, mit denen der britische Ökonom David Ricardo (1772-1823) den Freihandel pries, klingen bis heute gut: Wenn England dank seiner Manufakturen das beste Tuch und Portugal dank seines Klimas den besten Wein erzeuge, dann sei es unsinnig, den freien Austausch dieser Waren durch Zoll zu erschweren. In einer arbeitsteiligen Welt sollte daher jedes Land produzieren, was es am besten kann – dann hätten alle den größten Nutzen. Insbesondere hatten ihn die Briten, denn Industrie bietet dank viel größerer Produktivitätszuwächse viel höhere Gewinne als Landwirtschaft – Freihandel bevorzugt Industrienationen. So böte das bei uns so umstrittene Freihandelsabkommen Mercosur der Industrienation Österreich mit Südamerika einen höchst lukrativen zusätzlichen Markt – aber die Viehbauern zahlten zweifellos drauf, weil sie nicht mit dem Fleisch Argentiniens konkurrieren könnten.

Dieser Nachteil des Freihandels für einen bestimmten Teil der Arbeitskräfte zu sehen, trug 1977 wesentlich zum Nobelbreis für den schwedischen Ökonomen Bertil Ohlin bei. Ich will ihn deshalb die„Ohlin-Klippe“ des Freihandels nennen und an den USA illustrieren: Wenn sich ein Land dank der Qualifikation seiner Unternehmen auf die Herstellung komplexer Produkte – im konkreten Fall digitaler Leistungen – konzentriert, die Produktion einfacher Güter also relativ vernachlässigt, so  konzentrieren sich andere Länder gemäß Ricardo auf die Herstellung einfacherer Güter, in Europa  auf Autos, in China anfangs auf Stahl. Das aber musste Ohlin folgend dazu führen, dass Europas Auto- und Chinas Stahlindustrie den entsprechenden vernachlässigten Industrien der USA klar überlegen sind und deren Beschäftigten Probleme bereiten. Besonders große bei Stahl und Aluminium, weil China beides nicht nur mit billigen Arbeitskräften, sondern auch in produktiven Anlagen herstellt und bei Autos, weil eine vernachlässigte Autoindustrie perfekten und billigen deutschen Autos hilflos gegenübersteht.

Die resultierenden Probleme haben die USA schockartig heimgesucht: Ehe China 2000 der  Weltfreihandelsorganisation WTO beitrat, entsprachen Pekings US-Exporte nur 5 Prozent der US-Industrieproduktion, aber 2014 waren es schon 30 Prozent und explodierte Chinas Überschuss schon auf 278 Milliarden Dollar, um heute bei den den zitierten 423 Milliarden zu liegen. Ähnliches geschah im Verhältnis zur EU. Entsprechend stark vergrößerte sich die Einkommensschere zwischen der eher kleinen Gruppe hochqualifizierter Beschäftigter der US-Digitalindustrie und der großen Gruppe Minderqualifizierter in der traditionellen US-Industrie. Sie wurden zwar nicht arbeitslos, weil die US-Wirtschaft insgesamt boomte, aber oft müssen sie sich mit gleichzeitigen Minijobs über Wasser halten und fühlen sich abgehängt. Trump wird gewählt, weil er sich ihrer annimmt. Ökonomisch perfekt geschähe das, indem etwas vom enormen  Reichtum der Digitalindustrie auf sie umverteilt würde – weil das in den USA undenkbar ist, versucht es Trump mit der  Abwertung des Dollars und Zöllen. Die EU wird vergleichbare Probleme haben, wenn ihre Autoindustrie eine Ohlin- Klippe erlebt: Chinas E-Autos sind schon heute trotz 21 Prozent Zoll viel preiswerter als deutsche, die man höchstens aus Patriotismus kaufen kann.  Auch das kann zum Schock werden – dann bin ich gespannt, ob uns mehr als Trump zu seiner Bewältigung einfällt.

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Eine Einigung ohne Alternative

Für die EU ist das teure Abkommen mit den USA besser als ein chancenloser Zollkrieg. Weil Donald Trump politisch so falsch liegt, muss er ökonomisch nicht falsch liegen.

Die EU hat sich mit Donald Trump geeinigt: Sie kauft LNG um 750 Milliarden Dollar und investiert 600 Milliarden mehr in die USA – dafür werden alle ihre Waren, auch Autos, „nur“ mit 15 Prozent Zoll belastet, bloß bei Stahl und Aluminium bleiben es 50 Prozent. Da der Dollar inzwischen um 12 Prozent abgewertet hat, werden Exporte in die USA damit „nur“ um 27 Prozent schwieriger, aber das ist immer noch besser als kein Abkommen. Mehr war für die EU nicht drin, obwohl sie sich auf Gegenzölle geeinigt hatte, denn die hätte Trump ohne Abkommen auf seine Zölle draufgeschlagen, und das erlaubt ein simples Gedankenexperiment: Käme jeder Handel auf diese Weise zum Erliegen, könnte die EU pro Jahr Güter und Leistungen für 530 Milliarden Dollar nicht mehr in die USA exportieren, während die USA nur für 330 Milliarden nicht mehr in die EU exportieren könnten. Vor allem aber trägt „Export“ nur 10 Prozent zum BIP der USA bei, während es bei der EU 53,4 Prozent (bei Österreich 59,2 Prozent) sind, so dass das Ende des Handels für die EU mit einem gewaltigen Wohlstandsverlust einherginge.

Im realen Zollkrieg hätte die EU noch schlechtere Karten gehabt, denn wenn ihr gewaltiger Güterüberschuss, voran bei Autos, mit Zöllen belastet würde, erhöhte das für Amerikaner zwar die Preise aller Autos etwas, aber bei Chevrolet, Ford oder Cadillac so wenig, dass es nicht wirklich schmerzte -würden hingegen Leistungen der USA, bei denen sie einen Überschuss erzielen, mit Gegenzöllen belastet, so verteuerten sich für Europäer voran Google & Co, ohne dass sie Eigenes zur Verfügung hätten.

Dass die EU sich trotz der so viel schlechteren Ausgangsposition auf Gegenzölle einigte, lag daran, dass der Kursverfall auch amerikanischer Aktien Trump im Mai, zu Beginn seines Zollkriegs, zu massiven Rückziehern gezwungen hat. Nur dass er ihn damals besonders dumm – mit Zolldrohungen gegen die ganze Welt – begonnen hat, während er ihn jetzt gestaffelt und gezielter führt. Zudem haben die USA durch die Zölle bereits gewaltige Einnahmen erzielt, die sich herumgesprochen haben und der durch die Zölle leicht gestiegenen US-Inflation gegenüberstehen. Trumps Sorge, dass US-Aktien wieder einbrechen könnten, war geringer, aber nicht ganz weg.

Es ist ein Problem der EU, dass ihre Medien Trump fast ausschließlich danach beurteilen, wie schlecht er die USA außen- und innenpolitisch führt: dass er die NATO sinnlos geschwächt hat, rechtsextreme Parteien wie die AfD unterstützt, es der Ukraine aber gleichzeitig an Unterstützung fehlen lässt und vor allem, dass er die USA zunehmend zu einem autoritären Staat umgestaltet. Das kann den USA in sehr, sehr vielen Jahren auch wirtschaftlich schaden, weil hervorragende Wissenschaftler ungern in so einem Staat arbeiten, aber im Moment ist Trump dabei, ein echtes ökonomisches Problem der USA – den Wegfall von immer mehr Industriearbeitsplätzen – zumindest zu lindern. Meines Wissens hat nur der Wirtschaftsressortleiter des Standard Joseph Gepp unter dem Titel „Trumps Zölle gegen alle Welt mögen verrückt wirken – aber er hat dennoch einen Punkt“ das zweite wichtige Argument zu Trumps Gunsten angeführt: Es ist auch ein echtes Problem, dass die USA sich jährlich mit 1,29 Billionen Dollar verschulden, um die Konjunktur in China, Japan oder Südkorea und insbesondere in der EU aufrechtzuerhalten. Es gibt zwar Ökonomen, die meinen, die USA könnten sich unbegrenzt verschulden, aber andere bezweifeln es und vor allem können Ratingagenturen, so unfähig sie in Wirklichkeit sind -man erinnere sich, wie sie toxische US – Derivate mit Tripple A bewerteten – eine Weltwirtschaftskrise auslösen, wenn sie den USA in Hinblick auf diese Schulden die Bonität absprechen. Trump handelt daher richtig, wenn er das gigantische US-Leistungsbilanzdefizit abzubauen sucht. Genau so richtig analysiert sein Finanzministerium, wenn es ausführt: „Länder wie China, Deutschland, Japan und Südkorea haben eine Politik verfolgt, die den Binnenkonsum ihrer eigenen Bürger unterdrückt, um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportprodukte künstlich zu steigern. Zu dieser Politik gehören Maßnahmen, die darauf abzielen, die Löhne der Arbeitnehmer im Verhältnis zur Produktivität zu drücken“.

Statt über Gegenmaßnahmen zu Trumps Zöllen hätten wir über Maßnahmen nachdenken sollen, die ihm dabei helfen, das US-Leistungsbilanzdefizit ohne wirtschaftliche Verwerfungen abzubauen. Den USA mehr LNG und derzeit auch Waffensysteme abzukaufen sind sicher zwei davon, aber nachhaltig ist nur, die Schuldenbremse abzuschaffen und selbst die Schulden zu machen, die es braucht, die Konjunktur der EU zu erhalten, sowie gleichzeig für höhere Löhne zu sorgen, die es den Europäern ermöglichen, mehr der von ihnen produzieren Waren selbst zu konsumieren, statt zu exportieren. Wie wenig man das in Deutschland versteht, zeigt leider die Regierung Friedrich Merz`: Statt für Lohnerhöhungen zu sorgen, senkt sie die Unternehmenssteuern, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.  Obwohl die so groß ist, dass allein Deutschland einen Leistungsbilanzüberschuss von 80 Milliarden Dollar gegenüber den USA erreichte, und damit entscheidend zu Tumps Zöllen beitrug. Die EU wird wirtschaftlich erst problemlos funktionieren, wenn sie die für die Konjunktur unerlässlichen Schulden selber schultert und sich eine Erkenntnis des ersten Henry Ford zu eigen macht: „Ich muss meine Arbeiter so gut bezahlen, damit sie, die Autos, die sie bauen auch selbst kaufen können.“

 

 

 

 

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Bekommen wir Wirtschaftswachstum?

Die Wirtschaftsforscher sind vorsichtig optimistisch. Milliarden für Infrastruktur und Rüstung sprechen dafür. EU-Defizit-Verfahren und Trumps Zölle sprechen dagegen.

Die Institute für Wirtschaftsforschung (WIFO) und höhere Studien (IHS) meinen vorsichtig optimistisch, dass Österreichs Wirtschaft 2025 wieder wächst. Als sie 2023 eine ähnliche Prognose abgaben, lagen sie gründlich daneben. Aber im Zweifel sind sie besser zu optimistisch als umgekehrt, denn die Wirtschaft braucht Optimismus: Theoretisch könnten die relativ großen (für die Metallindustrie zu großen) Lohnerhöhungen der letzten Zeit die Österreicher zu vermehrten Einkäufen bewegen und das könnte, wie WIFO und IHS hoffen, die Wirtschaft beleben. Nur dass ihre Chefs, Gabriel Felbermayr und Holger Bonin sich bei ihren öffentlichen Äußerungen bloß in Nuancen vom Chef des Fiskalrates Christoph Badelt abheben, der fordert, dass der Staat dringend sparen müsse, um der Forderung der EU-Kommission zu genügen. Zu hoffen, dass die Bürger mehr ausgeben, wenn täglich vom Sparen die Rede ist, scheint mir freilich kühn.

Massivstes Hindernis für den Aufschwung sind die von der EU-Kommission gegen neun Staaten eingeleiteten Defizitverfahren, die sie zum gleichzeitigen Einsparen von Milliarden zwingen. Es ist absurd zu meinen, dass es die Wirtschaft beflügelt, wenn neben 18 wie immer sparenden Staaten, neun noch intensiver sparen, während die Konsumenten seit jeher sparen und Unternehmen seit zwei Jahrzehnten ebenfalls Nettosparer sind. Lauter Sparer können denkunmöglich Wachstum generieren.

Die daher eher überraschende Hoffnung der Wirtschaftsforscher auf Wirtschaftswachstum beruht darauf, dass Deutschland wieder zu dessen Lokomotive werden könnte, weil es im nächsten Jahrzehnt 500 Milliarden in seine Infrastruktur und 1000 Milliarden in seine Aufrüstung investieren wird, und weil andere Staaten ebenfalls rüsten können, seit die EU zusätzliche Militärausgaben von 1,5 Prozent des BIP erlaubt.

Bekanntlich geht die NATO bei ihrem Fünf-Prozent-Ziel davon aus, dass 1,5 Prozent nicht der Rüstung, sondern der Sanierung der Infastruktur dienen und natürlich profitieren zumindest österreichische Baukonzerne, wenn Deutschland zu zig Milliarden seine Infrastruktur, Straßen und Brücken, saniert. Die Frage, zu der im Falter zu Recht eine heftige Diskussion entbrannt ist, lautet: Wie sehr helfen auch Rüstungsausgaben der Wirtschaft und wie nötig sind sie, um Krieg zu vermeiden. Ich meine, dass man das getrennt diskutieren muss. Der Ökonom Kurt Bayer hält das Nato -Fünfprozentziel (in Wirklichkeit ein 3,5 Prozentziel für Rüstung) in einem Leserbrief für „hirnrissig“, solange man nicht wisse, wieviel Waffen man brauche. Ich fürchte, dass man das insofern nicht wissen kann, als niemand weiß, wie die USA sich in Zukunft verhalten. Verhielten sie sich wie unter Joe Biden, wären 3,5 Prozent des EU- BIP tatsächlich hirnrissig, aber unter Donald Trump muss man für möglich halten, dass die USA einem angegriffenen NATO-Land in Europa nicht zur Hilfe kommen, obwohl sich Trump beim Nato-Gipfel mit den erhöhten Ausgaben zufrieden zeigte. Es gibt leider absolut nichts, worauf man sich bei ihm verlassen kann.

Unter diesen Umständen entspricht es meiner Vorstellung von Verantwortung, die EU so aufzurüsten, dass sie Wladimir Putins Russland auch ohne US-Hilfe in absehbarer Zeit Paroli bieten kann. Dafür scheinen mir 3,5 Prozent des BIP in keiner Weise zu viel. Die USA geben diese 3,5 Prozent jedes Jahr aus, obwohl ihre Armee seit Jahrzehnten hochgerüstet ist und sie während des kalten Krieges sogar 7 Prozent dafür ausgegeben haben- dagegen wurden die Heere der EU-Staaten durch zwei Jahrzehnte kaputtgespart. Deshalb halten selbst Deutschlands SPD- Verteidigungsminister Gert Pistorius oder Österreichs roter EU-Mandatar Hannes Swoboda die 3,5 Prozent für „durchaus angebracht“. Ich wagte auch nicht, Polens oder Lettlands Regierungen Hirnlosigkeit zu unterstellen, wenn sie sogar 4,2 Prozent ihres BIP in Rüstung investiert – vielleicht schätzen sie Russland aus Erfahrung richtiger ein.

Dass Investitionen in Rüstung der Wirtschaft viel weniger nützen als Investitionen in die Infrastruktur steht außer Zweifel – dass sie ihr überhaupt nützen, aber genauso: Anders ist nicht zu erklären, dass Russlands Wirtschaft trotz Sanktionen besser als unsere gewachsen ist, anders ist nicht zu erklären, dass die USA die Weltwirtschaftskrise erst endgültig hinter sich gelassen haben, als sie Unsummen in Rüstung gegen Deutschland und Japan investierten. Der zughörige ökonomische Mechanismus: Die Rüstungsindustrie stimuliert eine riesige Zulieferindustrie und in beiden Industrien gutverdienende Arbeitskräfte erhöhen Nachfrage und Produktion aller Güter.

Die EU hat beim Rüsten allerdings mindestens zwei große Probleme: Natürlich, da hat Bayer Recht, sollte man längst wissen, wie ihre Streitmacht beschaffen sein soll, und sollten Einkauf und Produktion der Waffen längst gemeinsam erfolgen. Ähnlich groß ist das Problem, dass nur die USA eine militärisch nutzbare Satelliten-Aufklärung und Abfangjäger von der Qualität der F 35 besitzen. Dassault in Frankreich entwickelt zwar ein vergleichbares Flugzeug, aber es ist nicht fertig und eine EU- Satellitenaufklärung ist es schon gar nicht. Man wird also vorerst beides von den USA kaufen müssen und damit nur ihr Milliarden-Leistungsbilanzdefizit gegenüber der EU etwas verringern. Dass das Donald Trump von Zöllen gegen die EU abhält, glaube ich eher nicht. Es wird spannend, ob WIF0 und IHS mit ihrem Optimismus diesmal richtig liegen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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