Ergänzung zu „Die Partei der Kellernazi-Funktionäre“

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Auf einer Tagung von thüringischer  Rechtsradikaler, zu der er als Redner eingeladen war, hat der FPÖ-Abgeordnete Johannes Hübner es für notwendig gehalten, in seiner Kritik an der österreichischen Verfassung darauf hinzuweisen, dass ihr Schöpfer, Hans Kelsen ursprünglich ja „Kohn“ geheißen habe. SP-Verteidigungminister Hans Peter Doskozil und und die Generalsekretärin der ÖVP Elisabeth Köstinger haben sich über diese antisemitische Entgleisung empört und Köstinger hat präzisiert, dass es mit einer FPÖ, in der Hübner eine Funktion inne hat keine Koalition geben kann. (Siehe: Die Partei der Kellern-Nazi Funktionäre“).

FP- Generalsekretär Herbert Kickl hat die Empörung nicht verstehen können und erklärt, dass er in einer Unterredung mit Hübner die Überzeugung gewonnen habe, dass dieser seine Bemerkung nicht entfernt in antisemitischer Absicht gemacht hätte. Um nicht nur die Gesinnung sondern auch den Wahrheitsgehalt (Hans Kelsen hieß ursprünglich Kohn) dessen richtig einzuschätzen, was freiheitliche Abgeordnete wie Johannes Hübner oder ihre Verteidiger, wie Herbert Kickl so von sich geben, ist es nützlich, den nachfolgenden Brief zu lesen, den Hans Kelsen 1965 an Justizminister Christian Broda schrieb und den das Dokumentationsarchiv des Widerstandes (DÖW) aus gegebenem Anlass twitterte:

University of California, Berkeley, Department of political Science, Berkeley, California 94720 

Herrn Justizminister Christian Broda, Wien 1,; Justizpalast,             17. April 1965

Sehr geehrter Herr Justizminister!

Wie Ihnen gewiß bekannt ist, hat mich die Universität Wien, deren Ehrendoktor ich bin, eingeladen, an der im Mai stattfindenden 600-Jahr-Feier teilzunehmen. Ich habe diese Einladung angenommen und mitgeteilt, daß ich spätestens am 8. Mai in Wien eintreffen werde. Inzwischen haben die antisemitischen, gegen meine Person gerichteten, von einem Professor der Welthandelsschule veranlaßten Demonstrationen stattgefunden. Dieser Professor hat, nach einem Bericht des „Aufbau“ (New York, 2. April 1965) behauptet ich hätte früher Kohn geheißen, was unwahr ist, da weder ich noch irgend einer meiner Vorfahren anders als Kelsen geheißen hat.

Die Demonstrationen, bei denen, wie man mir aus Wien schreibt, sogar ein alter Mann getötet wurde, haben mich gezwungen meine Reise nach Wien aufzugeben, um mir und der Universität Unannehmlichkeiten zu ersparen. Ich bedaure dies um so mehr, als ich infolge dessen auf ein Wiedersehen mit Ihnen in nächster Zeit verzichten muß.

In der Hoffnung, daß Sie, sehr verehrter Herr Justizminister und die Ihren bei bestem Wohlsein sind, bleibe ich in ausgezeichneter Hochschätzung.

Ihr Hans Kelsen

Hübner hat, wie die FPÖ mitteilte, mittlerweile „aus freien Stücken“ auf eine weitere Kandidatur bei den kommenden Wahlen verzichtet.

Angesichts der dezidierten Äußerungen von SP-Verteidigungsminister Doskozil und vor allem VP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger wäre er eine Koalition mit einer dieser Parteien definitiv im Wege gestanden.

Das war er selbst den Herren Kickl und Strache nicht wert.

In einer Partei, die nicht so viele Kellernazis in ihren Reihen hat, hätte man ihn seit Jahren hinausgeschmissen.

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