Wird die Welt von Donald Trump erlöst?

Leider ist die Chance, dass der republikanisch dominierte Senat einem Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump mit zwei Drittel-Mehrheit zustimmt trotz der jüngsten Entwicklung in der Ukraine-Affäre denkbar gering.

Ehe sie Abschied von der Macht nehmen, nehmen die Republikaner einen Präsidenten in Kauf, dem es an absolut allem – Verstand, Wissen und Weitsicht – fehlt und der darüber hinaus ganz offenkundig amerikanisches Geld für die Verunglimpfung seines wahrscheinlichsten Konkurrenten bei den kommenden Wahlen geboten hat.

Man kann aber hoffen, dass das Material, das die Demokraten in den nächsten Monaten zu Tage fördern, seine Wiederwahl zumindest erschwert.

Viel schöner wäre es, Trump vor das Haager-Kriegstribunal zu zitieren, indem man ihm vorwirft, dass er mit dem US- Truppenabzugs aus Syrien bewusst den Mord an Syriens Kurden in Kauf genommen hat – aber das ist nicht nur de facto sondern auch de jure unmöglich: der Mann ist so dumm, dass man davon ausgehen muss, dass ihm die Folge seines Handels in keiner Weise bewusst gewesen ist.

Ein dummer US-Präsident ist gefährlicher als ein krimineller

Leider ist ein strohdummer amerikanischer Präsident eher noch gefährlicher als einer, der seine politischen Gegner auf kriminelle Weise bekämpft: Die “Freie Bühne Wieden” zeigt derzeit Peter Morgans geniales Stück “Frost/Nixon” in dem die Watergate-Verfehlungen Richard Nixons thematisiert werden: Ein Interview des britischen Fernsehmoderators David Frost endete mit Nixons Rücktritt als Präsident der USA, nachdem klar war, dass er einen Einbruch ins Büro seiner demokratischen Wahlgegner zu vertuschen versuchte. Nur dieser Rücktritt vermochte ein Impeachment-Verfahren abzuwenden.

Das Stück bezieht seiner Spannung daraus, dass dieser kriminelle Richard Nixon ein hochintelligenter, in der Sache hervorragender Präsident der USA gewesen ist: Ihm gelang es, das Verhältnis zu China auf eine neue Basis zu stellen und damit eine für den Frieden wesentlich stabilere Machtverteilung zu schaffen: Anstelle des instabilen Antagonismus USA – Sowjetunion trat eine wesentlich stabilere Dreiecksbeziehung, in der einander China, die Sowjetunion und die USA relativ gleichberechtigt gegenüber stehen. Gleichzeitig gelang es Nixon, den Vietnamkrieg zu beenden, den er von John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson geerbt hatte. Und inneramerikanisch trug er entscheidend zum Ende der Apartheid bei.

Nebenher ein Bühnenereignis

“Frost/ Nixon” ist deshalb so sehenswert, weil es die Verzahnung der psychischen Struktur Nixons mit seinem Handeln so perfekt vor Augen führt. Nebenher ist die Inszenierung (Gerhard Dorfer) erstklassig, spielen die Schauspieler ihre Rollen durchwegs perfekt und ist Johannes Terne als Richard Nixon ein Bühnenereignis: Nixons Zusammenbruch – die Erkenntnis, dass er durch ein völlig überflüssige kriminelle Aktion sein Lebenswerk zerstört hat – erschüttert auch den politikfernsten Zuschauer.

Leider soll die österreichische Erstaufführung des Dramas an der Freien Bühne Samstag den 9. November enden.

7 Kommentare

  1. Herr Lingens, das ist wirklich eine berechtigte Frage – die Hoffnung ist hingegen minimal.

    Ich stelle jedoch auch eine wahrscheinlich näherliegende Frage:
    “Wann wird Europa – die EU – von Frau Merkel erlöst?”
    Wer die jüngsten Äußerungen zur NATO, Migration, Islam, Wirtschaft, … von Frankreichs E. Macron gelesen hat, muss wohl übereinstimmen, dass die “Deutsche Führerin” mit ihren Äußerungen (“Wir schaffen das”) und Handlungen die EU in den Niedergang getrieben hat. Und das alles mit dem besten Einverständnis von den USA und Donald Trump …

  2. Hatte solch ein Vertrauen zu den “checks and ballances”, aber dieser Typ Trump hat offensichtlich jede Menge Schmähs parat, um sich immer wieder rauszuwurschteln.

  3. Ich will hier keinesfalls mich positiv über Trump äußern, aber kann mir bitte jemand erklären, warum der Kriegsherr Barack Obama mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde?

    War da vielleicht das Nobelpreiskomitee damals strohdumm?

  4. Man kann die Weltvon Trump nicht erlösen, das wäre Religionsfrevel. Man kann die Welt nur von ihm befreien!! Was dieser Über-Egomane seit seiner Präsidentschaft in der ganzen Welt angestellt hat, geht auf keine Kuhhaut! Er und Putin, zwei irre Weltverbesserer, die bisher nur Unheil gebracht haben. Ferndiagnosen von Nervenärzten bestätigen, Trump ist hochgradig eine gespaltene Persönlichkeit. Seine Körpersprache sagt alles. Er muss empeacht werden!!

  5. Es ist zu befürchten, dass die Welt noch weitere 4 Jahre Trump ertragen wird müssen, falls die Demokraten den Fehler begehen, Bernie Sanders ins Rennen zu schicken. Hoffentlich gibt’s wenigstens bei denen mehr Vernunft.

  6. Nach meinen Informationen war nicht erst das Interview der Grund für Nixons Rücktritt. Der Rücktritt von Nixon erfolgte 1974, das Interview wurde 1977 aufgenommen.

    Alle Leser die keine Gelegenheit haben das empfohlene Theaterstück zu besuchen – also die meisten – können sich mit dem ebenso hoch gelobten Film “Frost/Nixon” von Ron Howard, basierend auf dem angeführtem Stück von Peter Morgan, trösten. (Gibt es auf Bluray, DVD oder Amazon Prime)

    http://www.filmstarts.de/kritiken/120435.html

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