Wer kann die sozialen Medien eindämmen?

Die Information der Massen nicht den „Sozialen Medien“ zu überlassen, ist eine Jahrhundert- Aufgabe. Nur ein völlig anderer ORF-Stiftungsrat ermöglicht ihre Bewältigung. 

Was passiert, wenn ein Staat kein Medium mehr hat, dem das Gros der Bevölkerung zubilligt, nach bestem Wissen und Gewissen wahr zu berichten, hat sich in den USA gezeigt: Ihre Information wurde von den „Sozialen Medien“ und den Sendern zweier Milliardärs-Gruppen übernommen: Fox von „republikanischen“ Milliardären, die für Donald Trump trommelten, CNN von Milliardären, die ihn- korrekt- kritisierten. Aber im Zusammenhalt mit den „Sozialen Medien“ hatte Trump ein Übergewicht, das sich zwingend aus ihrem Geschäftsmodell ergibt: Um für Inserenten möglichst interessant zu sein, brauchen sie möglichst viele Inhalte, die von möglichst vielen Menschen angeklickt werden und das erreichen sie, indem Algorithmen die besonders süffigen Informationen immer weiter nach vor reihen. Besonders süffig sind aber nicht sachliche Informationen, sondern Informationen, die möglichst stark polarisieren- etwa Verschwörungstheorien oder die Lügen Trumps über Hillary Clinton oder Joe Biden.

Das hat entscheidend zur Niederlage Clintons beigetragen, denn zugleich stellen „Soziale Medien“ ideale Einfallstore für Wahlmanipulation dar: Bekanntlich kann man den Wahlkampf dort exakt auf die Menschen zuschneiden, deren emotionales Profil man durch das Filtern der von ihnen hinterlassenen digitalen Spuren exakt ermittelt. Man füttert etwa Leute in prekären Arbeitsverhältnissen mit Informationen, wonach immer mehr Zuwanderer aus Mexiko sie um ihre Jobs bringen- gefolgt von Informationen über Trumps Mauer an Mexikos Grenze. Die Firma Cambridge Analytics hat sich dieses Mittels bekanntlich beim Votum der Briten über den Brexit ebenso bedient wie beim Votum der Amerikaner über Trump. Wenn man hinzuzählt, dass sich auch noch russische Hacker in diese Voten einklinken konnten, indem sie Informationen und Klicks für den Brexit und für Trump einfügten, ahnt man, wie massiv die Wahlmanipulation ausgefallen ist.

Dass Trump die Wahl gegen Joe Biden dennoch verlor, ist fast ausschließlich seiner katastrophalen Corona-Politik zu danken, deren viele Tote sich beim besten Willen nicht wegklicken ließen. Und beinahe hätte Trump seine Niederlage mittels des über die sozialen Medien ausgelösten Sturms aufs Kapitol ungeschehen und seine Lüge von der gestohlenen Wahl zur neuen Wahrheit gemacht.

Die Vorstellung, dass die sozialen Medien der korrekten Information und der Demokratie dienen, ist eine völlige Verkennung der Realität, auch wenn sie in Diktaturen tatsächlich manchmal korrekte Informationen verbreiten helfen. Denn die Diktaturen wissen das meist schnell zu unterbinden. 

Man muss sich darüber klar sein, dass die Verfügungsgewalt über Information heute bedeutsamer ist als die über Geld und selbst Waffen: Ein Staat, der auf Grund seiner  Informationsüberlegenheit in der Lage wäre, der Bevölkerung eines von ihm angegriffenen Staates zu vermitteln, dass ihr Heer geschlagen und ihre Regierung auf der Flucht ist, trüge einen denkbar schnellen Sieg davon.

Die Verfügungsgewalt über Information bedarf daher dringend eingehender gesetzlicher Regulierungen, damit sie nicht zu asozialen Katastrophen führt. Der erste entscheidende Schritt dazu ist, dass sie für die Korrektheit ihrer Informationen genau so haften wie Printmedien oder der ORF und bei Verstößen Strafen zahlen müssen, die ihren Mega- Gewinnen angemessen sind. 

Zu Recht haben alle Kandidaten für die Funktion des ORF-Generalintendanten in den Vordergrund gestellt, dass sie mit ihren seriösen, gesetzlich zur Ausgewogenheit verpflichteten Informationen ins riesige Areal der sozialen Medien vordringen und sich dort etablieren wollen und müssen. Das ist die sicher schwierigste Aufgabe, die ein ORF-General je zu lösen hatte. Roland Weißmann hat bei seinem Hearing, anders als bei seinem Interview durch Armin Wolf, keinen so schlechten Eindruck gemacht- ob er der beste Mann ist, diese Jahrhundert-Aufgabe zu lösen, wage ich zu bezweifeln. Internationale Medienmanager hatten gar keine ernsthafte Bewerbungschance, stand Weißmann doch als VP-Wunschkandidat von vornherein als Sieger fest. Die noch dazu nicht geheime Wahl durch den Stiftungsrat war eine Farce- es braucht (siehe Armin Thurnher) ein neues Volksbegehren, um ein unparteiisches Wahlgremien durchzusetzen, in dem zum Beispiel die Präsidentin der Richtervereinigung, des Presseclub Concordia, Auslandkorrespondenten der Süddeutschen und der Neuen Zürcher Zeitung und Theaterdirektoren der Burg oder der Josefstadt dank Unabhängigkeit und medialer Expertise Sitz und Stimme hätten. 

So wie der Stiftungsrat jetzt gestaltet und seine Wahl abgelaufen ist, hat Armin Wolf sie zu Recht „zum Weinen“ befunden. Dass die Grünen dabei mitgespielt haben, setzt ihr übertrieben feiges Verhalten fort.

PS: Die Debatte um „Freiheitsentzug“ durch „indirekten Impfzwang“ verläuft seltsam: Wer sich nicht impfen lässt, gefährdet bewusst das Leben von 82Jährigen mit Vorerkrankungen wie ich es bin. Normalerweise begrenzt schon Rücksicht diese Freiheit. Dass Herbert Kickl die nicht kennt, war zu erwarten. Bei Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer hätte ich gedacht, dass das zumindest das Wissen um die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen eines vierten Lockdown ihm Rücksicht näherlegt, aber die Zurückweisung der Vorschläge von Pamala Rendi-Wagner -die Impfung als Voraussetzung aller gemeinsamen Tätigkeiten in geschlossenen Räumen- belehrt mich eines Besseren. Das wird zwar kommen; aber zu spät. 

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Objektiv ungerecht-subjektiv gerecht

Dancing Stars ist ein geniales Fernsehformat: Die bestmögliche Unterhaltung für die größtmögliche Zahl. Schön für die Augen, angenehm für die Ohren. Spannend wie eine Fußballweltmeisterschaft – bei der ja auch nicht zwingend das Team gewinnt, das den besten Fußball spielt.

Man kann sich über jemandes körperliche Fähigkeiten freuen, wie bei einem Tennis-Turnier und erlebt gleichzeitig wie auf einer Bühne seine künstlerische Ausdrucksfähigkeit. Man kann sich identifizieren: Ich, der ich ein schlechter Tänzer bin, weil ich kein Rhythmusgefühl habe, bin froh, dass Norbert Oberhauser, der auch kein Rhythmusgefühl hat, trotzdem Anklang bei Frauen findet, meine Frau, die eine hervorragende Tänzerin ist, ärgert sich mit Silvia Schneider, dass die Jury ihre Leistung nicht respektiert.

 Das unbelohnte Talent

Das letzte Mal, als ich über die Show schrieb, fühlte ich mich in der Überzeugung, bestärkt, dass man keine Volksabstimmungen abhalten soll, denn dann werden hervorragende Paare kränkend- etwa für Dragqueen Tamara Mascara – abgewählt, während ein sympathischer Fußballer weiterkommt. Diesmal musste ich lernen, dass eine Professionelle Jury um nichts besser ist. Der einzige Tanz, von dem ich etwas verstehe, weil ich in Spanien und in Kuba etliche Wettbewerben erlebt habe, ist die Salsa und das Paar, das sie am besten getanzt hat, hat dafür die schlechtesten Noten erhalten: Silvia Schneider und Danilo Campisi. Bei jedem der Wettbewerbe, die ich gesehen habe, wäre es umgekehrt gewesen. Das gilt in den Augen meiner Frau auch für alle anderen Tänze und über alle Tänze hinweg dürften die beiden auch den besten Notendurchschnitt erreicht haben. Auch ihr Showtanz war mit Sicherheit der beste: Die Folies Bergère hätten sicher sie ausgeschieden. Sie wurde Opfer einer Haltung, die ich zu meinem Ärger oft genug bei Lehrern in der Schule erlebt habe: „Du hast Talent- das ist keine Leistung.“

Die höhere subjektive Gerechtigkeit

Wertungsrichter Balazs Ekker hatte sicher recht damit, dass Michaela Kirchgasser die größte Leistung aller Teilnehmer erbracht hat: Ihre Entwicklung von Auftritt zu Auftritt war tatsächlich atemberaubend. Sie tanzte am Ende kaum viel schlechter als Silvia Schneider, die vor ihrem Jus-Studium eine Tanzausbildung absolviert hat. So gesehen war Kirchgassers Leistung auch über die von Cesár Sampson zu stellen, der sich zwar auch enorm, aber eben nicht in ihrem Ausmaß, entwickelt hat. In den Augen der Jury war ihm vermutlich zu viel Rhythmusgefühl von vorne herein angeboren. Michaela Kirchgasser hingegen hat sich von Tanz zu Tanz gesteigert, ist schmiegsamer und schmiegsamer, sinnlicher und sinnlicher geworden: Ihr Ehemann bekommt sie sexy wie nie zuvor zurück. Sowieso ist sie extrem sympathisch, und dass sie außerdem eine der besten Schifahrerinnen der Welt war, ist in Summe schon extrem eindrucksvoll: Es war subjektiv gerecht, dass sie mit Vadim Gabuzov zum Dancing-Star gekürt wurde.

Ich gestehe dass es mir subjektiv lieber wäre, wenn das objektiv beste Tanzpaar einen Tanzwettbewerb gewinnt. Gleichzeitig ist mir, wie Balazs Ekker, Michaela Kirchgasser sympathischer als Silvia Schneider. Gerechtigkeit -das ist mir bewusst- ist objektiv denkbar schwierig.

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Wie friedlich ist Religion?

Eine gemeinsam mit dem Philosophen Sir Karl Popper erstellte Bilanz des Christentums: noch verantwortet der Islam weniger Tote und Ermordete. Doch er holt auf.

So sehr Regierung und Opposition in ihrer Kritik am Umgang des BVT mit islamistischem Terror differieren haben sie doch gleichermaßen peinlich vermieden, den Islam als solchen zu kritisieren. Es gäbe, darin sind sie mit Kardinal Christoph Schönborn und Ümit Vural von der islamischen Glaubensgemeinschaft einig, den „guten Islam“, zu dem sich die überwältigende Mehrheit der Moslems bekenne und einen Fundamentalismus, der im Widerspruch zum ihm stünde- obwohl die vom IS vertretenen Glaubenssätze auch alle im Koran zu finden sind.

Religion ist hierzulande unbestritten „gut“ und das Schlimmste wäre „Islamophobie“. Ich halte Aggression im Umgang mit dem Islam auch für kontraproduktiv, meine aber, dass man die Rückwirkung jeder Religion auf das Zusammenleben der Menschen diskutieren muss. Um den Falter nicht dem Schicksal von Charlie Hebdo auszusetzen, konzentriere ich mich dabei auf das Christentum und teile folgende, gemeinsam mit Karl Popper erstellte Bilanz seines Wirkens:

Was steht auf der Haben-Seite des Christentums?

Auf seiner Habenseite steht, dass Jesus dem Rachegott des alten Testaments (das drei Viertel der Bibel füllt) vielfach widersprach. („Wenn man dich auf die rechte Wange schlägt…“) Allerdings vermochte selbst er seinen Ansprüchen nicht immer zu genügen: Seinen Gegnern unter den Schriftgelehrten, „dieser Schlangenbrut“, droht er die Hölle an. Dagegen gestand er Maria Magdalena zu, ihm zuzuhören, was aber schon Thomas von Aquin missfiel: „Das Weib verhält sich zum Manne wie das Defekte zum Vollkommenen.“ Aus Jesu Gleichheit aller Christen (nicht aller Menschen) vor Gott wurde – freilich erst nach Aufklärung und französischer Revolution – die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz.

Christliche Nächstenliebe zeigt sich bis heute in der „Caritas“, bei manchen US-Milliardären und diversen Missionaren. Christlicher Glaube hat herrliche Kunstwerke hinterlassen. Einige Mönche haben die Wissenschaften bereichert. Und vor achtzig Jahren haben Franz Jägerstätter oder Kardinal Clemens von Galen einsamen Widerstand gegen den Holocaust gleistet.

Die negative Seite des Christentums

Dem steht die Verbindung des Christentums mit mörderischen Kriegen gegenüber. Einen ersten beschreibt die Bibel so: Der Herr erteilte Moses den Auftrag, die Israeliten an den Midianitern zu rächen, indem er „alle ihre Soldaten und alle männlichen Kinder und Frauen tötet, die keine Jungfrauen sind – aber die Frauen, die noch nicht mit einem Mann geschlafen haben, lasst für euch am Leben“. (= Genozid + Vergewaltigung) Es folgen (kursorisch) folgende Kriege: Die Kreuzzüge; die Dezimierung der Mauren und der indigenen Bevölkerung Amerikas unter Isabella der Katholischen; der dreißigjährige Krieg. Dazu Hexenverbrennungen und Inquisition.

Wie fast alle Religionen achtet das Christentum das „Erdenleben“ geringer als das „ewige Leben“, das ihm angeblich folgt. Das hat gläubige Untertanen zur Freude aller Fürsten durch Jahrhunderte gehindert, mit Nachdruck bessere Bedingungen für ihr irdisches Lebens zu fordern. Bis in die jüngste Zeit hat sich voran die katholische Kirche immer wieder mit Diktatoren verbündet – egal ob in Lateinamerika, in Dollfuß’ Österreich, Mussolinis Italien, Salazars Portugal oder Francos Spanien. Gleichzeitig hat religiöses Denken den Fortschritt der Wissenschaften und damit wirtschaftlichen wie sozialen Fortschritte durch Ächtung einiger der größten Forscher und durch Denkverbote behindert.

Die Diskriminierung der Frau in der katholischen Kirche hat zwangsläufig zu ihrer Diskriminierung im abendländischen Kulturkreis geführt. Homosexualität zur „Todsünde“ zu stempeln hat sechs Prozent der Bevölkerung Ächtung und Verfolgung ausgesetzt – in Auschwitz wurden auch 50.000 Schwule vergast. Indem die Christen den Juden den Mord an Christus angelastet haben, haben sie den Grundstein zu zweitausend Jahren Antisemitismus, zahllosen Pogromen und dem größten Verbrechen der Geschichte, dem Holocaust gelegt.

Allerdings kann man zu Beginn des dritten Jahrtausends konstatieren: Wissenschaft, Aufklärung und Zeitablauf haben Rigidität und Aggressivität der christlichen Religionen derart geschwächt, dass man sie nicht mehr entfernt im früheren Ausmaß fürchten muss.

Noch verantwortet der Islam weniger Tote

Der sehr viel weniger geschwächte Islam ist dem einstigen Christentum, was Homosexualität, Wissenschaft oder die Stellung der Frau betrifft, bis heute sehr ähnlich. Er bedingte aber weit weniger Kriege: Türkisch- islamische Herrschaft im osmanischen Reich war erstaunlich tolerant- bis auch sie mit dem Genozid an den Armeniern entgleiste.

Das große Problem besteht darin, dass der Islam durch Aufklärung und Zeitablauf ungleich weniger als das Christentum geschwächt wurde, so dass der Koran heute weit mehr praktische Bedeutung als die Bibel hat. Zum Umgang mit „Ungläubigen“ lassen sich dort zahllose Suren finden, die an Moses Umgang mit den Medanitern erinnern. Entsprechend stark erinnern die aktuellen Kämpfe zwischen Schiiten und Sunniten in ihrer Absurdität an die zwischen Katholiken und Protestanten. Und in allen islamischen Ländern sind Christen nicht entfernt so anerkannt wie Muslime in christlichen Ländern. Nicht zuletzt gibt es seltener christliche Attentäter wie Anders Breivik als islamistische Attentäter wie Kujtim F.

Ich meine daher, dass wir darüber nachdenken sollten, ob der Staat „Religion“ wirklich durch verpflichtenden Unterricht fördern soll – ob er nicht eher verpflichtet ist, sie durch Ethik- Unterricht zu relativieren.

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Ungerechter geht nicht

„Dancing Stars“ ist wirklich ein grandioses Fernsehformat. Denkbar unterhaltend lehrt es politisch unglaublich Wichtiges:

  • Dass man mit optimalen Lehrern in kurzer Zeit unglaubliche Fortschritte erzielen kann.
  • Dass selbst denkbar Unbegabte passable Leistungen erzielen können, wenn sie optimal unterrichtet werden und man ihnen etwas Zeit gibt.
  • Oder dass Kunst- und Tanzen eine Kunst ist und Menschen verändern kann: Anfangs Harte und Steife können innerhalb weniger Wochen weich und schmiegsam werden.

Mich hat die gestrige Sendung in meiner politischen Überzeugung bestätigt, dass Geschworenengerichte abgeschafft gehören und man Volksabstimmungen in Österreich so weit wie irgend möglich meiden soll: Die Gleichberechtigung des „Public Voting“ mit dem Voting der Jury hat zum zweiten Mal dazu geführt, dass ein Paar ausgeschieden ist, dass ebenso gut das Siegespaar sein könnte, während um drei Klassen schwächer Paare im Bewerb geblieben sind.

Das scheint mir etwas zu viel der Ungerechtigkeit, selbst wenn es „nur“ um eine Unterhaltungssendung geht.

Drag Queen Tamara hat sich vor ein paar Wochen begreiflicherweise zutiefst über ihr ähnlich ungerechtes Ausscheiden gekränkt – die Schauspielerin Edita Malovčić hat es mit professioneller Eleganz hingenommen. Dennoch hat der ungarische Wertungsrichter Balázs Ekker zu recht erklärt, dass ihn das Ganze an einen Faschingsscherz erinnert.

Das Urteil der Jury kann mehr Gewicht haben

Mir ist klar, dass die Verbindung von professioneller Wertung mit telefonischer Wertung durch die Zuseher den besonderen Reiz dieser Sendung ausmacht, und es hat auch etwas Sympathisches an sich, wenn das Publikum den schwächsten Kandidaten über die ersten Runden bringt, indem es honoriert, wie sehr er sich plagt.

Aber ich weiß nicht, ob es der Sendung auf die Dauer gut tut, wenn sie als extrem ungerecht wahrgenommen wird.

Es gäbe ab der fünften Staffel einen eleganten Ausweg, der sich Freitag optimal angeboten hätte. Konkret hat die Jury zuerst jedes Paar mit dem von ihm vorgeführten Tanz bewertet und das hat wie immer zu einer akzeptablen Reihung geführt. Danach wertete die Jury ein zweites Mal im Rahmen eines Tanz-Marathons und wieder kam eine akzeptable Reihung heraus. In der Folge wurden die beiden Wertungen zusammengeführt und es ergab sich eine neue, quasi optimierte Jury-Wertung, die dann wie jedes Mal gleichberechtigt durch die Publikumswertung ergänzt wurde und das zitierte denkbar ungerechte Resultat ergab.

Vermieden hätte man dieses extrem ungerechte Resultat denkbar einfach, wenn man die Punkte der beiden Jury-Wertungen zusammengezählt und dann die Punkte aus der Publikumswertung hinzugezählt hätte- denn die Wertung der professionellen Jury wäre dann zweifach, die des Publikums nur einfach in die Endwertung eingeflossen.

Ich glaube nicht einmal, dass es den Zusehern negativ aufgefallen wäre, denn es hätte durchaus logisch gewirkt.

Professionelle Wertungsrichter bewerten nun einmal seriöser als „das Volk“ so wie eine Entscheidung von Parlamentariern, die sich professionell mit einem Thema auseinandergesetzt haben, ein seriöseres Resultat als eine Volksabstimmung erbringt und man dennoch nicht behaupten kann, dass das Volk von der Entscheidung ausgeschlossen ist. Es gibt offenkundig geeignete und weniger geeignete Modi, um das Volk in Entscheidungen mit einzubeziehen.

Der aktuelle Modus der Dancing Stars scheint mir ein weniger geeigneter.

 

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Die Furcht vor der zweiten Welle

Die gestiegene Zahl der neu-Infizierten ist wenig aussagekräftig. Die wichtige Zahl der Toten bleibt niedrig. Menschenwürdige Löhne senkten sie nachhaltig.

Sebastian Kurz sieht die zweite Corona-Welle angekommen und konnte sich nicht enthalten, die Lage in Wien besonders dramatisch zu nennen, obwohl sie in Relation zur Einwohnerzahl in Tirol kritischer ist.

Was seine bisher erfolgreiche Corona-Strategie betrifft- er erreicht durch den verfehlten Hinweis auf die Lombardei, dass die Österreicher maximale Disziplin übten- so wird sich zeigen, ob sie weiter funktioniert: Es könnte auch sein, dass man ihm nicht mehr glaubt.

Ich bin insofern optimistisch, als ich bezweifle, dass die Covid-19 Gefahr im gleichen Ausmaß wie die Zahl der Infizierten gestiegen ist. Der ORF erwähnt zwar stets, dass die auch mit der höheren Zahl der Tests zusammenhängen könnte, aber man müsste, glaube ich, sagen, dass sie erheblich davon abhängt: In Wien wird besonders häufig, in Tirol am häufigsten getestet. In Wahrheit weiß man trotz „Stichproben“ nur sehr ungenau, wie verbreitetet das Sars-COV2 Virus in der Bevölkerung ist, denn unglaublich viele Erkrankungen verlaufen Symptom-frei. Die Dunkelziffer kann das Doppelte, aber auch das Zehnfache des angenommenen Wertes betragen. Ist Letzteres der Fall, so ist es kein Wunder, dass viel mehr Tests viel mehr Infizierte hervorbringen.

 Die geringe Covid-19-Mortalität

Um die Gefahr abzuschätzen, die von der Pandemie ausgeht, muss man die Infektionszahlen aber vor allem mit den Zahlen derer vergleichen, die schwer erkranken oder sterben. Daher meldet der ORF zu recht meist die Zahl der in Intensivstationen aufgenommenen und verstorbenen Covid-19 Erkrankten – und beide Zahlen steigen nicht entfernt mit der Zahl der Infizierten. Wie sehr es die Wahrnehmung verzerrt, wenn man das nicht berücksichtigt, zeigt am krassesten Frankreich: Dort sind die Infektionszahlen derzeit mit über 10.000 pro Tag fast genauso hoch wie am Höhepunkt der Epidemie im April – aber die Zahl der Toten, die Corona zugeordnet werden, liegt nur um die fünfzehn Personen pro Tag, verglichen mit fast tausend Mitte April.

Das Virus ist zwar hoch ansteckend, aber, wie manche Virologen von Anfang an behaupteten, nicht ganz so gefährlich, wenn nicht massive Vorerkrankungen vorliegen und es vor allem nicht an Intensivbetten fehlt. Insofern waren die sich stapelnden Särge in der Lombardei, die Sebastian Kurz so erfolgreich ins Treffen führte, im Nachhinein betrachtet, offenkundig völlig atypisch für die Covid-19-Mortalität.

Das soll freilich in keiner Weise heißen, dass das Virus ungefährlich wäre. Da wir selbst im Falle einer baldigen Impfung noch durch Jahre mit ihm leben müssen und vor allem weil es immer wieder zu Pandemien kommen wird ist es nützlich, sich mit den sozioökonomischen Voraussetzungen hoher Mortalität auseinanderzusetzen:

Arme sterben an jeder Seuche als erste

Das Kaputtsparen der Intensivmedizin hat von Italien über Frankreich bis Spanien zweifellos die entscheidende Rolle gespielt- Österreich und Deutschland sind positive Ausnahmen. Vorerkrankungen sind hingegen überall entscheidend für die Todesrate und es gibt keinen Zweifel, dass Atemwegserkrankungen oder kritisches Übergewicht bei Geringverdienern, die sich schlecht ernähren, sehr viel häufiger als in der Oberschicht sind. Ein probates Mittel, nicht nur die Corona -Sterblichkeit, sondern auch die Sterblichkeit bei Grippe und künftigen neuen Pandemien zu senken, wäre daher ein menschenwürdiger Mindestlohn- gleichzeitig stärkte er die Kaufkraft zum Nutzen der Konjunktur.

Fest steht ferner, dass Arbeits- und Wohnverhältnisse für die Ansteckungshäufigkeit von entscheidender Bedeutung sind. Für die Wohnverhältnisse ist der Soziale Wohnbau wahrscheinlich noch bedeutender als die Mindestlöhne. Bezüglich der Arbeitsverhältnisse sind Gesetze und ist das Arbeitsinspektorat gefragt: Auch in unseren Schlachthöfen herrschen offenbar höchst ungesunde Arbeitsbedingungen und sind die meist zugewanderten Arbeitskräfte nur zu oft in elenden Massenquartieren untergebracht- beides befördert Covid-19, ist aber auch bei jeder anderen Seuche gefährlich. Ähnliches gilt für die überfüllten Lager Asylsuchender, und auch dort wo viele Leiharbeiter unter ungünstigen Bedingungen beschäftigt und in elenden Quartieren untergebracht sind, hat jedes Virus erhöhte Chancen zuzuschlagen.

Alle angeführten wirtschaftlichen Bedingungen kann man durch Gesetze ändern, ohne auf eine Impfung zu warte – und ihr positiver Einfluss auf die Volksgesundheit wäre, weit über Corona hinaus, ein nachhaltiger.

Die Ampel braucht Respekt

Sebastian Kurz und Rudolf Anschober werden einwenden, dass sie genug damit zu tun haben, die aktuelle Situation unter Kontrolle zu bringen. Aus allen angeführten Gründen glaube ich dennoch nicht, dass wir die Lockerungsmaßen großflächig zurücknehmen müssen, sollen und können. Heinz Fassmann zum Beispiel hat rundum recht, für einen halbwegs normal ablaufenden Unterricht zu kämpfen- die sozialmedizinischen Folgen ungenügend ausgebildeter Jahrgänge wären kritischer als schulbedingte Corona-Cluster.

Die Corona Ampel ist eine sinnvolle Einrichtung, um großflächige Lockerungs-Rücknahmen zu vermeiden. Dass einzelne Gemeinden, wie Linz oder Wien sich ungerecht behandelt fühlen, wird immer wieder vorkommen, aber alle Beteiligten sollten begreifen, dass die Ampelschaltung die relativ objektivste Vorgangsweise darstellt, wenn sie korrekt interpretiert wird, Leider befinden sich Kurz & Co freilich schon im Wiener Wahlkampfmodus- das besorgt mich mehr als die Infektionszahlen.

Das seltsame Diktat gegen Robert Meyer

PS: Es ist zwar ein völlig anderes Thema, aber ich möchte zumindest festhalten, dass es mich erstaunt, dass Robert Meyer nicht einmal die Chance erhält, sich um die Fortführung seiner Direktion der Volksoper zu bewerben. Denn so oft ich sie besucht habe, waren die Aufführungen ausgezeichnet, der Spielplan war abwechslungsreich und bei der im Vergleich zur Staatsoper mit 96 Prozent geringeren Auslastung von 80 Prozent muss man bedenken, dass Staatsoper und Theater an der Wien eine überragende Konkurrenz darstellen und dass selbst noch das Raimundtheater der Volksoper potentielles Publikum streitig macht.

Das heißt nicht, dass es keinen Grund gibt, Meyers Volksopern-Konzept anlässlich der Neu-Ausschreibung seines Postens mit den Konzepten anderer Direktions-Kandidaten zu vergleichen – ich kann nur nicht verstehen, dass Staatssekretärin Andrea Mayer Robert Meyer nicht einmal mehr anhören will. Es verwundert mich auch, dass sie so einsam für eine solche Entscheidung zuständig ist. Ich hätte mir auch vorgestellt, dass es für die Besetzung solcher Jobs so etwas wie eine Jury gibt, in der neben Mayer jedenfalls auch ein Sprecher des Volksopernensembles, der Chef der Bundestheater-Holding, aber etwa auch der Chef der „Bühne“ Sitz und Stimme haben. Andrea Mayer soll meinetwegen dennoch das Recht der Letztentscheidung haben, aber sie müsste dann zum Beispiel begründen, warum sie sich über eine allfällige anderslautende Mehrheitsentscheidung der Jury hinweggesetzt hat. So froh ich bin, dass Mayer die ahnungslose Elfriede Lunacek als Staatssekretärin abgelöst hat, so wenig wünsche ich sie mir als künftige Diktatorin der Kulturszene.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mein Leben in der „Risikogruppe“

Ich zähle mit drei Herzinfarkten zur Spitze der „Risikogruppe“. Das macht das Leben nicht gerade einfacher. Aber Kleinunternehmer, freie Schauspieler oder Sänger sind noch viel schlechter dran

Leben in der „Risikogruppe“ erinnert stark an Klosterleben: Trotz aller Demut kommen Spannungen auf. Unsere Kinder, die zu treffen wir aus Spanien nach Wien zurückgekehrt sind, dürfen wir nicht sehen- schon gar nicht die Enkel. Ich habe das notgedrungen innerlich akzeptiert- achtzig Jahre, drei Herzinfarkte und eine eben überstandene Bypass -Operation machen gefügig. Meine Frau hingegen fühlt sich verkannt: In Ziffern ist sie nur zehn Jahre jünger als ich – physisch mehr als zwanzig: Als sie mit vierzig mit mir ein Casino in Las Vegas betreten wollte, wurde sie angehalten, weil der Zutritt erst ab achtzehn gestattet ist – sie musste den Pass vorweisen.

Jetzt sollte sie nicht einmal das Scala-Theater betreten dürfen, um unserem Sohn bei der Premiere von „Casanova kocht“ zuzusehen. Denn selbst wenn ihre eigene Erkrankung so glimpflich wie bei einer Fünfzigjährigen verliefe, könnte sie das Virus auf mich übertragen.

Ich komme mir erstmals im Leben sehr, sehr alt vor.

Vom Virus jede Kultur zerstören lassen?

Trotz Corona hatten wir ursprünglich nicht gedacht, die Premiere zu versäumen. Man sitzt in diesem Stück an kleinen Tischen und bekommt auch etwas serviert – an unserem Tisch wären wir mit der Freundin unseres Sohnes allein gesessen. Ich habe also beim Leiter des Theaters Bruno Max, den ich ein wenig kenne und extrem schätze, angerufen, um ihn zu fragen, ob er die Tische in Corona-gerechtem Abstand aufgestellt hätte. Dass sei bei 88 Plätzen unmöglich, hat er wie befürchtet geantwortet, und verstanden, dass ich abgesagt habe. „Aber Ihre Frau kommt doch sicher“, war er so überzeugt wie sie. „Ja“, habe auch ich gemurmelt – aber vorsichtig angedeutet, dass viele Leute doch nicht kommen könnten.

Jeder andere Theaterleiter hätte das von vornherein befürchtet. Aber wenn man wie Bruno Max seit Jahrzehnten in Wien eine Bühne und in Mödling das Stadttheater nicht nur dank Subventionen, sondern auch dank Kartenverkaufs erfolgreich führt, ist man gebürtiger Optimist: „Wenn nur ein paar Prozent der Leute, die nicht mehr ins Burgtheater gehen dürfen, zu uns kommen, sind wir voll- wir können uns doch nicht von einem Virus jede Kultur zerstören lassen.“

Wären wir nicht zum Arzt gegangen…

Meine Frau, die neben ihrem Jura- ein Klavierstudium abgeschlossen hat, sah das ähnlich und ich vorerst auch. Ich hegte daher den Plan, zumindest bis vor die Haustür des Scala-Theaters zu gehen und dort zu beobachten, wie viele Besucher tatsächlich kämen. Wären es wie ich vermutete wenig, so könnten wir uns mit genügend Abstand, an unsren Tisch setzten. „Beim Einkaufen im Merkur bin ich in einer Schlange bis ans Ende des Supermarktes gestanden“, bestärkte mich meine Frau. Doch unsere Ärztin, die wir aufsuchten, um uns Grippe impfen zu lassen, war gnadenlos: „Ins Theater? Mit dem Leben spielt man nicht! “

„Wären wir nicht zum Arzt gegangen, wären wir wenigstens im Theater gewesen“, sagte meine Frau.

„Wir haben vor ungefähr dreißig Leuten gespielt“, erzählte unser Sohn, „trotzdem war es das einzig Richtige, dass ihr weggeblieben seid. Alles andere wäre verrückt gewesen.“ „Ja“ murmelte meine Frau, aber es klang nicht restlos überzeugt. Sie fühlt mit Bruno Max als Künstler wie als Unternehmer. Kleine Theater, Galerien, Cafés, Konzertveranstalter, werden wahrscheinlich weit vor Fluglinien Hauptleidtragende der Corona-Krise sein. Es gibt zwar einen Krisenfonds, der auch ihnen bei der Überbrückung von Problemen helfen soll, aber er wird nicht lang reichen halten- „systemrelevant“ war Kultur noch nie.

„Bis Sonntag wird Max noch spielen“ prophezeite mein Sohn und irrte. Dass in Restaurants am Abend nicht mehr gegessen werden durfte, ließ auch Max das Handtuch werfen: Freitag sahen die letzten vierzig Zuschauer „Casanova kocht“. „Wie auf der Titanic“ meinte mein Sohn“.

Doch am 18. April soll Casanova schon wieder kochen. Das nächste Stück, Kleists „Zerbrochener Krug“, wurde parallel verschoben. Max ist entschlossen, auch die Corona Infektions-Kurve zu kratzen.

Ich bin weniger optimistisch: Es schiene mir ein gewaltiger Erfolg, wenn mein Sohn im Anfang Herbst Sommer wieder spielen könnte.

Durch das Virus sofort arbeitslos…

Auch er zählt zu einer Corona-Risikogruppe: Zu denen, die durch das Virus wie Sänger oder Fotografen sofort arbeitslos werden. In der Vergangenheit hatte er für solchen Zeiten, die bei freien Schauspielern nicht selten sind, ein Sicherheitsnetz: Eine geerbte 60 m2-Altbauwohnung, die sich via Airbnb passabel vermieten ließ. Zwar verhindert Wien das demnächst, indem es diese Art des Vermietens auf 90 Tage begrenzt, aber bis Juni war die Wohnung gut gebucht.

Bis vor einer Woche: Seither folgt ein Corona-Storno dem nächsten.

Die befristete Vermietung zum „Richtwert“, die die Alternative wäre, bringt, anders als die einer gleichwertigen Neubauwohnung, bei befristeter Vermietung (um das Eigentum nicht ganz zu verlieren) nur 450 € im Monat – also etwa die Hälfte. Als ich diesen Unterschied in einem Falter-Kommentar „ungerecht“ nannte, erntete ich heftigen Widerspruch. „Hausherrn“ sind in jedenfalls „Profiteure“.

PS: In diesem Kommentar habe ich, um auch das Problem der „Eintrittsrechte“ in bestehende Verträge zu illustrieren, zum berechtigten Ärger des Lesers Walter Rosifka fälschlich geschrieben, dass man für eine 200 Quadratmeter große Wohnung am Graben „nur 800 Euro Miete“ zahlen muss, wenn man sie von seiner „Großtante“ übernimmt. Korrekt hätte es heißen müssen, dass „der Mietzins nur 720 Euro“ beträgt, wenn man sie von der „Großmutter“ übernimmt.

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Ein Burgtheater-Besuch ist derzeit Geldverschwendung

Hiermit warne ich vor dem Besuch des Burgtheaters: Die Bühnenbilder sind trotz Explosionen und Feuerspielen ermüdend langweilig; man versteht die Texte schon ab der achten Reihe nicht mehr, weil die aus München importierten Schauspieler extrem schlecht sprechen; und der Regisseur Martin Kusej hat eine zutiefst provinzielle Angst davor, dass seine Inszenierungen „normales“ Theater sein könnten, das auch „Bildungsbürgern“ gefällt.

Ich fürchte, das Burgtheater hat sich mit seiner Bestellung etwas angetan.

Ein Burg -Intendant, der große Hoffnungen weckte

Dabei habe ich dieser Bestellung mit der größten Hoffnung entgegengesehen, nachdem ich ihn seinerzeit als Gastregisseur von Grillparzers „König Ottokar“ erlebt hatte: Da vermochte er die Lesebuch-Langeweile üblicher Inszenierungen tatsächlich mit wuchtiger Pranke zu durchbrechen, machte bis dahin verborgene Erotik sichtbar, nahm der Lobrede auf Österreich ihr patriotisches Pathos und hatte im übrigen Schauspieler zur Verfügung, die man bis in die letzte Reihe verstand. (Elisabeth Orth sowieso; Tobias Moretti nutze angebliche ein Mikrofon wie es Kusejs Münchner Crew zwingend vorzuschreiben wäre.)

Aber in seinen drei aus München mitgebrachten Inszenierungen war von dieser Pranke nichts zu merken – da war davon nur provinzielles Bemühen um „anders sein“ übrig.

Akrobatik ersetzt Intensität nicht

Vielleicht noch am wenigsten in „Wer hat Angst von Virginia Woolf“. Da störte nur die schlechte Sprechtechnik und wurde psychische Verkrümmungen all zu oft nur mittels körperlicher Verkrümmungen vermittelt. (Ein von Kusej leider besonders häufig genutztes Regie-Element.) Jedenfalls habe ich dieses Stück schon in ungleich intensiveren Inszenierungen -freilich auch auf ungleich kleineren Bühnen- gesehen.

Im Akademietheater wäre diese Inszenierung vielleicht auch etwas intensiver rübergekommen zumal Bibiana Beglau eine gute Schauspielerin ist.

Fausts fade Vernichtung

Zu einer reinen wirklichen Katastrophe wurde Kusejs Faust 1, beziehungsweise was davon noch übrig war, nachdem er ihn durch den Reißwolf seiner Regie gedreht hatte. Teile von Faust 2 wurden aus völlig unersichtlichen Gründen an völlig unerklärlicher Stelle eingefügt; Goethe wurde überall dort nicht zitiert, wo diese Zitate „Bildungsbürgern“ geläufig sind, denn die vor den Kopf zu stoßen war offenbar Kusejs wesentlichstes Anliegen. Auf die Idee, dass Goethe Formulierungen deshalb so bekannt sein könnten, weil sie so vollendet sind, scheint er nicht gekommen.

Das Ganze spielt in einem dunklen Bühnenbild, in dem sich so etwas wie ein riesiger Käfig dreht, aus dem rätselhafte Raketen mit zuckenden Lichtblitzen und gelegentlich ohrenbetäubendem Krach hochsteigen, ohne dass dadurch die geringste Spannung aufkommt – eher schläft man ein. Das gilt auch für die „Orgie“ zu der Auerbachs Keller (theoretisch sinnvoll, praktisch erfolglos) umfunktioniert wird: Selten wurde auf offener Bühne so langweilig scheinkopuliert.

Kusejs aus München importierter Faust Werner Wölbern wirkt nie wie ein über die Zusammenhänge der Welt grübelnder Intellektueller, sondern wie ein Wirt des Oktoberfestes, der zu wenig eingenommen hat und durch seinen Beruf zum Alkoholiker geworden ist. Zudem spricht er besonders schlecht.

Bibiane Beglau als Mephisto spricht auch nicht gut, ist aber zumindest präsent, obwohl auch bei ihr die Verrenkungen des Körpers einmal mehr intensiver ausfallen als das teuflisch Verführerische.

Ich halte der Ordnung halber fest, dass Ronald Pohls sich im Standard für diesen Faust begeistert hat- für mich war er die Vernichtung eines Stückes Weltliteratur ohne dass dabei wenigstens die Spannung einer „Vernichtung“ – eines Mordes -aufgekommen wäre.

Eine finstere Bühne macht keine finsteren Zeiten

Obwohl dieser Faust Grund genug gewesen wäre, Kusejs Burgtheater für Monate zu meiden, wollte ich mir sicherheitshalber noch seinen „Don Carlos“ ansehen, ehe ich vorerst ein letztes Mal über seine Intendanz schreibe.

Der blieb, anders als Goethes Faust, als Schillers Drama erkennbar. Nur die „schönen Tage von Aranjuez “ wurden vermieden um einmal mehr klarzustellen, dass man keinen Wert auf Bildungsbürger legt und um die Bühne auch sogleich in Dunkelheit zu hüllen. Nur zwei Drohnen überfliegen sie mit stechenden Scheinwerfern und sollen offenbar den „Überwachungsstaat“ suggerieren, den es schauspielerisch zu vermitteln nicht gelingt, obwohl Nackte in eine Grube mit Wasser gestoßen werden und König Philip gelegentlich jemanden würgt.

Die, durch die viereinhalbstündige Inszenierung – man empfindet sie als zehnstündig- fast lückenlos durchgehaltene Dunkelheit ist deshalb ein zusätzliches Problem, weil man den Schauspielern dadurch nicht auf den Mund sehen kann, um vielleicht von ihren Lippen abzulesen was sie sagen. Denn einmal mehr sind sie schon ab der achten Reihe in ihrer überwältigenden deutschen Mehrheit nicht zu verstehen. (Bei Claus Peymann, der auch deutsche Schauspieler mitbrachte, war das anders – es lag also nicht an meinen österreichischen Ohren.)

Unter diesen Schauspielern war Thomas Loibl als Philip gut gecastet, wenn auch besonders schlecht zu verstehen- manchmal wirkte seine Einsamkeit glaubhaft. Am insgesamt glaubwürdigsten war Nils Strunk als jugendlich verträumter, Don Carlos, auch wenn man ihn nicht an Oscar Werner in dieser Rolle messen durfte. (Das tat ich nicht, ich maß ihn „nur“ an August Diehl und da war er trotz passabler Leistung ganz ungleich schwächer)

Ein neuer Burg-Star der nicht sprechen kann

Die eigentliche Katastrophe dieser Inszenierung war Franz Pätzold als Marquis Posa. Margarete Affenzeller normalerweise eine kompetente Kritikerin widmet ihm im Standard eine Hymne als „dem neuen Star des Burgtheaters“. Vielleicht ist er, wie sie schreibt, tatsächlich ein fulminanter Darsteller im Film – am Burgtheater müsste er sprechen können und das konnte er von allen eingesetzten deutschen Schauspielern am wenigsten. Man konnte sich aber auch in keiner Sekunde vorstellen, das er die Fahne der Freiheit durch ganz Europa trug, die Rebellion der Flamen unterstützte oder in der Lage gewesen wäre, Philip mit „Gedankenfreiheit“ zu konfrontieren – „Sir“ durfte er ihn an dieser Stelle nicht nennen um „Bildungsbürgern“ nicht Zucker zu geben.

Ein Besucher neben mir, der die ganze Aufführung hindurch geschlafen hatte, klatschte beim Erwachen dennoch aufs heftigste: Er hat vermutlich Kusej-Kritiken im Standard gelesen.

Mehr Theater für weniger Geld

PS: „Sie sollten wirklich nicht übers Theater schreiben. Bleiben Sie dabei, was sie können.“, ließ mich ein Leser wissen, als ich an dieser Stelle schrieb, Martin Kusej hätte Goethes Faust durch den Regie-Reißwolf gedreht.

Ich füge diese Kritik hier an, weil es sicher am besten ist, wenn Sie sich ihr eigenes Bild von Kusjejs Inszenierungen machen.

Ich für meinen Teil spare vorerst viel Geld – in Sachen Wirtschaft spricht mir der selbe Leser die Kompetenz nicht ab- indem ich ins „Scala Theater“ gehe, wo ich in mehreren Jahren noch nie eine schlechte Inszenierung gesehen habe oder suche sonst eines der zahllosen hervorragenden kleinen Theater Wiens auf, die vermutlich das Ganze Jahr weniger Subvention bekommen, wie sie die Burg nur für „Fausts“ Bühnenbild ausgegeben hat. Manche, wie Bronski und Grünberg schaffen sogar ohne jede Subvention bessere Klassik-Inszenierungen als die Burg. An der „Freie Bühne Wieden“  war der grandiose Schauspieler Johannes Terne als Richard Nixon in Peter Morgans Frost/Nixon perfekt zu verstehen obwohl er ein Deutscher ist. Manche, wie Bronski und Grünberg schaffen bessere Klassik-Inszenierungen als die Burg sogar ohne jede Subvention. Wenn derzeit „Burgtheater“; dann besser dort oder an der Josefstadt.

 

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Wird die Welt von Donald Trump erlöst?

Leider ist die Chance, dass der republikanisch dominierte Senat einem Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump mit zwei Drittel-Mehrheit zustimmt trotz der jüngsten Entwicklung in der Ukraine-Affäre denkbar gering.

Ehe sie Abschied von der Macht nehmen, nehmen die Republikaner einen Präsidenten in Kauf, dem es an absolut allem – Verstand, Wissen und Weitsicht – fehlt und der darüber hinaus ganz offenkundig amerikanisches Geld für die Verunglimpfung seines wahrscheinlichsten Konkurrenten bei den kommenden Wahlen geboten hat.

Man kann aber hoffen, dass das Material, das die Demokraten in den nächsten Monaten zu Tage fördern, seine Wiederwahl zumindest erschwert.

Viel schöner wäre es, Trump vor das Haager-Kriegstribunal zu zitieren, indem man ihm vorwirft, dass er mit dem US- Truppenabzugs aus Syrien bewusst den Mord an Syriens Kurden in Kauf genommen hat – aber das ist nicht nur de facto sondern auch de jure unmöglich: der Mann ist so dumm, dass man davon ausgehen muss, dass ihm die Folge seines Handels in keiner Weise bewusst gewesen ist.

Ein dummer US-Präsident ist gefährlicher als ein krimineller

Leider ist ein strohdummer amerikanischer Präsident eher noch gefährlicher als einer, der seine politischen Gegner auf kriminelle Weise bekämpft: Die „Freie Bühne Wieden“ zeigt derzeit Peter Morgans geniales Stück „Frost/Nixon“ in dem die Watergate-Verfehlungen Richard Nixons thematisiert werden: Ein Interview des britischen Fernsehmoderators David Frost endete mit Nixons Rücktritt als Präsident der USA, nachdem klar war, dass er einen Einbruch ins Büro seiner demokratischen Wahlgegner zu vertuschen versuchte. Nur dieser Rücktritt vermochte ein Impeachment-Verfahren abzuwenden.

Das Stück bezieht seiner Spannung daraus, dass dieser kriminelle Richard Nixon ein hochintelligenter, in der Sache hervorragender Präsident der USA gewesen ist: Ihm gelang es, das Verhältnis zu China auf eine neue Basis zu stellen und damit eine für den Frieden wesentlich stabilere Machtverteilung zu schaffen: Anstelle des instabilen Antagonismus USA – Sowjetunion trat eine wesentlich stabilere Dreiecksbeziehung, in der einander China, die Sowjetunion und die USA relativ gleichberechtigt gegenüber stehen. Gleichzeitig gelang es Nixon, den Vietnamkrieg zu beenden, den er von John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson geerbt hatte. Und inneramerikanisch trug er entscheidend zum Ende der Apartheid bei.

Nebenher ein Bühnenereignis

„Frost/ Nixon“ ist deshalb so sehenswert, weil es die Verzahnung der psychischen Struktur Nixons mit seinem Handeln so perfekt vor Augen führt. Nebenher ist die Inszenierung (Gerhard Dorfer) erstklassig, spielen die Schauspieler ihre Rollen durchwegs perfekt und ist Johannes Terne als Richard Nixon ein Bühnenereignis: Nixons Zusammenbruch – die Erkenntnis, dass er durch ein völlig überflüssige kriminelle Aktion sein Lebenswerk zerstört hat – erschüttert auch den politikfernsten Zuschauer.

Leider soll die österreichische Erstaufführung des Dramas an der Freien Bühne Samstag den 9. November enden.

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Goethes Faust durch den Reißwolf der Regie gedreht

Meinem jüngsten Sohn Eric, der Schauspieler ist, musste ich versprechen, nicht über Theater zu schreiben, weil ihm das in der Branche zum Schaden gereichen könnte. Ich schreibe auch nicht über Theater, sondern über auf die Bühne des Burgtheater Erbrochenes, in dem unverdauter Brocken aus Goethes Faust 1 und Faust 2 eingeschlossen waren.

An sich hatte ich mich auf Martin Kušej Direktion gefreut. Seine Gast-Inszenierung von Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende“ war seinerzeit ein Erlebnis: Ein Stück, das nur in Österreich und voran aus patriotischen Motiven zu den bedeutenden Theaterstücken gezählt wird, gewann durch seine Regie gewaltig an Intensität und Gegenwartsnähe. In üblichen Inszenierungen kaum sichtbare erotische Beziehungen wurden sichtbar; das berühmte Loblied auf Österreich, üblicher Weise ein Höhepunkt öder Deklamation, wurde zur glaubwürdigen Rede eines Mannes, der dieses Land verteidigt; auf der Bühne herumliegende Autokadaver vermittelten die Vorstellung einer verlorenen Schlacht. Das Stück gewann in Kušejs Inszenierung ein Format, das es literarisch meines Erachtens nicht hat.

Aber Goethes Faust ist nicht meines Erachtens und nicht nur in den Augen von „Bildungsbürgern“, sondern in der Überzeugung aller jemals damit befassten einigermaßen zuständigen Zuschauer und Kritiker, ein Höhepunkt der Weltliteratur. Es hat nicht nötig, neu gedeutet, der Gegenwart angenähert, um erotische Facetten bereichert zu werden, weil es zeitlos und vollendet ist. Es durch den Reißwolf angeblich progressiver Regie zu ziehen, zeugt nicht von Kühnheit, sondern von Blindheit gegenüber seiner Größe. (Man sehe sich an, mit welcher Zurückhaltung und wie viel Respekt ein wahrhaft progressiver Regisseur wie Ingmar Bergman Stücke dieses Kalibers inszeniert hat.)

Nichts an Kusejs Inszenierung ist gelungen: Die Verschränkung von Faust 1 und Faust 2 wirkt nirgendwo logisch und führt nirgendwo zu neuen Erkenntnissen – nur zur Verwirrung. Faust erlebt keine persönliche Entwicklung – ist immer der gleiche aus unverständlichen Gründen unzufriedene unsympathische Mitfünfziger. Statt ein heutiger Mensch aus Fleisch und Blut zu sein, kann man sich in keinem Augenblick mit ihm identifizieren, mit ihm leiden oder mit ihm lieben – man weiß nicht, warum man sich drei Stunden lang mit ihm befassen soll. Obwohl auf der Bühne Sprengkörper detonieren, Feuerwerke den Schnürboden erhellen, Schüsse fallen und ein riesiges Stahlgebilde rotiert, herrscht gähnende Langeweile, die einen auf die Pause warten lässt. Dass in Auerbachs Keller imitierte Nackte auf der Bühne kopulieren, sichert vermutlich das Zuschauer-Interesse von Halbwüchsigen – man versteht, dass Faust daran das Interesse verliert, aber nicht, dass es ihn in seinen Bann gezogen hat. Orgien auf Youporn sind spannender.

Ein einziges Mal kommt vor der Pause so etwas wie Interesse auf, als Mephisto seinen Pakt mit Faust anbahnt und beide sich dabei vergleichsweise ungebrochen an Goethes Text halten. Aber selbst diese Szene muss um ihre Raffinesse gebracht werden, indem Mephisto – ausnahmsweise sinnvoll von einer Frau verkörpert – sich in Fausts Nacken verbeißt.

Die meiste Zeit ist Kusej freilich angestrengt bemüht, alle weltbekannten Zeilen aus dem Text zu eliminieren, um die sogenannten „Bildungsbürger“ ja nicht zu bedienen. Aber diese Zeilen sind nicht weltbekannt, weil sie „Bildungsbürgern“ als „Versgeklingel“ (der Standard) gefallen, sondern weil sie bestimmte Tatbestände vollendet in Worte fassen – sie zu eliminieren bedeutet, Faust zu amputieren.

Das alles ist nicht „progressiv“, nicht kühn, sondern unendlich provinziell – so wie sich der kleine Max- oder leider auch der Theaterkritiker des Standard Ronald Pohl – progressives Theater vorstellt. (Pohl: “ Der neue Burgtheaterdirektor wirft die Seiten des Reklamtextes mit bösem Gelächter in die Luft. Wer nach humanistischen Frohbotschaften giert oder edles Versgeklingel hören möchte, ist hier definitiv fehl am Platz. Wer Augen hat zu sehen, erlebt einen pessimistischen Kommentar zur Zeit, ein famoses „Faust“ – Mahlwerk.“)

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KTM: Von ÖVP-Hand zu ÖVP-Hand

Oberösterreichs Rechnungshof soll prüfen, ob die Subvention von 6,2 Millionen Euro, die dem Motorradhersteller KTM 2015 von Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) für den Bau seiner „Motorhall“ bewilligt wurde, durch Gesetze zur Kulturförderung gedeckt ist.

Denn 1,8 der 6,2 Millionen wurden unter der Voraussetzung bewilligt, dass es sich bei der Ausstellungshalle von KTM-Motorrädern um ein „Museum“ handelt. Und das Wirtschaftsministerium ist sogar der Ansicht, dass die gesamten 6,2 Millionen „Kulturförderung“ darstellen, so dass sich nicht als „Unternehmensförderung“ nach Brüssel gemeldet werden mussten.

Von Josef Taus bis Sebastian Kurz

Kein Unternehmen ist enger als KTM mit der ÖVP verbunden: Anfang der Neunzigerjahre übernahm Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus das marode Unternehmen im oberösterreichischen Mattighofen, um es zu sanieren, scheiterte aber und stand damit 1994 unmittelbar vor dem Bankrott. Um 2.2 Millionen Euro erwarb es der ebenfalls für Sanierungen bekannte VP-nahe Industrielle Stefan Pierer und erreichte Dank guten Managements tatsächlich schwarze Zahlen.

Bis das Unternehmen 2009 nicht nur von der Wirtschaftskrise geschüttelt wurde, sondern auch 40 Millionen Euro für die Entwicklung eines Mitteldings aus Motorrad und Rennwagen namens X-Bow zu verdauen hatte, das sich selbst als Millionärsspielzeug kaum verkaufen ließ.

Als die fast durchwegs schwarzen Banken, Erste Bank, Ober-Bank und Unicredit angeführt von der Raiffeisen-Bank nervös wurden, sprang Oberösterreichs ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer mit einer Landeshaftung über 34 Millionen Euro ein.

Und 2015 bewilligte er die oben angeführte Subvention von 6,2 Millionen für das „KTM -Museum“.

Dran gemessen ist die Spende von 436.436 Euro, die Stefan Pierer 2017 der „Neuen ÖVP-Liste Kurz“ zukommen ließ, halb so großzügig. Wo Kurz doch auch die Körperschaftssteuer für Unternehmen von 25 auf 21 Prozent senken will, ihnen den 12 Stundentag beschert hat, und dabei ist Österreichs „Förderdschungel“ zu durchforsten, damit der Staat endlich „im System“ statt womöglich bei der Wirtschaft spart.

 Auch Die EU könnte von unzulässiger Förderung sprechen

Ausgerechnet dabei kam der neuen ÖVP die oberösterreichische Kulturinitiative KUPF ins Gehege, die behauptet die Förderung der „Motorhall“ sei nicht gesetzeskonform zumal die Förderung für moderne Kunst im gleichen Zeitraum um 18 Prozent gekürzt worden sei.

Es droht aber noch mehr Ungemach: Auch die EU ist auf die 6,2 Millionen Förderung aufmerksam geworden. Denn sie verbietet wettbewerbsverzerrende Über- oder Quersubventionierungen aus staatlichen Mitteln. Diese bedürfen laut Franz Leidenmühler, Vorstand des Instituts für Europarecht an der Johannes-Kepler-Universität (JKU) Linz einer „expliziten Freistellung“ die im Rahmen einer „Notifikationspflicht“ nur gewährt wird, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.

Die entsprechende Meldung an die Kommission hat über das Wirtschaftsministerium zu erfolgen.

 „grundsätzlich nicht meldepflichtig?

Auf Anfrage beim ÖVP -Wirtschaftsministerium heißt es dazu man könne nur melden wovon man Kenntnis habe. Der Bereich Kultur sei grundsätzlich nicht meldepflichtig.

Dem widerspricht Jurist Leidenmüller, da „der Wegfall des Anmeldeerfordernisses an bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist“, die er nicht als erfüllt ansieht. Seine Einschätzung zum Ergebnis einer nachträglichen Prüfung der Causa durch die europäische Beihilfenbehörde: „Die Subvention wurde zumindest in dieser Höhe intransparent und zu Unrecht gewährt“. Die in seinen Augen zwingende Konsequenz: KTM müsste den Betrag inklusive Zinsen zurückzahlen

Zwischenzeitlich hat der OÖ-Landesrechnungshof mit der Prüfung begonnen. Man kann gespannt sein, ob er unabhängig von der ÖVP-Oberösterreich zu agieren vermag. Denn sowohl Roman Sandgruber, Präsident des oberösterreichischen Museumsverbunds, als auch Reinhard Kannonier, Rektor der Kunstuniversität Linz, haben der „Motorhall“ jedweden Museumsstatus abgesprochen.

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Ein Kulturtipp

Im „Theater des Fürchtens“ in Wien Wieden ist eine atemberaubende Aufführung von Schillers Maria Stewart zu sehen. Besser als Bruno Max kann man dieses Stück nicht inszenieren, besser können Maria Stewart und Elisabeth von England nicht verkörpert werden und Ehrgeiz Ränke und am englischen Hof ist eine hochaktuelle Einführung in die reale Politik.

Deutsch-Lehrer an Gymnasien sollten um Sondervorstellungen ansuchen, wenn sie ihren Schülern klar machen wollten, wie aufregende und gegenwärtig „klassisches Drama“ sein kann.

Maria Stuart von Friedrich Schiller

Weitere Termine:
22.03. – 13.04.2019  jeweils Di-Sa um 19:45 Uhr

Zwei Frauen. Zwei Königinnen. Die ins Exil getriebene schottische Königin Maria Stuart wird von ihrer englischen Amtskollegin Elisabeth interniert. Man munkelt von Putschabsichten, aber auch von Eifersucht und Zickenkrieg zwischen den ungleichen Herrscherinnen. Ein Todesurteil hängt in der Luft. Doch Maria ist nicht die einzige Gefangene: Elisabeth ist ebenso unfrei – eine Gefangene der Verantwortung, der Staatsmacht, der männlichen Berater, die mit allen Mitteln ihre eigenen politischen Süppchen kochen möchten. Beide Frauen sind einander ähnlicher als sie zugeben können – beide wollen ihre Freiheit in einer männerbestimmten Welt. Beide bleiben auf der Strecke.

Schiller ist mehr als des Bürgers zweitliebster Schulbuchklassiker, er ist alles andere als inaktuell. Entstaubt und auf seine packende Essenz reduziert, ist das Stück in dieser Inszenierung sowohl Politthriller als auch Psychoduell.

Es spielen: Johanna Rehm, Christine Renhardt, Alexandra-Maria Timmel, Christian Kainradl, Florian Lebek, Christoph Prückner, Alexander Rossi, Jörg Stelling und Matthias Tuzar

Inszenierung: Bruno Max
Bühne: Bruno Max & Marcus Ganser
Kostüm: Alexandra Fitzinger
Musik: Fritz Rainer
Maske: Gerda Fischer

 

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„The future is female“

Die Grünen haben mit der Sozialarbeiterin Birgit Hebein wieder eine Obfrau und die Wiener eine neue Planungsstadträtin.

Mit dem Slogan „The future is female“ hat sie sich gegen ihren viel bekannteren Konkurrenten David Ellenson durchgesetzt, indem sie unter grünen Sympathisanten, die neben Parteimitgliedern ebenfalls abstimmen durften, deutlich mehr Stimmen gewann. Sie scheint jedenfalls nicht ungeschickt im organisieren zu sein, denn die meisten dieser Stimmen kamen aus NGO´s in denen sie offenbar erfolgreich wahlgekämpft hat.

Ihr soziales Engagement ist höchst ernsthaft – sie hat für die Caritas wirklich auf Bahnhöfen Abgewrackte betreut und als Michael Häupl versuchte, die Wiener Mindestsicherung strenger zu gestalten, hat sie das verhindert, indem sie es zur Koalitionsfrage gemacht hat.

In der Stadtplanung, in der Maria Vassilakou mit der Fußgängerzone Mariahilfer Straße und der verbilligten Jahreskarte unbestreitbare Verdienste verbucht und für das kommende Hochhaus am Heumarkt Prügel verdiente, hat Hebein bisher nicht aufgezeigt.

Dass die Zukunft weiblich ist, hat einiges für sich. Viel mehr Frauen machen Hochschulabschlüsse und im Gegensatz zu Elfriede Hammerl im profil glaube ich, dass sich der bisherige Abstand in Einkommen und Einfluss um einiges rascher als erwartet schließen wird. Im Bereich des Sprachverständnisses, das für Computerprogramme und künstliche Intelligenz mehr Bedeutung als für technische Entwicklungen hat, könnte das weibliche Gehirn sogar winzigste Vorteile gegenüber dem männlichen mitbringen, das über winzigste Vorteile bezüglich der räumlichen Wahrnehmung verfügt, und daher ingeniösen Leistungen entgegenkommt.

In allen Berufen müssen Frauen, um in gehobene Positionen zu gelangen, derzeit nach wie vor etwas mehr als Männer leisten – was keine schlechte Auslese darstellt. Zumal sie mittlerweile trotzdem – siehe Pamela Rendi-Wagner -keine Mannweiber mit doppelten Ellenbogen mehr sein müssen. Die geringere Menge an Testosteron sorgt zudem dafür, dass sie im Allgemeinen weniger Energie auf Hahnenkämpfe verschwenden und mit weniger Aggression an politische Auseinandersetzungen herangehen – was kein Nachteil für deren Sachlichkeit ist.

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„Warum bekommt man den Nobelpreis nicht, wenn man Burgschauspieler ist?“

Ausnahmsweise melde ich mich ein drittes Mal zu „Kultur“ zu Wort. Aber ich habe in den letzten beiden Tagen zwei Bücher verschlungen, die nicht zu lesen ich für einen unverzeihlichen Verlust halte: „Wann wird es endlich wieder so sein, wie es nie war?“ und „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff.

Man hat sie mir geschenkt, weil mein Sohn auch Schauspieler ist und ich Meyerhoff im Burgtheater als Professor Bernardi bewundert habe. Den Klappentexten habe ich entnommen, dass er als Autor längst nationale (deutsche) und internationale Anerkennung genießt – beide Romane waren Nr.1 der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Aber für mich war Meyerhoff eine völlige Neuntdeckung und hat mich – einen Menschen der den Umgang mit Sprache zumindest gewohnt ist- umgeworfen: Das ist kein Schauspieler der auch gute Romane schreibt, sondern das ist für mich der größte aktuelle deutschsprachige Autor, der auch ein guter Schauspieler ist.

Sprachliche Bilder wie von Hieronymus Bosch

Ich kenne niemanden von solcher Sprachgewalt. Niemanden (es sei denn in der Lyrik und da denke ich an Rainer Maria Rilke) mit einer solchen Fähigkeit zu sprachlicher Innovation und Bild-Gewalt. Wenn Meyerhoff in „Wann wird es endlich wieder so sein, wie es niemals war“ von der psychiatrischen Klinik erzählt auf deren Gelände er inmitten ihrer Patienten aufgewachsen ist, weil sein Vater ihr Leiter war, dann sieht man diese Patienten vor sich wie auf einem Bild von Hieronymus Bosch: Er feiert und malt sie bis ins subtilste Detail – bis sie nicht mehr schrecklich sondern nur mehr schön sind. (Rilke: „Denn das Schreckliche ist nichts als des Schönen Anfang“)

Und er portraitiert die ambivalente Persönlichkeit seines dicken, glatzköpfigen, sich hinter Büchern dem täglich Leben (nicht aber seinen Söhnen) entziehenden Vaters, der als gütiger Psychiater über dieser Hölle schwebt, gleichzeitig aber ständig rücksichtslos seine Frau betrügt, mit so zärtlichem Einfühlungsvermögen, das der Leser begreift, warum ihm seine schöne Frau (Meyerhoff´s Mutter) letztlich verzeiht.

Höchstens Vladimir Nabokov hat in „Pnin“ einen ähnlich liebenswerten, skurrilen Professor geschaffen

Zwischen Mark Twain und Garcia Marquez.

Ähnlich grandios das Portrait seiner Großeltern in „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Da wird der Liebe zweier Menschen ein Denkmal gesetzt, die etwa so gut wie Feuer und Wasser zusammengepasst haben und dennoch zu einem Kunstwerk verschmolzen sind.

Daneben beschreibt er sein Dasein in der Schauspielschule (wie ich es von meinem Sohn her in Ansätzen kenne) so glaubwürdig und köstliche, dass einem vor Lachen die Tränen kommen.

Meyerhoff besitzt den selbstverständlichen und dennoch absolut pointensicheren Humor Mark Twains.

Aber er kann vor allem – innerhalb einer deutschen Literatur die nur zu oft aus inneren Monologen besteht – so phantasievoll erzählen wie Gabriel Garcia Marquez.

Mir ist rätselhaft, wieso Meyerhoff noch nie für den Literatur-Nobelpreis nominiert wurde. Aber wahrscheinlich nominiert man dafür niemanden, der auch „Burgschauspieler“ ist.

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Das Wunder von Kottingbrunn

Mit Standing Ovations feierte – bedauerte- das Publikum Sonntag Abend die letzte Vorstellung von „Wie im Himmel“ im Theater der „Kulturszene Kottingbrunn“: Eine brillante Inszenierung (Anselm Lipgens) der Theaterfassung des berühmten schwedischen Films von Kay Pollak; erstklassige Profi-Schauspieler (Alexander Rossi, Georg Kusztrich, Franziska Hetzel,) und kaum schwächere Laien; ein perfektes Bühnenbild in einem der wahrscheinlich schönsten Theater Österreichs.

Das hat insofern mit Wirtschaft und Politik zu tun, als es zeigt, was „Privatinitiative“, „kluges wirtschaftliches Agieren“ zu bewirken vermag, wenn es auf Verständnis der zuständigen Politiker trifft.

Es baucht „Gründer“

Gegründet wurde die Kulturszene 1987 nicht von einem Künstler, sondern einem Unternehmer mit Liebe zur Kunst- dem Techniker Joachim Künzel. Der verliebte sich in das prachtvolle Wasserschloss des Ortes und kämpfte und spendete für seine Restaurierung. Als die Gemeinde der von ihm begründeten „Kulturinitiative“ einen verfallenen Stall und die zugehörige Tränke- überließ, organisierte er, dass sie in tausenden freiwilligen Arbeitsstunden zu einem Theater für 250 Zuschauer samt perfekter Eingangshalle umgebaut (in Wahrheit nahezu alles neu gebaut) wurden. Und dass das mit ungeheurem Geschmack geschah: Teile der alten Mauern wurden sichtbar erhalten, die alte hölzerne Dachkonstruktion wurde durch eine ähnlich schöne, statisch perfekte, ersetzt- ich kenne in Österreich allenfalls ehemalige Schlosstheater, die sich mit diesem an Schönheit, nicht aber Funktionalität vergleichen lassen.
Schon wenig später zeigte man mit dem „Mann von La Mancha“ die erste Eigenproduktion, in der Profi- Schauspieler durch Amateure perfekt – und preisgünstig unterstützt wurden. Seither gibt es diese Eigenproduktion jedes Jahr – zuletzt eben „Wie im Himmel“. Ich habe am Burgtheater ungleich weniger professionelle Aufführungen gesehen, deren Bühnenbilder das Hundertfache gekostet haben und weit wenige überzeugten. Wie Anselm Lipgens auch seine Laiendarsteller führt, erreicht in seiner Qualität Peter Grubers Nestroy-Spiele

Politik, die den wirtschaftlichen Wert von „Kultur“ begreift

Irene Künzel, die den Verein „Kulturszene“ seit dem Krebstod ihres Mannes im Jahr 2012 als Obfrau führt, ist wie ein perfekter Kulturmanager: Sie weiß, wie sie leichte Unterhaltung, Musik, Cabaret Kleinkunst mit großen Stücken mischen muss, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Bereits 1996 gab es 30 Spieltage – jetzt sind es 150.
Die Marktgemeinde und das Land Niederösterreich begriffen, welche Chance die „Kulturinitiative“ darstellt: Landesfürst Erwin Pröll war zu Subventionen bereit – man muss ihm zugestehen, wie kein anderer den wirtschaftlichen (und politischen) Wert von Investitionen in „Kultur“ begriffen zu haben.
Mittlerweile wird aus Gemeinde und Landesmitteln der gesamte ehemalige Wirtschaftshof des Schlosses restauriert und es entsteht eine kulturelle „Begegnungszone“ von einer Schönheit, die ihresgleichen sucht.

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Mozart muss weiterhin leiden

Auch auf der Basis einer sehr guten Einstiegs-Idee ist aus Emanuel Schikaneders miserabler Zauberflöte kein gutes Schauspiel zu machen. Leider wird man in Salzburg nicht durch eine große musikalische Leistung entschädigt. Nur Kinder kommen auf ihre Rechnung.

Keine Oper ist so schwer zu inszenieren wie die Zauberflöte. Denn kein Intendant wagt zu sagen, dass Emanuel Schikaneders Vorlage ein solcher Mist ist, dass man sie nur austauschen kann. Die Texte sind öd, die Handlung ist selbst als Märchen unglaubwürdig: Ein Herrscher des Lichts, in dessen Hallen man die Rache nicht kennt, nimmt einer Mutter nicht die Tochter weg und setzt sie der Vergewaltigung aus.
Dennoch nennt der ORF Schikaneders Mega-Schmarren in seiner Ansage der Übertragung aus den Salzburger-Festspielen in einem Atemzug mit Mozarts Musik „genial“. Mozart kann sich seit zweihundertfünfzig Jahren nicht wehren und wird wohl auf alle Zeiten weiter unter Schikaneder leiden müssen.

Klaus Maria Brandauer zündet

Die Amerikanerin Lydia Steier versucht das Beste aus dieser in Wahrheit für jeden Regisseur verzweifelten Lage zu machen: Sie bemüht sich, das Märchen noch intensiver als solches zu kennzeichnen und es zu aktualisieren – es soll wenigstens Kinder interessieren. Das gelingt ihr, indem sie die Figur eines erzählenden Großvaters einführt, der noch dazu mit Klaus Maria Brandauer ideal besetzt ist. Zumindest das erste Bild, in dem er die zauberhaften „drei Knaben“ in seinen Bann zieht, Tamino wie ein Zinnsoldat aussieht und das Ungeheuer, von drei tüchtigen Polizistinnen mit der Maschinenpistole erschossen wird, ist in sich stimmig und lässt auf eine geglückte Fortsetzung hoffen.
Aber schon der Auftritt der Königin der Nacht in einem weißen Kleid, mit einem absurden weißen Gebilde auf dem Kopf ist nur mehr komisch. Steier lässt sich die Chance entgehen, die einzige funktionierende Märchenfigur Schikaneders wie in konventionellen Inszenierungen als „Fürstin der Finsternis“ zu präsentieren“. Statt dass es einem bei ihrer Koloratur kalt über den Rücken rieselt, ist man befremdet. Genauso wie vom beinahe hässlichen Aussehen Paminas, die auf keinen Fall wie eine liebliche Prinzessin aussehen durfte.

Die Welt des Lichtes bleibt dunkel

Und je länger die Aufführung dauert, desto mehr zeigt sich, dass sich aus Schikaneders Stück beim besten Willen und mit noch soviel Aufwand kein gutes Schauspiel machen lässt. Der Bruch, der mit dem Eintreten Taminos in Sarastros Welt noch in keiner Inszenierung überbrückt werden konnte, wird nicht geringer, sondern allenfalls größer, indem man Sarastro in einen düster blickenden Zauberer verwandelt.
Zumindest diesen Teil der Zauberflöte haben die beiden Freimaurer Schikaneder und Mozart ernst gemeint. Sie wollten eine edle Welt des Lichtes auf die Bühne stellen.
Bei Steier ist es eine Welt, in der soviel geschieht, geturnt, gestelzt und balanciert wird, dass Kinder wahrscheinlich einigermaßen gebannt hinschauen – als Erwachsener ist man vor allem extrem von der Musik abgelenkt.

Die Musik hat keine Chance

Das wiederum ist, anders bei Welser -Mösts Salome, nicht ganz so schade. Einige der Sänger sind erstaunlich schwach bei Stimme – Sarastro in tiefen Lagen kaum zu hören- und den Wiener Philharmonikern scheint die Aufführung entscheiden zu lange zu dauern – sie hudeln immer verwaschener dahin.
Mozart wird leider weiter unter Schikaneders Zauberflöte leiden müssen – auch wenn diese Kindern vermutlich am bisher besten gefallen haben dürfte.

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