Betäuben und Vergewaltigen als Genuss

Nicht nur, dass der Mandatar Patrick Frei seine Frau, seine Partnerin und deren Tochter betäubte, vergewaltigte und filmte, ist gespenstisch – auch wie die Schweiz damit umgeht.

Im ersten Moment habe ich den Fall Pelicot für einen abartigen Einzelfall gehalten, aber allein der Umstand, dass über fünfzig Männer das Angebot Dominique Pelicots, seine Frau Gisele in bewusstlosem Zustand zu vergewaltigen, angenommen haben, hätte mich bezüglich der Verbreitung dieser Perversion skeptisch stimmen sollen. Mittlerweile haben deutsche Journalistinnen herausgefunden, dass es im Netz eine Community von über siebzigtausend Mitgliedern gibt, die sich darüber austauschen, wie man Frauen sediert und ihre Vergewaltigung in bewusstlosem Zustand filmt. (Ein entsprechendes Verbrechen in Niederösterreich wurde den Behörden auf diesem Weg bekannt.)

Der jüngste Fall hat sich laut Der Standard im Kanton Argau in der Schweiz ereignet. Soeben läuft der Prozess gegen den ehemaligen Abgeordneten der Schweizer Volkspartei, SVP-Großrat Patrick Frei, dem die Anklage vorwirft, er hätte seine geschiedene Frau über Jahre hinweg, und seine nachfolgende Partnerin, die Polin Iwona L. und deren 14-jährige Tochter Paula systematisch mit K.-o.-Tropfen betäubt, vergewaltigt und gefilmt. Die Filme zig-facher solcher Vergewaltigungen sind Beweisgegenstand.

Für mich kaum weniger erschütternd ist die Begründung, mit der das zuständige Department Argau die Ausweisung der beiden polnischen Opfer aus der Schweiz verfügt hat.

Nach der Verhaftung des Täters im Jahr 2023 waren Iwona L. und ihre Tochter nämlich in eine existenzielle Notlage geraten und hatten deshalb staatliche Unterstützung beantragt. Iwona L. begründete das damit, dass Frei sie nach der Trennung von seiner Frau (die ursprüngliche keine Anzeige erstattet hatte) als Haushaltshilfe angestellt, ihr aber keinen Lohn bezahlt hätte. Das Migrationsamt des Kantons Aargau wies dieses Ansuchen ab, entzog den Frauen die Aufenthaltsbewilligung und verfügte ihre Wegweisung wegen „Täuschung der Behörden“. Darin, dass sie nie einen Lohn erhalten hätte, sah die Behörde den Beweis dafür, dass es sich bei dem Arbeitsvertrag als Haushaltshilfe um ein reines „Scheinarbeitsverhältnis“ gehandelt habe.

Natürlich kann das juristisch korrekt sein: Es kann sein, dass Patrick Frei Iwona L. in Wahrheit nur als Sexualpartnerin in seinen Haushalt aufnahm und ihr und ihrer Tochter dort Kost und Logis bot. Es ist ebenso möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass es vor allem Freis politische Beziehungen waren, die die Behörden das Angestelltenverhältnis ursprünglich als Begründung für die Aufenthaltserlaubnis ungeprüft akzeptieren ließen. Es ist daher sehr wohl möglich, dass es sich dabei, wie die Behörde annimmt, um einen einvernehmlichen Betrug handelte und dass Iwona L. voran Freis neue Frau werden wollte. Ich weiß nicht, welche Beweise dem Migrationsamt vorlagen, um diese Version als erwiesen zu erachten, aber sie können ausgereicht haben. (Gott sei Dank dürfte das jetzt geprüft werden.)

Aber ganz sicher wollten Iwona L. und ihre Tochter von Patrick Frei nicht betäubt, vergewaltigt und gefilmt werden. Ein medizinisches Gutachten führt aus, dass die 14-Jährige Paula während ihrer vielfachen Vergwaltigung beinahe gestorben wäre, was zu Anklage wegen versuchten Mordes führte. (Nach österreichischem Recht hätte es dazu kaum gereicht, denn dazu müsste Frei Paulas Tod bewusst und willentlich und nicht nur de facto in Kauf genommen haben – aber dass er ihn überhaupt in Kauf nahm reicht mir.)

Umso erstaunlicher der Wortlaut der Verfügungen die Iwona L. im September 2024 zugestellt wurde: Sie und ihre Tochter hätten 60 Tage ab Rechtskraft der Verfügung Zeit, um auszureisen. „Nach Ablauf der Ausreisefrist kann die Wegweisung zwangsweise vollzogen werden“, schreibt die Behörde weiter und hält auch – reichlich unscharf -fest: „Mutter und Tochter sollen Opfer sexueller Übergriffe geworden sein“. Dann aber heißt es viel präziser:  solche Vorwürfe könnten allerdings „keinen schwerwiegenden persönlichen Härtefall begründen“. Vielmehr gäbe es ein „sehr großes öffentliches Interesse an der Wegweisung der Betroffenen.“.

Iwona L. sieht sich und ihre Tochter ein zweites Mal zum Opfer gemacht und hat Einspruch gegen die Verfügung erhoben. Auch in der Schweizer Öffentlichkeit haben nur wenige Leute verstanden, dass die vielfache Vergewaltigung in bewusstlosem Zustand keinen „schwerwiegenden persönlichen Härtefall“ darstellt, und weniger wiegt als das Recht der Schweiz, auf Ausweisung einer unbeschäftigten, mittellosen Ausländerin.

In Österreich hat der Bericht über die Verfügung im Standard einen Shitstorm ausgelöst, dem ich mich anschließe.

Eine „Schweizer Volkspartei“ mit einem Minimum an Anstand müsste zumindest der aufs Schwerste traumatisierten 14-Jährigen eigentlich jahrelange Psychotherapie anbieten, nachdem ein von ihr bestellter „Großrat“ Verursacher dieses Traumas war. Aber Patrick Frei passte perfekt zur Linie der populistischen SVP: Kurz vor seiner Festnahme hatte er „ausländische Beschuldigte“ für einen Anstieg der Gewalt in der Schweiz, verantwortlich gemacht.

In Deutschlands hat die Justiz als Folge des Falles Frei die meines Erachtens vernünftige Idee geboren schon den Besitz von Filmen, die die Vergewaltigung bewusstloser Frauen zeigen, so wie den Besitz pädophiler Filme unter Strafe zu stellen. Denn die Männerwelt scheint kranker, als ich mir bisher vorstellen konnte.

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Die vielen Gefahren sinkender Reallöhne

Es gibt kaum große Probleme der EU, für die Deutschlands Lohnzurückhaltung keine wesentliche Rolle gespielt hat: Vom Verschlafen des E-Autos bis zum Boom rechtsextremer Parteien.

Dass meine Kommentare nicht mehr in der gedruckten Ausgabe erscheinen, hat neben allgemeinen Blattpolitischen Überlegungen auch zur Ursache, dass Florian Klenk „nicht jede Woche eine Kolumne über `deutsche Lohnzurückhaltung` an prominentester Stelle im Falter lesen möchte“. Ich verstehe das, denn jetzt kann jeder, der will, meinen Blog abonnieren und ich nehme weder Barbara Toth noch Eva Maria Konzett prominenten Platz weg. Ich will nur auch meine Beharrlichkeit verständlich machen: Es gibt, so behaupte ich, fast kein großes europäisches Problem, für das „Deutschlands Lohnzurückhaltung“ keine wesentliche Rolle spielt.

Vorige Woche konnte ich hoffentlich zeigen, dass sie nicht nur in meinen Augen, sondern auch laut „Künstlicher Intelligenz“(KI) eine entscheidende Rolle dabei spielte, dass Deutschlands Auto-Konzerne die E-Mobilität verschliefen: Sie fuhren dank Lohnzurückhaltung bis 2025 so hohe Gewinne ein, dass Ex-VW-Boss Matthias Müller Tesla „irrelevant“ nennen konnte.

Diesmal glaube ich zeigen zu können, wie sehr der Erfolg rechtsextremer Parteien mit Deutschlands Lohnzurückhaltung zusammengehängt. Denn nicht nur in meinen Augen, sondern auch laut KI ist deren Aufstieg nicht zuletzt Folge des finanziellen Abstiegs der „Unterschicht“, sei es Österreichs, Frankreichs, Italiens oder Deutschlands. Denn für alle diese Volkswirtschaften hat „Deutschlands Lohnzurückhaltung“ eine wesentliche wirtschaftliche Rolle gespielt.

Weil KI durch die Fragestellung beeinflusst werden kann, habe ich so neutral wie möglich gefragt: „Was folgt aus der Lohnzurückhaltung Deutschlands für Frankreich?“ Die Antwort: „Durch stagnierende Reallöhne in Deutschland sanken die dortigen Lohnstückkosten deutlich. Frankreich, wo die Löhne im Gleichschritt mit der Produktivität stiegen, verlor im direkten Vergleich drastisch an preislicher Wettbewerbsfähigkeit. Dies führte dazu, dass Frankreich hohe Handelsbilanzdefizite gegenüber Deutschland anhäufte, während Deutschland Rekord-Exportüberschüsse verzeichnete. Da der Wechselkurs durch die gemeinsame Euro-Währung fixiert war, konnte Frankreich den deutschen Kostenvorteil nicht mehr (wie früher beim Franc) durch eine Abwertung der eigenen Währung ausgleichen. Die französische Regierung kritisierte das deutsche Vorgehen wiederholt scharf. Sie warf Deutschland vor, durch `Lohndumping` auf Kosten seiner europäischen Partner zu leben und die Eurozone in ein makroökonomisches Ungleichgewicht zu stürzen.“

Ich ergänze: das deutsche Verhalten widerspricht sowohl den Regeln der World Trade Organisation (WTO) wie der EU – aber die deutsch dominierte EU-Kommission ahndete den deutschen Verstoß nicht.

KI sieht denn auch weitere gravierende Folgen: „Auf dem wichtigsten französischen Exportmarkt – den Ländern der Eurozone – verdrängten billigere deutsche Waren französische Produkte. Auch französische Verbraucher und Unternehmen griffen verstärkt zu deutschen Industriegütern und Konsumwaren. Die Unfähigkeit, preislich mitzuhalten, führte in Frankreich zur Schließung von Fabriken und zu einem beschleunigten Verlust von Arbeitsplätzen in der Industrie.“

Was Italien betrifft, so liest sich die Auskunft auf die gleiche Frage kaum anders: „Die deutsche Lohnzurückhaltung führte für Italien zu einem massiven Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit, steigenden Handelsbilanzdefiziten gegenüber Deutschland. Da Italien durch den Euro seine Währung nicht mehr abwerten konnte, um Preisnachteile auszugleichen, geriet das Land wirtschaftlich stark ins Hintertreffen.“

Von mir zusammengefasst: Deutschland hat Frankreich und Italien durch die gegenüber der Produktivität zurückgehaltene Entlohnung seiner Arbeitnehmer wirtschaftlich maximal beschädigt.

 

Politische Folgen niedriger Löhne

 

Insbesondere der Verlust an Arbeitsplatzsicherheit und realem Wohlstand der betroffenen Bevölkerung stimmt mich aus gutem Grund besorgt: Adolf Hitler wäre ohne die Arbeitslosigkeit der Dreißigerjahre nicht an die Macht gekommen – jetzt tragen Arbeitsplatz-Unsicherheit und Reallohnverluste wesentlich dazu bei, dass die Neofaschisten in Italien, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich und das Rassemblement Nationale Marin Le Pens in Frankreich derart erstarkt sind.

Alle diese Parteien werden zwar nicht nur, aber vor allem von einer abgehalfterten Unterschicht gewählt, die besonders unter dem Verlust an Job-Sicherheit und Wohlstand leidet. Ich habe KI daher gefragt, was die deutsche Lohnzurückhaltung für die Unterschicht der jeweiligen Länder. bedeutet?“ Die Antwort, die Deutschland selbst betrifft, hat zumindest mich in keiner Weise überrascht: „Für den Wohlstand der deutschen Unterschicht bedeutete die Lohnzurückhaltung einen spürbaren Wohlstandsverlust und eine Zunahme von sozialer Ungleichheit. Während die Exportwirtschaft boomte, entkoppelten sich die unteren Einkommen der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung. Im unteren Einkommensdrittel sanken die inflationsbereinigten Löhne über Jahre hinweg real, wodurch die Kaufkraft dieser Gruppe massiv schrumpfte. Es entstand einer der größten Niedriglohnsektoren Westeuropas, in dem zeitweise fast jeder vierte Beschäftigte arbeitete.“ Da nimmt der Aufschwung der AfD kaum wunder.

Für Frankreich lautet die KI-Diagnose: „Da Frankreichs Industrie im direkten Wettbewerb mit Deutschland massiv an Boden verlor, traf diese Entwicklung die einkommensschwächsten Schichten im Land besonders hart. Besonders in den sozial benachteiligten Vorstädten verfestigte sich eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit, was die soziale Spaltung und Armut der dortigen Unterschicht massiv verschärfte.“ Entsprechend profitierte Main Le Pen.

Die KI-Diagnose bezüglich Italiens ist noch etwas düsterer: „Die deutsche Lohnzurückhaltung bedeutete einen massiven Verlust an Lebensstandard, steigende Armut und den Abbau sozialer Sicherheit. Es entstanden Millionen schlecht bezahlte, befristete Verträge ohne soziale Absicherung.“ Kein Wunder, dass die fratelli d‘Italia bereits regieren.

Aber auch Österreichs Unterschicht hat laut KI unter der deutschen Lohnzurückhaltung gelitten: „Die deutsche Lohnzurückhaltung bedeutet für die österreichische Unterschicht vor allem höheren Druck auf das eigene Einkommen, Reallohnverluste und ein steigendes Armutsrisiko. Da Deutschland Österreichs wichtigster Handelspartner ist, zwingt das dortige Lohn-Dumping auch die österreichische Wirtschaft zu einem harten Wettbewerb, dessen Lasten oft an das untere Ende der Einkommensskala weitergegeben werden.“ Entsprechend erstarke die FPÖ

Vielleicht bringen Sie meiner Besorgnis in Bezug auf die deutsche Lohnzurückhaltung doch das Verständnis entgegen, das „Künstliche Intelligenz“ ihr entgegenbringt.

 PS: Aus dem Buch „Grundlagen einer relevanten Ökonomik“ des deutschen Ökonomen Heiner Flassbeck, das ich Interessierten wärmstens empfehle, erfahren Sie, dass am Anfang der Weltwirtschaftskrise der weltweite Verfall der Löhne stand.

 

Wenigstens der Fußball war gerecht

Mit Spanien gewann das mit Abstand beste Team das Endspiel. Das beste Match war ein anderes

in seiner zweiten Halbzeit  

Wenn man seinen Lebensmittelpunkt wie ich durch zehn Jahre in Spanien hatte, freut man sich mit den Spaniern, dass das mit Abstand beste Team auch tatsächlich Weltmeister wurde. Zumal es die Spanier in einer Lebensfreude bestätigt, die sie uns voraushaben: Selbst in einer Zeit, in der es ihnen wirtschaftlich miserabel ging, fanden sie das Leben halb so schlimm, weil sie überzeugt waren, immer den besten Wein und den besten Fußball zu haben.

Eigentlich waren sie im Endspiel so drückend überlegen, dass sie weit höher gewonnen hätten, hätte der slowenische Schiedsrichter die argentinischen Fouls von Beginn an geahndet. Auch die Kommentatoren nannten nur allzu oft „Leidenschaft“, was reine Brutalität war.

Dass Donald Trump einen Spanier nach dem anderen als besten Neuling, besten Tormann, besten Spieler und Weltmeister auszeichnen musste, obwohl Spanier „ganz schlechte Menschen sind“, war ein spezielles Vergnügen.

Manchmal ist Fußball auch wirklich völkerverbindend. Besseren Fußball als in der zweiten Hälfte des 6:4 Englands gegen Frankreich habe ich nie gesehen. Die bis dahin lustlosen französischen Weltstars, von denen jeder einen Marktwert von mehreren Millionen Euro hat, wollten klarstellen, dass sie mehr können als sie in der ersten Hälfte beim 0:4 für England gezeigt haben – die kaum minder teuren englischen Stars haben so gut wie vorher weitergespielt. Auf beiden Seiten gab es fast kein Foul – nur die Demonstration perfekten Fußballs. Es war plötzlich logisch – und eine Freude mitzuerleben – wie die Gegner einander nach dem Match um den Hals fielen und ihre Leibchen tauschten: 22 Ballkünstler hatten gemeinsam 45 Minuten lang ein fußballerisches Kunstwerk geschaffen.

 

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In eigener Sache

Liebe Leserin, lieber Leser,

Mein Buch Zeitzeuge eines Jahrhunderts ist weit mehr als eine klassische Autobiografie.

Auf rund 575 Seiten verbindet sich meine Familiengeschichte mit der Geschichte Österreichs und Europas vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Eine Familiengeschichte zwischen Adolf Hitler, Bruno Kreisky, Donald Trump und Wladimir Putin – beschreibt den Anspruch des Buches.

Als Zeitzeuge und mittlerweile im 87 Lebensjahr war meine Familiengeschichte aufs Engste mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts verzahnt. Es ist ein Playdoyer gegen den Neoliberalismus von dem ich fürchte, dass seine Auswirkungen die EU sprengen und einen neuen Faschismus herbeiführen könnte.

Zeitzeuge eines Jahrhunderts

Eine Familiengeschichte zwischen Adolf Hitler, Bruno Kreisky, Donald Trump und Wladimir Putin.   Taschenbuch 52,00 EUR inkl. gesetzlicher MwSt.

PS: Meinen Lesern kann ich das Buch so lange mein Vorrat reicht zum Direktpreis um 35 EUR zzgl. Versand um 4,50 EUR anbieten. Bitte schreiben Sie ein Email an g.satek@ad2book.com

 

 

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Wieso verschlief Deutschland das E-Auto?

Wenn man dank niedriger Löhne sowieso durch rund 15 Jahre immer höhere Gewinne einfährt, ist man nicht zu Innovationen, etwa zu neuen Geschäftsmodellen, gezwungen.

In gewisser Hinsicht war die mit Spannung erwartete Sitzung des VW- Aufsichtsrates am Donnerstag der Vorwoche charakteristisch für die die Krise der deutschen Automobilindustrie: Alles blieb unklar. Weder wurde beschlossen, wie kolportiert, weltweit 100.000 Stellen abzubauen noch vier Werke zu schließen. Bei Mercedes meint man ein Rezept zu haben: Die Angestellten sollen zum gleichen Gehalt 40 statt 35 Stunden arbeiten, obwohl es schwerlich genug Arbeit für die größere Stundenzahl gibt, denn E-Autos haben viel weniger Bestandteile, und gegen eine Lohnsenkung läuft nicht nur die die Gewerkschaft Sturm, sondern auch Donald Trump nähme sie zum Anlass noch höherer Zölle. An Drohkulissen hat die Geschäftsführung freilich dennoch keinen Mangel: Eine Prognose des deutschen Branchenverbandes VDA schätzt (meines Erachtens sehr vorsichtig), dass in Deutschland zusammen mit der Autoindustrie bis zum Jahr 2035 insgesamt bis zu 225.000 Arbeitsplätze verloren gehen, wenn man alle indirekten Verflechtungen, wie Zulieferer, Rohstoffe, chemische Vorprodukte und nachgelagerte Dienstleistungen (Handel, Werkstätten) mit einbezieht. 100.000 sind bereits verloren, 125.000 kämen bis 2035 hinzu.

Bedeutung für Österreich

Da österreichische Unternehmen zu den wichtigsten externen Zulieferern zählen, ist das Thema in der öffentlichen Diskussion hier kaum weniger als in Deutschland präsent, denn im Allgemeinen kann man, was dort passiert, durch 10 dividieren, um zu wissen, was Österreich droht. In beiden Ländern spielt die erweiterte KFZ-Industrie eine zentrale Rolle: In Deutschland verantwortet sie rund 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIB) und es arbeiten dort rund 2,2 Millionen Menschen, in Österreich sind es laut KI sogar 11 Prozent des BIB und 350.000 Beschäftigte.

Für Deutschland sind Autos und Autobestandteile (in denen so viele österreichische Zulieferprodukte stecken) mit 8,8 Prozent zugleich der wichtigste Exportartikel. Und genau bei diesem Exportartikel fanden im letzten Jahr die größten Einbrüche statt: 2025 haben die Zölle, die Donald Trump mit der Begründung verhängte, dass Deutschland seinen Autos durch Lohndumping einen unfairen Preisvorteil verschaffe, ihren Export in die USA um 18,9 Prozent reduziert und die deutschen Auto-Exporte in die Volksrepublik China gingen im Vergleich zum Vorjahr sogar um ein Drittel zurück.

Chinas Vorsprung wächst   

Die Zukunft sieht aber noch trister aus: Chinas E- Autos sind trotz Zöllen in der EU zur größten Konkurrenz für voran deutsche, aber auch französische und italienische E-Autos geworden, denn sie sind billiger und verfügen über mehr digitale Gadgets bis hin zu KI. Da das deutsche Lohnniveau (= die deutsche Kaufkraft) besonders unter der deutschen Lohnzurückhaltung leidet und das Lohnniveau (= Kaufkraftniveau) der gesamten EU zwangsläufig mitgelitten hat, müssen, um den aus Klimagründen so wünschenswerten Kauf von E-Autos zu forcieren, gewaltige staatliche Zuzahlungen angeboten werden, die dennoch voran BYD und etwas auch Tesla zugutekommen, denn vorerst fahren alle E-Autos mit Batterien von BYD.

In Summe: Das Rückgrat der deutschen Industrie – denn das ist die KFZ-Industrie weit vor der Industrie für Maschinen & Anlagenbau – ist massiv angeknackst und es ist fraglich, ob Deutschland die Lokomotive sein kann, die das Wirtschaftswachstum der EU beflügelt. Zumal voran Italiens, etwas weniger Frankreichs Autoindustrie leider ähnliche Probleme haben. Europa, ein Kontinent, für den hochklassige Autos eines der wichtigsten Verkaufsprodukte waren, steht damit vor einem, meines Erachtens, gravierenden Problem.

Die Frage, wie es dazu kommen konnte, wird jedenfalls nicht nur von mir recht intensiv gestellt: Wieso hat ausgerechnet Deutschland den Übergang zum E-Auto derart verschlafen?

Ist „Lohnzurückhaltung“ wesentlich?

Eine Antwort, die sich mir aufdrängt und die KI bestätigt, lautet: Die deutsche Autoindustrie fuhr durch Jahrzehnte so hohe Gewinne ein, dass der Druck, sie durch eine Steigerung von Produktivität und Innovation zu erhöhen, so gut wie nicht vorhanden war. „Als Gewinne und Dividenden nur so sprudelten“, weiß Regina Bruckner im Standard, habe VW-Boss Matthias Müller inmitten des VW-Dieselskandals zur Belustigung der VDA-Granden erklärt, wie irrelevant der E-Auto-Pionier Tesla gemessen am VW-Konzert sei.

Weil Florian Klenk bezweifelt, dass die deutsche Lohnzurückhaltung diesbezüglich ein gravierendes Agens darstellt, habe ich bei „Künstlicher Intelligenz“ unparteiische Auskunft eingeholt, „ob die Lohnzurückhaltung zwischen 2005 und 2020 für die hohen Gewinne der deutschen Automobilindustrie von wesentlicher Bedeutung war“.

Das sagt die Künstliche Intelligenz

Die Antwort entspricht meiner offenbar raren Vermutung: „Im Gegensatz zu den hohen Tariflöhnen der Kernbelegschaften in der Montage, prägten moderate Lohnsteigerungen (Lohnzurückhaltung) in der Verwaltung und die enorme Kostensenkung durch den starken Druck auf Zulieferer die Bilanzen der Konzerne. Die Unternehmensgewinne stiegen in diesem Zeitraum (2005 bis 2020) infolgedessen deutlich. Die Gesamtkosten eines in Deutschland produzierten Autos hängen nämlich nicht nur von den Stundenlöhnen der direkten Produktionsmitarbeiter ab. Neben der direkten Fertigung fließen maßgeblich die Kosten für Verwaltung, Forschung und Entwicklung, sowie für vorgelagerte Zulieferer in den Gesamtpreis ein. Die jahrzehntelange Lohnzurückhaltung (die sogenannte `Lohn-Stagnation`) hat den Druck auf die Unternehmen verringert, in teure Innovationen und Effizienzsteigerungen zu investieren. Dieser Effekt wird als eine der Hauptursachen für die Schwächen des Standorts gehandelt.“

Den zugehörigen Mechanismus erklärend, heißt es weiter: „In der Ökonomie werden steigende Löhne oft als Produktivitätspeitsche bezeichnet: Sie zwingen Unternehmen dazu, in Automatisierung, moderne Technologien und neue Geschäftsmodelle (Innovation) zu investieren. Wenn Löhne niedrig sind (Lohnzurückhaltung) und die Unternehmensgewinne ohnehin hoch ausfallen, entfällt dieser akute Druck. Für Unternehmen ist es oft kostengünstiger, einfach mehr (günstige) Arbeitskräfte einzustellen, anstatt in teure und riskante Innovationen zu investieren.“ (Ende des KI-Zitates, wobei auch die Worte zwischen Klammern exakt dem Zitat entsprechen.)

 

 

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Die KI-bedingte Revolution

Künstliche Intelligenz benennt die Fehler der europäischen Wirtschaft denkbar präzise und wird die Wirtschaft der ganzen Welt von Grund auf verändern.

Ich habe meine vorigen KI-Kommentare dem von mir besonders geschätzten deutschen Ökonomen Heiner Flassbeck (1998/99 stellvertretender Finanzminister) geschickt. Ihn hat am meisten beeindruckt, um wieviel besser als deutsche Ökonomen „Künstliche Intelligenz“ Europas Wirtschaft analysiert. Weil KI eben nicht nur auf deutschen, sondern auf weltweiten, voran angelsächsischen und japanischen ökonomischen Informationen beruht. (Wichtige Studien werden in allen Ländern englisch abgefasst.)

Mein Texte wollte aber nicht nur aufzuzeigen, wie KI die aktuelle Wirtschaftspolitik der EU beurteilt, sondern auch vorführen, in welchem Ausmaß KI Menschen ersetzt: Ich habe mich 25 Jahre mit Wirtschaft befasst, Bücher von John Maynard Keynes, Friedrich August Hayek, Wolfgang Stürzel oder Heiner Flassbeck und zig Studien lesen müssen, um Texte schreiben zu können, wie KI sie binnen 5 Sekunden produziert. Meine Funktion kann nur mehr darin bestehen, neueste Entwicklungen einzuordnen: etwa zu fragen, ob Markus Marterbauer den Beitrag zur Abwärtsspirale so gering wie möglich zu halten vermag.

Die Hoffnung, dass die EU-Kommission begreift, in welche Gefahr sie das Projekt eines vereinten Europas gebracht hat, indem sie an den Maastricht-Kriterien festhält, die deutsche Lohnzurückhaltung nicht ahndet und Christine Lagarde an der Spitze der EZB nicht ablöst, habe ich aufgegeben.

Dabei steht die EU jetzt vor einer Jahrtausend Aufgabe: Den Umgang mit KI zu regulieren. Die Herausforderungen sind größer denn: Wie nie zuvor wird „Künstliche Intelligenz“ Arbeitskräfte überflüssig machen. Nicht nur mich, sondern Akademiker der verschiedensten Branchen überflüssig machen. So sind Juristen und Verwaltungsbeamte extrem einfach zu ersetzen. Aber man wird selbst viel weniger Ärzte brauchen, weil KI auf der Basis von Symptomen, Blut- und Urin-Proben rascher als sie richtige Diagnosen stellen und richtigere Therapien und Medikamente empfehlen wird. Wobei wir Medikamente mittels KI herstellen und Therapien mittels KI ständig verbessern werden. Autos oder Flugzeuge wird KI besser als Ingenieure konstruieren und werden KI-gesteuerte Roboter besser als Menschen produzieren. Das wird für alle Waren und fast alle Dienstleistungen gelten, und zwar sehr viel rascher als wir glauben, denn KI wird Fortschritte potenzieren.

John Maynard Keynes hat eine solche Wirtschaft ebenso vorhergesagt, wie auf ganz anderer (verfehlter) Basis Karl Marx: Der technologische Fortschritt kann den Schritt der Menschheit aus Mühe und Arbeit in die Freiheit von beidem bedeuten.

Allerdings mit großen Hindernissen, deren erstes eine gewaltige Arbeitslosigkeit sein wird: Außer den Hochqualifizierten, die KI schaffen und betreuen, wird man Arbeitskräfte nur mehr für persönliche Dienstleistungen, etwa Pflege oder psychologische Betreuung brauchen. Nicht einmal Künstler werden davor sicher sein, ersetzt zu werden: KI kann Bilder malen, Gedichte und Lieder verfassen. Letzteres habe ich probiert und der Erfolg war so beeindruckend wie bestürzend: Wer wird all die Menschen, die in allen, selbst in derart innovativen Bereichen nicht mehr gebraucht werden, bezahlen? Das Bürger-Grundgehalt ist unvermeidlich – aber werden die Billionäre, die über die „Künstliche Intelligenz“ verfügen, überhaupt bereit sein, es allen Bürgern zu bezahlen? Wie kann man sie dazu zwingen, obwohl es unmöglich ist, gegen KI und Roboter zu streiken? Und selbst wenn sie gnädig Grundgehälter gewähren – was werden die vielen Arbeitslosen den Tag lang tun?

Wird es noch Preise geben, die von Märkten ermittelt werden, wenn fraglich ist, ob KI überhaupt Märkte braucht, weil sie Angebot und Nachfrage schließlich „intelligent“ aufeinander abstimmen kann?

Und auch wenn KI alles konstruieren und entwerfen kann und wenn Roboter alles, sogar bessere Roboter produzieren können, bleiben die Ressourcen doch endlich und entsteht immer Wärme – wer wird wie darauf achten, dass künftige Generationen auch noch genug Ressourcen und einen lebenswerten Globus vorfinden?

Ich weiß, dass das alles illusionär klingt, aber halten Sie sich vor Augen, in welchem Ausmaß Technologie und Wissen die Welt im letzten Jahrhundert verändert hat – und welche Katastrophen die Menschheit dennoch nur mit äußerster Mühe und unter gewaltigen Verlusten überlebt hat.

 

 

 

 

 

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KI begreift den Zustand der EU auf meine zwei Fragen

Ich habe KI befragt, wie sie die aktuelle wirtschaftliche Situation der EU einschätzt und ob die EU derzeit überhitzt boomt und die Gefahr einer hohen Inflation besteht, oder ob die Gefahr einer Rezession besteht, weil Unternehmen wenig investieren und Konsumenten wenig einkaufen?

Die mit künstlicher Intelligenz eruierte Antwort war in meinen Augen perfekt: „Die EU boomt derzeit in keiner Weise, sondern es besteht die Gefahr einer Rezession und steigenden Restinflation. Die von Ihnen (mir als Fragendem) vermutete Kettenreaktion aus Investitions- und Konsumschwäche ist genau das Kernproblem, vor dem Ökonomen und Ratingagenturen wie S&P Global derzeit warnen.“

Das aktuell gravierendste Problem der EU scheint mir zu sein, dass wir es nicht mit „Künstlicher Intelligenz“, sondern mit der ökonomischen Intelligenz von Ursula von der Leyen, von diversen die EU dominierenden deutschen Ökonomen zu tun haben und davor mit der ökonomischen Intelligenz Angela Merkels und ihres Finanzminister Wolfgang Schäuble zu tun hatten.

Ich bin zuversichtlich, dass ich KI abermals an meiner Seite hätte, wenn ich behaupte, dass sie uns mit dem Sparpakt geballten ökonomischen Unsinn hinterlassen haben und dass die Maastricht-Kriterien all dem widersprechen, was Künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit staatlichem Sparen für sinnvoll hält.

KI hat den enormen Vorteil, dass unter der Milliarde Informationen, die sie berücksichtigt, nicht nur die Veröffentlichungen deutscher Ökonomen, sondern auch angelsächsischer, japanischer oder selbst chinesischer Ökonomen eingehen und dass sie in der Lage ist, deren Vorhersagen mit der Realität zu vergleichen. Das ist in der Volkswirtschaftslehre ein Vorteil, den man gar nicht hoch genug schätzen kann.

KI sieht auch Deutschlands Lohnzurückhaltung so kritisch wie ich – auch in Bezug auf seine eigene Produktivität.

Nachdem ich erlebt habe, wie perfekt „Künstliche Intelligenz“ mich ersetzt, wenn es um die Frage geht, wie Sparen des Staates sich auf die Wirtschaft auswirkt, wollte ich wissen, wie KI die zweite Frage beurteilt, von der ich meine, dass die Zukunft der EU von ihr abhängt:

Ich habe bei der Google KI gefragt, welchen Einfluss Deutschlands Lohnzurückhaltung auf die Wirtschaft der EU hat, und die Antwort ist meines Erachtens einmal mehr perfekt:

„Deutschlands Lohnzurückhaltung führt zu massiven Handelsungleichgewichten in der Europäischen Union, da sie die deutsche Exportwirtschaft künstlich verbilligt und gleichzeitig die Nachfrage nach Produkten aus anderen EU-Ländern bremst.“

Die wichtigsten Einflüsse auf die Wirtschaft der EU sahen laut KI folgendermaßen aus:

  • Die Verzerrung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit: Durch moderate Lohnabschlüsse stiegen die deutschen Lohnstückkosten deutlich langsamer als im EU-Durchschnitt. Für andere EU-Staaten wirkte dies wie eine reale Abwertung Deutschlands. Partnerländer (wie Frankreich oder Italien) gerieten daher unter Druck, ebenfalls Löhne zu senken („Interne Abwertung“), um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein europaweiter Abwertungswettlauf (wie dieser) drückt das Preisniveau und erhöht das Risiko einer wirtschaftlichen Stagnation.
  • Bremse für die europäische Binnennachfrage: Niedrigere Reallöhne in Deutschland bedeuten weniger Kaufkraft für die deutschen Verbraucher. Deutschland importierte deutlich weniger Waren und Dienstleistungen aus anderen EU-Staaten als es dorthin exportierte. Den Partnerländern fehlte dadurch der deutsche Konsument als verlässlicher Wachstumsmotor.
  • Der Aufbau massiver Leistungsbilanzungleichgewichte: Die (deutschen) Überschüsse flossen als Kredite und Ersparnisse in die EU-Peripherie. Dies begünstigte die private und öffentliche Verschuldung in Ländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal vor der Eurokrise.
  • Die Lohnzurückhaltung hielt die Inflation in Deutschland oft unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank: Dies zwang die EZB über lange Zeiträume zu einer sehr expansiven Geldpolitik (zu extrem niedrigen Zinsen). Für boomende Länder in der EU-Peripherie waren diese Zinsen oft zu niedrig, was dort Immobilien- und Kreditblasen anheizte.“ (Ende der Zitierung)

Psychologie statt Erklärung

Betrachtet man, was KI über die deutsche Lohnzurückhaltung und über das von Deutschland initiierte Sparen des Staates sagt, so bedarf es keiner rasenden Intelligenz, um zu begreifen, was ich seit Jahren zu vermitteln suche: dass beides den Erfolg und Zusammenhalt der EU gefährdet.

Ich habe KI dennoch auch diese Frage gestellt: „Von Deutschland initiiertes Sparen des Staates und deutsche Lohnzurückhaltung gefährden Erfolg und Zusammenhalt der EU. Warum wird das in Deutschland nicht begriffen?“

Die Antwort von KI ist diesmal zwar nicht perfekt, als sie nicht zu erklären vermag, warum Deutschland der halben Welt, von der EU bis zu den USA, solche ökonomisch offenbar Unsinnigen Bürden beschert, aber sie ist aufschlussreich: sie führt voran durchwegs psychologische und ideologische Gründe für die deutsche Haltung aus:

„Die Debatte darüber, ob das deutsche Wirtschaftsmodell – geprägt von staatlicher Haushaltsdisziplin („Schwarze Null“/Schuldenbremse) und moderater Lohnentwicklung – der Europäischen Union schadet, ist ein zentraler Streitpunkt in der Wirtschaftspolitik. Dass diese Politik in Deutschland oft anders wahrgenommen wird als im Ausland, liegt an tief verwurzelten ökonomischen Überzeugungen, historischen Erfahrungen und institutionellen Rahmenbedingungen.

Kritiker (des deutschen Wirtschaftsmodels), internationale Ökonomen (z. B. des IWF) und europäische Partner argumentieren wie folgt: Deutschland exportiert weit mehr, als es importiert. Niedrige Löhne und staatliche Sparpolitik bremsen den Konsum im Inland. Andere EU-Länder können dadurch weniger nach Deutschland exportieren und verschulden sich. Die deutsche Infrastruktur leidet unter zu geringen staatlichen Investitionen.“

Dass Deutschland dennoch an diesem Kurs festhält, wird wie folgt begründet:

  • Die Hyperinflation der 1920er Jahre sitzt tief im kollektiven Gedächtnis. Geldwertstabilität hat in Deutschland (daher)oberste Priorität. Traditionell prägt die Politik der alten (einst dafür verantwortlichen) Bundesbank das Vertrauen in harte Währungen und solide Finanzen.
  • Leitbild deutscher Wirtschaftspolitik ist der Ordoliberalismus: Der Staat soll Rahmenbedingungen setzen, sich aber nicht einmischen. Schulden werden als Last für zukünftige Generationen gesehen. Dieses Prinzip ist seit 2009 als Schuldenbremse fest im Grundgesetz verankert.
  • (Deutschland ist mit dieser Politik gut gefahren): Um 2000 galt Deutschland als der „kranke Mann Europas“. Durch (die)Lohnzurückhaltung und Reformen (Hartz 4) der Agenda 2010 wurde das Land wieder wettbewerbsfähig. (Dieser)wirtschaftliche Erfolg wird direkt auf diese Disziplin zurückgeführt.
  • In Deutschland herrscht Tarifautonomie: Löhne in der freien Wirtschaft werden nicht von der Politik (sondern den Tarifpartnern) bestimmt. Auch deutsche Arbeitnehmervertreter (Gewerkschaften) agierten oft vorsichtig, um Arbeitsplätze zu sichern. Die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit steht bei Tarifrunden im Fokus.
  • Deutschland sieht sich als Vorbild: Aus deutscher Sicht müssen alle Staaten (vergleichbar) solide wirtschaften, um den Euro stabil zu halten.“ (Ende der Zitierung)

Nur ein scheiterndes Deutschland ändert sich

Erst an dieser Stelle kann ich als Journalist aktiv werden und auf die aktuelle Situation zu sprechen kommen, die KI zwangsläufig noch nicht so gut kennen kann: Deutschland scheint unter der aktuellen Regierung aus CDU-CSU und SPD mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil in keiner Weise von der bisherigen Politik abzugehen: Ihre größte Sorge gilt der Wettbewerbsfähigkeit, obwohl Deutschland nach wie vor gegenüber fast allen Ländern Leistungsbilanzüberschüsse hat und obwohl EU und Word Trade Organisation (WTO) dauernde Überschüsse für unzulässig halten. Und zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit wurde bisher voran billigeres Arbeiten in der Form längerer Arbeitszeiten diskutiert – also eine Verschärfung des angeführten Problems, statt seiner Linderung.

Nur dass das deutsche Exportmodell, wie die Rezession bereits zeigt, nicht mehr so recht funktioniert, kann ein deutsches Umdenken bewirken: Die USA wehren sich bekanntlich (ungeschickt) mit Zöllen, mittlerweile aber viel geschickter mit der Abwertung des Dollar gegen voran deutsche Überschüsse. Die EU-Partnerstaaten können die deutschen Überschüsse nicht mehr aufnehmen, weil sie per Strafe zum Sparen gezwungen sind und die deutsche Lohnzurückhaltung auch ihnen niedrige Löhne beschert hat. Und China ist beim wichtigsten Exportprodukt, dem Auto, zum übermächtigen Konkurrenten geworden.

Nur ein überall in der EU höheres Lohnniveau könnte die Kaufkraft schaffen, alle in der EU hergestellten Produkte – auch die deutschen- theoretisch selbst zu kaufen und damit in der Praxis die aktuellen Ungleichgewichte beseitigen.

Am Rand hat die deutsche Lohnzurückhaltung laut KI noch einen Nachteil, der sich langfristig als gravierend herausstellen könnte: Deutschland Produktivität bleibt zurück. Denn wenn Unternehmen dank niedriger Löhne lange hohe Gewinne erzielten, sinkt der Druck, sie dank größere Effizienz und Innovation zu erzielen – man verschläft dann zum Beispiel die E-Mobilität und muss wie VW jetzt Zehntausende entlassen.

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Der Wahnsinn der EZB-Politik

Die Europäische Zentralbank erhöht bekanntlich die Zinsen und würgt damit den Aufschwung ab. Der deutsche Top-Ökonom Heiner Flassbeck nennt das verrückt.

Ich habe in der Vorwoche begründet, warum ich es für verfehlt halte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) trotz nach wie vor relativ teurer Energie auch das Geld verteuert, indem sie die Zinsen erhöht. Der deutsche Top-Ökonom Heiner Flassbeck drückt sich weniger zurückhaltend aus: er nennt die Entscheidung der EZB „verrückt“. Denn tatsächlich erschwert es eine Erholung der europäischen Wirtschaft erheblich, bremst es doch jede Investition, was insbesondere die Bauwirtschaft sofort spürt.

Sinnvoll ist dieses Bremsen nur, wenn die Wirtschaft eines Währungsraums in einem überhitzten Ausmaß boomt, so dass die Gefahr extremer Lohnerhöhungen und damit kritischer Inflation besteht: Dann erhöht das Bremsen mittels höherer Zinsen die Arbeitslosigkeit und erschwert damit weitere Lohnerhöhungen. In der EU aber gibt es weit und breit keine überhitzt boomende Wirtschaft, sondern ganz im Gegenteil nur marginales Wachstum beziehungsweise in Deutschland sogar fortgesetzte Rezession, und das Lohnniveau ist dank der deutschen Lohnzurückhaltung nicht zu hoch, sondern im Gegenteil zu niedrig. Die aktuelle Inflation hat denn auch in keiner Weise eine überhitzte Konjunktur und überhöhte Löhne zur Ursache, sondern ist die zwingende Folge der Verteuerung von Öl, Gas und Düngemitteln, durch die lange Sperre der Straße von Hormus. In dieser Situation die Zinsen zu erhöhen, behindert eine allenfalls durch die wachsende Weltwirtschaft auch in Europa bewirkte Erholung und erhöht die Gefahr einer über Deutschland hinausreichenden Rezession.

Für Flassbeck   hat die verfehlte Reaktion der EZB zwei Ursachen: In seinen Augen hat die Präsidentin der EZB Christine Lagarde keine Ahnung von Geldpolitik und wird durch ähnlich ahnungslose deutsche Ratsmitglieder in ihrer Fehleinschätzung bestärkt. Weil deutsche Ökonomen und Ökonominnen aus rätselhaften Gründen als besonders kompetent gelten, führt das fast immer zu einer Mehrheit im EZB-Rat.

Es gibt aber auch einen grundsätzlichen Unterschied zwischen der EZB und der viel vernünftiger agierenden US-Notenbank FED. Die EZB ist ausschließlich der Verhinderung von Inflation verpflichtet. Eine schwache EZB -Präsidentin glaubt daher unbedingt handeln zu müssen, wenn Waren sich verteuern, auch wenn das auf der Verteuerung von Energie und nicht auf einer kritischen, sich selbsttätig verstärkenden Preis-Lohn-Spirale beruht. Die FED dagegen ist zwar auch zur Verhinderung kritischen Inflation verpflichtet, hat aber immer zugleich das gute Funktionieren der Wirtschaft in ihrer Gesamtheit im Auge zu behalten. Da zu einer insgesamt funktionierenden Wirtschaft immer auch Vollbeschäftigung gehört, zögert die FED sehr lang mit der Erhöhung der Zinsen, und greift zu diesem Mittel wirklich nur, wenn eine Überhitzung der Wirtschaft echte, sich selbsttätig verstärkende Inflation befürchten lässt. Sie hat daher derzeit, anders als die EZB, keine Zinserhöhung vorgenommen, obwohl die US-Wirtschaft einem Boom ungleich näher ist, als die Wirtschaft der EU.

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So profitiert der Iran von Trumps Krieg

Am Ende der Friedensverhandlungen in der Schweiz wird der Iran besser denn je dastehen. Verlustreicher als Donald Trump konnte man nicht kämpfen.

Obwohl die Friedensverhandlungen in der Schweiz eben erst begonnen haben, lässt sich mit Sicherheit vorhersagen, dass der Iran an ihrem Ende deutlich besser als vor Donald Trumps Krieg dastehen wird, den als weiteren „grandiosen Sieg“ zu feiern dem US-Präsidenten nur bei seinen blödesten Anhängern gelingen wird. Dass er selbst beim Treffen der G7 an die Gratulation der versammelten Staatschefs geglaubt hat, sagt alles über seinen Geisteszustand.

Begonnen hat Trump diesen Krieg bekanntlich mit dem Versprechen, dass der Bevölkerung des Iran „die Freiheit naht“- erreicht hat er, dass gestärkte Revolutionsgarden unter einem neuen obersten Mullah jeden Widerstand wie bisher im Keim ersticken.  Die Straße von Hormus, die vor dem Krieg offen war, wird vielleicht für 60 Tage wieder offen sein, danach wird der Iran mit Sicherheit Gebühren einheben. Das Uran, das anzureichern ihm viel schwerer gefallen wäre, wenn Trump das unter Barack Obama in Wien geschlossene Abkommen nicht als „katastrophal“ gekündigt hätte, darf im Iran verbleiben, soll dort aber unter Aufsicht der Wiener Atom-Behörde wieder in einen nicht atomwaffenfähigen Zustand zurückgeführt werden. Wie schon unter Obama wird der Iran sich verpflichten, keine Atomwaffenfähiges Uran herzustellen, und das wird so glaubwürdig und wahrscheinlich wie bisher sein. Vor allem aber wir der Iran die Sanktionen der Vereinten Nationen los sein, die es ihm bisher massiv erschwert haben, sein Öl und Gas zu exportieren und die das entscheidende Druckmittel gegen ihn gewesen sind. Und die Revolutionsgarden werden in Geld schwimmen, denn die bisher im Westen eingefrorenen iranischen Milliardenguthaben werden freigegeben und darüber hinaus hat Donald Trump unterschrieben, dass das Regime 300 Milliarden Dollar zum Zweck seines Wiederaufbaus erhält, die zu zahlen er offenbar die Golfstaaten zwingen will.

In Summe: Der Iran wird in wenigen Jahren wieder stark genug sein, seine „Proxis“ rund um Israel, von der Hisbollah über die Hamas bis zu den Huthis zu unterstützen. Trump wir das den neunten von ihm erzielten Frieden nennen. Aber es wird ihn hoffentlich doch die Midterm-Wahlen gekostet haben.

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Der denkbare Frieden in der Ukraine

Die Rüstungsindustrie der Ukraine als Game-Changer:  Ihre Drohnen haben das Momentum des Krieges verkehrt. Putin könnte einlenken müssen, um die Krim zu behalten.

Bereits vor einem Monat sah Eric Frey im Standard ein Fenster zu einem Frieden in der Ukraine. Seit der Tagung der G7 (USA, Japan, Kanada, Groß Britannien, Deutschland, Frankreich, Italien) in Evian les Bains sehe ich es ein gutes Stück weiter geöffnet. Denn Emanuel Macron und Friedrich Merz vermochten Donald Trump zu erklären, dass er den Irankrieg nicht vielleicht ohne jeden Sinn geführt, ja in Wahrheit verloren hätte, weil Mullahs und Revolutionsgarden an der Macht geblieben sind und die Straße von Hormus, die zuvor offen war, erst wieder geöffnet werden muss, sondern dass er ein wahres Genie sei, indem er diesen Krieg siegreich beendet und auch in dieser Region ein großartiges Abkommen für einen künftigen Frieden erzielt hätte. So viel absurde Schmeichelei und eine Einladung nach Versailles ließen den narzisstischen US-Präsident bekanntlich erklären, dass die USA sich wieder voll an den zwischenzeitlich gelockerten Sanktionen gegen Putins Russland beteiligen, um auch den Frieden in der Ukraine voranzutreiben.

Die Sanktionen bestehen bekanntlich einerseits darin, Handelspartnern wie etwa Indien, den Kauf von russischem Öl zu verbieten -Trump hat seinerzeit deshalb sogar Zölle gegen Indien verhängt – andererseits darin, Putins Öl -Schattenflotte ausfindig zu machen und ihre Schiffe aufzubringen. Wie ernsthaft die Beteiligung der USA diesmal ausfällt, ist noch offen, aber schmerzhaft ist der Beschluss der G7 für Wladimir Putin allemal. Denn trotz des weiterhin beträchtlichen Öl-Preises sind seine diesbezüglichen Einnahmen zuletzt gesunken, weil Russlands Raffinerien nach erfolgreichen ukrainischen Angriffen nicht mehr genug Treibstoff herstellen können

Denn – und das ist entscheidend für die erhöhten Chancen auf Frieden – das Momentum des Ukrainekrieges hat sich geändert: derzeit liegt die Ukraine vorne. Konnten russische Streitkräfte im Jahr 2025 noch durchschnittlich 13,2 Quadratkilometer pro Tag an Boden gewinnen, sank dieser Wert in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 auf 2,9 Quadratkilometer und im April 2026 verzeichnete Russland sogar einen Nettoverlust von 116 Quadratkilometern – die ersten nennenswerten Gebietsrückgewinne der Ukraine seit Mitte 2023. Gleichzeitig übersteigen die russischen Personalverluste seit Dezember 2025 kontinuierlich die Rekrutierungsrate. Allein im Januar 2026 betrug das Defizit rund 9.000 Soldaten.

Roboter ersetzen Truppen

Ursache dieses Wandels ist eine technische Transformation: Die Rüstungsindustrie der Ukraine entwickelt immer bessere autonome, unbemannte Waffensysteme, die Truppen ersetzen. Am Boden sind es unbemannte Fahrzeuge mit Geschützen, die sich ihren Weg freischießen, in der Luft sind es Drohnen, die immer größere Sprengladungen immer weiter ins Innere Russlands tragen und ihre Ziele dort mittels KI immer genauer treffen.

Wo einst westliche Waffenlieferungen die entscheidende Größe darstellten, produziert Kiew mittlerweile mit immer mehr brillanten Start-up-Unternehmen täglich bis zu 1.000 Abfang- und Angriffsdrohnen im eigenen Land. Die Jahresproduktion an Drohnen, die 2025 noch bei rund drei Millionen Systemen lag, wird 2026 auf über sieben Millionen anwachsen – langfristig plant das ukrainische Verteidigungsministerium eine Kapazität von 20 Millionen Drohnen pro Jahr. Die Ukrainer kämpfen nicht nur, sie erfinden und produzieren, auch um Europa abzusichern. Um so berechtigter ist es, dass die EU Beitrittsverhandlungen begonnen hat.

Denn Russland kann die Ukraine nicht mehr besiegen. So hat die Ukraine mit ihren, den russisch-iranischen Drohnen weit überlegenen Angriffsdrohnen mittlerweile rund 40 Prozent der russischen Raffinerie -Kapazität ausgeschaltet – daraus resultiert eine Treibstoffknappheit, die mittlerweile für Warteschlangen an russischen Tankstellen sorgt, wenn die Versorgung der Armee nicht gefährdet werden soll. Vor allem aber scheint die Ukraine mittlerweile auch in der Lage, den Nachschub an Nahrungsmitteln, Munition und Waffen an die russischen Truppen zu torpedieren: Es ist denkbar, dass Russland seine Truppen auf der Krim demnächst nicht mehr versorgen kann. Damit liefe Putin sogar Gefahr, seine wertvollste Beute zu verlieren. Er lebt wie Donald Trump in einer alternativen Welt, wenn er meint, die gesamten annektierten Gebiete behalten zu können und den Juden Wolodymyr Selenskyj im Wege der „Entnazifizierung“ aus der Regierung entfernen zu können.

Wenn wie in den letzten Monaten weitergekämpft wird, so meinen immer mehr der ursprünglich pessimistischen Militäranalysten, gewänne die Ukraine diesen Krieg. Nur dass Putin, ehe das passierte, vermutlich doch taktische Atomwaffen einsetzte. Er ist brutal genug, dieses Tabu zu brechen, denn die USA haben Russland für diesen Fall leider nie vorsorglich die totale Vernichtung als Gegenzug angedroht. Dennoch stehen die Chancen für ein Friedensabkommen besser denn je: Putin wird die Krim auf keinen Fall verlieren wollen – der „Westen“ wird ihn auf keinen Fall in die Lage bringen wollen, zu taktischen Atomwaffen zu greifen. Das sollte einen Kompromiss ermöglichen, bei dem die Ukraine nur die Krim für immer und sicher nicht den gesamten Donbas abgibt.

 

 

 

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Die als Sieg zu verkaufende Niederlage

Das lange erwartete Friedenabkommen der USA mit dem Iran scheint endlich fix. Donald Trump muss und wird seine Niederlage als „größten Sieg“ verkaufen.

Gerade noch rechtzeitig zu seinem achtzigsten Geburtstag, den Donald Trump wie Kaiser Nero mit Gladiatorenkämpfen, wenn auch in einem Käfig feiert, ist es endlich zu dem ewig angekündigten, immer wieder hinausgeschobenen Friedensvertrag gekommen. Er war unausweichlich, weil sowohl der Iran wie die USA unter der Sperre der Straße von Hormus gelitten haben: Der Iran hat kaum mehr etwas eingenommen – für die USA hat sich Öl verteuert und haben die entsendeten Streitkräfte täglich 900 Millionen Dollar gekostet.

Insbesondere Donald Trump musste den in den USA denkbar unpopulären Krieg noch vor den Midterm-Wahlen loswerden. Entsprechend schlecht werden die Bedingungen ausfallen: Nur sein angereichertes Uran dürft dem Iran nicht weiter zur Verfügung stehen.

Donald Trump wird das dennoch als den größten Sieg aller Zeiten feiern – man kann nur hoffen, dass er die Midterm- Wahlen trotzdem verliert.

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Orban ist weg, Ungarns Misere lang nicht

Korruption ist nur Ungarns augenfälligstes Problem. Die viel größere Herausforderung für den neuen Staatschef Péter Magyar ist Ungarns mangelnde Wettbewerbsfähigkeit.

Viktor Orbans Wahldebakel zählt zu den raren positiven politischen Veränderungen der Gegenwart, denn es stärkt die EU erheblich. Ich gehe davon aus, dass sich auch Ungarns Verhältnis zu Österreich trotz des burgenländischen Asbest-Schotter erheblich verbessern wird.

Die augenfälligste Ursache für Orbans Verluste war zweifellos die extreme Korruption in seiner engsten Umgebung. Aber die gab und gibt es auch in der engsten Umgebung Donald Trumps – ohne vergleichbare Folgen. Denn die USA funktionieren trotz Korruption ökonomisch blendend. Ungarn hingegen wurde unter Orban bei blühender Korruption heruntergewirtschaftet. Irgendwann hat diese Kombination Orban trotz gelenkter Propaganda und eines, die stärkste Partei massiv fördernden Wahlrechts die Mehrheit gekostet und Péter Magyars Partei TISZA eine Zweidrittelmehrheit beschert. Er wird sie nachhaltig nutzen müssen, damit der ungarische Frühling nicht vergeht. Denn Ungarns wirtschaftliche Probleme sind tiefgreifend und hängen nicht nur mit Orban, sondern mit Schwierigkeiten zusammen, denen alle armen Länder mit ihrem Beitritt zur EU ausgesetzt sind.

Mit der ersten dieser Schwierigkeiten war schon Orban konfrontiert, und dass er sie meisterte, war Ursache seiner anfangs großen Beliebtheit: Westeuropas Banken, die durch die Grundfreiheiten der EU im ex-kommunistischen Osteuropa agieren konnten, nutzten die wirtschaftliche Unerfahrenheit der Bevölkerung, indem sie ihr massenweise Franken-Kredite verkauften, ohne aufs zugehörige Risiko hinzuweisen. Als der Franken aufwertete, gerieten Abertausende Ungarn prompt in größte finanzielle Bedrängnis. Orban erlöste sie, indem er die Banken erfolgreich zwang, die Frankenkredite zu ihren Lasten zu verbilligen.

 Der Glaube an Milch und Honig

Andere Probleme, die so gut wie alle armen Staaten erleben, die neu zur EU kommen, habe ich in Spanien erlebt: Die Menschen waren der Meinung, von nun an fließe Milch und Honig. Alle Waren verteuerten sich sofort, schon weil hohe Peseten-Preise in Euro soviel niedriger scheinen und kleine Preise selbst in Cent nicht darstellbar sind, so dass sie stets aufgerundet werden. (Auch in Österreich war der Euro deshalb ein Teuro.)

Aber vor allem hatten die Spanier gleichzeitig das Gefühl, sie müssten sofort weit höhere Löhne bekommen. Sie glaubten mir nicht, als ich ihnen sagte, unsere Gehälter wären zwar deutlich, nicht aber so dramatisch höher als die ihren. Jedenfalls setzten die spanischen Gewerkschaften damals Lohnerhöhungen durch, die deutlich über Spaniens dürftiger Produktivität lagen.

Noch massiver, manchmal zweistellig, stiegen mit dem EU-Beitritt die Löhne in ex-kommunistischen Ländern, obwohl sie deren Produktivität noch viel weniger entsprachen.

Ausgehalten haben das nur westeuropäische Unternehmen, die sich neu in diesen Ländern angesiedelt haben und für die ein relativ überhöhter bulgarischer, kroatischer, ungarischer Lohn, absolut gesehen, immer noch ein niedriger Lohn war. Für die die Mehrzahl der einheimischen Betriebe waren die Löhne angesichts der geringen Produktivität aber viel zu hoch und waren und sind daher ein gewaltiges Problem, das gelegentlich absurde Blüten treibt: In Rumänien stellen Betriebe asiatische Gastarbeiter ein, weil die billig genug sind. Nur Polen hat dieses Problem, vermutlich dank vergleichsweise erfahrener Gewerkschaft, halbwegs gelöst – in Ungarn oder Bulgarien ist es aufgebrochen, in Kroatien wird es demnächst aufbrechen, obwohl hohe Fremdenverkehrseinnahmen es dort nicht nur wie in Spanien lindern, sondern vorerst verdecken.

Auch Zuschüsse der EU, wie Viktor Orban sie dank des Zwanges zur Einstimmigkeit gelegentlich zu erpressen vermochte, haben zur Verschleierung solcher gravierender Unternehmensprobleme beigetragen.

Magyars extrem schwere Aufgabe

Péter Magyar steht damit vor einer denkbar diffizilen Aufgabe: er muss seiner Bevölkerung klar machen, dass es ihr trotz des zweifellos verbesserten Verhältnisses zur EU und der Freigabe einbehaltener Gelder finanziell noch lange nicht besser gehen kann, weil die Löhne keinesfalls steigen dürfen. Leider plant er, wie Kroatien, so bald wie möglich, den Euro zu übernehmen und wird darin – leider – von der EU bestärkt, obwohl er sich damit des wirksamsten Mittels zur Verbesserung der ungarischen Wettbewerbsfähigkeit begibt: einer Abwertung des Forint.

Dabei ist diese Aufgabe ohnehin schwer genug: Spekulanten nehmen nämlich (voran in Deutschland) billiges Geld auf und legen es in armen Ländern, die wie Ungarn hohe Zinsen zahlen müssen, gewinnbringend an. Dieser sogenannte „Carrytrade“ wertet den Forint auf, statt ihn abzuwerten. Nur gegen den „Carrytrade“ hätte die sonst so nachteilige Übernahme des Euro freilich geschützt.

Magyar muss also zwischen Szilla und Charybdis manövrieren: Senkt er die Zinsen deutlich, um Carrytrade unattraktiv zu machen und den Forint abzuwerten, so kann die Abwertung einen Inflationsschub auslösen, der die Forderungen nach Lohnerhöhungen befeuert, die er unbedingt vermeiden muss.

Es muss ihm also gelingen, dass sich Gewerkschaft und Arbeitgeber bei Übernahme des Euro einigen, die Nominallöhne so anzupassen, dass Ungarn wieder wettbewerbsfähig ist. Dazu aber brauchen alle Beteiligten – voran die Arbeitnehmer – viel ökonomische Einsicht, denn es kann vorerst sinkende Nominallöhne bedeuten.

 

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Songcontest, „Genozid“ und „Antiimperialismus“

Die „Antiimperialistische Koordination“ demonstrierte lautstark gegen Israel. Wofür steht sie sonst? Wie verantwortet man „Genozid“?

Wien hat den 70. Songcontest heil überstanden. Der von „ÖSTERREICH“ befürchtete „Terroralarm“ ist ausgeblieben. Nur Wiens linke Szene hat bis zuletzt in einer größeren Demonstration, deren Teilnehmerzahl nicht bekanntgegeben wurde, weil sie unter den Erwartungen blieb, klargemacht, wie sehr sie auf der Seite der Palästinenser steht und wie empört sie ist, dass die Veranstaltung einem Künstler aus Israel eine internationale Bühne bot.

Willi Langthaler, Sprecher der „Antiimperialistischen Koordination“ (AIK), die die Demonstrationen  koordinierte, musste verblüfft sein, dass ausgerechnet das Public Voting dafür sorgte, dass der Israeli Noam Betta hinter der Bulgarin Daria (eigentlich Darina Nikolaeva Yotova,) den zweiten Platz erreichte: Offenbar wusste das internationale Publikum zwischen einem Künstler und der Regierung seines Landes zu unterscheiden.

Ich hielte für vorteilhaft, wenn diese Unterscheidung sich durchsetzte. Weil ich fast lieber Tenniskonkurrenzen als den Songcontest sehe, irritiert mich jedes Mal, dass die ukrainischen Teilnehmer ihren Konkurrenten nach dem Match nicht die Hand geben, so sehr ich verstehe, dass man Russland aus Sportverbänden ausschließt. Vor allem die besonders guten ukrainischen Spielerinnen könnten ihre Prominenz viel besser nutzen, indem sie in ein Mikrofon sagten: „Mein Handschlag gilt meiner fairen Gegnerin, nicht aber Wladimir Putins Russland, das mein Land überfallen hat.“

Der „Antiimperialistischen Koordination“, einem Zusammenschluss linker Gruppen, den es auch in Deutschland und Italien gibt, liegt Differenzierung freilich fern. Schon am Sonntag vor dem Contest hatte sie mit Trillerpfeifen, Megafon und „Free Palestine“- Rufen, Ansprachen von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger und Bürgermeister Michael Ludwig zum Europatag in Lärm erstickt und der Regierung vorgeworfen, Mitschuld am „Genozid im Gazastreifen“ zu tragen. Michael Ludwig hatte vergeblich erklärt, dass man in Wien nicht so miteinander umgehe und „Toleranz“ eingefordert. Die könne es bei „Genozid“ nicht geben, argumentierten die Demonstranten.

Ich teile zwar diese Ansicht, nur sehe ich den konkreten Fall völlig anders, obwohl auch ich geschätzte 50.000 Tote im Gazastreifen für eine humanitäre Katstrophe halte.

Das unvermeidliche Gemetzel

Weil mir auf Grund meiner Familiengeschichte ursprünglich eine Laufbahn als Berufsoffizier vorschwebte (Österreich sollte sich nie mehr ohne Widerstand einem Diktator ergeben), befasse ich mich bis heute eingehend mit dem Verlauf von Kriegen. Der zeigt, dass Kampf in Städten unweigerlich in Gemetzel mündet. Daher habe ich nach dem 7. Oktober im Falter dafür plädiert, dass Israel auf eine Bodenoffensive verzichten und nur einen einzelnen massiven Luftschlag führen möge, um der begreiflichen Wut der Bevölkerung über das Hamas-Massaker ein Ventil zu schaffen. Danach möge man ein technisch bereits entwickeltes System zum billigen Abfangen kleiner Raketen, wie Palästinenser sie in Gaza ständig basteln, um sie auf Israel abzufeuern, landesweit dislozieren und auf Verhandlungen setzen.

Schon während ich diesen Vorschlag niederschrieb, wurde mir allerdings klar, wie sinnlos er war: Man kann so viel Zurückhaltung nach dem größten Pogrom seit dem Holocaust von der Bevölkerung nicht erwarten; die (hoffentlich demnächst abgewählte) ultra-rechte Regierung Benjamin Netanjahus ist die letzte, für die dergleichen in Frage kam; die Geiseln wären nicht freigekommen und die Hamas hätte sich als Sieger gesehen und den nächsten Überfall vorbereitet.

Mir war schon tags darauf klar, dass Israel einen anderen Weg beschreiten würde: versuchen, der Hamas ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Das aber geht bei einer Stadt, unter der rund 700 Kilometer Tunnels verlaufen, in denen sich die Kämpfer bewegen und verschanzen können, nur, indem man diese Stadt fast flächendeckend bombardiert, denn seitens der Armee in einen Tunnel einzudringen bedeutete, das ein Mann nach dem anderen aus dem Hinterhalt abgeknallt worden wäre.

Es  ist es ein unbestritten schwerstes Kriegsverbrechen, das eigene Militär und seine Einrichtungen mit einem Schutzschild von Zivilisten zu umgeben – und genau das hat die Hamas im Gazastreifen auf beispiellose Weise getan: Indem sie solche militärische Zellen in Tunnels unter fast allen Wohnhäusern und mit Vorliebe unter Spitälern, Schulen und Kindergärten unterhalten hat, hat sie den Tod zigtausender Zivilisten, darunter voran Kranke und Kinder, im Fall einer militärischen Auseinandersetzung unvermeidlich heraufbeschworen. Ohne ihr kriegsverbrecherisches Verhalten gäbe es keine fünfzigtausend Toten.

Kaum Medikamente, zu wenig Nahrung

Wenn die Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag bei dem dort erwogenen Strafverfahren die Bestimmungen über Kriegsverbrechen in Anwendung bringen und militärische Sachverständige beiziehen, müssten sie Israel – unter zweifellos wilden internationalen Protesten – vom Vorwurf des Genozids freisprechen. Denkbar hingegen ist eine Verurteilung Israels, weil es die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung und Medikamenten offenkundig nicht sichergestellt und vielleicht sogar erschwert hat. Auch dann wird man einem allfälligen solchen Verbrechen seitens israelischer Dienststellen allerdings die Vergewaltigungen und brutalen Morde gegenüberstellen müssen, die die Hamas bei ihrem Überfall auf Israel an einer unbewaffneten Zivilbevölkerung verübt hat.

Eine solche Gegenüberstellung und Abwägung vorzunehmen ist den Demonstranten der AIK allerdings denkbar ferngelegen. Denn die „Antikapitalistische Koordination“ ist ein im August 2000 während der zweiten Intifada in Österreich, Italien und Deutschland entstandener Zusammenschluss von Gruppen, die meinen, ein ideales, weil populäres Betätigungsfeld gefunden zu haben, indem sie sich ohne Wenn und Aber solidarisch mit Palästinensern zeigen.

Wo sonst steht die AIK?

Welch Geistes die AIK ganz allgemein ist, lässt sich aus ihren programmatischen Äußerungen ablesen: „Wir unterstützen den Widerstand der Unterdrückten gegen Ausbeutung, Krieg und Besatzung“, heißt es vorerst unverfänglich in einer Einladung zur Mitarbeit. Um schon gegenüber der EU um einiges einseitiger fortzusetzen: „In den kapitalistischen Zentren setzen wir uns unter anderem mit der Tendenz des Kulturchauvinismus gegen Muslime auseinander und protestieren gegen die EU der Generäle und Konzerne“. Dann aber wird die eigentliche Stoßrichtung klar: „Nato und EU stehen in der Ukraine nicht nur an der Seite der rechtsnationalistischen Kräfte, sondern die österreichischen Regierungen folgen auch deren aggressiver Haltung gegenüber Russland, die so einen bedrohlichen globalen Zusammenstoß heraufbeschwören. Es ist kein Zufall, dass der Ausgangspunkt des Konflikts ein Freihandelsvertrag mit der EU war, der die Geschäftsbeziehungen zu Russland, von der vor allem der ukrainische Osten lebte, schwer behindert.“ Und als Höhepunkt: „Schluss mit dem Krieg gegen den Donbass!“, aber nicht vielleicht durch den Rückzug Russlands, sondern „durch Zurückdrängen der Nazi-Milizen, die nur durch Unterstützung der Regierung und Duldung des Westens die Straßen beherrschen können“

Wie Herbert Kickl zählt Willi Langthaler zur fünften Kolonne Wladimir Putins.

PS: Mit leisem  Stolz vermerke ich, dass mein Sohn Oliver seitens des ORF hauptverantwortlich für die Organisation war.

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Trumps segenreicher Streit mit Leo XIV

Trumps Streit mit dem Papst lässt ihn hoffentlich die Midterm-Wahlen verlieren und zwingt Militär-Aktionen präziser zu überdenken: Venezuela und Kuba sind nicht Iran.

Für die Demokratie der USA wäre es ein beträchtlicherer Schaden gewesen, wenn es dem katholischen Außenminister der USA Marco Rubio bei seiner jüngsten Audienz bei Papst Leo XIV gelungen wäre, die Differenzen zwischen Donald Trump und dem Oberhaupt der katholischen Kirche abzubauen. Denn diese Differenzen tragen wesentlich dazu bei, dass Trump bei den Midterm-Wahlen hoffentlich eine Niederlage erleidet.

Er meinte bekanntlich „auf der fifth avenue jemanden erschießen zu können“, ohne an Zustimmung zu verlieren, aber den Papst zu kritisieren, kostet ihn nicht nur unter katholischen, sondern unter allen christlichen US-Wählern Stimmen.

Dabei ist Trumps Kritik ausnahmsweise nicht völlig unberechtigt: Dass der Papst grundsätzlich für Frieden ist, hat er mit jedem Menschen, der diese Bezeichnung verdient, gemein – aber Krieg gegen das herrschende Regime Venezuelas, Kubas oder des Iran ist von Krieg gegen die Bevölkerung dieser Länder zu unterscheiden. Die Kritik des Papstes an Trumps Irankrieg war nur berechtigt, sofern der Vorwurf lautete: dieser Krieg war schlecht vorbereitet; Trump hat nicht bedacht, dass er zwingend Bodentruppen brauchte, um die Bevölkerung von der mörderischen Tyrannei des Mullah-Regimes zu befreien; stattdessen hat sein Bombardement nur geschätzte zehntausend Iraner umgebracht und der Welt eine Ölkrise beschert, ohne die Chance auf einen Umsturz herbeizuführen.

Venezuela und Kuba sind nicht der Iran

Wirklich problematisch ist die Kritik des Papstes an Trumps militärischem Eingreifen in Venezuela und seinem offenbar geplanten Eingreifen in Kuba. Die Militäraktion zur Entführung Nicolas Maduros hat 100 venezolanische Sicherheitskräfte das Leben gekostet – der in Venezuela endemische Hunger kostet mit Sicherheit jedes Jahr über 100 Opfer. Ein Chaos wie seinerzeit im Irak hat Trump vermieden, indem die Stellvertreterin Maduros, Celia Rodriguez, von vornherein als neue Regierungschefin feststand, und auch wenn sie keine Demokratin ist, hat sie politische Häftlinge immerhin amnestiert. Dass es Trump vermutlich um Venezuelas weltgrößte Ölreserven ging, ändert nichts daran, dass die Konzessionen, die US-Konzerne nun erhielten, für die Investitionen sorgen, die notwendig sind, die unter Maduro völlig verrotteten Ölförderanlagen zu sanieren und damit Arbeitsplätze und Einkommen zu schaffen. Es ist zwar ungewiss, ob Venezuela wieder zu dem Wohlstand zurückfinden wird, den es schon einmal besaß, aber dass es der Bevölkerung in Zukunft ungleich besser als bisher gehen wird, steht außer Zweifel. Trumps Eingreifen war daher ein Segen und ein funktionierender UN-Sicherheitsrat hätte ihm als humaner Intervention zustimmen müssen – nur kann es mit Russlands Vetorecht keinen funktionierenden Sicherheitsrat geben.

Gefängnis unter Palmen

Ähnliches gilt für Trumps offenbar geplantes Eingreifen in Kuba. Auch dort haben Jahrzehnte kommunistischer Diktatur das Land völlig verarmen lassen. Seit die russische Hilfe restlos versiegt ist, ist es nachts völlig finster: Es gibt nicht einmal mehr den Treibstoff, um Strom- Generatoren zu betreiben.

Aber das Land ist nicht nur arm, es ist auch ein Gefängnis. Wenn man wie ich zum Teil in Spanien lebt, lernt man unweigerlich Kubaner kennen, die einem erzählen, warum sie geflohen sind. Ein 17- Jähriger verbarg sich einen Monat unter der Zuckerlieferung eines Frachtschiffs, das nach Helsinki fuhr, um seinem Elend zu entgehen. Ein anderer, Mitglied eines Volleyball-Teams, sprang bei einem Match in Italien ab, um auf den Dächern von Eisenbahnzügen ohne Fahrkarten nach Spanien zu gelangen. Seine Mutter, eine Opernsängerin, sprang bei einem Gastspiel von Borgy and Bess in Graz ab, um ihm zu folgen. Beide waren Privilegierte des kubanischen Regimes – ihnen fehlte nicht Nahrung, sondern Freiheit. Ein vierter meiner kubanischen Freunde, dessen Familie einen Bauernhof besessen hatte, wurde mit seinen Eltern enteignet und in Centro Havana in einer Wohnung einquartiert. Er kam nach Spanien, weil eine Frau ihn freikaufte.

Der Polizeistaat

Als ich 2006 mit ihm in Havanna war, wurden wir alle paar Minuten von der Polizei angehalten, denn da er schwarz ist, hielt man ihn für einen Einheimischen und denen war der Kontakt mit Menschen, die wie ich sofort als Ausländer erkennbar waren, verboten. Nur indem er seinen spanischen Pass zeigte, konnten wir weitergehen. So kam ich auch in die Wohnung seiner Mutter, in die die Familie nach Verlust ihres Bauernhofes eingewiesen worden war: Wenn es regnete, floss das Wasser dort beim Dach herein und beim Haustor hinaus. Zwar wurde die Altstadt (Vieja Havana), seit sie 1982 „Weltkulturerbe“ wurde, saniert, aber der durchaus prächtige Rest der Stadt verkam wie fast alles. Das Einzige, was in Kuba noch immer besser als in den umliegenden Ländern funktioniert, ist die Ausbildung von Ärzten – aber davon kann man als Gesunder nicht leben.

Che Guevara als Mörder

Die Verklärung, die das Castro- Regime zur Linken nach wie vor erfährt, ist verfehlt. Zu meinen Freunden in Spanien zählte auch der amerikanische Spitzenjournalist John Lee Anderson, der lange in Kuba gelebt und das Standardbuch „Che“ zur kubanischen Revolution verfasst hat. Es ist aus vielen Gründen lesenswert, aber ein wesentlicher ist, Che Guevara genauer kennenzulernen: Als Kommandant einer Kampfgruppe ordnete er an, einen Angehörigen seines Trupps, der sein Gewehr versehentlich nicht sofort bei der Hand hatte, auf der Stelle zu erschießen. Als die Kameraden sich weigerten, den langjährigen Kampfgefährten zu töten, zog er den Revolver und tat es selbst. Nachdem das Buch veröffentlicht wurde, meldeten sich bei Anderson mehrere Guerilleros, die von ähnlichen Vorfällen mit dem Arzt Guevara berichteten: Er hätte ein perverses Verhältnis zum Töten gehabt. Nur weil man in Europa so wenig von Kuba weiß, hängt ein Konterfei Guevaras in Millionen Haushalten und prangt auf Millionen T- Shirts.

Ein Land als Bordell

Was Anderson am meisten an dem Land erschüttert, das er lieb gewonnen hat und von dem er sagt, nirgendwo anders gäbe es bessere Liebhaber und Liebhaberinnen, ist der Umstand, dass es heute zu einem einzigen Bordell geworden ist: Sextourismus ist Kubas wichtigste Einnahmequelle – und wird es ohne Strom bald auch nicht mehr sein.

Es wird keine große Militäraktion mit hohem Blutzoll brauchen, um das herrschende Regime zu stürzen, denn die Bevölkerung wird darüber heilfroh sein.

Kuba, wieder von den USA beherrscht, wird vermutlich wieder Bordelle, Spielcasinos und Golfplätze haben, aber als Polizeistaat von der Prostitution leben müssen, wird es nicht mehr.

Wenn der Papst über Venezuela und Kuba spricht, sollte er seine Worte daher auf die Goldwaage legen und wird sehr viel ausführlicher sein müssen, um Missverständnisse zu vermeiden.

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Die EU braucht Energie-Unabhängigkeit

Bestes Mittel zu Energie-Unabhängigkeit ist alternative Energie. Nur totale Abhängigkeit von Russland gegen totale Abhängigkeit von den USA zu tauschen, schafft Probleme.

„Europa sichert die Kontrolle über seine Energieversorgung und stärkt seine Autonomie“, erklärte im Februar die Präsidentin des EU-Parlaments, Roberta Metsola, anlässlich des Beschlusses des vollständigen Importverbots für russisches Gas, das zum Jahresende in Kraft treten soll. Dieser Optimismus ist heute um so weniger am Platz, als fossile Energie durch den Irankrieg auf Jahre hinaus noch teurer geworden ist und der Spar-Wahn der EU gleichzeitig den besten Weg zu genügend preiswerter Energie – maximale Investitionen in die Erschließung alternativer Energiequellen – grundsätzlich erschwert, obwohl sie auch den Klimawandel bremsten.

Die billigste alternative Energie wird derzeit zweifellos mit Solarpanelen und Windrädern erzeugt – die Weigerung vieler Bundesländer, Windräder aufzustellen verstößt nicht nur gegen die Fairness, sondern auch gegen die Vernunft. Es gibt freilich Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst und man dennoch viel Energie braucht. Die wenigstens mit Gas- und nicht mit Kohlekraftwerken herzustellen, ist im Kampf gegen den Klimawandel immer noch ein Fortschritt. Das aber kann – so wenig man das in Österreich hören will – sehr wohl auch Atomenergie sein. Die großen Unfälle, die Kernenergie derart desavouiert haben -Tschernobyl und Fukushima – wurden in Tschernobyl durch schwere Bedienungsfehler der Belegschaft, in Fukushima durch ein Erdbeben im Meer ausgelöst, das das Kraftwerk überschwemmte, auch wenn beides bei anderen als Kernkraftwerken kaum so schlimm gewesen wäre. Dennoch soll man nicht vergessen, dass der größte Unfall durch Wasserkraftwerke – der Bruch des Banqiao-Staudamms und weiterer Dämme in der chinesischen Provinz Henan 1975 mindestens 171.000 Menschen das Leben gekostet hat – in Fukushima kamen, Ertrunkene eingerechnet, rund 20.000 Menschen um. Auch die gestiegene Krebshäufigkeit einrechnet, stieg diese Zahl dank der raschen Evakuierung nur wenig.

Inzwischen sind neu konzipierte kleine Atomkraftwerke vermutlich sicherer und billiger und kann man das Strahlen des Atommülls durch Beschuss mit Elektronen von 1.000 auf 100 Jahre verringern. Es kann dennoch billiger sein, voran Methoden zum Speichern von Solarenergie zu forcieren, um sie auch zur Verfügung zu haben, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst – aber man sollte die Entscheidung darüber nicht Emotionen, sondern dem Markt überlassen.

Gleichgültig wie sie ausgeht, werden Länder, die nicht wie Österreich viel Wasserkraftwerke besitzen, noch lange von fossiler Energie abhängen. Die wurde früher fast nur über Pipelines aus Russland bezogen – heute stammen in Europa rund 60 Prozent als Flüssiggasimporte (LNG) aus den USA, weil wir Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht finanzieren wollen. Aber US-LNG ist deutlich teurer als russisches Gas und preislich viel volatiler. Während Pipelinegas in der Regel über langfristige Verträge mit kalkulierbaren Preisen geliefert wurde – orientiert sich LNG an globalen Spotmärkten. Die Preise reagieren sensibel auf Nachfrageschwankungen, Wetterereignisse und geopolitische Schocks: Während Brüssel die neu gewonnene „Energieautonomie“ pries, stieg der US-LNG-Preis innerhalb einer Woche wegen extremer Kälte gestiegener US-Nachfrage, eingefrorener Leitungen und Lieferausfällen um 70 Prozent.

Bereits in den vergangenen Jahren haben hohe Energiepreise die Wettbewerbsfähigkeit vieler europäischer Industrien geschwächt. Besonders betroffen war auch Österreich, mit seiner energieintensiven Stahl- und Aluminiumindustrie, obwohl insbesondere die VOEST damit auf technologisch beachtliche Weise fertig geworden ist. Dennoch bleibt der völlige Ersatz billigen russischen Gases durch teures LNG aus den USA ein Problem: Man muss, so meine ich, darüber nachdenken, ob man der eigenen Wirtschaft dadurch nicht mehr als der russischen schadet.

Über Jahrzehnte hinweg lieferte die Sowjetunion, später Russland, selbst in Phasen schwerer politischer Spannung Energie nach Europa. Auch nach Beginn des Ukrainekriegs erklärte Moskau wiederholt, eine Wiederaufnahme von Lieferungen liege in der Hand der EU. Dagegen verfügen die USA über eine lange Tradition, Energiepolitik mit strategischen Zielen zu verknüpfen und unter Donald Trump wurde „US-Energiedominanz“ ausdrücklich als Teil der nationalen Sicherheitsstrategie definiert. 2025 etwa nutzte die US-Regierung die Drohung mit Zöllen, um die EU zum Kauf von US- LNG, Öl und Nukleartechnik im Wert von 750 Milliarden Dollar zu verpflichten – im Gegenzug würden die USA auf Strafzölle verzichten. Dass die EU diese Verpflichtung kaum einhalten muss, ändert nichts an der Problematik ihres Zustandekommens. Ich glaube, man muss darüber nachdenken, ob man die Abhängigkeit von billiger russischer Energie- wirklich so völlig durch die Abhängigkeit von teurer US-Energie ersetzen soll, statt dieses Verhältnis mit Bedacht und Vorsicht auszutarieren.

Die mit Abstand beste Engie-Autonomie bleibt – siehe oben – die möglichst große Investition in „grüne“ Energie. Genau die wollen die USA verhindern: Vor wenigen Monaten forderten US- Energieminister Cris Wright gemeinsam mit seinem katarischen Amtskollegen Saad Sherida Al-Kaabi, dass die EU ihre Klima- und Umweltauflagen aussetzen möge, um fossile Energieimporte aus den USA und der Golf-Region zu erleichtern. Beider Druckmittel:  Europas Abhängigkeit von LNG.

 

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Die vielen Verlierer des Iran-Krieges

Europas Wirtschaft leidet unter der verteuerten Energie. Irans Bevölkerung leidet weiter unter den Mullahs. Trump hat Prestige verloren. Nur Israel ist vorerst sicherer.

Die meisten Beobachter haben die vereinbarte 14-tägige Waffenruhe für höchst brüchig gehalten – ich war und bin fast sicher, dass sie hält und in eine Vereinbarung mündet. Denn für die Mullahs ist es ein Erfolg weiter an der Macht zu sein und sich als eigentliche Sieger in der Auseinandersetzung mit der stärksten Armee der Welt zu fühlen.

Aber auch Donald Trump ist heilfroh, den Kriegsschauplatz zu verlassen, nachdem er angeblich einen „totalen Sieg“ errungen hat. Denn im Stillen dürft ihm klar sein, dass er sich angesichts des Blitzerfolgs in Venezuela völlig verkalkuliert hat, als er annahm, auch im Iran würden wüste Drohungen und auftauchende Flugzeugträger einen Blitzsieg bescheren. Die Ignoranz und Selbstüberschätzung, mit der er die auf den Iran spezialisierte Geheimdienst-Abteilung aufgelöst und Warnungen seiner Militärs in den Wind geschlagen hat, rächte sich indem erkennen musste, dass der Iran militärisch ungleich stärker war, als er angenommen hat.

Zwar hat ihn der Krieg bisher wenig tote US-Soldaten gekostet- die geglückte Rettungsaktion für den zweiten Piloten eines abgeschossenen Kampfjets war tatsächlich ein „Gottesgeschenk“ (Trump-Bewunderer) -aber mit jedem Tag, den der Krieg länger dauert, muss er höhere Verluste befürchten. Dass jeder Kriegstag eine Milliarde Dollar kostete, war ein weiteres Problem, auch wenn ein Teil dieses Geldes durch den erhöhten Ölpreis wieder hereinkam. Trumps Hauptproblem aber war und ist die auch in den USA weiter gestiegene Inflation, die eine Gallone Benzin mehr als 4 Dollar kosten lässt: die Erfahrung lehrt, dass mit diesem an jeder Tankstelle sichtbaren Preis keine Wahl zu gewinnen ist. Fast so gewichtig ist, dass Trump seinen engsten Anhängern versprochen hat, keinen Krieg zu führen, so dass auch ein Gutteil der MAGA- Bewegung ihm den Iran- Krieg übelnimmt. Zusammen mit den wüsten Einsätzen der ICE- Truppen hat das Trumps Umfragewerte auf den tiefsten Wert seiner Amtszeit gedrückt.

Der vorläufige Abbruch der Verhandlungen mit dem Iran in Pakistan wird an dieser Konstellation so wenig ändern, wie Trumps Beschluss, die Passage der Straße von Homus nun auch Seitens der USA zu kontrollieren: Nur indem er den Irankrieg schnellstens beendet, hat er noch eine vage Chance, die Midterm- Wahlen zu überstehen. Eher glaube ich, dass er sie verlöre und wenn er das ähnlich sieht, wird er alles tun, sie zu vermeiden: vielleicht indem er mittels weiterer ICE- Einsätze bürgerkriegsähnliche Zustände herbeizuführt, um dann zu erklären, dass sie das Abhalten von Wahlen ausschließen.

Anders als die USA profitiert Israel erheblich von diesem Krieg: Der Iran ist durch das Bombardement, das das Gros seiner Abschussrampen und Raketenproduktionsstätten, aber auch viele andere Produktionsanlagen und viel Infrastruktur zerstört hat, militärisch und wirtschaftlich doch erheblich geschwächt und wird es auch schwer haben, diverse Israel bedrohende Milizen wie bisher zu unterstützen. Gegen die Hisbollah- Miliz wird Israel nach weiteren Angriffen die Überhand gewinnen, den Gazastreifen wird es ewig besetzen. Allerdings wird der Iran das kommende Jahrzehnt mehr denn je dazu nützen doch Atomwaffen zu entwickeln: auch wenn Trump doch durchsetzen sollte, dass er offiziell darauf verzichtet, wird er sich wie bisher nicht daran halten. Gleichzeitig wird er sein Raketen- Arsenal wieder auffüllen und kaum davon abgehen, Israels Vernichtung anzustreben.

Hauptleidtragender dieses undurchdachten (nie zu Ende gedachten) Krieges ist zweifellos die Bevölkerung des Iran, die tausende Gefallene zu beklagen hat und dennoch weiter unter dem Joch eines Regimes leben muss, das heuer zigtausende Demonstranten ermordet hat. Dieses Regime zu stürzen war in meinen Augen der einzig legitime Grund, diesen Krieg zu führen. Dass er geltendem Völkerrecht widerspricht, halte ich nach wie vor für ein verfehltes Kriterium, solange das Vetorecht Russlands jedes völkerrechtskonforme militärische Vorgehen gegen ein Unrechtsregime ausschließt.

Was jetzt im Iran passiert, ist damit zu vergleichen, dass die Alliierten im Verlauf des zweiten Weltkriegs zwar die Krupp- Werke kaputtgebombt und diverse Raketenstellungen ausgeschaltet hätten, das NS- Regime mit SS und Gestapo aber weiterhin an der Herrschaft belassen, weil jetzt Heinrich Himmler anstelle von Adolf Hitler es anführt. So stark ist jedenfalls Trumps Argument, dass Mojtaba Chamenei anstelle seines Vaters an der Spitze des Iran steht.

Zwar längst nicht im gespenstischen Ausmaß der Iranis, aber doch beträchtlich, leiden auch die Europäer unter dem Verlauf dieses Krieges: Die sowieso schwache Wirtschaft der EU ist durch Jahre mit deutlich erhöhten Kosten für Gas und Öl und damit für Energie konfrontiert, weil einmal geschlossene Förderanlagen sich nur langsam wieder hochfahren lassen. Das sowieso dürftige Wirtschaftswachstum der großen, etablierten EU-Volkswirtschaften dürfte einer Rezession weichen, die manche Ökonomen für die schlimmste seit dem Krieg halten. Denn die beste Möglichkeit, unabhängiger von Öl und Gas zu werden- nämlich massive Investitionen in alternative Energie- wird durch verrückte Sparvorschriften für den Staat verhindert. Dieses Sparen in der aktuellen Situation nicht ad acta zu legen, sondern beizubehalten, wie das in der gesamten EU der Fall ist und auch von Finanzminister Markus Marterbauer nicht in Frage gestellt wird, ist mir unverständlich.

 

 

 

 

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