Der Erfolg des Narzissten und Psychopathen Donald Trump hat einiges mit dem Erfolg Adolf Hitlers gemein.Die wenigsten Menschen sind immun gegen Faschismus.
Weil ich die USA gut kenne, werde ich oft gefragt, wie ich mir erkläre, dass der groteske Narzisst Donald Trump trotz offen faschistoider Ambitionen wieder Präsident werden konnte. Dann erinnere ich daran, dass der psychisch ähnlich abnorme Adolf Hitler die Mehrheit der Deutschen und Österreicher hinter sich vereinte, indem er ihnen (sogarschriftlich) Faschismus versprach. Die wenigsten Menschen sind immun gegen Faschismus.
Wirtschaftlicher Abstieg begünstigt ihn: Hitlers Aufstieg wurde durch die hohe Arbeitslosigkeit begünstigt – Trumpbegünstigt das Ende des „amerikanischen Traums“: Zu viele Amerikaner sind nicht mehr sicher, es mit Fleiß zumindest zu einem Haus mit Garten zu bringen. Es gibt immer mehr auch weiße Männer, die die Soziologin Arlie Hochschild „Fremde im eigenen Land“ nennt: Sie wissen vom „amerikanischen Traum“ und suchen Schuldige dafür, dass er sich für sie nicht verwirklicht: illegale Einwanderer; gesetzlich bevorzugte Schwarze; abgehobene Eliten. Nur Trump sehen sie auf ihrer Seite.
1984 lud mich das State Departement für zwei Monate in die USA ein und vermittelte alle von mir erbetenen Gesprächspartner: Gewerkschafter, Bürgerrechtler, Journalisten. Ich hörte Vorträge in West Point und diversen Universitäten und war Gast der Washington Post. Es gab keineVerpflichtung darüber zu schreiben, aber der Mann, der die Einladung aussprach, war überzeugt, dass ich die USAschätzen lernen würde. Und so war es: Die Washington Post etwa, führte mir das Ausmaß journalistische Unabhängigkeit vor Augen: Es war für die Redaktion selbstverständlich, Republikaner und Demokraten gleichermaßen zu kritisieren. Dass ihr der aktuelle Eigentümer Jeff Bezos eine Wahlempfehlung für Kamala Harris untersagte, illustriert die Gegenwart: Jeff Bezos und Co. sind für Trump, was Gustav Krupp und Co. für Hitler waren: die Unterstützung der Großindustrie. Und wenn die inseriert, dann bei X und Fox News.
So wie dem Umgang des NS-Staates mit Juden galt mein besonderes Interesse dem Umgang der USA mit „Schwarzen“.in Alabama erlebte ich, wie die Universität einen schwarzen Studenten mit dürftigem College- Abschuss aufnahm, um jenem historischen Urteil des Supreme Court nachzukommen, das da sagt: Weil Schwarze und Frauen durch Jahrhunderte benachteiligt wurden, ist es nötig und berechtigt, sie jetzt zu bevorzugen. Universitäten müssen sie deshalb auch mit schlechteren Abschlussnoten aufnehmen; Unternehmen, die Staatsaufträge erhalten, müssen zu jedem Weißen einen“Schwarzen“ zum Facharbeiter ausbilden, obwohl „Schwarze“nur 13 Prozent der Bevölkerung sind; viele Unternehmen handelten freiwillig ähnlich. So sehr ich das Urteil des Supreme Court bewundert habe, war ich nicht blind für manche Konsequenzen: So wollten niemand von schwarzen Ärztinnen behandelt werden, weil man sie für minder qualifiziert hielt. In einer regionalen Zeitung warf der weiße Chef des Ressorts „Haus und Garten“ alle Texte der farbigenMitarbeiterinnen in den Papierkorb – als ich das nicht verstand, gab er mir einen davon zu lesen: er war absolut unbrauchbar. Es gab nicht nur die kleine Zahl verärgerter weißer Journalisten, die die Rubrik „Haus und Garten“ mit ihren Texten füllen mussten, sondern eine gewaltige Zahl verärgerter weißer Arbeiter, die nicht Facharbeiter wurden.Als ich, heimgekehrt, den eingeschlagenen Weg zur Gleichberechtigung „ein wenig naiv“ nannte, gab mir mein Gastgeber eine Antwort: „Glauben Sie nicht, dass alle wirklich großen Fortschritte immer nur ein wenig naiv erreichtwurden.“ Tatsächlich gibt es heute dank des Urteils des Supreme Court Farbige in allen wirtschaftlichen, militärischen und politischen Führungspositionen der USA und konnte Barack Obama Präsident werden. Die Präsidentschaft Trumpsist der bedauerliche Backlash zu dieser Entwicklung.
Dass republikanische Gouverneure die Entscheidung des Supreme Court jetzt zurückzunehmen versuchen, ist nicht ausschließlich reaktionär: Ein weiser Supreme Court hätte irgendwann selbst geprüft, wie weit die Bevorzugung von Schwarzen und Frauen noch nötig ist. Aber der aktuelle Supreme Court hätte diese Bevorzugung nicht nur niegefordert, sondern wäre auch nicht fähig, sie unparteiisch zu überprüfen. Die Justiz ist heute die Achillesferse der USA. Nur wenn die Trumps Dekrete für ungültig erklärt, sind faschistoide USA vielleicht zu vermeiden.
Größter Fehler meiner US- Besuche war, mich auf Städte zu konzentrieren: Nur in Alabama bekam ich mit, wie die Landbevölkerung denkt: Eine Frau konnte dort 1984 ohne Ehemann kein Lokal aufsuchen, Schwarze und Weiße speisten de facto weiter getrennt. Und nur in Alabama verspürte ich damals schon den Geist der „Tea-Party“, die die republikanische Partei heute so derart beherrscht, dass keine ihrer Präsidentschaftskandidaten zu bestreiten wagte, dassGott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat – Präsident wurde mit Trump charakteristischer Weise ein Mann, derFrauen zwischen die Beine greift. Die Religiosität so vielerAmerikaner, von der man meint, sie sei eine Barriere gegen Unrecht, ist, wie 1934 in Österreich, das Gegenteil: Religion und Faschismus ergänzen einander. Den Rest des Phänomens Trump betrachte ich aus dem Blickwinkel der Verhaltensforschung: So wie Tiere mit VorliebeFührungstieren folgen, folgen Menschen mit Vorliebe „starkenFührern“ – auch wenn das historisch meist katastrophal geendet hat.