Man kann die Zukunft auch kaputtschreiben

Was die SPÖ soeben beschlossen hat, ist kein „Desaster“, sondern das beste unter den gegeben Umständen Mögliche. Babler geht-Marterbauer kommt.

Wäre Markus Marterbauer gesund, die SPÖ sähe nach dem Zwischenspiel mit der Forderung Gerhard Zeilers, ihren Vorsitz zu übernehmen, deutlich gestärkt in die Zukunft: Markus Marterbauer wäre neuer Parteichef, Vizekanzler und künftiger Kanzlerkandidat. Aber er hat Krebs und so ist es vorerst nur zur zweitbesten Lösung gekommen: Der Finanzminister wird erst im kommenden Jahr Vizekanzler sein, denn diese beiden Funktionen scheinen nach Ende einer Chemotherapie vereinbar. Babler wird de facto abgelöst, indem ihm Klubobmann Philip Kucher und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner zur Seite gestellt werden, wobei ihm Holzleitner als „geschäftsführend“ de facto übergeordnet ist. Dieses Trio führt die Partei jedenfalls in den kommenden Monaten. Danach gibt es zwei Möglichkeiten: Sollte Marterbauer seine Krebserkrankung völlig überwunden haben, kann er auch den Parteivorsitz übernehmen, ist er gesundheitlich noch nicht so weit, bleibt es vorerst beim Duo Kucher-Holzleitner.

Eine schlechte Lösung ist auch das nicht: Beide werden die Standpunkte der SPÖ in TV-Diskussionen eloquenter als Babler vertreten. Ich persönlich habe nie verstanden, dass er an die Spitze der SPÖ gelangt ist. Eine politisch dümmere Behauptung als die, die EU sei „das aggressivste politische Bündnis, das es je gegeben hat“, kann man als Erwachsener kaum machen. Babler war ein hochanständiger, tüchtiger Bürgermeister von Traiskirchen und es spricht für ihn, dass er Marterbauer als Finanzminister wollte, aber zum Parteivorsitzenden war er in meinen Augen nie geeignet. Schon sein damaliger Widersacher Hans Peter Doskozil hat zumindest keine vergleichbar dumme Behauptung zur EU gemacht und hätte den Vorteil gehabt, von der Bevölkerung als Migrations-kritisch wahrgenommen zu werden. Marterbauer ziehe ich persönlich beiden als SPÖ Chef deutlich vor, obwohl er nicht den Vorteil hat, als Migrations-kritisch zu gelten. Aber er hat den Vorteil ökonomisch ungleich gebildeter zu sein und das scheint mir essentiell.

Die SPÖ kaputtschreiben= die FPÖ fördern

    Ob die SPÖ aus den Entscheidungen der letzten Tage gestärkt hervorgeht, wird vor allem davon abhängen, wie die Medien diese Entscheidungen beurteilen. Unmittelbar nachdem die   ZIB2 sie bekannt gegeben hat, haben unter der Leitung von Susanne Schnabel Christian Nusser für die Kronenzeitung, Gerold Riedmann für den Standard, Johanna Hager für den Kurier und Anneliese Rohrer für die Presse darüber diskutiert und es einhellig als desaströs beurteilt. Bleiben die von ihnen vertretenen Zeitungen bei diesem Urteil, so hat die SPÖ geringe Chancen und der fortgesetzte Triumphzug der FPÖ ist gesichert. Aber zumindest der erste große Kommentar des Standard deckte sich nicht mit der Aussage Riedmanns, der meines Erachtens ein sehr viel besserer Organisator als Kommentator der von ihm geführten Zeitung ist. Der Kurier, als mittlerweile reine ÖVP- Zeitung und die Presse, die das immer war,  dürften  bei dem von Johanna Hager und Anneliese Rohrer vertretenen Urteil bleiben, obwohl diese Abwertung der SPÖ die von ÖVP- Chef Christian Stocker geführte Regierung massiv zu Lasten der FPÖ schwächen muss. Der erste Kommentar der Kronenzeitung nennt den Zustand der SPÖ zwar ebenfalls „desaströs“, begründet dieses Urteil aber in keiner Weise. Entscheidend dürfte die Berichterstattung des ORF sein. Nimmt auch er keine Korrektur des in meinen Augen falschen Bildes einer chaotischen Entwicklung der SPÖ vor, so wird auch er zum Wahlhelfer der FPÖ.

Falscher EU-Politik ist keine Mitte gewachsen

   Den Abstieg der SPÖ, in Wirklichkeit der sozialdemokratischen Parteien fast aller Länder der EU zu erklären, fällt den Medien durchwegs denkbar schwer. Der Standard bemängelt etwa zurecht die Zerstrittenheit innerhalb der SPÖ, aber auch die längst nicht so zerstrittene SPD taumelt. Doch auch die christlich-sozialen oder die grünen Parteien, in Wahrheit alle Parteien der Mitte, verlieren an Zustimmung gegenüber Rechtspopulisten.

Die entscheidende Ursache dafür ist in der EU das Zusammentreffen ihrer grundsätzlich falschen Wirtschaftspolitik mit der durch diverse Kriege ausgelösten starken Migration. Obwohl für seriöse Ökonomen klar ist- man befrage die künstliche Intelligenz- dass jemand sich verschulden muss, um Wachstum zu generieren, verbietet die EU- Kommission mit den Maastricht- Kriterien die derzeit notwendige Verschuldung des Staates. Gleichzeitig hat sie, obwohl das ihre Aufgabe wäre, nicht verhindert, dass Deutschland mit seiner Lohnzurückhaltung allen EU- Mitgliedern ein niedriges Lohnniveau aufgezwungen hat, unter dem vor allem die unteren sozialen Schichten leiden, die zugleich durch die Zuwanderung aus ärmeren Ländern Druck auf die Löhne und Konkurrenz bei Sozialleistungen verspüren. Solange die EU bei dieser Politik bleibt, werden die rechtspopulistischen Parteien die demokratischen Parteien, seien sie christlich-sozial oder sozialistisch, an die Wand drängen, gleichgültig ob Andreas Babler oder Hans-Peter Doskozil die SPÖ führen.

Österreichs Chance durch Marterbauer

    Markus Marterbauer hat den großen Vorteil, zu wissen, wie falsch die Politik der EU ist, obwohl er versucht, unser Defizitverfahren, das dümmster Ausdruck dieser falschen Politik ist, möglichst schonend abzuwickeln. Doch er gehört zu den wenigen Politikern, die versuchen werden, innerhalb der EU- Kommission Verbündete für eine Reform der Maastricht- Kriterien zu finden. Deshalb ist so sehr zu hoffen, dass er gesund wird und die SPÖ in ihrer Gesamtheit übernimmt. Es ist keine „unmenschliche Zumutung“ (Anneliese Rohrer), dass er demnächst trotz seiner Erkrankung die Funktion des Vizekanzlers übernimmt, sondern das Vertrauen so vieler Menschen, das damit verbunden ist, ist geeignet, seine Gesundung zu befördern. Es ist wirklich das Kaputtschreiben der SPÖ, das Österreichs Chance, einer Regierung der rechtsextremen FPÖ zu entgehen, minimiert. Die Regierung Stocker, Marterbauer, Beate Meinl- Reisiger  kann sich über diese Wahlperiode hinaus halten, wenn es Marterbauer anders als Babler gelingt, seine beiden Partner davon zu überzeugen, dass adäquate vermögensbezogene Steuern der einzige gangbare Weg aus der von der EU- Kommission verursachten ökonomischen Problematik sind. Im Moment könnte mit den Einnahmen aus diesen Steuern eine zusätzliche Verschuldung vermieden werden und in Zukunft könnte man die Lohnsteuern um den Betrag senken, den vermögensbezogene Steuern – voran adäquate Grundsteuern und eine Erbschaftssteuer – einbringen. Nur das dämpfte die Unzufriedenheit, die Geringverdiener derzeit durchwegs die FPÖ wählen lässt.

Ich möchte diese meine Behauptung einmal mehr ökonomisch untermauern: Die Wirtschaft kann nur wachsen, wenn Unternehmen mehr verkaufen. Sie können nur mehr verkaufen, wenn mehr eingekauft wird. Dem Staat wird durch die Maastricht- Kriterien weitestgehend verboten, mehr einzukaufen. In diesem Klima sparen aber immer auch die Konsumenten und kaufen ebenfalls nicht mehr ein. Das ist die ökonomische Basis der Wachstumsschwäche der EU. Dagegen verwandelten Einnahmen aus adäquaten Vermögens-bezogenen Steuern, voran Grundsteuern und Erbschaftssteuern, große Teile des von den Konsumenten und Unternehmen derzeit gesparten Geldes in Geld, das der Staat trotz vorgeschriebenem Sparens  investieren könnte. Er könnte damit mehr Einkäufe tätigen, d.h. die Wirtschaft ankurbeln. Dass ÖVP und NEOS (und übrigens auch Gerhard Zeiler) sich dieser Erkenntnis so stur verschließen, zeugt von mangelndem volkswirtschaftlichem Verständnis: Beide wollen ihre Klientel bedienen, statt zu begreifen, dass es auch der am besten ginge, wenn der Staat mehr ausgäbe und mehr Menschen mehr verdienten, um mehr einzukaufen 

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Deutschlands bekräftigter Kardinalfehler

Nicht nur Friedrich Merz will weiter Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit steigern, obwohl die niedrigen Löhne das zentrale politische Problem des Landes wie der EU sind.

Friedrich Merz ist ein Überlebender auf Abruf. Er ist weiter Parteivorsitzender und Regierungschef, obwohl die CDU in Sachsen Anhalt den Landeshauptmann verliert und in Mecklenburg Vorpommern nicht einmal die Fünfprozenthürde geschafft hat; obwohl die SPD kaum besser abgeschnitten hat und in Berlin der Linken den Vortritt überlassen musste; und vor allem obwohl die AfD, die Merz halbieren wollte, ihren Stimmenanteil fast verdoppelt hat.

Indem er die schwere Niederlage vor allen anderen eingestand und erklärte, dass er bleiben müsse, weil es gelte, den schmerzhaften Reformweg fortzusetzen, hat er geschickt jeden, der seinen Rücktritt gefordert hätte, zum Verräter der richtigen Politik gestempelt. Zugleich wollte derzeit sowieso niemand sein Amt übernehmen, weil es auf absehbare Zeit voran Schwierigkeiten versprach. Ich glaube dennoch, dass Merz im Frühjahr Geschichte sein wird, denn die dann stattfindenden Wahlen werden ähnlich ausgehen.

 Merz ist nur zusätzlicher Ballast

    Wahrscheinlich schnitte die Regierung ein paar Prozentpunkte besser ab, wenn jemand sie anführte, der mehr Sympathien als Merz erweckte und nicht jedes Vertrauen verspielt hätte, indem er sich energisch gegen jede Lockerung der Schuldenbremse aussprach, als die Regierung Olav Scholz es forderte und in der Sekunde 1,5 Billionen Euro Schulden einging, in der er selbst regierte. So richtig das in der Sache war, hat er damit auch das Vertrauen vieler CDU-CSU-Wähler verspielt, die bis heute an die sachliche Richtigkeit der Schuldenbremse glauben. Doch auch seine eigene Politik schwankt: Auch er fordert immer wieder Sparen des Staates.

Kein Zweifel: Merz ist denkbar unbeliebt- er ist zusätzlicher Ballast für die Regierung und sein Rücktritt hätte sie entlastet – aber keineswegs entscheidend. Denn es ist nicht nur Merz und die CDU, sondern auch Lars Klingbeil und die SPD, die den von ihm eingeschlagenen ökonomischen Weg für grundsätzlich richtig halten, während ich ihn für die Fortsetzung des kardinalen Fehlers der deutschen und europäischen Wirtschaftspolitik halte. Ich werde mit diesem Urteil meinen Lesern und meiner Redaktion so lange auf die Nerven gehen, bis Marine Le Pen in Frankreich und die AFD in Deutschland regieren und mir das vielleicht Recht gibt. Meine Mutter hat Jahre darunter gelitten, dass niemand sehen wollte, wie die Arbeitslosigkeit nicht nur Elend, sondern auch Adolf Hitler heraufbeschwor – daran gemessen ist es harmlos, dass ich seit Jahren darunter leide, dass niemand sehen will, dass das von Deutschland in ganz Europa zurückgehaltenen Lohnniveau nicht nur Reallohnverluste bei unteren sozialen Schichten bedeutet, sondern auch den Sieg rechtsextremer Parteien und den möglichen Zerfall der EU heraufbeschwört.

Leider ist in Deutschland bei der CDU-CSU, der FDP oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung niemand so angesehen wie SPD-Kanzler Gerhard Schröder, hat er mit Hartz 4 doch das Instrument geschaffen, Löhne zurückzuhalten und damit den betriebswirtschaftlichen Traum aller Unternehmer zu erfüllen. (Henry Ford I, der meinte, „ich muss meine Arbeiter gut bezahlen, damit sie meine Autos kaufen können“, war eine Ausnahme.) Dass es ein volkswirtschaftliches Problem ist, wenn ein großer Teil der Löhne und damit die Kaufkraft weit hinter dem Warenangebot einer Volkswirtschaft zurückbleiben, sieht man in Deutschland bis heute nicht ein. Denn da es die EU nicht unterbunden hat, obwohl das ihre Pflicht gewesen wäre, ist Deutschland mit “Lohnzurückhaltung“ lange gut gefahren: Auch den schlecht entlohnten deutschen Arbeitnehmern ging es solange viel besser als denen aller anderen Länder, als deutsche Unternehmen den Unternehmen anderer Länder immer mehr Markanteile wegnehmen konnten, weil deutsche Waren dank geringer Lohnstückkosten konkurrenzlos billig waren.

Das musste enden, als die USA sich mit dummen Zöllen, aber auch der sinnvollen Abwertung des Dollars wehrten; weil China selbst zu geringen Löhnen immer mehr exportierte; und weil andere EU-Staaten und deren Bürger nicht mehr in der Lage waren, sich zu Gunsten Deutschlands zu verschulden. Das deutsche Exportmodell gelangte an Grenzen.

Deutschland bleibt zu wettbewerbsfähig

    Die will Friedrich Merz und seine Regierung mitsamt der SPD bis heute nicht begreifen.  Er hat sich einmal mehr bei der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft festgelegt: „Und dennoch, und wie immer: Auch in einer sich verändernden Welt liegen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Aber wir werden diese Chancen nur dann nutzen, wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit entschlossen stärken. Genau das wollen wir tun. Es geht vor allem um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen am Standort Deutschland. Diese preisliche Wettbewerbsfähigkeit ist seit Jahren nicht mehr gut genug.“

Was folgte waren ernsthafte Diskussionen darüber, deutsche Löhne zu senken, indem zum gleichen Stundenlohn wieder 40 Stunden gearbeitet würde. Dies, obwohl die deutschen Lohnstückkosten noch immer die niedrigsten der EU sind; obwohl Deutschland noch immer gegenüber allen anderen EU-Mitgliedern Leistungsbilanzüberschüsse erzielt; und obwohl selbst sein Überschuss gegenüber den USA nur von 80 auf 40 Milliarden Dollar geschrumpft ist. Deutschlands und Europas Problem sind nicht die zu hohen, sondern die zu niedrigen Löhne.

Die Nachfrage muss steigen

    Zu den großen Missverständnissen des Neoliberalismus zählt die Überzeugung, dass es genügt, ein wachsendes Angebot zu schaffen, indem man die Unternehmenssteuern senkt, für günstige Kredite sorgt und Regularien vermindert, denn die Nachfrage würde sich dann von selbst ergeben. Aber genau das stimmt nicht: Die Nachfrage der Bürger sinkt mit relativ sinkenden Löhnen und Pensionen und die Nachfrage des Staates sinkt mit gesunkenen Steuereinnahmen und auf Basis der Maastricht-Kriterien. Deutschland und die EU haben kein Angebots- sondern ein Nachfrageproblem. Denn die deutsche Lohnzurückhaltung musste das Lohnniveau in der gesamten EU senken, weil kein Land die Konkurrenz mit Deutschland vermeiden kann.

Ich wiederhole mich, wenn ich schreibe: Die Menschen in Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern oder in Berlin haben die Linke und vor allem die AfD gewählt, weil ihr Lebensstandard, statt zu steigen, gesunken ist und ihre Kommunen wirtschaftlich verkommen. Es muss, wenn man den endgültigen Sieg der AfD verhindern will, zu einer deutlichen Steigerung der Löhne, vor allem der Unterschicht, kommen. Man muss Hartz 4 so reformieren, dass es nicht mehr zwingt, so schnell wie möglich einen Job anzunehmen, sondern die Zeit lässt, einen gut bezahlten zu finden. Die Gewerkschaften gehören bei ihren Lohnforderungen unterstützt. Der Staat muss, so unpopulär das ist, mit höheren Löhnen für seine unteren Angestellten vorangehen und die Unternehmen so zum Mitgehen zwingen. So muss Deutschlands Lohnniveau, und damit des Lohnniveau Europas, langsam angehoben werden.

Der einzige EU-Staat, in dem voran die unteren Einkommen deutlich gestiegen sind, war in den letzten Jahren Spanien – innerhalb der alten EU-Volkswirtschaften ist auch nur Spaniens Wirtschaft ernsthaft gewachsen. Nur dass wegen des allgemeinen Rechtstrucks eine Koalition aus konservativer Partido Popular und populistischer VOX, Pedro Sanchez´ Koalition demnächst ablösen dürfte. Das ist überall in Europa vorgezeichnet: Wenn die ökonomischen Anliegen des Friedrich Merz die Anliegen Deutschlands bleiben – losgelöst von der Frage, ob er nach dem Frühjahr noch Kanzler ist – wird bald auch Deutschland zu diesen rechtspopulistisch-konservativ regierten Ländern zählen. Die entstehenden faschistoiden Regierungen werden es ökonomisch kaum besser als bisher machen, aber an eine düstere Vergangenheit erinnern.

 

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Die SPÖ sollte Zeiler als Chance sehen

Schlechter als jetzt kann die SPÖ nicht fahren. Gerhard Zeiler hat nie Unsinniges gesagt und vertritt vernünftige Standpunkte zweifellos eloquenter als Andreas Babler. 

Dass Gerhard Zeiler bereit ist, zu einem Bruchteil seines aktuellen Gehalts und in Wirklichkeit sogar politischer Macht – er ist als Präsident von Warner Brothers International  Chef eines der mächtigsten Medienkonglomerate der Welt -Vorsitzender der SPÖ zu werden, ist nur mit einer gewissen Abenteuerlust und Liebe zur Sozialdemokratie zu erklären. An der fehlt es auch Andreas Babler nicht – aber ansonsten, so meine ich, an vielem. Er hat zwar nie mehr etwas ähnlich Schwachsinniges von sich gegeben, wie die Behauptung, dass die EU „das schlimmste aggressive militärische Bündnis, das es je gegeben hat“ sei, und er war ein erfolgreicher, hochanständiger Bürgermeister von Traiskirchen, aber das war in meinen Augen die höchste seinen Kompetenzen entsprechende politische Position. Dass er sich „Marxist“ nennt, kann ich mir nur damit erklären, dass er nicht wirklich weiß, was das ist. Man kann aber auch viel simpler für seine Abdankung plädieren: Geringer als unter seiner Führung kann die Zustimmung zur SPÖ nicht mehr werden.

Gemäß einer Umfrage zögen derzeit 38 Prozent der Österreicher Hans Peter Doskozil, 24 Prozent Markus Marterbauer und 13 Prozent Gerhard Zeiler als SP-Chef vor, wobei Marterbauer innerhalb der Partei den größten Rückhalt genösse. Ich habe daher wie Florian Klenk dafür plädiert, Babler durch ihn zu ersetzen, aber seine Krebserkrankung steht dem nun einmal entgegen. Weil eine lange interne Auseinandersetzung und die mühsame Prozedur einer Mitgliederbefragung – 10 Prozent der Mitglieder müssten ihr zustimmen – der SPÖ extremen Kollateralschaden zufügte, wäre ein Sonderparteitag die weit bessere, weil rasche Lösung, einen neuen Obmann zu bestellen.

Nichts an Zeiler ist unvernünftig

    Hätte ich dabei abzustimmen, so stimmte ich aus vielen Gründen für Zeiler: Ich halte fast alles, was er sagt, für grundvernünftig. Anders als Babler bekennt er sich klar zur freien Markwirtschaft, sieht aber das Problem einer Dominanz der Finanzmärkte. Er bekennt sich zur EU, sieht aber ihre Probleme und will sie durch Vertiefung der Einigung überwinden. Den Klimaschutz sieht er als dringende internationale Aufgabe an. In Österreichs befürwortet er die die Sozialpartnerschaft, weicht aber punktuell von der Haltung des ÖGB ab. So befürwortet er die Sonntagsöffnung von Geschäften und plädiert wie ich für einen gesetzlichen Mindestlohn, weil es viele Arbeitsverhältnisse ohne Kollektivvertrag gibt. Er tritt wie ich zwar für eine Erbschaftssteuer, nicht aber generell für „Vermögensteuern“ ein, weil er sie für kaum durchsetzbar hält. Damit hat er möglicherweise Recht, auch wenn ich es rein sachlich anders sehe. Zu vermögensbezogenen Steuern – voran Grundsteuern – ist seine Haltung unbekannt, aber ich wunderte mich sehr, wenn er sie ablehnte.

Sein Problem bei der Ablehnung einer Millionärssteuer wie Babler sie fordert, könnte darin bestehen, dass man ihm vorwerfen wird, sich selbst zu schützen, denn seine Abfertigung bei Warner-Brothers, die er jetzt anlässlich der Übernahme durch Paramount beanspruchen könnte, beträgt 82,6 Millionen Dollar. Ich glaube zwar nicht, dass die Sorge um sein Vermögen sein Motiv ist, denn selbst nach der „Millionärssteuer“ verbliebe ihm mehr, als er und seine Familie je verbrauchen könnten. Aber zweifellos wird sein Reichtum seine Achillesferse bei seiner Bewerbung um den SP-Vorsitz sein, obwohl die SPÖ heute ganz anders dastünde, wenn der noch viel reichere Hannes Androsch an ihre Spitze gelangt wäre.

Wie Androsch ist Zeiler Bildung ein zentrales Anliegen. Auch er tritt für die differenzierte Gesamtschule, viel mehr Ganztagsschulen und das zweite Gratis- Kindergartenjahr ein. Beim Eintreten für die Ganztagsschule spielt Zeilers Interesse an der Berufstätigkeit der Frau eine wesentliche Rolle: Er meint, dass viel mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft wie der Politik guttäten und verweist auf die erfolgreichen Regierungschefinnen Skandinaviens. Frauen seien offener gegenüber demokratischen Anliegen. Ich teile diese Ansicht und meine, dass das damit zusammenhängt, dass sie auch ihre Zuneigung gerecht zwischen mehreren Kindern aufteilen wollen.

In der Migrationspolitik ist Zeiler für strenge Grenzkontrollen, sieht aber die Menschenwürde gefährdet, wenn man, wie in Österreich, den Familiennachzug völlig unterbindet. Die Integration von Migranten und die Wirtschaftshilfe für die Länder, aus denen sie fliehen, müsse im Vordergrund stehen. Ich sehe das ähnlich, es dürfte ihn aber bei den Österreichern nicht beliebter machen. Das gilt auch für die von mir geteilte Meinung, dass Österreich sich der Nato anschließen statt neutral bleiben sollte. Aber diese Meinung hat er als Profi schon modifiziert: Es gehe darum, dass Österreich innerhalb der EU ausreichend zu deren Verteidigung beitrage.

Eindeutig ist er bezüglich des Klimaschutzes – man möge     Bezüglich der FPÖ teile ich seine Meinung restlos: Man möge sich klar von ihr abgrenzen, nicht aber sie oder gar ihre Wähler ausgrenzen – ihre Sorgen sind ernst zu nehmen.

Ob es tatsächlich zu einem Wechsel von Babler zu Zeiler kommt, wird stark von der Haltung des ÖGB zu seinen manchmal etwas abweichenden Meinungen abhängen, entscheidend aber wird sein, ob Wiens Bürgermeister Michael Ludwig im Wechsel zu Zeiler eine Chance sieht. Ich hoffe, dass es so ist.

 

 

 

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Die EZB erhöht einmal mehr das Risiko

Eine Erhöhung des Leitzinses ist das falsche Instrument, um eine Inflation durch die Verteuerung fossiler Energie zu bekämpfen

Immer wenn die Verteuerung von Erdöl und Erdgas die sowieso schwache Wirtschaft der EU in Schwierigkeiten bringt, reagiert die EZB unter Christine Lagarde damit, auch noch das Geld zu verteuern, indem sie die Zinsen anhebt. Das war 2022 so, als die Einigung Russlands mit der OPEC einen Ölpreis-Schock auslöste und jetzt löste die fortgesetzte Sperre der Straße von Hormus diesen Schock aus, indem der Öl-Preis die Schwelle von 100 Dollar überschritt. So wie Lagarde damals Unterstützung durch Österreichs Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann erfuhr, stimmte ihr diesmal Nationalbank-Gouverneur Martin Kocher zu, den Leitzins auf 2,50 Prozent anzuheben.

2022 hat die Anhebung der EZB-Zinsen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zur nachfolgenden Krise verschärft, denn es fiel schwer, die entstandenen Probleme durch die bald erfolgte Senkung der Zinsen wieder abzufangen. Das wird auch diesmal passieren, zumal die zusätzliche Sprengung der Pipeline Saudi Arabiens und der Engpass beim Roten Meer einen kräftigen Ölschock verspricht. Der Ökonom Heiner Flassbeck warnt, dass man eine Wirtschaft durch die Erhöhung des Leitzinses im falschen Moment auch an die Wand fahren kann.

Was es zu begreifen gilt, ist, dass Inflation, also die gleichzeitige Verteuerung fast aller Waren eines Wirtschaftsraums, völlig verschiedene Ursachen haben kann. Die aktuelle Inflation nennen Ökonomen, die diesen Unterschieden wie Mario Matzner von der Arbeiterkammer das nötige Interesse entgegenbringen, „importiert“: Ihre Ursache sind ja keine Vorgänge innerhalb der EU, sondern ist die Sperre der fernen Straße von Hormus und künftig auch das Leck in Saud Arabiens Pipeline. Der entstandene Ölpreisschock ist eine ebenso logische wie zwingende Ursache: Da alle Waren zu ihrer Produktion und ihrem Transport Energie brauchen, muss die massive Verteuerung fossiler Energie ihren Preis  erhöhen. Die Inflation ist befristet, weil die Sperre kaum ewig dauern wird und die Saudis alles tun werden, die Pipeline rasch zu flicken. Dennoch besteht die vernünftigste und nachhaltigste Gegenwehr darin, fossile Energie möglichst rasch durch alternative Energie, voran Solarenergie, zu ersetzen, um vom Ölpreis unabhängig zu werden. Bei den dafür nötigen Investitionen ist die Leitzinserhöhung ein erhebliches selbst geschaffenes erhöhtes Hindernis.

Ausnahmsweise kann Inflation auch zustandekommen, wenn viel Produzenten wesentlicher Waren Quasimonopole innehaben und die Preise ohne Risiko anzuheben vermögen. Etwas häufiger ist es vorgekommen, dass die Gewerkschaften auf Grund von Vollbeschäftigung und Arbeitskräftemangel die Überhand im Lohnkampf innehatten- dann haben die zu hohen erzielten Löhne die Waren verteuert. Eine solche „Lohngetriebene Inflation“ (Matzner) gab es in den 60er-Jahren in manchen Industrieländern. Während „Corona“ erzeugten die sehr hohe finanzielle Unterstützungen für Unternehmen unter Donald Trump in den USA Ansätze zu einer Inflation, bei der sich hohe Löhne mit großer Freiheit bei der Preisgestaltung hoch subventionierter Unternehmen mischten.

Es fehlt die kritische Preis-Lohn-Spirale

Die kritischste Form der Inflation kommt noch einmal anders, nämlich dadurch zustande, dass das Waren-Angebot, etwa nach einem Krieg, von vornherein extrem knapp ist, und alle Waren daher von vornherein extrem teuer sind. Um sie dennoch zu kaufen, bedarf es daher extrem hoher Löhne. Waren zu extrem hohen Löhnen zu fertigen, macht sie aber noch teurer. Es entsteht eine sich selbsttätig verschärfende Preis-Lohn-Spirale, wie sie voran Deutschland aus den Dreißigerjahren in beängstigender Erinnerung ist. Wahrscheinlich wäre es sinnvoll, die Bezeichnung  „Inflation“ nur für diesen Vorgang zu gebrauchen und bei „importierter Inflation“ von „Teuerung“ zu sprechen.

Das Lehrbuch- Rezept, eine  Lohn- getriebene Inflation wie in den 60er-Jahren und während „Corona“ in den USA oder gar eine Preis-Lohn-Spirale rasch zu unterbinden, besteht darin, die Leitzinsen deutlich zu erhöhen und die Konjunktur damit derart zu dämpfen, dass die Arbeitslosigkeit steigt und Lohnerhöhungen nicht durchzusetzen sind.

In der EU gibt es aber so gut wie keinen Anteil hoher Löhne an der aktuellen Inflation – sie ist fast ausschließlich mit dem verteuerten Öl und Gas „importiert“. Daher ist das Dämpfen der sowieso schwachen Konjunktur und die Erhöhung der Arbeitslosigkeit durch einen höheren Leitzins nur dumm bis lebensgefährlich.

Die Ökonomen Matthias Schnetze und Thomas Zotter ziehen im international angesehensten österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut, dem „Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche“ (WIIW) folgendes Fazit: „Im Ergebnis erhöht die EZB-Reaktion auf Energiepreisschocks das Risiko, dass aus der Fossilflation eine Stagflation wird: Konjunktur und Beschäftigung werden gedämpft, ohne dass die eigentlich preistreibenden Faktoren davon berührt werden. Zinspolitik ist gegen einen importierten Angebotsschock schlicht das falsche Werkzeug. Gebraucht wird stattdessen ein Bündel an gezielten Maßnahmen: eine Entkopplung der Strompreise von den Gaspreisen, befristete Eingriffe gegen überschießende Preise und Gewinnmargen sowie vor allem einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien. Nur damit lässt sich verhindern, dass sich Europa von Krise zu Krise hanteln muss.“

Der deutsche Ökonom Heiner Flassbeck spricht in seinem Blog weniger zurückhaltend vom „Irrsinn der EZB“.

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Menetekel Sachsen-Anhalt

Deutschland kann AfD- Land werden, wenn es seine Einkommenspolitik und die EU ihre Sparpolitik nicht ändert. Dieser Rechtsruck wird sich für ganz Europa fortsetzen.

Mit 43,8 Prozent der Stimmen ist die „gesichert rechtsextreme“ AfD als mit Abstand stärkste Partei aus den Wahlen in Sachsen-Anhalt hervorgegangen. Sie hat die absolute Mehrheit zwar knapp verfehlt, aber erfolgreiches Regieren einer Regenbogen-Koalition aus CDU, SPD, Linker, Grünen und Bündnis Sarah Wagenknecht halten selbst die potentiellen Beteiligten für denkbar schwierig. AfD-Chef Ulrich Siegmund hält daher Neuwahlen nicht für undenkbar und meint, dass die AfD dann 53 Prozent erreichte. AfD-Chefin Alice Weidel sieht in Sachsen-Anhalt die Entwicklung auf Bundesebene vorgegeben. Auch dort, so meint sie, würde die AfD in absehbarer Zeit 40 Prozent erreichen.

Ich halte das aus vielen Gründe für durchaus möglich: Das Festhalten der EU an den Maastricht-Kriterien läßt kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu. Selbst dass Deutschland jetzt jedes Jahr 50 Milliarden in seine Infrastruktur und 100 Milliarden in Rüstung investiert, beflügelt dieses Wachstum kaum, weil die deutsche Sparrate eine noch größere ist. Die Politik, die Arbeitslosigkeit in andere Länder abzuschieben, indem man ihnen als „Exportweltmeister“ immer größere Marktanteile wegnimmt, funktioniert nicht mehr. Zugleich hat die deutsche Lohnpolitik seit 25 Jahren dazu beigetragen, dass auch in Deutschland eine Unterschicht entstanden ist, die Reallohnverluste erlitt und dass immer mehr Menschen nicht mehr höheren  Wohlstand dank erhöhter Kaufkraft erhoffen, sondern immer mehr Angst haben, ihren ohnehin dürftig bezahlten Job zu verlieren. Der Neoliberalismus hat zu einem immer größerem Vermögensabstand zwischen Oben und Unten geführt, der der AfD rundum zu Gute kommt. Während es bei einer florierenden Wirtschaft möglich ist, Zuwanderer als „Gastarbeiter“ zu akzeptieren, stößt das bei der aktuell so schwachen Wirtschaft zwangsläufig auf Widerstand, weil billige zugewanderte Arbeitskräfte auf die Löhne drücken und es zu erhöhter Konkurrenz im Sozialbereich kommt. Darüber hinaus stimmt leider die Diagnose des deutschen Neurologen Hoimar von Ditfurth, dass in großer Zahl ins Land strömende „Fremde“ in unserem Stammhirn den vorsteinzeitlichen Reflex heftiger Ablehnung auslösen. Die sozialen Medien dienen denjenigen, die sich in diesem Reflex äußern, als Echokammer, so dass sie sich als eigentliche Mehrheit sehen. „Remigration“ ist einem erheblichen Teil der deutschen Bevölkerung leider größtes Anliegen.

In Sachsen-Anhalt tritt hinzu, dass es als ehemals kommunistisches Bundesland wirtschaftlich noch immer deutlich zurückliegt und es zugleich satt hat, als untüchtig abgekanzelt zu werden. Gleichzeitig ist Ulrich Siegmund ein attraktiver Kandidat, der diese Emotion zu nützen weiß  und, statt Wirtschaftsthesen vorzutragen, Bier ausschenken und Würstchen austeilen lässt. Er vermittelt Optimismus, so unbegründet der im Falle seines Regierens ist. In diesem Wahlkampf stand ihm an der Spitze der Bundesregierung mit Friedrich Merz ein Mann gegenüber, der weniger Sympathie als selbst Olav Scholz genießt. (Er ist parteiintern zweifellos angezählt und könnte ausgetauscht werden, wenn die nächsten Wahlen ähnlich schlecht ausgehen, was ich für wahrscheinlich halte.)

Summiert man diese emotionale Konstellation zu den durchaus realen wirtschaftlichen Problemen, so hat die deutsche Bevölkerung derzeit wenig Grund, die Regierung der etablierten Parteien für so erfolgreich zu halten, dass sie sie im Land oder im Bund als unverzichtbar ansieht.

Wie eine AfD-Regierung in der Realität funktionierte, weiß niemand, so dass viele Bürger sich nicht vor einer „Wende“ fürchten, sondern sie offenbar herbeiwünschen.Sie glauben den Versprechungen der AfD, selbst wenn sie noch so unsinnig sind.

Was will und kann Sachsen-Anhalts AfD?

     Obwohl ich jetzt so ausführlich beschrieben habe, wie schlecht das aktuelle politische System funktioniert, bin ich überzeugt, dass das von der AfD (oder FPÖ) gestaltete noch viel schlechter funktionierte. Beide Parteien wollen keine zusätzlichen Schulden, aber auch keine Vermögenssteuern. Wirtschaftsforscher, die das Wirtschaftsprogramm der AfD -Regierung nachgerechnet haben, sind übereinstimmend der Überzeugung, dass es (wie das der FPÖ) voran Begüterten zu Gute käme. Ich glaube daher, dass man das Regieren der AfD in Sachsen-Anhalt nicht dringend verhindern, sondern im Gegenteil anstreben soll: Sie erhält dadurch Gelegenheit, zu scheitern und das ist am ehesten geeignet, sie im Land, vor allem aber auch bundesweit zu entzaubern.

Ulrich Siegmund weiß um dieses Risiko und hat deshalb bereits erklärt, nur mit klarer Mehrheit allein zu regieren. So absurd es scheint, schiene es mir daher am besten, wenn ihm die anderen Parteien öffentlich vorschlügen, eine Minderheitsregierung zu bilden und zu zeigen, was er kann: Lehnte er ab, wäre er öffentlich desavouiert – nähme er an, würde sein Scheitern offenbar. Die AfD muss meines Erachtens im Kleinen Gelegenheit zum Scheitern erhalten, damit man sie sich im Großen erspart.

Sachsen-Anhalt trägt dabei das demokratiepolitische Handicap, dass die Nazi-Vergangenheit in der DDR ungleich weniger als in der BRD bewältigt wurde und die NS-Diktatur quasi nahtlos in die kommunistische SED-Diktatur überging. Zugegebenermaßen ist es daher ein Risiko, dieses Bundesland eine Legislaturperiode lang der Regierung einer Partei auszusetzen, die der Verfassungsschutz „gesichert rechtsextrem“ nennt.  Aber eine Landesregierung hat einfach nicht die Kompetenz, es in ihrem Sinne umzugestalten.

Zentrales Anliegen der AfD (und zentraler Grund ihres Erfolges) ist die Abschottung gegenüber Migranten und die „Remigration“, denn wie die FPÖ ist sie aufs Engste mit der Bewegung der “Identitäre“ verflochten. Wie alle Parteien fordert sie sichere Grenzen und mehr Polizei, um Attentate und Übergriffe zu verhindern, doch sie geht extrem darüber hinaus: Flüchtlinge aus der Ukraine sollen nicht mehr als solche anerkannt und unterstützt werden. Das Asylrecht in seiner Gesamtheit soll fallen. Natürlich kann die Landes-AfD das nicht durchsetzen und auf Bundesebene wäre es nur möglich, wenn Deutschland aus der EU und der Menschenrechtskonvention austritt. Aber es spiegelt den Wunsch vieler ostdeutscher  Wähler. Dass das Asylrecht wegen des millionenfachen Mordes Deutscher (und Österreicher) an Juden so umfangreich ist, wird auch in Sachsen-Anhalt verdrängt.

Besonders wichtig ist der AfD die Abschiebung Krimineller, unter die sie freilich schon Warenhausdiebe zählt, sofern es Ausländer sind. Schwerkriminelle abzuschieben ist natürlich auch  dringendes Anliegen aller anderen Parteien und es scheitert nicht an deren mangelndem Willen, sondern daran, dass die betroffenen Länder die Abzuschiebenden selten aufnehmen – daran kann nicht einmal die Bundes-AfD viel ändern. Nur das öffentliche Klima, in dem Migranten leben, wird dadurch vergiftet.

Der Unterschied zur FPÖ ist marginal

    Ansonsten zweifelt die AfD Sachsen-Anhalts wie die FPÖ am Klimawandel, will auch sie die CO2-Steuer abschaffen und hält nichts vom Green Deal der EU. Faschistisch ist das so wenig wie ihre Ablehnung von Sanktionen, die den Einkauf billiger russischer Energie verhindern, sondern es ist, wie ich hier vorige Woche schrieb, eine Frage heikler Abwägung. Gewaltige Angst macht mir freilich, dass die AfD Wladimir Putin als selbstverständlichsten Geschäftspartner und nicht als größte Gefahr für Europa sieht.

Auch überall sonst gleichen die Wünsche der AfD Sachsen-Anhalts denen der FPÖ: Sie will die Rundfunkgebühren abschaffen, um den öffentlichen Rundfunk zu schwächen, Gendern verbieten und Regenbogenflaggen von öffentlichen Gebäuden verbannen, auch wenn Alice Weidel mit einer Frau zusammenlebt. Dafür soll die deutsche Flagge möglichst viele Häuser zieren und deutsches Kulturgut Vorrang bei der Förderung genießen. In den Schulen möge man mehr über Bismarck und weniger über Hitler reden, denn der sei nur ein Zwischenspiel in Deutschlands großer Geschichte.Die Inklusion Behinderter an Schulen wird abgelehnt.

Natürlich sollen mehr deutsche Kinder geboren werden – da denkt man wie in Österreich an eine Gebärprämie, will aber auch Abtreibung wieder verbieten. Ansonsten ist das Verhältnis zur Kirche denkbar gespalten: Die AfD- Sachsen Anhalt fordert lautstark eine klares Bekenntnis zum Christentun, aber es empört sie, dass die Kirche Mitleid mit Flüchtlingen hat. Christlich von ihrer Gesinnung her ist die AfD-Sachsen-Anhalt bei Gott nicht und auch ihre Distanz zu gelebtem Glauben verbindet sie mit der NSDAP. Die AfD Sachsen-Anhalt transportiert auch als Landespartei erfolgreich faschistoides, dem Nationalsozialismus verwandtes Gedankengut.

Aber das heißt nicht, dass alle Ihre Wähler ihm ausgeliefert sind. Dazu bedarf es, wie in der NS-Zeit, eines gravierenden wirtschaftlichen Problems, wie es damals die Arbeitslosigkeit gewesen ist.   Jetzt ist es, wenn auch in ungleich geringeren Ausmaß, dass so viele Deutsche mit ihrer Arbeit so wenig verdienen (16,1 Prozent sind sogar armutsgefährdet), und gerade Ostdeutsche sind wirtschaftlich zusätzlich abgehängt.

Wenn die Bevölkerung Sachsen-Anhalts erlebte, dass ihre sowieso beträchtlichen wirtschaftlichen Probleme unter der Regierung der AfD zunähmen statt geringer zu werden, erlebte die spätestens bei der nächsten Wahl eine Erdrutsch-Niederlage. Denn nach wie vor glaube ich, dass die Menschen am ehesten von einer Partei abrücken, wenn sie deren Regieren schmerzhaft in in ihrer Brieftasche spüren.

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Wo Alice Weidel nicht ganz falsch liegt

Alice Weidel hält den Euro für verfehlt und zweifelt am Erfolg der EU im Kampf gegen den Klimawandel. Ich sehe das ähnlich und will trotzdem bei Beidem bleiben.

Alice Weidel hat in Österreich ein Interview gegeben, das insofern bemerkenswert ist, als es vorführt, was sich ändern könnte, wenn der in der EU zweifelsfrei bevorstehende Rechtsruck mit den Wahlen in Frankreich tatsächlich stattgefunden hat.

Wie Donald Trump oder Herbert Kickl bezweifelt Weidel den Klimawandel: Wärme und Kälteperioden hätte es schon immer gegeben. Das stimmt natürlich: Sie hängen für kurze Fristen (circa elf Jahre) von den Zyklen in der Sonnenaktivität, für lange Fristen (große Eiszeiten) von der Veränderung der Stellung der Erdachse zur Sonne ab. Nur dass es derzeit, von beiden klar unterscheidbar, die zusätzliche Erwärmung durch den Glashaus-Effekt gibt: Die Speicherung der Wärme durch eine Kuppel von Treibhausgasen über der Atmosphäre. Das zu leugnen, spricht von schlichter wissenschaftlicher Ahnungslosigkeit.

Weidel wie Kickl bezweifeln freilich vor allem, dass die Klimapolitik der EU daran etwas ändert und damit haben sie vorerst recht: Was immer in der EU weniger an Öl und Gas verbrannt wird, verbrennt der Rest der großen Wirtschaftsräume mehr und da es keine separates EU-Klima gibt, bleibt auch die Erwärmung der Atmosphäre die gleiche. Die würde nur reduziert, wenn die großen Öl-produzierenden Länder sich einigten, kontinuierlich weniger zu fördern, aber davon kann keine Rede sein. Derzeit wird Jahr für Jahr mehr Öl und Gas gefördert und verbrannt, wenn ein „Corona“ diesen Zyklus nicht zufällig unterbricht.

Billige Solarenergie als Lösung

    Dass ich trotzdem für das Bemühen der EU bin, den Klimawandel zu bremsen, liegt daran, dass es dann Erfolg haben wird, wenn Solarenergie billiger als fossile Energie ist, und diese technologische Entwicklung wird durch die Auflagen der EU vorangetrieben. Trotzdem ist es machmal die Frage, ob die wirtschaftlichen Nachteile, die die EU durch allzu raschen Verzicht auf fossile Engie erleidet, diese technologische Entwicklung  nicht gleichfalls gefährden. Es geht hier um ein heikles Abwägen, das man möglichst guten Technikern und Ökonomen überlassen sollte, von denen ich nicht glaube, dass sie in der FPÖ oder der AfD besonders zahlreich sind.

Allerdings ist ausgerechnet Alice Weidels zentrale ökonomische Aussage zumindest in ihrem zweiten Teil richtig, so sehr sie den Interviewer damit schockierte: Anders als Herbert Kickl fordert sie den Austritt aus dem EURO, weil der europäische Wirtschaftsraum sich nach seiner Einführung ganz ungleich schlechter als davor entwickelt hätte. Letzteres stimmt und ist ziffernmäßig in dem Buch „Europa spart sich kaputt“ von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz nachzulesen. Die soviel schlechtere Entwicklung liegt daran, dass der Euro so völlig anders als der Dollar gestaltet wurde, um Deutschlands Anspruch an seine Stabilität zu genügen: Es sind die Maastricht-Kriterien, die das Wachstum der EU derart hemmen, während die vier Grundfreiheiten des EWR es dramatisch erhöht hatte.

    Weidels problematische Forderung

Allerdings ist es fraglich, ob der Austritt Deutschland aus dem EURO – und damit sein faktisches Ende – dieses Problem optimal löste. Ob es nicht für Deutschland und alle Beteiligten zielführender ist, die Maastricht- Kriterien so zu verändern, dass die unsinnige Staatsschulden-Grenze wegfällt. Es ist das neben den massiven Befürchtungen, die ich dem derzeit unaufhaltsamen Aufstieg EU-kritischer Parteien entgegenbringe – der Angst vor ihrer faschistoiden Grundhaltung, ihrem Verständnis für Donald Trump und Wladimir Putin und ihrer Ablehnung der fortgesetzten finanziellen Unterstützung der Ukraine – meine einzige vage damit verbundene Hoffnung: dass ihr Erstarken im EU-Parlament dazu führt, die Maastricht-Kriterien abzuschaffen oder wenigstens sinnvoll zu reformieren.

So erfreulicher wie amüsanter Weise schafften sie damit auch die wichtigste Basis ihres Wachstums ab: Nur weil die EU sich seit Jahrzehnten wirtschaftlich so schlecht entwickelt hat, sind Parteien wie FPÖ, AfD oder das Rassemblement national Marine Le Pens so goß geworden.

 

 

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Was sind Umfragen in Diktaturen wert?

Meinungsumfragen sehen die Russen unverändert in großer Mehrheit hinter Putin und Kriegsgegner nur bei drei Prozent. Wenn es wahr ist.

Das Oberste Gericht Russlands, das diese Namen so wenig verdient wie das Land die  Bezeichnung „Demokratie“, obwohl es demnächst Wahlen abhält, hat die liberale Oppositionspartei Jabloko von diesen Wahlen ausgeschlossen, weil sie angeblich vom Ausland finanziert wird. Der wahre Grund: Jabloko verzeichnete im Vorfeld der Dumawahl rasanten Zulauf, insbesondere von jungen Menschen, weil sie als einzige den Ukrainekrieg ablehnt. Auch die im Exil lebende Julia Nawalnaja hatte zur Wahl der Friedenspartei aufgerufen. Politische Beobachter und Exil-Oppositionelle betonen, dass der Kreml Angst vor einer Sichtbarkeit der realen Anti-Kriegs-Stimmung in der russischen Bevölkerung hatte.

Im ORF wird, wie in allen Fernsehstationen  der EU derzeit  immer wieder die Frage aufgeworfen, ob die Bevölkerung weiterhin hinter Wladimir Putin steht, weil die durch Drohnenangriffe verursachten Brände von Raffinerien doch so wenig zu übersehen sind, wie die Teuerung aller Konsumwaren. Dennoch beantworten die meisten Russland-Korrespondenten sie mit „Ja“und  verweisen dabei auf Meinungsumfragen von Instituten, die in ihren Augen seriös sind und Jabloko nur drei Prozent Zustimmung attestieren.

Bei ihrem Besuch in Österreich im Mai hat die russische Friedensnobelpreisträgerin Irina Scherbakowa bei einem Interview versucht begreiflich zu machen, wie problematisch Meinungsumfragen in einer Diktatur sind, und ich möchte sie darin durch ein eindrucksvolles persönliches Erlebnis bestätigen. In den Sechzigerjahren, in der Hochzeit des Kommunismus im ehemaligen Ostblock, habe ich Urlaub in Polen gemacht, um das Land näher kennenzulernen, in dem meine Mutter durch ihre Haft in Auschwitz eine Menge Freundinnen hatte. Natürlich habe ich als junger Journalist auch versucht, einen Eindruck davon zu gewinnen, was die Polen von ihrer kommunistischen Regierung halten. Hätte ich nach zwei Wochen über die erhaltenen Auskünfte geschrieben, so hätte mein Bericht keinen Zweifel daran gelassen, dass sie im Wesentlichen hinter dieser Regierung stehen. Die wirtschaftliche Lage sei zwar unverändert schwierig, so sagten so gut wie alle, aber schließlich sei der Krieg noch nicht so lange her und zumindest sei die Korruption geringer. Außerdem müsse man natürlich gerüstet bleiben und das koste viel Geld. Zwar sei die Bundesrepublik nicht Hitler-Deutschland, aber dass man ihr nach wie vor Misstrauen entgegenbrächte, sei doch mehr als verständlich. Deshalb sei man auch froh über die militärische Unterstützung durch Russland.

Nicht dass man nichts an der Regierung auszusetzen hätte –  doch im Großen und Ganzen sei man mit ihr zufrieden.

Ganz ähnliche Auskünfte hat übrigens die große deutsche Journalistin Marion Gräfin Dönhoff bei einer Reise durch Ostdeutschland über dessen Regierung erhalten und in der ZEIT entsprechend berichtet.

Dass ich nicht so über Polen berichtet habe, lag daran, dass ich kurz vor meiner Abreise von einem privaten Kreis zum Gespräch eigeladen, wobei mir die Anwesenden auf meine Fragen anfangs durchwegs ähnlich wie schon die schon Zitierten geantwortet haben. Bis einer mir die Frage stellte, ob ich womöglich mit seiner Kameradin Ella Lingens verwandt wäre, denn die schriebe sich wie ich, aber womöglich sei der Name in Österreich häufig. Als ich sagte, dass ich ihr Sohn sei, veränderte sich die Stimmung unter der Gesellschaft um 180 Grad. Wenn ich der Sohn dieser wunderbaren Frau sei, könne man mir ja die Wahrheit sagen, denn ich würde niemandem verraten, wo und von wem ich sie gehört habe. Natürlich sei die wirtschaftliche Lage miserabel, funktioniere die Versorgung hinten und vorne nicht, zumal zur kommunistischen Misswirtschaft noch jede Menge Korruption seitens der Bonzen käme. Vor der Bundesrepublik der Gegenwart fürchte man sich in keiner Weise – das sei ein künstlich errichtetes Schreckgespenst. Was man fürchte, seien die Russen und die eigene Regierung.

Perfektes Lügen lernt man

Das heißt nicht, dass die Russen nicht vielleicht doch hinter Wladimir Putin stehen. Wohl aber heißt es, dass der Eindruck von Korrespondenten und das Ergebnis von Meinungsumfragen darüber kaum Auskunft geben: In einer etablierten Diktatur haben die Menschen gelernt, aus Vorsicht aufs Glaubwürdigste zu lügen. Die Polen sagten mir nicht, ihre Regierung sei wunderbar – sie kritisierten sie durchaus – aber nur in einem Ausmaß, das ihnen, wenn es bekannt geworden wäre, nicht das geringste Probleme bereitet hätte. Sie haben das perfekte glaubwürdige Lügen verinnerlicht. Die Russen unter Wladimir Putin ganz sicher auch.

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Es gilt, Trump als dumm zu begreifen

In der EU sieht man Donald Trump der Zölle wegen voran als Bösewicht. Seine schlichte Dummheit kommt die Welt ebenso teuer. Sein Iran-Fiasko ist einzigartig.

Wahrscheinlich fällt es schwer, einen vielfachen Milliardär als dennoch ziemlich dumm zu begreifen. Aber erstens hat Donald Trump schon von seinem Vater hunderte Millionen geerbt und zweites kann man auch dank simpler Korruption sehr reich werden. Trumps erstes, extrem erfolgreiches Großprojekt war der Bau eines Hotels in New York, für den die Stadt ihm Steuerfreiheit zugestand. Warum sie das tat, ist rätselhaft – jedenfalls kann man dergleichen auch erkaufen, wenn man sich auf Korruption versteht. Und wie sehr sich Trump darauf versteht, beweist die Gegenwart: Das Ausmaß, in dem er sich und seine Familie in seiner zweiten Amtszeit bereichert hat, ist einzigartig. Allein mit dem simplen Wissen, dass alle Aktien massiv steigen, wenn er behauptet, dass man im Krieg mit dem Iran unmittelbar vor einer Lösung steht, kann man hunderte Millionen machen, wenn man gemäß  diesem Wissen Aktien kauft.

Jedenfalls so lang, bis  alle Beteiligten wissen, dass Trumps Iran -Äußerungen nichts mit der Realität zu tun haben.

Derzeit lauten sie einmal mehr, dass sowieso überwältigende Sieg der USA demnächst in die Öffnung der Straße von Hormus mündet. Ich glaube zwar auch, dass sie irgendwann geöffnet wird, aber so gut wie sicher wird der Iran Geld für die sichere Durchfahrt verlangen und bekommen.

Nichts als alllenthalbenVerluste

    Damit ist die Bilanz dieses Krieges ein einzigartiges Fiasko, obwohl Trump ihn nicht aus  dummen oder aberwitzigen Motiven begonnen hat: Ich glaube ihm, dass ihm die Freiheit der Menschen des Iran durchaus am Herzen liegt und es war auch nicht abwegig, Israels Bedrohung durch den Iran verringern zu wollen, indem man ihn militärisch deutlich schwächt – aber jemand, der einigermaßen denken konnte, musste wissen, dass das mit beträchtlichen Risken verbunden ist und dass es so, wie Trump es militärisch anlegte – ohne massiven Einsatz am Boden – nicht zu erreichen war.

Das Ergebnis ist denn auch entsprechend: Die Iranis sind so unfrei wie eh und je, nur dass es ihnen wirtschaftlich noch schlechter als zuvor geht. Die Absicherung gegen eine künftige iranische Atombombe ist viel schlechter als das Wiener Abkommen, aus dem Trump ausgestiegen ist. Und Israel ist kaum sicherer. Der Iran ist militärisch zwar geschwächt, aber da ein Abkommen mit den USA, wie Trump es dringend braucht, ein Ende der Sanktionen voraussetzt, wird das Mullah-Regime in Kürze wieder Geld verdienen. Und zwar mehr denn je: Es wird zwar sicher keine „Reparationen“ für die Kriegsschäden durchsetzen, wohl aber Gelder für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus kassieren. Zusammen mit dem wieder erlaubten Verkauf seines Erdöls wird ihm das in Kürze rasches Aufrüsten ebenso erlauben wie das Finanzieren seiner Proxis. Auch wenn Benjamin Netanjahu sich von Trump nicht davon abhalten lassen wird, die Hisbollah weiterhin mit aller Kraft zu bekämpfen, wird Israel kaum entscheidend sicherer sein.

In Summe: Trump hat fast nichts von seinen Kriegszielen erreicht,  jeder Tag Krieg hat die USA rund eine Milliarde Dollar gekostet und in den neun Monaten, die ihre Marins auf Flugzeugträgern verharren mussten, ist nicht nur ihre Nahrung knapp geworden, sondern haben sie auch so viele Patriot- Raketen verschossen, dass die knapp geworden sind und Trump sie der Ukraine schon aus diesem Grund nicht weiterhin liefern kann. Insofern ist neben den USA, die Ansehen und Geld verloren hat, der EU, für die Öl sich verteuert hat, den Iranis, für die alles sich verteuert hat, auch die Ukraine ein Opfer des Iran- Krieges. Sich für so genial zu halten, dass man ein Problem, wie das des Iran in wenigen Wochen ohne Blutvergießen zu lösen vermag, ist leider nur einem dummen Menschen möglich. Zumal Trump in Pete Hegseth einen noch dümmeren Kriegsminister hat, der ihn darin bestärkte.

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Der Weg der EU nach Rechts ist gesichert

Eine Untersuchung des Wiener Institutes für Internationale Wirtschaftsvergleiche belegt meine düstere Vermutung mit Daten aus vier Jahrzehnten „Budgetkonsolidierung“

Vorige Woche habe ich hier ausgeführt, warum ich der Regierung keine Chance gebe, den massiven Aufschwung der Kickl- FPÖ zu stoppen, und warum populistische bis rechtsextreme Parteien überall in Europa vergleichbaren Zulauf haben werden. Meine Argumente haben gelautet, dass die Wirtschaftspolitik der EU, die Sparen des Staates fordert und der deutschen Lohnzurückhaltung keinen Einhalt gebietet, nichts anderes zulässt.

Soeben bestätigt eine eingehende Untersuchung des „Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche“ (WIIW)  meine These: Sparen des Staates im  Rahmen einer ohnehin eher negativen wirtschaftlichen Entwicklung ist ein sicherer Weg nach rechts.

Obwohl ich unverändert meine, dass Finanzminister Markus Marterbauer Österreichs „Budgetkonsolidierung“ im Zuge des EU-Defizitverfahrens denkbar vorsichtig vornimmt – die Wirtschaft so wenig wie möglich beschädigen möchte – wird auch er, und werden wir mit ihm, diese negative ökonomische wie politische Entwicklung erleben. Gar nicht davon zu reden, wie schlimm es wäre, wenn Marterbauer der Forderung des Präsidenten des Fiskalrats, Christoph Badelt, oder des Chefs des „Instituts für höhere Studien“ (IHS), Holger Bonin, oder der Agenda Austria folgte  und die Spar-Anstrengungen des Staates verstärkte.

Drittbeste Denkfabrik der Welt 

Leider holt der ORF zwar fast immer Stellungnahmen des IHS, des WIFO oder der Agenda Austria ein, fast nie aber des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche, obwohl es laut KI das international klar größere Renommee besitzt:  Es belegt im weltweiten „Global Think Tank Report“ regelmäßig Spitzenplätze und wurde als drittbeste internationale wirtschaftspolitische Denkfabrik der Welt ausgezeichnet.

Damit zum Inhalt der angeführten Studie, die der Senior Economist des WIIW, Philipp Hemberger, gemeinsam mit der Ökonomin Anna Matzner durchgeführt hat: Untersucht wurde anhand der Wirtschaftsdaten des Internationale Währungsfonds (IWF) sowie international vergleichbarer Politik- Umfragen, wie sich „Budgetkonsolidierung“ in 17 entwickelten Volkswirtschaften, darunter Österreich, zwischen 1980 und 2020 ökonomisch und politisch ausgewirkt hat.

Das Ergebnis: Wegen der negativen Entwicklung von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung sank die Zustimmung zur Regierung in den untersuchten Ländern innerhalb eines Jahres um etwa 1,6 Prozentpunkte, wobei es natürlich einen großen Unterschied in Bezug auf die wirtschaftlichen Begleitumstände der Konsolidierung gibt: Findet sie zum Zeitpunkt eines Wirtschaftsaufschwungs statt, so ändert sich die Zustimmung zur Regierung nur wenig – in einem Wirtschaftsabschwung sinken die Zustimmungswerte hingegen um 2,1 Prozentpunkte pro Jahr. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit von Anti- Regierungsdemonstrationen um 7,5 Prozentpunkte, von Generalstreiks um 7,8 Prozentpunkte und erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Regierungskrise, die den Fortbestand der Regierung gefährdet, um 7,5 Prozentpunkte. „Für Österreich“, so die Studie „läßt sich daraus ableiten, dass das politische Risiko der angekündigten weiteren Budgetkonsolidierung mit dem Doppelbudget 2027/28 deutlich steigt, wenn der Krieg im Nahen Osten eine neuerliche Rezession auslöst.“ Denn das Budget in einer Rezession zu konsolidieren wäre ein ökonomisches Desaster, das die Regierung den Fortbestand kosten kann.  Es kann Herbert Kickl also  durchaus schon vor 2029 geben.

Nebenergebnisse der Untersuchung: Konsolidierung, die nur auf Kürzung der Staatsausgaben setzt, also das „Sparen“ betont, senkt die Zustimmung zur Regierung deutlich stärker als Konsolidierung, die Einkommens-seitige Maßnahmen einschließt: Deshalb wäre es ein solcher Vorteil, wenn neben der Bankenabgabe auch eine Erhöhung vermögensbezogener Steuern in Frage käme. Aber NEOS und ÖVP werden das auch dann nicht begreifen, wenn Dutzende Untersuchungen es belegten.

 Das semantische Zusatzproblem

Für Gesamteuropa belegen alle Ergebnisse der WIIW-Untersuchung,  dass „Budgetkonsolidierung“ in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Aufstieg populistischer Parteien massiv begünstigt – wie das AfD, Marin le Pen oder FPÖ rundum bestätigen.

Für einen Journalisten, der wie ich um die Macht der Sprache weiß, hat das ökonomische Problem auch eine sprachliche Ursache: „Budgetkonsolidierung“ ist als Wort derart positiv besetzt, dass Menschen, die es vernehmen, gar nicht auf die Idee kommen, dass die „Konsolidierung“ des Budgets massivste negative Nebenwirkungen haben könnte, die sich als entscheidende Auswirkung entpuppen: Das Geld, das der Staat einspart, kommt der Wirtschaft nämlich nicht zugute, sondern wird ihr entzogen. Es ist das ein semantisches Problem, das noch stärker nur beim Begriff der „Staatschulden“ gegeben ist: Jedermann assoziiert sie mit „Schuld“, statt sich zu sagen, dass es sich um Kredite handelt, die der Staat aus gutem Grund – etwa um den Klimawandel abzuwenden – aufgenommen hat.

 

 

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Auch Sparen bei Kultur kostet Zukunft

Die freie Theaterszene leidet beträchtlich unter dem EU-Defizitverfahren. Nur Kultur kann KI-bedingte Arbeitslosigkeit linderen.

Es gibt einen Bereich, in dem ich Österreich als bespielhaft erachte: in keinem andren Land der Welt hat man so sehr begriffen, dass „Kultur“ ein Gut ist, welches der Staat wie, „Schulbildung“, „Gesundheitsvorsorge“ oder „Sicherheit“, bereitzustellen hat, um Demokratie und Gemeinsinn abzusichern. Wenn „Künstliche Intelligenz“ in den kommenden Jahren Millionen Menschen „Arbeit“ als einen wesentlichen Sinn des Lebens nehmen wird, wird man erkennen, welch enormer Vorteil es ist, wenn ihnen die Beschäftigung mit Kultur verbleibt. Und nur Kultur wird die Tech-Konzerne hoffentlich überzeugen, dass sie den enormen Fortschritt an Produktivität den KI und Robotik herbeiführen dazu nutzen muss, allen Menschen menschenwürdige Einkommen zu bescheren. Die belarussische Bürgerrechtlerin und Musikerin Maria Kelsenikawa ist bei ihrer eindrucksvollen Rede zur Eröffnung er Salzburger Festspiele nicht umsonst darauf zu sprechen gekommen.

Selbst der von mir so heftig kritisierte Föderalismus ist für Österreichs großes kulturelles Angebot von Vorteil, denn er führt zu fruchtbarem Wettbewerb. Während zwei Schwerpunktspitäler Rücken an Rücken nur teuer sind, können zwei Bühnen Rücken an Rücken die reinste Freude sein. Es gibt kein Bundesland, das nicht Festspiele hätte, in Niederösterreich fast kein Dorf, das nicht zumindest eine Festveranstaltung böte. Derzeit wird in einem Zelt einem der hintersten Winkel Kärntens, im Gailtal (ich kenne es so gut, weil ich in der NS-Zeit dort lebte) in einem Zelt Joseph Roths „Radetzkymarsch“ als Theaterstück aufgeführt und neben Profis wirken Dutzende Laien mit.  Im winzigen Rainbach im Innviertel hat man den ersten Teil des Romans “Das Ender der Ewigkeit“ von Alfred Zauner zu einem umjubelten Theaterstück gemacht, nachdem ihn die ZEIT schon seit Jahrzehnten zu einem der wichtigsten heimischen Autoren zählt. Es gibt längst nicht mehr nur die kulturellen Metropole Wien und die Salzburger Festspiele, sondern ganz Österreich bietet rundum Kultur und nimmt damit via Tourismus rund 5 Milliarden Euro ein.

Dafür wenden Bund, Länder und Gemeinden rund 2,1 Milliarden Euro auf, wobei ein Viertel auf den Bund entfällt. Dessen Budget sinkt im Jahr 2027 um 21 Millionen Euro (das sind 3 Prozent) auf insgesamt 608,7 Millionen Euro und damit inflationsbereinigt auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Daran gemessen war der Aufschrei meines Erachtens ein zu leiser.

Denn natürlich sparen auch die Gemeinden und in Wien hat das folgende Auswirkung: Während Burgtheater und Oper „nur“ um die Steigerung umfallen, die die Inflation normalerweise nach sich zieht, bekommt ein mittleres Theater, wie das „Theater zum Fürchten“ (Scala Theater) um ein Drittel weniger Subvention und das zehrt an der Substanz.  Immerhin hat die Scala 2025 nicht weniger als 9 Inszenierungen, davon drei Erstaufführungen herausgebracht und in Summe 69 Schauspieler beschäftigt, wobei, anders als Burgtheater, keine dieser Inszenierungen so endtäuschend ausfiel wie die Neuinszenierung von Richard III an der Burg.

Hauptleidende der verringerten Subventionen werden die Schauspieler sein, die weniger Engagements zu geringeren Gagen vorfinden werden, nachdem sie schon unter Corona mehr als jeder andere Beruf finanziell gelitten haben. Ich weiß das denkbar genau, weil mein jüngster Sohn Schauspieler ist. Wenn Schauspielern auch das Parken beim AMS erschwert wird, ist es für sie eine finanzielle Katastrophe.

 Was Trump und Musicals gemein haben

Ein Staat, in dem Kultur fast nicht subventioniert wird, sind die USA. Bühnen haben sich selbst zu erhalten, Schauspieler sind Filmstars oder haben in der überwältigenden Mehrheit Zweitberufe. Dieser zwang zum wirtschaftlichen Erfolg hat eine eigene Kunstform hervorgebracht: Musicals pflegen sich zu rentieren, wenn das Theater, in dem sie aufgeführt werden, genügend Plätze hat. Dass an der Metropolitan-Oper nach wie vor Opernaufführungen stattfinden, ist privaten Spendern zu danken -des gleich die Existenz großer Orchester. Wenn ein Hollywoodstar Hamlet spielen will, spendet er sich selbst oder spenden ihm Bewunderer eine Theateraufführung.

Nur Museen erhalten eine gewisse staatliche Unterstützung, auch wenn sie viel geringer als in Europa ist- und derzeit knüpft Donald Trump an diese Unterstützung bekanntlich inhaltliche Bedingungen.

Nicht dass die USA kulturlos wären- die calvinische Spendenbereitschaft finanziert einen kulturellen Mindestanspruch. Donald Trump ist seien politische Entsprechung.

Dass die staatliche Unterstützung für Kultur in Österreich gekürzt wird, wird die Politische Kultur kaum erhöhen. Denn leider ist die calvinischen Spenden-Bereitschaft reicher Menschen oder reicher Unternehmen eine eher seltene Ausnahme: So hat eine Familie Hoffman wesentlich dazu beigetragen, dass die Staatsoper am Heumarkt Carmen aufführen konnte.

Aber als die Rainbacher Spiele in Oberösterreich, die sich bisher fast völlig selbst finanzierten um eine Spende zur Anschaffung einer neuen Licht-Anlage im Preis von 10.000 Euro baten, spendete die Oberösterreichische Sparkasse mit 2000 Euro gerade die Mehrwertsteuer, erwartete aber großflächige Werbung und dreißig Eintrittskarten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 Bugtheaterdeutsch ist out

 

Eines der Probleme, das sich bisher aus der in Österreich so erfreulich hohen Förderung der Kultur ergeben hat, ist der immer größere Zuzug aus Deutschland. So muss die Intendanz des Burgtheaters gemäß EU-Recht international ausgeschrieben werden und wir glauben optimal zu handeln, indem wir auch einen Ausländer bestellen. Das kann manchmal, wie unter Claus Peymann ein Glückfall sein, zumal der den einzigartigen (leider verstorbenen) Gert Voss als Schauspieler mitgebracht hat, aber öfter scheint es mir ein Nachteil, selbst wenn man mit Martin Kušej einen Österreicher bestellt hat, weil er im Ausland, in München, erfolgreich war. Denn es bringt nicht nur voran deutsche Inszenierungen und deutsche Schauspieler ins Land, sondern auch das so konventionelle deutsche Bemühen, unbedingt „unkonventionell“ zu sein. Hatte Kušej bei seinem Abschied aus Österreich mit einer grandiosen Inszenierung von Grillpazers König Ottokar größte Hoffnungen geweckt, so war ich nach seiner Rückkehr bei seiner Inszenierung von Faust1 unter den vielen Besuchern, die die Aufführung in der Pause verließen, weil sie das Stück nicht wiedererkannten.

Auch die Überzahl deutscher Schauspieler, die hier besser als zu Hause verdienen, hat ihre Probleme: Einst war „Bugtheaterdeutsch“ den deutschen Bühnen Vorbild– jetzt ist es umgekehrt: Am Burgtheater wird deutsches Deutsch gesprochen. So wie das Reinhardt-Seminar das einst voran österreichische Schauspieler und Schauspielerinnen hervorbrachte, unter der (mittlerweile aufgekündigten) Führung der Deutschen Maria Happel fast nur mehr deutsche Studierende hatte.

Österreich sollte den Umstand, dass es Kultur mehr als andere Länder fördert, zum Anlass nehmen, auch selbstbewusster zu agieren: Unsre eigene Leute sollten nicht so oft zweite Wahl sein.

 

 

 

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Die vielen Gefahren sinkender Reallöhne

Es gibt kaum große Probleme der EU, für die Deutschlands Lohnzurückhaltung keine wesentliche Rolle gespielt hat: Vom Verschlafen des E-Autos bis zum Boom rechtsextremer Parteien.

Dass meine Kommentare nicht mehr in der gedruckten Ausgabe erscheinen, hat neben allgemeinen Blattpolitischen Überlegungen auch zur Ursache, dass Florian Klenk „nicht jede Woche eine Kolumne über `deutsche Lohnzurückhaltung` an prominentester Stelle im Falter lesen möchte“. Ich verstehe das, denn jetzt kann jeder, der will, meinen Blog abonnieren und ich nehme weder Barbara Toth noch Eva Maria Konzett prominenten Platz weg. Ich will nur auch meine Beharrlichkeit verständlich machen: Es gibt, so behaupte ich, fast kein großes europäisches Problem, für das „Deutschlands Lohnzurückhaltung“ keine wesentliche Rolle spielt.

Vorige Woche konnte ich hoffentlich zeigen, dass sie nicht nur in meinen Augen, sondern auch laut „Künstlicher Intelligenz“(KI) eine entscheidende Rolle dabei spielte, dass Deutschlands Auto-Konzerne die E-Mobilität verschliefen: Sie fuhren dank Lohnzurückhaltung bis 2025 so hohe Gewinne ein, dass Ex-VW-Boss Matthias Müller Tesla „irrelevant“ nennen konnte.

Diesmal glaube ich zeigen zu können, wie sehr der Erfolg rechtsextremer Parteien mit Deutschlands Lohnzurückhaltung zusammengehängt. Denn nicht nur in meinen Augen, sondern auch laut KI ist deren Aufstieg nicht zuletzt Folge des finanziellen Abstiegs der „Unterschicht“, sei es Österreichs, Frankreichs, Italiens oder Deutschlands. Denn für alle diese Volkswirtschaften hat „Deutschlands Lohnzurückhaltung“ eine wesentliche wirtschaftliche Rolle gespielt.

Weil KI durch die Fragestellung beeinflusst werden kann, habe ich so neutral wie möglich gefragt: „Was folgt aus der Lohnzurückhaltung Deutschlands für Frankreich?“ Die Antwort: „Durch stagnierende Reallöhne in Deutschland sanken die dortigen Lohnstückkosten deutlich. Frankreich, wo die Löhne im Gleichschritt mit der Produktivität stiegen, verlor im direkten Vergleich drastisch an preislicher Wettbewerbsfähigkeit. Dies führte dazu, dass Frankreich hohe Handelsbilanzdefizite gegenüber Deutschland anhäufte, während Deutschland Rekord-Exportüberschüsse verzeichnete. Da der Wechselkurs durch die gemeinsame Euro-Währung fixiert war, konnte Frankreich den deutschen Kostenvorteil nicht mehr (wie früher beim Franc) durch eine Abwertung der eigenen Währung ausgleichen. Die französische Regierung kritisierte das deutsche Vorgehen wiederholt scharf. Sie warf Deutschland vor, durch `Lohndumping` auf Kosten seiner europäischen Partner zu leben und die Eurozone in ein makroökonomisches Ungleichgewicht zu stürzen.“

Ich ergänze: das deutsche Verhalten widerspricht sowohl den Regeln der World Trade Organisation (WTO) wie der EU – aber die deutsch dominierte EU-Kommission ahndete den deutschen Verstoß nicht.

KI sieht denn auch weitere gravierende Folgen: „Auf dem wichtigsten französischen Exportmarkt – den Ländern der Eurozone – verdrängten billigere deutsche Waren französische Produkte. Auch französische Verbraucher und Unternehmen griffen verstärkt zu deutschen Industriegütern und Konsumwaren. Die Unfähigkeit, preislich mitzuhalten, führte in Frankreich zur Schließung von Fabriken und zu einem beschleunigten Verlust von Arbeitsplätzen in der Industrie.“

Was Italien betrifft, so liest sich die Auskunft auf die gleiche Frage kaum anders: „Die deutsche Lohnzurückhaltung führte für Italien zu einem massiven Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit, steigenden Handelsbilanzdefiziten gegenüber Deutschland. Da Italien durch den Euro seine Währung nicht mehr abwerten konnte, um Preisnachteile auszugleichen, geriet das Land wirtschaftlich stark ins Hintertreffen.“

Von mir zusammengefasst: Deutschland hat Frankreich und Italien durch die gegenüber der Produktivität zurückgehaltene Entlohnung seiner Arbeitnehmer wirtschaftlich maximal beschädigt.

 

Politische Folgen niedriger Löhne

 

Insbesondere der Verlust an Arbeitsplatzsicherheit und realem Wohlstand der betroffenen Bevölkerung stimmt mich aus gutem Grund besorgt: Adolf Hitler wäre ohne die Arbeitslosigkeit der Dreißigerjahre nicht an die Macht gekommen – jetzt tragen Arbeitsplatz-Unsicherheit und Reallohnverluste wesentlich dazu bei, dass die Neofaschisten in Italien, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich und das Rassemblement Nationale Marin Le Pens in Frankreich derart erstarkt sind.

Alle diese Parteien werden zwar nicht nur, aber vor allem von einer abgehalfterten Unterschicht gewählt, die besonders unter dem Verlust an Job-Sicherheit und Wohlstand leidet. Ich habe KI daher gefragt, was die deutsche Lohnzurückhaltung für die Unterschicht der jeweiligen Länder. bedeutet?“ Die Antwort, die Deutschland selbst betrifft, hat zumindest mich in keiner Weise überrascht: „Für den Wohlstand der deutschen Unterschicht bedeutete die Lohnzurückhaltung einen spürbaren Wohlstandsverlust und eine Zunahme von sozialer Ungleichheit. Während die Exportwirtschaft boomte, entkoppelten sich die unteren Einkommen der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung. Im unteren Einkommensdrittel sanken die inflationsbereinigten Löhne über Jahre hinweg real, wodurch die Kaufkraft dieser Gruppe massiv schrumpfte. Es entstand einer der größten Niedriglohnsektoren Westeuropas, in dem zeitweise fast jeder vierte Beschäftigte arbeitete.“ Da nimmt der Aufschwung der AfD kaum wunder.

Für Frankreich lautet die KI-Diagnose: „Da Frankreichs Industrie im direkten Wettbewerb mit Deutschland massiv an Boden verlor, traf diese Entwicklung die einkommensschwächsten Schichten im Land besonders hart. Besonders in den sozial benachteiligten Vorstädten verfestigte sich eine extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit, was die soziale Spaltung und Armut der dortigen Unterschicht massiv verschärfte.“ Entsprechend profitierte Main Le Pen.

Die KI-Diagnose bezüglich Italiens ist noch etwas düsterer: „Die deutsche Lohnzurückhaltung bedeutete einen massiven Verlust an Lebensstandard, steigende Armut und den Abbau sozialer Sicherheit. Es entstanden Millionen schlecht bezahlte, befristete Verträge ohne soziale Absicherung.“ Kein Wunder, dass die fratelli d‘Italia bereits regieren.

Aber auch Österreichs Unterschicht hat laut KI unter der deutschen Lohnzurückhaltung gelitten: „Die deutsche Lohnzurückhaltung bedeutet für die österreichische Unterschicht vor allem höheren Druck auf das eigene Einkommen, Reallohnverluste und ein steigendes Armutsrisiko. Da Deutschland Österreichs wichtigster Handelspartner ist, zwingt das dortige Lohn-Dumping auch die österreichische Wirtschaft zu einem harten Wettbewerb, dessen Lasten oft an das untere Ende der Einkommensskala weitergegeben werden.“ Entsprechend erstarke die FPÖ

Vielleicht bringen Sie meiner Besorgnis in Bezug auf die deutsche Lohnzurückhaltung doch das Verständnis entgegen, das „Künstliche Intelligenz“ ihr entgegenbringt.

 PS: Aus dem Buch „Grundlagen einer relevanten Ökonomik“ des deutschen Ökonomen Heiner Flassbeck, das ich Interessierten wärmstens empfehle, erfahren Sie, dass am Anfang der Weltwirtschaftskrise der weltweite Verfall der Löhne stand.

 

Wenigstens der Fußball war gerecht

Mit Spanien gewann das mit Abstand beste Team das Endspiel. Das beste Match war ein anderes

in seiner zweiten Halbzeit  

Wenn man seinen Lebensmittelpunkt wie ich durch zehn Jahre in Spanien hatte, freut man sich mit den Spaniern, dass das mit Abstand beste Team auch tatsächlich Weltmeister wurde. Zumal es die Spanier in einer Lebensfreude bestätigt, die sie uns voraushaben: Selbst in einer Zeit, in der es ihnen wirtschaftlich miserabel ging, fanden sie das Leben halb so schlimm, weil sie überzeugt waren, immer den besten Wein und den besten Fußball zu haben.

Eigentlich waren sie im Endspiel so drückend überlegen, dass sie weit höher gewonnen hätten, hätte der slowenische Schiedsrichter die argentinischen Fouls von Beginn an geahndet. Auch die Kommentatoren nannten nur allzu oft „Leidenschaft“, was reine Brutalität war.

Dass Donald Trump einen Spanier nach dem anderen als besten Neuling, besten Tormann, besten Spieler und Weltmeister auszeichnen musste, obwohl Spanier „ganz schlechte Menschen sind“, war ein spezielles Vergnügen.

Manchmal ist Fußball auch wirklich völkerverbindend. Besseren Fußball als in der zweiten Hälfte des 6:4 Englands gegen Frankreich habe ich nie gesehen. Die bis dahin lustlosen französischen Weltstars, von denen jeder einen Marktwert von mehreren Millionen Euro hat, wollten klarstellen, dass sie mehr können als sie in der ersten Hälfte beim 0:4 für England gezeigt haben – die kaum minder teuren englischen Stars haben so gut wie vorher weitergespielt. Auf beiden Seiten gab es fast kein Foul – nur die Demonstration perfekten Fußballs. Es war plötzlich logisch – und eine Freude mitzuerleben – wie die Gegner einander nach dem Match um den Hals fielen und ihre Leibchen tauschten: 22 Ballkünstler hatten gemeinsam 45 Minuten lang ein fußballerisches Kunstwerk geschaffen.

 

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Wieso verschlief Deutschland das E-Auto?

Wenn man dank niedriger Löhne sowieso durch rund 15 Jahre immer höhere Gewinne einfährt, ist man nicht zu Innovationen, etwa zu neuen Geschäftsmodellen, gezwungen.

In gewisser Hinsicht war die mit Spannung erwartete Sitzung des VW- Aufsichtsrates am Donnerstag der Vorwoche charakteristisch für die die Krise der deutschen Automobilindustrie: Alles blieb unklar. Weder wurde beschlossen, wie kolportiert, weltweit 100.000 Stellen abzubauen noch vier Werke zu schließen. Bei Mercedes meint man ein Rezept zu haben: Die Angestellten sollen zum gleichen Gehalt 40 statt 35 Stunden arbeiten, obwohl es schwerlich genug Arbeit für die größere Stundenzahl gibt, denn E-Autos haben viel weniger Bestandteile, und gegen eine Lohnsenkung läuft nicht nur die die Gewerkschaft Sturm, sondern auch Donald Trump nähme sie zum Anlass noch höherer Zölle. An Drohkulissen hat die Geschäftsführung freilich dennoch keinen Mangel: Eine Prognose des deutschen Branchenverbandes VDA schätzt (meines Erachtens sehr vorsichtig), dass in Deutschland zusammen mit der Autoindustrie bis zum Jahr 2035 insgesamt bis zu 225.000 Arbeitsplätze verloren gehen, wenn man alle indirekten Verflechtungen, wie Zulieferer, Rohstoffe, chemische Vorprodukte und nachgelagerte Dienstleistungen (Handel, Werkstätten) mit einbezieht. 100.000 sind bereits verloren, 125.000 kämen bis 2035 hinzu.

Bedeutung für Österreich

Da österreichische Unternehmen zu den wichtigsten externen Zulieferern zählen, ist das Thema in der öffentlichen Diskussion hier kaum weniger als in Deutschland präsent, denn im Allgemeinen kann man, was dort passiert, durch 10 dividieren, um zu wissen, was Österreich droht. In beiden Ländern spielt die erweiterte KFZ-Industrie eine zentrale Rolle: In Deutschland verantwortet sie rund 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIB) und es arbeiten dort rund 2,2 Millionen Menschen, in Österreich sind es laut KI sogar 11 Prozent des BIB und 350.000 Beschäftigte.

Für Deutschland sind Autos und Autobestandteile (in denen so viele österreichische Zulieferprodukte stecken) mit 8,8 Prozent zugleich der wichtigste Exportartikel. Und genau bei diesem Exportartikel fanden im letzten Jahr die größten Einbrüche statt: 2025 haben die Zölle, die Donald Trump mit der Begründung verhängte, dass Deutschland seinen Autos durch Lohndumping einen unfairen Preisvorteil verschaffe, ihren Export in die USA um 18,9 Prozent reduziert und die deutschen Auto-Exporte in die Volksrepublik China gingen im Vergleich zum Vorjahr sogar um ein Drittel zurück.

Chinas Vorsprung wächst   

Die Zukunft sieht aber noch trister aus: Chinas E- Autos sind trotz Zöllen in der EU zur größten Konkurrenz für voran deutsche, aber auch französische und italienische E-Autos geworden, denn sie sind billiger und verfügen über mehr digitale Gadgets bis hin zu KI. Da das deutsche Lohnniveau (= die deutsche Kaufkraft) besonders unter der deutschen Lohnzurückhaltung leidet und das Lohnniveau (= Kaufkraftniveau) der gesamten EU zwangsläufig mitgelitten hat, müssen, um den aus Klimagründen so wünschenswerten Kauf von E-Autos zu forcieren, gewaltige staatliche Zuzahlungen angeboten werden, die dennoch voran BYD und etwas auch Tesla zugutekommen, denn vorerst fahren alle E-Autos mit Batterien von BYD.

In Summe: Das Rückgrat der deutschen Industrie – denn das ist die KFZ-Industrie weit vor der Industrie für Maschinen & Anlagenbau – ist massiv angeknackst und es ist fraglich, ob Deutschland die Lokomotive sein kann, die das Wirtschaftswachstum der EU beflügelt. Zumal voran Italiens, etwas weniger Frankreichs Autoindustrie leider ähnliche Probleme haben. Europa, ein Kontinent, für den hochklassige Autos eines der wichtigsten Verkaufsprodukte waren, steht damit vor einem, meines Erachtens, gravierenden Problem.

Die Frage, wie es dazu kommen konnte, wird jedenfalls nicht nur von mir recht intensiv gestellt: Wieso hat ausgerechnet Deutschland den Übergang zum E-Auto derart verschlafen?

Ist „Lohnzurückhaltung“ wesentlich?

Eine Antwort, die sich mir aufdrängt und die KI bestätigt, lautet: Die deutsche Autoindustrie fuhr durch Jahrzehnte so hohe Gewinne ein, dass der Druck, sie durch eine Steigerung von Produktivität und Innovation zu erhöhen, so gut wie nicht vorhanden war. „Als Gewinne und Dividenden nur so sprudelten“, weiß Regina Bruckner im Standard, habe VW-Boss Matthias Müller inmitten des VW-Dieselskandals zur Belustigung der VDA-Granden erklärt, wie irrelevant der E-Auto-Pionier Tesla gemessen am VW-Konzert sei.

Weil Florian Klenk bezweifelt, dass die deutsche Lohnzurückhaltung diesbezüglich ein gravierendes Agens darstellt, habe ich bei „Künstlicher Intelligenz“ unparteiische Auskunft eingeholt, „ob die Lohnzurückhaltung zwischen 2005 und 2020 für die hohen Gewinne der deutschen Automobilindustrie von wesentlicher Bedeutung war“.

Das sagt die Künstliche Intelligenz

Die Antwort entspricht meiner offenbar raren Vermutung: „Im Gegensatz zu den hohen Tariflöhnen der Kernbelegschaften in der Montage, prägten moderate Lohnsteigerungen (Lohnzurückhaltung) in der Verwaltung und die enorme Kostensenkung durch den starken Druck auf Zulieferer die Bilanzen der Konzerne. Die Unternehmensgewinne stiegen in diesem Zeitraum (2005 bis 2020) infolgedessen deutlich. Die Gesamtkosten eines in Deutschland produzierten Autos hängen nämlich nicht nur von den Stundenlöhnen der direkten Produktionsmitarbeiter ab. Neben der direkten Fertigung fließen maßgeblich die Kosten für Verwaltung, Forschung und Entwicklung, sowie für vorgelagerte Zulieferer in den Gesamtpreis ein. Die jahrzehntelange Lohnzurückhaltung (die sogenannte `Lohn-Stagnation`) hat den Druck auf die Unternehmen verringert, in teure Innovationen und Effizienzsteigerungen zu investieren. Dieser Effekt wird als eine der Hauptursachen für die Schwächen des Standorts gehandelt.“

Den zugehörigen Mechanismus erklärend, heißt es weiter: „In der Ökonomie werden steigende Löhne oft als Produktivitätspeitsche bezeichnet: Sie zwingen Unternehmen dazu, in Automatisierung, moderne Technologien und neue Geschäftsmodelle (Innovation) zu investieren. Wenn Löhne niedrig sind (Lohnzurückhaltung) und die Unternehmensgewinne ohnehin hoch ausfallen, entfällt dieser akute Druck. Für Unternehmen ist es oft kostengünstiger, einfach mehr (günstige) Arbeitskräfte einzustellen, anstatt in teure und riskante Innovationen zu investieren.“ (Ende des KI-Zitates, wobei auch die Worte zwischen Klammern exakt dem Zitat entsprechen.)

 

 

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Markus Marterbauers subtiler Balanceakt

Auch Marterbauers zweites Doppelbudget versucht, das Finanzmarkt-Risiko zu minimieren und das Wirtschaftswachstum trotz Brüssels Sparzwang möglichst wenig zu beschädigen.

 Dass Markus Marterbauer Österreichs beliebtester Minister ist, obwohl er Einsparungen verkünden muss, sagt zwar nicht, dass die Bevölkerung besonders viel von Volkswirtschaft versteht, wohl aber, dass sie einen guten Instinkt hat. Marterbauer scheint Unmögliches zu gelingen: Österreich mit minimalem Schaden für sein Wirtschaftswachstum durch Brüssels Defizitverfahren zu manövrieren. Große Würfe bleiben ihm zwar versagt – die ÖVP als Partner und der Föderalismus als Verfassung schließen sie aus. Auch diesmal gelang es nicht, dem Bund die alleinige Kompetenz für Spitäler zu übertragen und die Finanzierung aus einer Hand sicherzustellen, aber mehr auch fachärztliche Gemeinschaftspraxen sind ein Fortschritt und dürften Geld sparen.

Dass Sparen des Staates das Wirtschaftswachstum in Summe dennoch gefährden muss, besagt die Mathematik: Unternehmen können nicht mehr verkaufen, wenn der sparende Staat weniger einkauft. Dass Marterbauer das Budget-Defizit dennoch verringern muss, besagen die Bestimmungen der EU: Solange wir ihr angehören, muss er sich ihnen unterwerfen.

Da Marterbauer die Mathematik als Saldenmechanik keineswegs fremd ist, bestätigt sein Büro, dass die Kürzung von Staatsausgaben negative Nachfrageeffekte nach sich zieht. Aber Ziel Österreichs sei es, diese Effekte so gering wie möglich zu halten und das scheint bisher gelungen. Unter anderem, weil die Konsumenten mehr Geld für Einkäufe aufgewendet haben: Die Sparquote der Privathaushalte ist von 11,7 auf 9,9 Prozent gesunken, auch wenn sie noch immer über dem langjährigen Durchschnitt von 7 bis 8 Prozent liegt. Es gibt also noch beträchtliches zusätzliches Konsum-Potential und Marterbauer wüsste auch, wie man es am leichtesten nützte: indem man Vermögen mehr, Löhne und Einkommen dagegen weniger besteuerte – denn „Geringverdiener“, die auf die Weise mehr Geld in der Tasche haben sollten, wenden es, anders als „Vermögende“ zur Gänze für Einkäufe auf.

Doch eine solche sinnvolle Steuerreform, die die insgesamte Steuerlast keineswegs erhöhte, kommt nicht in Frage, weil weder ÖVP noch NEOS begreifen, dass Europas Problem nicht darin besteht, zu wenig, sondern zu viel zu sparen. Marterbauer musste bei seinen Doppelbudgets also nicht nur die volkswirtschaftliche Unkenntnis Brüssels, sondern auch die seiner Regierungspartner umschiffen. Dennoch ist die Budgetsanierung 2025/26 gelungen, obwohl sie ein deutlich größeres Volumen als die für das Doppelbudget 2027/28 hatte: Die Wirtschaft ist aus ihrem Tief herausgekommen.

Denn die höheren Steuern, etwa die (fortgesetzte) Bankenabgabe, waren so gewählt, dass sie die Konjunktur nicht stark belasten und auch die Streichung von als einmalig empfundenen Transfers wie etwa des Klimabonus hatte kaum negative Nachfrageeffekte. Dazu kamen die Nachfrage belebende Offensivmaßnahmen: Die öffentlichen Investitionen sanken nur um die Inflation und es flossen rund drei Milliarden Euro in den Ausbau von Schieneninfrastruktur und Forschungsförderung. Zugleich sollten sie private Investitionen anstoßen.

Die allerdings sind weiterhin nicht hoch genug, aber die Regierung ist (im Gegensatz zu mir) zuversichtlich, dass die Senkung der Lohnnebenkosten und die hoffentlich weiter steigende Konsumneigung sie befördern. Bei der Förderung der Wissenschaften hat Sparen zumindest keinen Einbruch bewirkt.

Auch die Nicht -Valorisierung von Beihilfen, die eine Menge Geld spart, sollte, so hofft man, ähnlich wie die Streichung von Einmalzahlungen, keine dramatischen negativen Nachfrageeffekte haben, zumal zugleich Investitionen erfolgen, die die Familie entlasten: Das zweite Kindergartenjahr und mehr Gesamtschulen sollte außerdem voran die Bildung von Migranten verbessern und die Berufstätigkeit von Frauen erleichtern und beides nutzt der Wirtschaft.

Die Energiekrise aufgrund des Iran-Kriegs beeinflusst sie zwar leider negativ und hat den Sanierungsdruck erhöht – dennoch, so meint Marterbauer, sollte auch dem kommenden Doppelbudget gelingen, dass die Wirtschaft in Schwung bleibt, obwohl der Sanierungspfad weiterverfolgt wird.

Wir sparen, so sagt Marterbauer, nicht in erster Linie aufgrund der EU-Vorgaben, sondern um in Zukunft weniger Geld für Zinsen ausgeben zu müssen: Österreich müsse vermeiden, zum Spielball der Finanzmärkte zu werden. Ohne Konsolidierungsmaßnahmen, so rechnet das Ministerium vor, wäre unser Budgetdefizit auf 5,4 Prozent und unsere Staatsschuldenquote von derzeit 81,5 auf 99 Prozent gestiegen. Das hätte, so ist man überzeugt, unsere Zinslast erheblich erhöht.

Marterbauers Aktivität in Brüssel   

Tatsächlich wendet Österreich derzeit nur rund 1,6 Prozent seines BIP für Zinszahlungen auf, während es bei den USA, mit einer Staatschuldenquote von 125 Prozent, rund 3,2 Prozent sind.  Der große Unterschied hat allerdings auch sehr andere Gründe als die hohen US-Schulden: von vornherein legt die FED die Zinsen mit rund drei Prozent deutlich höher als die EZB fest, weil sie der meines Erachtens richtigen Meinung ist, dass Geschäfte gut genug sein müssen, auch bei diesem Zinssatz Gewinne einzubringen.

Tatsächlich gelingt das den USA trotz (ich meine wegen) steigender Schulden ungleich besser als der EU. Für mich bleibt daher höchst fraglich, ob die Zinslast wirklich mit der Staatschuldenquote zusammenhängt. So wendet Japan sogar nur 1 bis 1,5 Prozent seines BIP für Zinsen auf, obwohl es eine Staatsschuldenquote von 220 Prozent hat. Investoren begeistert angeblich, dass der japanische Staat seine Schulden fast nur bei Japanern hat, während wir sie auch bei Deutschen, Schweizern Holländern oder Japanern haben. Ich weiß zwar nicht, warum das so viel schlechter sein soll, aber im Moment scheinen „die Märkte“ in unserer geringen Verschuldung tatsächlich einen Vorteil zu sehen, den Marterbauer wahren will. Ich dagegen halte geringe Staatschulden unverändert für einen Nachteil: Österreich investiert, wie die gesamte EU, viel zu wenig in die Zukunft.  Allerdings weiß ich aus Brüssel, dass auch Marterbauer Sparen des Staates nicht für der Weisheit letzten Schluss hält und mit Gleichgesinnten darum kämpft, Investitionen in Digitalisierung oder Klimaschutz, so wie Investitionen in Rüstung über langfristige Verschuldung finanzieren zu können.

 

 

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Der Vorteil „künstlicher Intelligenz“

Indem sie nicht von deutschen Ökonomen dominiert wird und Behauptungen überprüfen kann, stellt KI klar, warum Sparen des Staates aktuell so verfehlt ist,

Ich habe eigentlich nicht gedacht, dass künstliche Intelligenz (KI) auch meinen Beruf überflüssig machen könnte, aber ich bin dessen nicht mehr sicher: Seit mehr als zwanzig Jahren versuche ich, Leser, Kollegen und Politiker zu überzeugen, dass Sparen des Staates in der aktuellen Situation eine widersinnige, gemeingefährliche Strategie ist und habe dabei kaum Erfolg. Finanzminister Markus Marterbauer hat soeben Österreichs Spar-Doppelbudget präsentiert und der Ökonom und Präsident des Fiskalrates, Christoph Badelt moniert, dass es nicht ambitioniert genug ist, um dem meines Erachtens verrückten EU-Defizitverfahren zu genügen.

Ich habe daher, statt wieder einmal zur allseitigen Ermüdung auf die Saldenmechanik zu verweisen, die vermutlich in Zukunft alle Bereiche dominierende „Künstliche Intelligenz“ befragt, ob Sparen des Staates für die Wirtschaft sinnvoll ist und folgende in meinen Augen perfekte Antwort erhalten:

„Sparen des Staates (Austerität) ist volkswirtschaftlich nicht pauschal sinnvoll, sondern hängt stark von der wirtschaftlichen Lage ab. Während ein Sparkurs in einer überhitzten Wirtschaft sinnvoll ist, kann er in einer Krise den wirtschaftlichen Abschwung massiv verschlimmern und die Staatsfinanzen paradoxerweise weiter verschlechtern. Die Sinnhaftigkeit staatlichen Sparens wird in der Volkswirtschaftslehre anhand zweier zentraler Perspektiven und Phasen diskutiert:

  •         Das Sparparadoxon besagt: Wenn ein Staat seine Ausgaben drastisch kürzt, entzieht er der Wirtschaft Geld.
  •         durch staatliche Einsparungen sinken die Umsätze von Unternehmen und die Einkommen der Bürger. Dadurch nimmt der Staat weniger Steuern ein. Am Ende kann das Defizit (daher) trotz Sparens steigen.

Sinnvoll ist Sparen des Staates (nur dann), wenn die Wirtschaft überhitzt boomt und die Gefahr hoher Inflation besteht. Dagegen) ist Sparen des States schädlich in einer Rezession oder Krise. Es besteht (dann) die Gefahr einer Abwärtsspirale: Spart der Staat in der Krise, (so)bricht die Nachfrage noch stärker ein. Einsparungen bei Bildung, Infrastruktur und Digitalisierung schaden (zudem) der Wettbewerbsfähigkeit von morgen.“ (Ende der Zitierung)

 

 

 

 

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KI begreift den Zustand der EU auf meine zwei Fragen

Ich habe KI befragt, wie sie die aktuelle wirtschaftliche Situation der EU einschätzt und ob die EU derzeit überhitzt boomt und die Gefahr einer hohen Inflation besteht, oder ob die Gefahr einer Rezession besteht, weil Unternehmen wenig investieren und Konsumenten wenig einkaufen?

Die mit künstlicher Intelligenz eruierte Antwort war in meinen Augen perfekt: „Die EU boomt derzeit in keiner Weise, sondern es besteht die Gefahr einer Rezession und steigenden Restinflation. Die von Ihnen (mir als Fragendem) vermutete Kettenreaktion aus Investitions- und Konsumschwäche ist genau das Kernproblem, vor dem Ökonomen und Ratingagenturen wie S&P Global derzeit warnen.“

Das aktuell gravierendste Problem der EU scheint mir zu sein, dass wir es nicht mit „Künstlicher Intelligenz“, sondern mit der ökonomischen Intelligenz von Ursula von der Leyen, von diversen die EU dominierenden deutschen Ökonomen zu tun haben und davor mit der ökonomischen Intelligenz Angela Merkels und ihres Finanzminister Wolfgang Schäuble zu tun hatten.

Ich bin zuversichtlich, dass ich KI abermals an meiner Seite hätte, wenn ich behaupte, dass sie uns mit dem Sparpakt geballten ökonomischen Unsinn hinterlassen haben und dass die Maastricht-Kriterien all dem widersprechen, was Künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit staatlichem Sparen für sinnvoll hält.

KI hat den enormen Vorteil, dass unter der Milliarde Informationen, die sie berücksichtigt, nicht nur die Veröffentlichungen deutscher Ökonomen, sondern auch angelsächsischer, japanischer oder selbst chinesischer Ökonomen eingehen und dass sie in der Lage ist, deren Vorhersagen mit der Realität zu vergleichen. Das ist in der Volkswirtschaftslehre ein Vorteil, den man gar nicht hoch genug schätzen kann.

KI sieht auch Deutschlands Lohnzurückhaltung so kritisch wie ich – auch in Bezug auf seine eigene Produktivität.

Nachdem ich erlebt habe, wie perfekt „Künstliche Intelligenz“ mich ersetzt, wenn es um die Frage geht, wie Sparen des Staates sich auf die Wirtschaft auswirkt, wollte ich wissen, wie KI die zweite Frage beurteilt, von der ich meine, dass die Zukunft der EU von ihr abhängt:

Ich habe bei der Google KI gefragt, welchen Einfluss Deutschlands Lohnzurückhaltung auf die Wirtschaft der EU hat, und die Antwort ist meines Erachtens einmal mehr perfekt:

„Deutschlands Lohnzurückhaltung führt zu massiven Handelsungleichgewichten in der Europäischen Union, da sie die deutsche Exportwirtschaft künstlich verbilligt und gleichzeitig die Nachfrage nach Produkten aus anderen EU-Ländern bremst.“

Die wichtigsten Einflüsse auf die Wirtschaft der EU sahen laut KI folgendermaßen aus:

  • Die Verzerrung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit: Durch moderate Lohnabschlüsse stiegen die deutschen Lohnstückkosten deutlich langsamer als im EU-Durchschnitt. Für andere EU-Staaten wirkte dies wie eine reale Abwertung Deutschlands. Partnerländer (wie Frankreich oder Italien) gerieten daher unter Druck, ebenfalls Löhne zu senken („Interne Abwertung“), um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein europaweiter Abwertungswettlauf (wie dieser) drückt das Preisniveau und erhöht das Risiko einer wirtschaftlichen Stagnation.
  • Bremse für die europäische Binnennachfrage: Niedrigere Reallöhne in Deutschland bedeuten weniger Kaufkraft für die deutschen Verbraucher. Deutschland importierte deutlich weniger Waren und Dienstleistungen aus anderen EU-Staaten als es dorthin exportierte. Den Partnerländern fehlte dadurch der deutsche Konsument als verlässlicher Wachstumsmotor.
  • Der Aufbau massiver Leistungsbilanzungleichgewichte: Die (deutschen) Überschüsse flossen als Kredite und Ersparnisse in die EU-Peripherie. Dies begünstigte die private und öffentliche Verschuldung in Ländern wie Griechenland, Spanien oder Portugal vor der Eurokrise.
  • Die Lohnzurückhaltung hielt die Inflation in Deutschland oft unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank: Dies zwang die EZB über lange Zeiträume zu einer sehr expansiven Geldpolitik (zu extrem niedrigen Zinsen). Für boomende Länder in der EU-Peripherie waren diese Zinsen oft zu niedrig, was dort Immobilien- und Kreditblasen anheizte.“ (Ende der Zitierung)

Psychologie statt Erklärung

Betrachtet man, was KI über die deutsche Lohnzurückhaltung und über das von Deutschland initiierte Sparen des Staates sagt, so bedarf es keiner rasenden Intelligenz, um zu begreifen, was ich seit Jahren zu vermitteln suche: dass beides den Erfolg und Zusammenhalt der EU gefährdet.

Ich habe KI dennoch auch diese Frage gestellt: „Von Deutschland initiiertes Sparen des Staates und deutsche Lohnzurückhaltung gefährden Erfolg und Zusammenhalt der EU. Warum wird das in Deutschland nicht begriffen?“

Die Antwort von KI ist diesmal zwar nicht perfekt, als sie nicht zu erklären vermag, warum Deutschland der halben Welt, von der EU bis zu den USA, solche ökonomisch offenbar Unsinnigen Bürden beschert, aber sie ist aufschlussreich: sie führt voran durchwegs psychologische und ideologische Gründe für die deutsche Haltung aus:

„Die Debatte darüber, ob das deutsche Wirtschaftsmodell – geprägt von staatlicher Haushaltsdisziplin („Schwarze Null“/Schuldenbremse) und moderater Lohnentwicklung – der Europäischen Union schadet, ist ein zentraler Streitpunkt in der Wirtschaftspolitik. Dass diese Politik in Deutschland oft anders wahrgenommen wird als im Ausland, liegt an tief verwurzelten ökonomischen Überzeugungen, historischen Erfahrungen und institutionellen Rahmenbedingungen.

Kritiker (des deutschen Wirtschaftsmodels), internationale Ökonomen (z. B. des IWF) und europäische Partner argumentieren wie folgt: Deutschland exportiert weit mehr, als es importiert. Niedrige Löhne und staatliche Sparpolitik bremsen den Konsum im Inland. Andere EU-Länder können dadurch weniger nach Deutschland exportieren und verschulden sich. Die deutsche Infrastruktur leidet unter zu geringen staatlichen Investitionen.“

Dass Deutschland dennoch an diesem Kurs festhält, wird wie folgt begründet:

  • Die Hyperinflation der 1920er Jahre sitzt tief im kollektiven Gedächtnis. Geldwertstabilität hat in Deutschland (daher)oberste Priorität. Traditionell prägt die Politik der alten (einst dafür verantwortlichen) Bundesbank das Vertrauen in harte Währungen und solide Finanzen.
  • Leitbild deutscher Wirtschaftspolitik ist der Ordoliberalismus: Der Staat soll Rahmenbedingungen setzen, sich aber nicht einmischen. Schulden werden als Last für zukünftige Generationen gesehen. Dieses Prinzip ist seit 2009 als Schuldenbremse fest im Grundgesetz verankert.
  • (Deutschland ist mit dieser Politik gut gefahren): Um 2000 galt Deutschland als der „kranke Mann Europas“. Durch (die)Lohnzurückhaltung und Reformen (Hartz 4) der Agenda 2010 wurde das Land wieder wettbewerbsfähig. (Dieser)wirtschaftliche Erfolg wird direkt auf diese Disziplin zurückgeführt.
  • In Deutschland herrscht Tarifautonomie: Löhne in der freien Wirtschaft werden nicht von der Politik (sondern den Tarifpartnern) bestimmt. Auch deutsche Arbeitnehmervertreter (Gewerkschaften) agierten oft vorsichtig, um Arbeitsplätze zu sichern. Die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit steht bei Tarifrunden im Fokus.
  • Deutschland sieht sich als Vorbild: Aus deutscher Sicht müssen alle Staaten (vergleichbar) solide wirtschaften, um den Euro stabil zu halten.“ (Ende der Zitierung)

Nur ein scheiterndes Deutschland ändert sich

Erst an dieser Stelle kann ich als Journalist aktiv werden und auf die aktuelle Situation zu sprechen kommen, die KI zwangsläufig noch nicht so gut kennen kann: Deutschland scheint unter der aktuellen Regierung aus CDU-CSU und SPD mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil in keiner Weise von der bisherigen Politik abzugehen: Ihre größte Sorge gilt der Wettbewerbsfähigkeit, obwohl Deutschland nach wie vor gegenüber fast allen Ländern Leistungsbilanzüberschüsse hat und obwohl EU und Word Trade Organisation (WTO) dauernde Überschüsse für unzulässig halten. Und zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit wurde bisher voran billigeres Arbeiten in der Form längerer Arbeitszeiten diskutiert – also eine Verschärfung des angeführten Problems, statt seiner Linderung.

Nur dass das deutsche Exportmodell, wie die Rezession bereits zeigt, nicht mehr so recht funktioniert, kann ein deutsches Umdenken bewirken: Die USA wehren sich bekanntlich (ungeschickt) mit Zöllen, mittlerweile aber viel geschickter mit der Abwertung des Dollar gegen voran deutsche Überschüsse. Die EU-Partnerstaaten können die deutschen Überschüsse nicht mehr aufnehmen, weil sie per Strafe zum Sparen gezwungen sind und die deutsche Lohnzurückhaltung auch ihnen niedrige Löhne beschert hat. Und China ist beim wichtigsten Exportprodukt, dem Auto, zum übermächtigen Konkurrenten geworden.

Nur ein überall in der EU höheres Lohnniveau könnte die Kaufkraft schaffen, alle in der EU hergestellten Produkte – auch die deutschen- theoretisch selbst zu kaufen und damit in der Praxis die aktuellen Ungleichgewichte beseitigen.

Am Rand hat die deutsche Lohnzurückhaltung laut KI noch einen Nachteil, der sich langfristig als gravierend herausstellen könnte: Deutschland Produktivität bleibt zurück. Denn wenn Unternehmen dank niedriger Löhne lange hohe Gewinne erzielten, sinkt der Druck, sie dank größere Effizienz und Innovation zu erzielen – man verschläft dann zum Beispiel die E-Mobilität und muss wie VW jetzt Zehntausende entlassen.

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