Drei Gründe für die schlechte Impfrate 

Mangelnde Sprachkenntnis, eine verantwortungslose FPÖ und ein gestörtes Verhältnis zur Gentechnik erschweren- nicht nur- eine ausreichende Durchimpfung.

Der bisherige Umgang der Regierung mit Covid-19 macht bescheiden: Statt ihr Verspätung vorzuwerfen, schreibe ich ihr gut, dass sie mit den eben beschlossenen „Maßnahmen“ doch nicht bis zur OÖ-Wahl wartet. Der Stufenplan, wonach ein bestimmter Belag der Intensivbetten bestimmte „Maßnahmen“ auslöst, ist prinzipiell vernünftig – wenn man davon absieht, dass damit erst im September begonnen und nach Erreichen einer Stufe immer noch sieben Tage gewartet wird. In meinen Augen hätte es auch „Impfpflicht“ für bestimmte Berufsgruppen geben können – in Frankreich sieht die Bevölkerung das positiv – aber immerhin wissen alle, die sich nicht impfen lassen, dass ihnen massive Einschränkungen, bis hin zum quasi persönlichen Lockdown drohen. 

Dass die Verfassung das zulässt, war immer klar: Nur Herbert Kickl meint, dass es zur „Freiheit“ gehört, andere anzustecken – in Wirklichkeit hat er, indem er im Parlament Masken verweigerte, „Körperverletzung“ in Kauf genommen. Hoffentlich selten bewusst tun das alle, die die Impfung gegen eine im Extremfall tödliche Krankheit verweigern.

Dass das in Österreich so viele sind – dass unsere Impf-Rate derart niedrig ist – hat viele Gründe. Ein simpler ist die große Zahl von Österreichern, die Deutsch nicht zur Muttersprache haben: Sie verstehen ungenügend, worum es geht. Ein zweiter, erheblicher, ist die Haltung der FPÖ. In Dänemark, wo Regierung und Opposition Impfung gemeinsam befürworten, ist fast Herdenimmunität erreicht und gelten keine „Maßnahmen“ mehr – in Österreich müsste man der Bevölkerung klar machen, wie sehr  die FPÖ dazu beiträgt, dass wir schon wieder Maßnahmen brauchen. „Fetzendeppert“ hat NEOS-Chefin Beate Meindl Reisinger die blaue Haltung genannt – aber das ist sie nicht: Die FPÖ okkupiert wie so oft erfolgreich den von ihr gesteigerten Protest. „Unverantwortlich“ wäre die zutreffende Formulierung. 

Leider gibt es auch eine Gruppe „linker“ Impfverweigerer: Sie hegen unter anderem die Sorge, dass „Konzerne“ sich an einer gar nicht nötigen Massenimpfung bereichern – was sie sicher tun, nur dass wir davon profitieren. Zur grünen Linken tritt eine weitere Emotion hinzu: die Abneigung gegen und Angst vor „Gentechnik“, der wir bekanntlich die RNA- Impfstoffe verdanken. Da wolle man „kein Versuchskaninchen“ sein – obwohl diese Impfstoffe bis jetzt bei 51,2 Millionen Menschen bestens funktionieren. 

Die absurdesten Behauptungen, die „asozialen Medien“ dank ihrer Algorithmen immer weiter nach vorne reihen, weil sie wegen ihres polarisierenden Inhalts besonders viele Klicks erhalten, werden ernst genommen. Nur so ist zu erklären, dass viele Frauen tatsächlich glauben, dass ein RNA-Impfstoff unfruchtbar macht oder eigene Gene verändert.

Österreichs Grüne tragen zu solchen Ängsten entscheidend bei, indem sie wie niemand sonst „gentechnikfreie“ Nahrung fordern und „Genmais“ ablehnen. Obwohl der „gentechnikfreie“ Mais, den wir essen, genetisch mit dem „Ur-Mais“ so wenig  gemein hat, wie der gentechnisch erzeugte. „Natürlicher“ Mais“ ist ja aus dem Ur-Mais der Anden durch Jahrhunderte „Züchtung“ entstanden, indem zufällige genetische Mutationen der Pflanze, die sie besonders ergiebig gemacht haben, ausgewählt und gekreuzt wurden. Aber während zufällige Mutationen eine Pflanze auch unbekömmlich oder gar krebserregend machen können, verfügen wir heute über eine Gen-Technologie, die es erlaubt, mit unglaublicher Präzision ausschließlich ganz bestimmte genetische Veränderungen herbeizuführen. 

Wenn man, etwa bei der Hochschule für Bodenkultur, frägt, worin die ungeheure Gefahr einer gentechnisch veränderten Pflanze denn liegt, erhält man im Wesentlichen zwei Begründungen: Eine solche Pflanze könnte wuchern und alle anderen verdrängen. Und: gentechnisch veränderte Pflanzen des in der Tat bisher höchst unsympathischen Konzerns Monsanto könnten geschlossen einem Schädling zum Opfer fallen. Das aber ist ein bekannter Nachteil jeder Monokultur, den wir derzeit ganz „natürlich“ in Fichtenwäldern beobachten können, die der Borkenkäfer heimsucht.

Die Gefahr, dass eine zufällige, „natürliche“ Mutation eine Pflanze hervorbringt, die alle anderen verdrängt, ist ganz ungleich größer als dass das durch Gentechnik geschieht, denn die findet unter extremen Sicherheitsvorkehrungen statt. Es ist, wie Karl Popper einem Grünen entgegenhielt, der „die Vernichtung der Natur durch den Menschen“ prophezeite, „mindestens so gut möglich, dass ein Virus den Menschen vernichtet“. Der Sars-Cov2-Virus tut das Gott sei Dank nicht – aber ein künftiger Virus kann es vielleicht, wenn wir nicht auch gegen ihn einen RNA -Impfstoff entwickeln. 

Die Grünen – die ich schätze und hier zur Wahl empfohlen habe – sollten einmal in aller Ruhe darüber nachdenken, ob der Widerstand vieler Österreicher gegen die Gentechnik und damit RNA-Impfstoffe nicht auch damit zusammenhängen könnte, dass die Blut und Boden- Ideologie des Nationalsozialismus mit ihrer Idealisierung der „Natur“ und des „Natürlichen“ nicht ganz spurlos an uns vorüber gegangen ist. Wir sind so „bio, bio“ wie alle Nahrungsmittelpackungen verkünden, und das könnte -nicht nur beim Impfen- Nachteile bedingen: Der Klimawandel wird die Entwicklung hitzebeständiger Pflanzen wirtschaftlich dringlich machen, und wir werden dann womöglich grüne Gentechnologie teuer zukaufen müssen, so wie der deutsche Bayer-Konzern in den USA Monsanto teuer zukaufen musste. 

5 Kommentare

  1. vergessen der wichtigste Grund: Sinnhaftigkeit

    Warum soll ICH als gesunder Mensch
    aus solidarischen Gründen (mit wem?!)

    an einem Menschenversuch (= für Pharmabetriebe kostenlose Studie der langfristigen Folgen)
    mit einer neuartigen, notfallzugelassenen mRNA-Injektion teilnehmen,

    ohne Haftung der Hersteller,
    ohne dem Wissen über die mittel und langfristige Wirkungen
    ohne dem Wissen um Nebenwirkungen und Langzeitfolgen
    ohne „eigentlicher“ Wirksamkeit bzw eine absoluten Wirksamkeit von 0,8% (ja , die relative Wirksamkeit von 95% ist a Marketingschmäh – wie so vieles in der Pharmamedizin!)

    für eine Krankheit die für 99,85 % der Menschen nicht tödlich ist!!!

  2. Selbst so manche Ärzte, welche die Impfung verabreichen sollten, betreiben Panikmacherei.

    Als ich vergangene Woche meine Freundin begleitete, damit sie sich am Rathausplatz impfen ließe, wurden wir auf eine bemerkenswert rüde Weise weggescheucht; Die Frau Doktor könne das „Risiko“ nicht auf sich nehmen, die Spritze zu verabreichen, da, laut ihr, eine Penicillin-Allergie zu einem schweren anaphylaktischen Schock – und sogar zu einer etwaig nötigen Intubation – führen könnte.

    Wo sind wir bloß gelandet, wenn selbst die Mediziner grobe Wissenslücken aufweisen und willige Impflinge in Angst und Schrecken versetzen?

  3. Die Geschichte vom Impf-Kaspar
    (frei nach dem Struwwelpeter-Suppenkaspar)

    In der allerersten Welle,
    schrie der Kaspar: „Bagatelle!
    Einen Virus krieg ich nicht,
    nein, einen Virus krieg ich nicht!“

    Zornig in der zweiten Welle,
    stampft der Kaspar auf der Stelle.
    „Eine Maske trag ich nicht!
    Nein, eine Maske trag ich nicht!“

    Rief noch in der dritten Welle
    überzeugt von seiner Kickl-Quelle:
    „Eine Impfung brauch ich nicht!
    Nein, eine Impfung brauch ich nicht!“

    Schließlich bei der vierten Welle,
    dringt ein Virus in die Zelle.
    Kaspar bekam die Atemnot
    und war am fünften Tage tot.

  4. Sie schreiben von 51,2 Millionen Menschen bei denen die mRNA-Impfung funktioniert – die Zahl der verimpften mRNA-Dosen müsste diese Zahl allerdings bei weitem übersteigen. Ich weiß jetzt zwar auch nicht wo sie liegt, aber mir kommt 51,2 Mio. sehr wenig vor.

  5. Nicht nur die FPÖ spricht sich gegen die Impfung aus, es war auch die SPÖ, vertreten durch den Landeshauptmann Doskozil, die Impfskepsis verbreitete.

    Ich erinnere an folgende Aussagen des SPÖ Landeshauptmannes im Dezember 2020, die von der Bundes SPÖ nicht widersprochen wurde:

    „Welche Nebenwirkungen gibt es? Was bedeutet die Impfung für Allergiker? Ist die Impfung gentechnisch verändert oder nicht? Kann ein Geimpfter Überträger sein? Ist die Impfung nur so, dass der Verlauf gedämpft wird?“

    Mit diesen Aussagen hat die SPÖ den Menschen Angst eingejagt, das soll hier nicht verschwiegen werden und wer das nicht glaubt, hier der Bericht im STANDARD:

    https://www.derstandard.at/story/2000122736762/doskozil-skeptisch-gegenueber-show-impfungen-in-oesterreich

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