Das Phänomen FPÖ

Manche Leute erstaunt, was H.C. Strache sich noch alles bezahlen ließ. Mich erstaunen die Wähler, die seit Jahrzehnten nicht begreifen, dass keine Partei so viele Funktionäre hat, die so häufig die “Unschuldsvermutung” in Anspruch nehmen müssen, wie die FPÖ.

Karl Heinz Grasser wurde dort groß. Gernot Rumpold, Walter Meischberger, Peter Westentaler erwarben dort ihre wirtschaftlichen Sporen. Schon Vizekanzler Hubert Gorbach ließ sich seine Sekretärin von Klienten bezahlen, schon Uwe Scheuch verschaffte Staatsbürgerschaften gegen Geld. Jörg Haider entging einem Straffverfahren wegen Bestechlichkeit nur durch den Tod- der Bank-Manager, der ihm für den Verkauf der Hypo-Alpe Adria eine Geldspende versprach, wurde in Deutschland wegen Bestechung verurteilt. (Leider kaufte Josef Pröll die Hypo-Alpe Adria ohne jede Bestechung zurück.)
Keine Partei streift so häufig und so intensiv an Korruption wie die FPÖ, die dafür gewählt wird, dass sie den “kleinen Mann” von Vetternwirtschaft und Korruption der “Systemparteien” bewahrt.

Ein bewährtes braunes Muster

Das folgte exakt dem bewährten Muster der NSDAP. Auch die kam hoch, indem sie Sauberkeit versprach – auch deren Funktionäre haben sich wie nie zuvor bereichert.
Die “jüdische Gier” besiegten sie durch sechsmillionenfachen Raubmord: Erst arisierten sie Wohnungen und Fabriken, dann streuten sie das Gerücht, in Polen könne man leichter überleben, indem man Diamanten mitnähme, die am einfachsten in den Nähten der Kleidung zu schmuggeln wären. In Auschwitz gab es dann eigene Kommandos, die diese Nähte auftrennten und die Diamanten sortierten.
Ihre SS-Bewacher stahlen davon soviel sie konnten – der Rest ging nach Berlin.
Die Bereicherung war schon damals fast so wichtig wie die Ideologie.

Staatsmann Kurz

Unter den Funktionären der FPÖ schafft man die siebente Million nur mehr in Liederbüchern und H.C. Strache verfasst nur mehr antisemitische Widmungen. Aber die FPÖ findet nach wie vor Wähler und vor kurzem hat sie in Sebastian Kurz noch einen “Staatsmann” gefunden, der sie dringend zum Regierungspartner und Strache dringend zum Vizekanzler haben wollte.

10 Kommentare

  1. Ich würde mich aufrichtig auf einen Lingens-Artikel mit dem Titel “Ibiza wir mehr und mehr – neben der FPÖ – zu einem ÖVP Skandal” freuen. Da die ÖVP immer mehr Einfluss bei den (Print-)Medien hat, kommen viele Dinge gar nicht wirklich an die breite Öffentlichkeit. Mit Wehmut denke ich an alte Zeiten von Profil zurück …

  2. Ja, man kann sich nur wundern wem die Wähler ihre Stimme geben. In Wien wird Strache einige Tausend, Trump in den USA einige Millionen Stimmen bekommen.
    Mich wundert das gar nicht so sehr, denn ich bin überzeugt, dass fast alle Menschen nicht auf Grund von intellektuellen Argumenten jemanden wählen, sonder fast immer nur aus emotionalen Gründen.
    Mir persönlich ist Strache sowas von widerlich, ich finde sein Verhalten einfach nur zum Kotzen, deshalb werde ich ihn auch sicher nicht wählen. Trotzdem gibt es wohl einige tausend Wähler, die seine antisemitische Einstellung teilen und seine Bemühungen den Nichtraucherschutz zu verhindern schätzen. Sie werden ihn genauso anhimmeln, egal was passiert, wie die Leute Göbbels zugejubelt haben als er zu einem Zeitpunkt als der Krieg bereits verloren war, den totalen Krieg gefordert hat. Da nützen alle Argumente genauso wenig, wie darauf hinzuweisen, dass Trump Hurrikans mit Atombomben stoppen, oder Infizierte mit intravenösen Desinfektionsmitteln behandeln wollte.
    Auch bei der Entscheidung von Kurz für die FPÖ dürften Emotionen im Spiel gewesen sein. Man sollte nicht vergessen, dass er damals nur mit der SPÖ oder der FPÖ eine Regierung bilden konnte. Dass die ÖVP nach Silberstein keine Lust hatte eine Koalition mit einer von Kern geführten Partei zu bilden, kann ich nachempfinden.

  3. Wenn man zum Futtertrog kommt, ist es sehr wahrscheinlich, dass man “gierig” wird. Kommentator-Kollege Staberl hat hier SPÖ Skandale aufgelistet. Bei der ÖVP wird man wahrscheinlich Ähnliches finden, bin ich überzeugt. Dummheit und Gier unter dem Titel “Das Phänomen FPÖ” aufzulisten, ist eigentlich weit unter Ihrem Niveau, sehr geehrter Herr Lingens.

    Ich hätte eher getitelt “Die Partei des benachteiligten kleinen Mannes” – die FPÖ – ist um nichts besser, wenn es um Macht, Einfluss und persönliche Vorteile geht als die Rot-Schwarz

  4. Das Phänomen sind eher die Wähler der FPÖ. Eine Partei zu wählen, die sich Sauberkeit auf die Fahnen schreibt, die verspricht, mit Korruption und Postenschacher in den von ihr so genannten “Altparteien” Schluss zu machen, und zugleich über viele Jahrzehnte nicht zu erkennen, dass es just diese Partei ist, die sich am meisten beschmutzt, die Korruption und Postenschacher zu ihrer Kernkompetenz erhoben hat – das nicht und nicht kapieren zu wollen (bzw. zu können) und weiterhin dieser Partei die Stimme zu geben, das ist für mich das mit großem Abstand unbegreiflichste Phänomen der österreichischen Innenpolitik.

  5. Stimmt, bei der FPÖ mag es überproportional viele geldgierige Gfraster geben und gegeben haben. Aber mit dem Vergleich mit der damaligen NSDAP wäre ich vorsichtig, weil auch Vergleiche mit Juden (Mitglieder des “auserwählten Volkes”), die auch Menschen ausgebeutet und sich bereichert haben, aufkommen könnten. Und er “heutige” Soros ist auch kein Guter, da dürften wir uns einig sein.

    Auch die christliche Kirche hat sich bei ihrer Ausbreitung nicht mit Ruhm bekleckert, was finanzielle Angelegenheiten betraf. Wo kam wohl das große – wenn auch kein persönliches – Vermögen her, das über Jahrhunderte angehäuft wurde? Der Spruch “Ich halte sie dumm und du hälts sie arm” ist auch eine berechtigte Kritik an der (damaligen) Monarchie. Übrigens: Einige kommunistische Führer waren auch nicht viel besser …

    Leider wurden viele Menschen, wenn sie an “die Macht” kamen (oder in dessen Nähe) sehr geldgierig. Auf Korruption, Ausbeutung, Versklavung, … kann man nicht oft genug hinweisen. Aber alles immer als “braunes Muster” darzustellen, halte ich für einseitig, übertrieben und auch – im Sinne von Objektivität – falsch.

  6. Wenn Sie schreiben:

    „….. und vor kurzem hat sie in Sebastian Kurz noch einen “Staatsmann” gefunden, der sie dringend zum Regierungspartner und Strache dringend zum Vizekanzler haben wollte“

    dann möchte ich Sie schon gerne daran erinnern, dass

    1970 Kreisky die FPÖ als Unterstützung für seine Minderheitsregierung dringend haben wollte und

    1983 SPÖ.Sinowatz die FPÖ dringend zum Koalitionspartner haben wollte.

    Und wenn Sie eine Auflistung von FPÖ Skandalen vornehmen dann möchte ich Sie gerne erinnern an diese nicht taxative SPÖ Skandal-Auflistung:

    AKH
    Konsum
    KH Nord
    Noricum
    Intertrading
    BAWAG Franz Verzetnitsch
    Franz Olah
    Alois Rechberger
    Lucona- Udo Proksch – Club 45 mit Gratz & Blecha
    Sekaninas Griff in die Gewerkschaftskasse
    Skylink
    Bauring
    Androsch-Consultatio-Steuerhinterziehung
    SWAP SPÖ Linz
    Salzburger SPÖ Bürgermeister Schaden

    1. Ich habe es immer als größten Fehler Kreiskys bezeichnet, die FPÖ salonfähig gemacht zu haben. Dass langes Alleinregieren anfällig für Skandle macht, ist auch kein Geheimnis. Aber es gibt einen Unterschied zwieche Skandal und strafbarer persönlicher Bereicherung. Der Noricum-Skandal ist eetwas völlig anderes als Sekaninas Griff in die Gewerkschaftskasse. Anroschs Consultation Gewinne sind etwas völlig anderes als seine Steuerhinterziehung.
      Gemessen an der langen Regierungszeit der SPÖ haben ihre Funktionäre nicht ganz soviel gestohlen, wie die Funktionäre der FPÖ in ihrer relativ kurzen Regierungszeit.

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