Das Schweizer Versagen in Crans Montana

 

Egal, welche Ursache der Brand in einer Bar in Crans Montana hatte – derzeit ist von einer zu großen Wunderkerze die Rede- entscheidend ist, dass die Materialien in dieser Bar in keiner Weise feuersicher, sondern im Gegenteil, wie insbesondere die Decke besonders leicht brennbar waren, so dass sich die Flammen blitzschnell ausbreiten konnten. 

Normalerweise muss schon jedes Hotelzimmer von den Materialien her brandsicher sein und in Österreich wird das nicht nur kontrolliert, sondern es gibt auf Brandschutz spezialisierte Unternehmen. Um wieviel mehr als für Hotelzimmer, muss das für eine Bar gelten, in der sich des Öfteren viele Menschen aufhalten. Es muss nicht nur entsprechende Brandschutzvorschriften geben, sondern ihre Einhaltung muss auch überprüft werden. Gibt es das eine oder das andere nicht, so ist das ein dramatisches Versagen der Regierung des Kanton Wallis, aber letztlich auch der Schweizer Bundesregierung. Jedenfalls sollten die Angehörigen der mindestens vierzig Toten entsprechende Schadenersatzprozesse führen. Die Schweiz hat es, wie Deutschland, geschafft, in allem und jedem für perfekt gehalten zu werden. Das ist sie nicht und vor allem schafft es die Gefahr, sich auszuruhen und Risiken zu verschlafen.

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Die EU braucht den einigen Kapitalmarkt

Die Union braucht so viel Risikokapital wie die USA, um Unternehmen zu gründen und so viel Geld, dass sie optimal wachsen. Dazu braucht es Aktien zu ihrer Finanzierung.

 Wesentlicher Vorteil der Marktwirtschaft ist, dass die besten Unternehmen auch den größten Finanzerfolg haben. Denn es geht um einen Wettbewerb der Unternehmen, nicht der Länder, die sie beherbergen. Denn natürlich hat ein Unternehmen auch dann größten Erfolg, wenn es, wie in China, gewaltige staatliche Subventionen erhält, wie Malta oder Irland bestimmte Produkte extrem niedrig besteuern kann oder wie Deutschland, die Löhne seiner Unternehmen nicht im Ausmaß der Produktivität erhöht.

So gewinnt nicht das beste Unternehmen, sondern das, das den größten unfairen Vorteil hat – ein wesentliches Ziel der Marktwirtschaft wird verfehlt.

Lange herrschte auch mental Einigkeit darüber, dass Länder, deren Unternehmen Schaden erleiden, weil die Unternehmen anderer Länder unfaire Vorteile genießen, sich wehren dürfen, indem sie die eigenen Unternehmen zum Beispiel durch Zölle schützen. Sofern das korrekt gehandhabt wird, entspricht es den Regeln der Welthandelsorganisation WTO: Die USA dürfen laut WTO Zölle verhängen, wo sie unfaire Vorteile der EU nachweisen könnten und die EU verhängt bekanntlich Zölle gegen China.

Ob es unfaire Vorteile gibt, zeigen die Handelsbilanzen. Die Regeln der WTO besagen daher, dass kein Land gegenüber einem anderen dauerhaft Handelsbilanzüberschüsse haben darf, wie sie etwa Deutschland gegenüber fast allen Ländern hat. Laut WTO dürfte sich auch Frankreich, das gegenüber Deutschland ein gewaltiges Handelsbilanzdefizit hat, mit Zöllen gegen die Vorteile deutscher, im Bereich des Internets auch irischer Unternehmen wehren, nur dass Zölle innerhalb der EU unmöglich sind. Deshalb hat auch die EU die Regel, dass kein Land gegenüber anderen dauerhaft Handelsbilanzüberschüsse haben darf, nur dass es sie gegenüber Deutschland nicht exekutiert und gegen Malta gar nicht vorsieht. Daher haben derzeit in der EU nicht zwingend die besten Unternehmen auch den größten Erfolg. Weil das langfristig ein wesentlicher Nachteil ist, muss es Ziel der EU sein, dass Waren gleichartige steuerliche Bedingungen vorfinden und die Lohnpolitik gleichen Regeln folgt.

Die EU muss aber noch ein zweites Ziel haben: Die Bedingungen für ihre Unternehmen dürfen sich auch nicht allzu sehr von denen in ihren wichtigsten Konkurrenzregionen, USA und China, unterscheiden. In beiden gibt es viel mehr Risikokapital, um Unternehmen zu gründen und viel mehr Kapital, durch das sie wachsen können. In China voran dank von der WTO verbotener Subventionen, um die es sich freilich wenig schert, in den USA, weil deren Kapitalmarkt erlaubterweise so beschaffen ist, dass viel mehr Geld viel leichter und billiger zur Verfügung steht.

So hat es bei den USA bekanntlich nie Zweifel gegeben, dass sie in ihrer Gesamtheit für den Dollar haften, während Deutschland erst durch den EuGH verpflichtet werden konnte, das zu akzeptieren. Und so sind die USA eine Transfer- Union, in der die Regierung für die größten Kostenblöcke aller Bundesstaaten, Arbeitslosengeld, Landesverteidigung und medizinische Versorgung aufkommt, während voran Deutschland und Österreich sich stets gewehrt haben, dass die EU „zur Transfer-Union verkommt“. Während das arme Mississippi für geliehenes Geld kaum höhere Zinsen als das reiche Texas zahlt, zahlen Italien oder Rumänien für geliehenes Geld ungleich höhere Zinsen als Deutschland oder Österreich.

Entscheidend aber ist, dass das Geld für EU -Unternehmen voran von Banken bereitgestellt wird, deren Risikobereitschaft seit der Finanzkrise durch „Basel 3“ mehr als schon zuvor beschränkt ist – es gibt daher in der EU viel weniger Risikokapital, wie es voran Startups brauchen. Und vor allem stehen US-Unternehmen, um zu wachsen, nicht nur Bankkredite, sondern vor allem die Gelder von Aktionären zur Verfügung. Fast jeder Amerikaner legt Erspartes in Aktien an – bei uns dominiert immer noch das Sparbuch. Vor allem gibt es in den USA riesige Pensionsfonds, die sowohl Risiken wie Wachstum finanzieren, indem sie für die Altersvorsorge gespartes Geld zu gewaltigen Aktienkäufen nutzen und damit zugleich ständig vermehren. Dass Firmen wie Private dort einzahlen, wird vom Staat auf eine mit der WTO kompatible Weise begünstigt.

Der Vorsprung, den US-Unternehmen auf diese Weise erzielt haben, ist gewaltig: Anders als in den 90er Jahren gibt es derzeit kein europäisches Unternehmen unter den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt, denn auch SAP und Siemens sind neuerdings nicht mehr dabei.

In der EU gibt es keine Fonds amerikanischer Größe. Vor allem ist Aktien zu kaufen ungleich weniger als in den USA verbreitet und viel seltener sind sie wesentlicher Bestandteil der Altersvorsorge. Zugleich haften Banken zwar theoretisch in allen EU-Ländern für Einlagen bis zu 100.000 Euro, aber ob Bulgarien oder Rumänien ihre Haftung auch wahrnehmen können, ist ungewiss. Es wird daher eine für die Banken aller Länder gemeinsame Haftung angestrebt, der sich einmal mehr Deutschland widersetzt, weil es fürchtet, als letzter Zahler übrig zu bleiben. Genauso scheitert daran auch die gemeinsame Aufnahme von Krediten im Weg von Eurobonds, während das für die USA trotz pudelarmer Staaten selbstverständlich ist.

Das Problem ist immer das Gleiche. Europa muss näher zusammenrücken, um mit den USA konkurrieren zu können, aber derzeit werden die Parteien immer stärker, die den nationalen Rückzug propagieren.

 

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Der Grundsteuer-Stumpfsinn der ÖVP

Nur ein Land innerhalb der OECD hat niedrigere Grundsteuern als Österreich. Dafür haben viele Länder vernünftiger Weise niedrigere Lohn- und Einkommenssteuern.

In der Regierung herrscht Uneinigkeit bezüglich einer möglichen Anhebung der Grundsteuer. Sie verläuft ausnahmsweise nicht völlig entlang der Parteilinien, denn da es voran die Gemeinden sind, die mit dieser Steuer Aufgaben wie Kinderbetreuung, Pflege und Straßenerhaltung finanzieren, streben auch VP-geführten Gemeinden eine Anhebung an. Die Entscheidung hakt dennoch an VP- Bundeskanzler Christian Stocker, der seinen Widerstand damit begründet, dass auf diese Weise die Preise für Wohnungen stiegen. Diese Begründung ist, wie alles, was die ÖVP im Zusammenhang mit Vermögensteuern von sich gibt, falsch: Extrem niedrige Grundsteuern wie in Österreich erlauben es, Baugrund zu horten und erst im Augenblick seines maximalen Preises für Verbauung zu verkaufen. In den USA mit ihren hohen Grundsteuern ist das ausgeschlossen: Man muss ein Grundstück sofort verkaufen oder verbauen, was Wohnungen, außer in New York, erstaunlich preiswert macht. Es ist dies der Grund dafür, dass diese Steuer ökonomisch so sinnvoll ist: Sie zwingt dazu, dass in Grund und Boden angelegtes Vermögen nicht, wie in Österreich, ruht, sondern arbeitet.

Die Unterschiede in der Höhe der Grundsteuern sind gewaltig:  In den USA machen sie 10 Prozent des gesamten Steueraufkommens aus, in Großbritannien 8 Prozent. Innerhalb der EU haben Frankreich (4,4 Prozent), Griechenland (3,7 Prozent) und Belgien (3 Prozent) den größten Anteil des Steueraufkommens aus Steuern auf Grund und Boden. Österreich liegt mit 0,46 Prozent am vorletzten Platz der OECD-Länder. Dabei gibt es noch eine charakteristische Besonderheit: Die Kirche, als Österreichs zweitgrößter einzelner Grundbesitzer, zahlt gar keine Grundsteuern, was Stifte und Klöster nicht daran hindert, die Pacht für ihre Grundstücke mit der Inflationsrate zu erhöhen, wobei es im Vorjahr um 9 Prozent ging. Ansonsten zählen Adelige und Industrielle, vielfach auch aus Deutschland, zu Österreichs größten Grundbesitzern und kommen damit in den Genuss unserer minimalen Grundsteuer – mehr kann man denen, die sowieso reich sind, nicht unter die Arme greifen.

Selbst der nicht gerade sozialdemokratisch dominierte ORF machte zuletzt in der Zeit im Bild anschaulich klar, wie lächerlich gering Österreichs Grundsteuern sind, indem er sie grafisch für ein Einfamilienhaus im Verkehrswert von 500.000 Schilling den Grundsteuern anderer Länder gegenüberstellt: Zahlt man in Österreich 226 Euro, so sind es in Deutschland 550 Euro in der Schweiz 2.000, in Großbritannien 5.200 und in den USA 15.000 Euro. In all diesen Ländern müssten Ökonomen und Politiker also schwachsinnig sein, wenn sie Grund und Boden bis zu 66-mal höher als Politiker und Ökonomen der ÖVP besteuern.

Ich habe die Steuerpolitik der ÖVP bisher immer nur „widersinnig“ genannt – aber das ist nicht das richtige Wort: Es ist eine grobe Untertreibung. Denn natürlich müssen, wenn die Grundsteuern so viel niedriger sind, andere Steuern so viel höher sein. Und das sind die Lohn- und Einkommenssteuern, also die Steuern, die die Arbeit, und damit den zentralen Motor der Volkswirtschaft zur Schaffung von Wohlstand, belasten.

Wer das nicht versteht, ist schlichtweg dumm. Dazu zählen natürlich die Spitzen der FPÖ, die sich grundsätzlich gegen vermögensbezogene Steuern ausgesprochen haben. Aber ich will einfach nicht auch die Spitzen der NEOS dazu zählen, die das derzeit auch tun. Denn immerhin hat Obfrau Beate Meinl Reisinger einmal gesagt, sie könnte sich höhere Vermögensteuern – zu denen neben den Grundsteuern voran Erbschafts- und Schenkungssteuern zählen, dann vorstellen, wenn man die Einkommensteuern senkte – aber sie hat das nie wiederholt und von anderen NEOS-Granden ist nie Vergleichbares gekommen.

Derzeit können sich die NEOS immerhin vorstellen, dass es zu der voran von der SPÖ geforderten „Anhebung“ der Grundsteuern kommt, wobei sie freilich eine sehr geringe wäre: Die Gemeinden haben das Recht, die sogenannten „Hebesätze“ zu verändern, mit der sie die Grundsteuer maximal verfünffachen könnten. Sie betrüge dann für das zitierte Einfamilienhaus im Verkehrswert von 500.000 Euro immerhin 1.130 Euro und wäre damit noch immer weit niedriger als in der Schweiz, wo die Einkommenssteuern freilich weit niedriger als in Österreich sind.

Im Durchschnitt nehmen Europas führende Industrieländer fast fünfmal so viel aus Grundsteuern ein wie Österreich – Großbritannien sogar das 14-Fache. Eine Anpassung Österreichs an internationale Niveaus ermöglichte daher beträchtliche Mehreinnahmen. Bei einer Anhebung auf den EU-Durchschnitt wären es rund 2,3 Milliarden Euro, bei einer Anhebung auf den Durchschnitt der OECD etwa 3,6 Milliarden. Eine Orientierung am dänischen Niveau, so erhob das Momentum-Institut, entspräche einem Einnahmenplus von 4,7 Milliarden Euro, am französischen sogar 8,2 Milliarden Euro.

Höhere Vermögenssteuern sind im Übrigen die einzige Möglichkeit, Österreichs Budget im Rahmen des laufenden Defizitverfahrens ohne größere Wachstumseinbußen näher an die EU-Vorgabe heranzuführen, denn hier würde voran gespartes Geld der Konsumenten aktiviert und bekanntlich braucht es zum Wirtschaftswachstum, dass entweder die Konsumenten oder die Unternehmen oder der Staat (oder ausländische Staaten) mehr als bisher ausgeben. Höhere Vermögensteuern böten die Möglichkeit, den EU-Schwachsinn, keine höhere Verschuldung des Staates zu dulden, zumindest zu entschärfen.

 

 

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Die Problematik der Russland-Sanktionen

19 Sanktionspakete haben Putin nur wenig gestört, aber Energie für uns verteuert. Dabei erleichterte billige russische Energie die Waffenlieferungen an die Ukraine.

Dass die EU soeben das 19. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen hat und am zwanzigsten arbeitet, signalisiert schon von diesen Zahlen her, dass die Wirkung der Sanktionen voran im Bereich Erdöl und Erdgas sehr überschaubar ist. Wirklich weh tut Wladimir Putin nur, dass er keine Produkte der Hochtechnologie mehr erhält: Das lässt russische Flugzeuge wegen fehlender Ersatzteile vom Himmel fallen und erschwert die Entwicklung moderner Waffen.

Dass die EU schon durch Jahre kein russisches Erdöl mehr kauft, lässt Putin dagegen kalt – er verkauft es an China, Japan, Südkorea und trotz Trumps Zöllen an Indien, auch wenn er Pipelines ausbauen musste. Bei Erdgas war das Transportproblem größer und die EU vor allem ursprünglich sein mit Abstand größte Abnehmer. Mittlerweile ist einmal mehr China der größte Kunde, aber auch Japan und die Türkei sind Großabnehmer und über die türkische Pipeline fließt russisches Erdgas auch weiterhin in die EU, voran die Slowakei und Österreich, dessen Abhängigkeit von Erdgas immer besonders groß war (was unsere besonders hohe Inflationsrate anlässlich der Verteuerung russischen Gases erklärt.). 2024 erreichten Chinas Gasimporte einen Rekordwert von 31 Milliarden Kubikmetern und 2025 dürften es 38 Milliarden Kubikmeter sein. Das ist geschätzt die Hälfte der Mengen, die Putin durch das Ende des Transits über die Ukraine verloren gehen.

Die derzeit größten Einnahmen erzielt er aber mit dem Flüssiggas LNG, das mit Tankern aus den Förderge­bieten Sibiriens durchs Eismeer nach Europa verschifft wird. Die EU ist diesbezüglich Putins größter Abnehmer, wobei Frankreich, Belgien und die Niederlande die größten Mengen kaufen. Auch Deutschland ist ein guter Kunde: SEFE als Nachfolger von Gazprom- Germania, importiert allein im laufenden Jahr LNG- Lieferungen im geschätzten Wert von zwei Milliarden Euro. Aber selbst Spanien, das Gas ursprünglich preiswert aus Algerien bezog (und deshalb keine Inflation hatte) kauft russisches LNG. Was in den Gasterminals zwischen Huelva in Spanien und Klaipéda in Litauen ankommt, macht die EU heute zum größten Flüssiggaskunden Russland- weit vor China und Japan. Und der Durst wächst stetig: In der ersten Hälfte des Jahres 2025 haben europäische Kunden deutlich mehr Flüssiggas aus Russland gekauft als 2024. Die Gesamtmenge übersteigt dabei sogar jene, Menge, die zuvor über die Ukraine-Pipeline verkauft wurde. Im vergangenen Jahr erreichten Russlands LNG-Exporte ihren bisherigen Rekord.

Wie die EU damit bisher und weiterhin Putins Krieg finanziert, hat Greenpeace im September ausgerechnet. Der russische Exportkonzern Yamal LNG hat demnach allein in den ersten drei Kriegsjahren Flüssiggas für 34 Milliarden Euro verkauft und rund 5,4 Milliarden als Steuer an den Staat abgeführt. Dafür kann Putin sechs Millionen Artilleriegranaten, also das Doppelte der aktuellen Jahresproduktion beschaffen. Frankreich, Spanien, Belgien oder die Niederlande haben seit 2022 deutlich mehr Geld für LNG nach Russland überwiesen, als sie der Ukraine an bilateraler Hilfe geleistet haben.

In Summe gehen Ökonomen davon aus, dass der Wegfall aller Verkäufe über die Ukraine- Pipeline Russland nur etwa 0,2 bis 0,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) kostet – viel zu wenig, um Putins Kriegsmaschinerie eine Delle zuzufügen. Gleichzeitig büßt die Ukraine 0,5 Prozent ihres BIP ein, weil sie keine Transit -Gebühren mehr erhält. Daher das große Ziel für das zwanzigste Sanktionspaket: ab 1 Jänner 2027 will die EU kein russisches LNG mehr kaufen.

Ich bin nur nicht sicher, dass Sanktionen, die fossile Brennstoffe betreffen, wirklich der richtige Weg sind, Russland zum Einlenken zu bewegen. Das Argument „Wir finanzieren durch unsere Einkäufe dieser Brennstoffe Russlands Krieg gegen die Ukraine“ klingt zwar sehr überzeugend, aber ich weiß nicht, ob es wirklich so stark ist. In der Vergangenheit galt für Europa immer die Überlegung (der Vorwurf), dass seine entwickelten Länder enorm davon profitieren, unterentwickelten Ländern billig ihre Rohstoffe abzukaufen. Das unterentwickelte Russland war dabei unser Hauptlieferant für die fossilen Brennstoffe Erdöl und Erdgas. Zwar wurde beides wesentlich teurer, weil Putin 2020 mit der OPEC eine Förderkürzung vereinbarte, aber das ist lange vorbei. Ich zweifle daher, dass es unserer Wirtschaft guttut, wegen der Sanktionen kein billiges russisches Gas mehr zu kaufen: Die Slowakei, die allerdings auch an den Transitgebühren verdiente, büßt ohne russisches Gas zum Beispiel 0,3 Prozent ihres BIP ein.

Ich frage mich daher, ob die Nachteile, die Europa erleidet, indem es den Kauf billiger fossiler Energie aus Russland beendet, nicht größer als die sind, die Putin erleidet. Denn es ist ja nicht so, dass Russland für seine fossilen Brennstoffe kein Geld mehr erhielte – es erhält es nur von anderen Staaten. Ein Boykott, an dem so viele große Staaten sich nicht beteiligen, hat immer nur sehr begrenzte Wirkung. Jedenfalls gelte es eingehend zu berechnen, ob es für die EU nicht besser wäre, der Ukraine auf dem Wege einer Wirtschaft, die auf der Basis billiger russischer Energie besser als jetzt funktioniert, mehr Waffen zu liefern. Man brauchte ja nicht zur viel zu großen einstigen Abhängigkeit zurückzukehren. Erdgas des Klimawandels wegen durch Solarenergie zu ersetzen, bliebe unverändert wichtig, zumal sie immer billiger wird.

 

 

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Militärindustrie bleibt Trumpfkarte

Die überlegene US- Militärindustrie ermöglicht Donald Trump überall Erfolg. Dass er in den USA einen Bürgerkrieg heraufbeschwört, verhindert die erfolgreiche Bilanz.

Grund für Donald Trumps erfolgreiches Engagement in Gaza war höchstens am Rand die Qualität seines 20- Punkte- Plans, der meines Erachtens auch nicht von ihm, sondern seinem Schwiegersohn Jered Kushner stammt (Trump selbst hatte noch kurz zuvor geplant, alle Palästinenser auszusiedeln und in Gaza Luxusressorts zu errichten). Aber er hat sich den aktuellen Plan zu eigen gemacht und vermochte vor allem, seinen Anfang durchzusetzen – nicht dank Diplomatie, sondern dank der überlegenen US-Militärindustrie. Er konnte nicht nur allen arabischen Diktatoren drohen, sie nicht mehr wie bisher zu beliefern, sondern, anders als Joe Biden,  auch Israel in die Schranken weisen, indem er drohte, auch dessen Unterstützung durch US-Waffensysteme zurückzufahren. Trump, das müssen ihm seine Gegner lassen, mag keinen Krieg. Natürlich ist höchst ungewiss, ob aus dem Gaza-Waffenstillstand tatsächlich Frieden wird, aber die Chance dafür lebt.

Bezüglich der Ukraine schien Trump endlich begriffen zu haben, dass es Wladimir Putin und nicht Wolodymyr Selenskyj ist, der jeden Frieden ablehnt. Er erklärte bekanntlich, dass die Ukraine das Recht hätte, verlorene Gebiete zurückzuerobern und schien bereit, ihr zu diesem Zweck weitreichende Tomahawk -Raketen zukommen zu lassen. Aber dann genügte ein einziger Anruf Putins, der ihm schmeichelte, der größte Friedensstifter aller Zeiten zu sein und zugleich zum x-ten Mal mit dem Einsatz von Atomwaffen drohte, um ihn davon wieder abkommen zu lassen. Stattdessen will Trump Putin in Budapest treffen, wo der alles versuchen wird, einen Frieden zu russischen Bedingungen anzubahnen.

Dabei ist die US-Militärindustrie der russischen derart überlegen, dass Trump, wenn er der Ukraine zukommen ließe, was Selenskyj fordert, dort sehr wohl einen Zustand herbeiführen könnte, bei dem Putin sich frägt, ob es nicht besser ist, sich mit der Krim und allenfalls einem winzigen Stück des Donbass als Beute zu begnügen und die Sanktionen los zu sein, als weiterzukämpfen und Verluste zu riskieren. Trump könnte auch für die Befriedung der Ukraine den Nobelpreis erhalten, wenn er konsistent agierte.

Was es zu einem solchen Problem macht, ihm den zu verleihen, ist der Umstand, dass er im eigenen Land bürgerkriegsähnliche Zustände heraufbeschwört: Er verlegt Militär in demokratische Bundesstaaten, um dort Krieg gegen angeblich ausufernde Kriminalität zu führen; er missachtet alle Regeln der Gewaltenteilung; er negiert Gerichtsurteile. Angesichts der Manipulation von Wahlkreisen und der Erschwernis der Stimmangabe für vermutlich demokratisch wählende Bürger fürchte ich, dass schon bei den Midterm- Wahlen keine fairen Verhältnisse gegeben sind, die einen Sieg der Demokraten ermöglichen. Der wird nur stattfinden, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse für die Amerikaner eindeutig verschlechtert haben.

Im Moment hat seine Zollpolitik die Inflation etwas erhöht, aber gleichzeitig investieren immer mehr ausländische Firmen Milliarden in den USA. Zum Taiwanesischen Chiperzeuger TSMC oder den Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis gesellte sich neuerdings der Autokonzern Stellantis, der aus den US-Firmen Jeep und Chrysler, aber auch den europäischen Firmen Fiat und Ferrari sowie Citroen und Peugeot besteht und 21 Milliarden Euro in den USA investieren will. Die Gewerkschaft UAW, die nicht nur die Arbeitskräfte der Autoindustrie, sondern auch der Luftfahrt- und der Landmaschinenindustrie vertritt und und damit eine der größten der USA ist, erklärt, dass mittlerweile außer Zweifel stünde, dass Trumps Zölle zu einer Stärkung der traditionellen US- Industrie geführt haben. Es bleibt verfehlt, seine Wirtschaftspolitik nur unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass sie Österreichs und Deutschlands Auto- und Zulieferindustrie in Verlegenheit bringt. Denn es gibt eben wirklich die Problematik, dass voran deutsche Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht haben, indem sie ihren Arbeitskräften Löhne bezahlen, die nicht der erhöhten Produktivität entsprechen.

Ein US-Präsident, der anders als Trump, nicht nur energisch, sondern auch vernünftig ist, hätte dieses Problem mit der EU besprochen und einen für alle Seiten vorteilhaften Kompromiss gefunden, es zu lösen. Statt der Zollkeule hätte der Dollar gegenüber dem Euro noch mehr als derzeit abgewertet und damit wären US- Exporte in die EU in dem Maße leichter geworden, in dem EU- Exporte in die USA schwieriger geworden wären. Nur gegen einige Länder, Deutschland, die Länder Skandinaviens oder die Schweiz, die sich durch permanente Lohnzurückhaltung auszeichnen, wären Zölle wahrscheinlich unvermeidbar gewesen. (Dass Zölle manchmal unvermeidbar sind, sehen mittlerweile auch die Europäer und führen sie selbstverständlich gegenüber China ein.)

Schließlich ist auch Trumps Bemühen, Ausländer ohne entsprechende Arbeitsbewilligung in ihre Heimat abzuschieben, nicht absurd: Die USA haben ein enormes Problem mit der massiven anhaltenden Zuwanderung aus Lateinamerika. Nur dass Trump einmal mehr nicht Maß zu halten und überlegt vorzugehen vermag: Derzeit geht die von ihm zu diesem Zweck geschaffene Behörde ICE auch gegen dringend benötigte Landarbeiter oder von der Industrie durchaus benötigte Mitarbeiter vor.

Trump, wenn er vernunftbegabt wäre und konsistent agierte, könnte ein herausragender US-Präsident sein – so bleibt er ein lebensgefährliches Risiko für sein Land.

 

 

 

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War es das Ende der Rezession?

Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) und Institut für höhere Studien (IHS) halten Österreichs Rezession in ihren jüngsten Prognosen für überwunden.

Das WIFO erwartet für 2025 beim Wirtschaftswachstum ein Plus von 0,3 Prozent und glaubt, dass die Wirtschaft 2026 um 1,1 Prozent wachsen wird, das IHS erwartet, dass die Wirtschaft heuer um 0,4 Prozent und 2026 um 0,9 Prozent wachsen wird. Als Grund für die Anhebung der Wachstumszahlen verweisen sie auf die veränderte Datenlage: Laut Statistik Austria war der Zustand der österreichischen Wirtschaft schon im ersten Quartal besser als vermutet und hat dank erhöhten Konsums Wachstum ermöglicht. Das Phänomen bleibt leider zwiespältig, denn gegenüber Deutschland bleiben Österreichs Löhne weiterhin überhöht, weil dort eine weit geringere Steigerung stattgefunden hat. Dass die Institute die Zukunft neuerdings dennoch positiv sehen, begründen sie auch mit der veränderten internationalen Lage, auch wenn sie ihre Prognose diesmal mit einer Menge Fragezeichen versehen, denn 2023 und 2024 haben sie sich mit ähnlich positiven Prognosen gründlich geirrt.

Worin bestehen die internationalen Veränderungen?

  • Die EZB hat ihren sinnlos harsch erhöhten Referenzzinssatz mittlerweile gesenkt und das sollte der gesamten Wirtschaft, voran der Baukonjunktur zugutekommen. Da Österreich mit der STRABAG einen der größten Baukonzerne Europas beherbergt, sollte das für uns von besonderem Vorteil sein.
  • Die deutsche Regierung hat endgültig beschlossen, den Gemeinden 100 Milliarden Euro zur Verbesserung ihrer Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Da es sich dabei voran um Straßen und Bauwerke handelt, sollten STRABAG und Porr davon abermals überproportional profitieren.
  • Die Barriere für den Export in die USA besteht nicht nur aus 15 Prozent Zoll auf alle Waren und 50 Prozent Zoll auf Stahl, sondern aus zusätzlichen 10 Prozent, um die sich der Euro mittlerweile gegenüber dem Dollar verteuert hat. Wie sehr das unseren US-Exporten schadet, ist derzeit nicht abzuschätzen – gering wird der Schaden nicht sein, denn etwa VW hat mittlerweile bereits 10 Prozent seines US-Absatzes eingebüßt und unsere Zulieferer verlieren entsprechend mit. Als einziger Vorteil verbleibt uns, dass die meisten unserer Exportgüter Marktnischen bedienen und dass die VOEST eigene Aanlagen in den USA besitzt, deren Produktion sie ausweiten kann.
  • Da Österreichs Konjunktur so sehr von der Entwicklung Deutschlands abhängt, bleibt entscheidend, wie es mit der deutschen Rezession weitergeht. Die deutsche Automobilindustrie ist trotz ihrer aktuellen Schwierigkeiten nicht chancenlos: Auch E- Autos bestehen ja nicht nur aus Batterien, sondern aus zahllosen Teilen, die in Deutschland immer hervorragend gefertigt wurden. So konnte VW seinen Absatz von E-Autos trotz Verlusten in den USA und in China steigern, weil die Markentreue in Europa extrem hoch ist. Aber die überragenden Gewinne, die Deutschlands Schlüsselindustrie bisher abgeworfen hat, wird es nicht mehr geben und die Zahl der Beschäftigten wird sich deutlich verringern, weil E-Autos nicht zuletzt auch einfacher zu fertigen sind. Schon jetzt ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland stark gestiegen und das ist budgetär doppelt fatal: Das Steueraufkommen verringert sich, während das Ausgaben für Arbeitslose steigen. Wohin das führt, wenn es anhält, kann man in Frankreich beobachten, das dank der deutschen Billigkonkurrenz immer mehr Marktanteile verlor und damit immer mehr Arbeitslose zu versorgen hatte.

Bisher verloren in der deutschen Auto-Industrie 50.000 Menschen ihre Arbeit und Bosch, Continental und ZF haben ähnlich viele Kündigungen angekündigt. In Österreich sollte man daher mit dem üblichen Zehntel solcher Kündigungen rechnen. Betroffen scheint mir voran Magna, das bisher Autos für BMW, Mercedes und Toyota fertigte und meines Wissens derzeit nur kleine neue Aufträge aus China hat, um diese Großaufträge allenfalls zu ersetzen. Während Deutschland einen Teil der frei gewordenen Kapazitäten der Autoindustrie und ihrer Arbeitskräfte dazu nutzen kann, Panzer und Geschütze zu produzieren, ist das neutrale Österreich diesbezüglich gehandicapt.

Österreichs größtes Handicap ist freilich, dass der Staat zusätzliche Einsparungen vornehmen soll, statt das Wirtschaftswachstum durch staatliche Investitionen anzukurbeln. Es muss darauf hoffen, dass es von einem Aufschwung Deutschlands profitiert, das dieses Problem nicht zu haben scheint, billigt ihm die EU doch nicht nur zu, 500 Infrastrukturmilliarden auszugeben, sondern dazu im Wege eines Sondervermögens in zehn Jahren tausend Milliarden in Aufrüstung zu investieren, so dass es heuer scheinbar zusätzliche 200 Milliarden investieren kann. Nur dass Deutschlands Konsumenten und Unternehmen heuer 350 Milliarden sparen, das heißt nicht investieren. Bleibt also eine Investitionslücke von 150 Milliarden. Schon jetzt hat Deutschlands Wirtschaft daher wesentlich weniger Auftragseingänge und ist ein Ende der deutschen Rezession nicht abzusehen. Die von Friedrich Merz geführte Regierung aus CDU-CSU und SPD will daher dringend Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, obwohl die schon jetzt so groß ist, dass es allen anderen Staaten Märkte abgejagt und Trumps Zölle herbeigeführt hat. Ich glaube leider nicht, dass diese Politik zu einem guten Ende führt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Frankreichs zwingendes Fiasko bricht auf

Man muss Mega- Schulden haben, wenn man seit 20 Jahren Marktanteile an Deutschland verliert, Macron sich nicht wehrt und die EU entgegen ihren Regeln nicht eingreift.

Als Emmanuel Macron 2017 Präsident Frankreichs wurde, begleiteten ihn die größten Hoffnungen der EU und seines Landes – soeben hat er acht Regierungen verschlissen, davon fünf in den letzten 21 Monaten. Die Neue Zürcher Zeitung fürchtet zwar unsinnig, dass Frankreich aufgrund seiner Verschuldung zum nächsten Griechenland wird, aber wenn kein Wunder geschieht, regiert spätestens 2027 die Riege Marine Le Pens. Ich behaupte: So wie die EU seit 2000 ökonomisch konstruiert ist, war diese Entwicklung unausweichlich.

Deutsche Medien meinen freilich, bei Frankreich gravierende ökonomische Fehler zu orten: anders als Deutschland hätte es Strukturreformen versäumt. Die Bevölkerung verstünde nicht, wie verkrustet seine Strukturen wären: ein viel zu großer Zentralismus; viel zu starke kommunistische Gewerkschaften; mangelnde Flexibilität des Arbeitsmarktes; die zu geringe Bereitschaft einer abgehobenen Elite, sich mit Problemen des kleinen Mannes zu befassen und die Verschonung dieser Elite vor Strafverfahren wegen Korruption – auch wenn Ex- Präsident Nicolas Sarkozy soeben zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

An jedem dieser Vorwürfe ist etwas dran und hinzu tritt als grundsätzlicher Nachteil der relativ große Anteil der Landwirtshaft an Frankreichs BIP. Denn weil es dort kaum noch Produktivitätsfortschritte gibt, bleiben die Einkommen zurück und vertiefen die Kluft zwischen Land und Stadt. Auch mit dem Problem, das die Rechte derzeit allenthalben stärkt, ist Frankreich gleich doppelt konfrontiert: es mußte schon Millionen Zuwanderer aus seinen Kolonien aufnehmen. Aber trotz all dieser Schwächen hatte Frankreich noch 2005 ein reales (Kaufkraftbereinigtes) BIP pro Kopf von 36,703 USD- nur um 1.200 USD weniger als Deutschland. Denn es hat beste Schulen und Universitäten, gute Techniker (Red Bull gewann die F1- Weltmeisterschaft zweimal mit Renault-Motoren), weit stärkere Banken und eine konjunkturunabhängige Luxusgüterindustrie. Letztlich unterscheiden sich die beiden Nationen in ihren ökonomischen Voraussetzungen nur marginal. Dennoch hat sich der Abstand im realen BIP pro Kopf schon nach wenigen Jahren verdoppelt und bis zum Amtsantritt Macrons auf 6.200 USD verfünffacht. Bis heute hat er sich auf 9.500 USD verachtfacht. Gleichzeitig ist Frankreichs Staatsschuldenquote mit 111 Prozent des BIP die höchste nach Griechenland und Italien und, weit schlimmer, gibt es 18 Prozent junge Arbeitslose. Wie wir hat es ein Defizit-Verfahren am Hals und die Bemühungen es zu reduzieren, werden wie überall scheitern oder in Rezession münden. In Wahrheit aus Gründen der Mathematik: Der Staat kann nicht sparen, wenn schon Konsumenten und seit 20 Jahren auch Unternehmen Nettosparer sind, deshalb machen die USA, auch für uns, ständig steigende Staatsschulden – Frankreich macht sie angeblich, weil auch Macrons nach einem Monat schon wieder zurückgetretener Regierungschef Sébastien Lecornu Einsparungen von 40 Milliarden so wenig durchs Parlament gebracht hat wie sein Vorgänger. Denn der rechte Flügel Marine le Pens lehnt sie zurecht ebenso ab wie die linke Volksfront unter Jean- Luc Mélenchon. Dessen Vorschlag, das Problem zu lindern, nicht zu lösen, indem man hohe Vermögen mit 2 Prozent besteuert, lehnen die verbliebenen liberalen Anhänger Macrons ab. Frankreich ist restlos unregierbar.

Auf die Frage, wie es soweit kommen konnte, gab der Ökonom und ehemals stellvertretende deutsche Finanzminister Heiner Flassbeck soeben in einem Interview die seit Jahrzehnten gleiche Antwort: „Weil Frankreich Deutschland zum Nachbarn hat!“ Weil es ihm auf Grund der aufgebrochenen Dramatik weder Leser noch Kollegen übelnehmen, wiederholt er auch die immer gleiche Begründung: Frankreich hat seine Löhne Jahr für Jahr nach der einst für ganz Europa gültigen Benya- Formel erhöht, während Deutschland das seit 2000 nicht mehr tat. Damit haben sich französische Waren gegenüber deutschen schon bis 2017 um 20 Prozent verteuert und in entsprechend gewaltigem Ausmaß hat Frankreich Marktanteile an Deutschland verloren. Sein Leistungsbilanzüberschuss gegenüber Frankreich hat sich verdreißigfacht. Kein ökonomisch noch so versierter Staatspräsident hätte diese Entwicklung verhindern können. Denn um Marktanteile zurück zu gewinnen, müßte Frankreich seine Löhne um mehr als 20 Prozent senken, was eine Revolution auslöste und auch die Binnenkonjunktur einbrechen ließe.

Die EU- Kommission weiß um den angeführten Missstand. Ihre Regeln verbieten ihn genauso wie die der Welthandelsorganisation WTO: Ist ein Land dauerhaft mit Überschüssen eines anderen Landes konfrontiert, hat es das Recht, dagegen Maßnahmen zu ergreifen Doch innerhalb des Euro konnte Frankreich das nicht tun und die von Deutschland dominierte EU- Kommission hat nichts unternommen. Obwohl Donald Trump auch auf Basis der WTO- Regeln das Recht hätte, sich gegen den deutschen Überschuss von 80 Milliarden Dollar jährlich zu wehren, tat er es auf die gewohnt brutale, wie er meint schnellere Weise, mittels Zöllen und Frankreich büßt dabei schuldlos mit. Macron selbst hat sich nie ersthaft gewehrt, weil er die Deutschen in Wahrheit bewundert und kopieren will- dass lauter gleichzeitige Überschüsse denkunmöglich sind versteht er nicht. In Wirklichkeit könnte nur Deutschland die Situation retten, indem es im Einklang mit Ländern, die bei ihm maßgenommen haben, seine Löhne drastisch erhöhte und indem die EU sich wie die USA verschuldete.

 

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Das Glück, dass Ukrainer für uns kämpfen

Kaum ein anderes Volk als Ukrainer wäre den physischen Härten des Krieges gegen Russland vergleichbar gewachsen. Jetzt überholt die Ukraine die EU selbst waffentechnisch.

 Die Ukraine wäre, so Wolodymyr Selenskyj, bereit, polnische oder deutsche Soldaten im Umgang mit Drohnen zu schulen, wie sie in künftigen Kriegen offenbar eine entscheidende Rolle spielten: wie man sie früh erkennt, ablenkt, ihre Motoren elektromagnetisch zerstört oder sie mit simplen Maschinengewehren abschießt. Schon seit Jahren stellt die Ukraine einfache, billige Drohnen nicht zuletzt auch durch Frauen in Heimarbeit her. Am eindrucksvollsten aber ist wohl, dass die Ukraine mittlerweile mit dem Flamingo einen Marschflugkörper herzustellen vermag, der ein Viertel des Taurus-Marschflugkörpers kostet, den Deutschland ihr noch immer nicht geliefert hat und eine höhere Menge Sprengstoffs als das deutsche Gerät zu transportieren vermag.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass Deutschlands Nazis in Ukrainern noch vor achtzig Jahren „Untermenschen“ sahen, die mit der arischen Rasse intellektuell nicht Schritt halten könnten, und bis heute hält sich die Vorstellung ihrer zumindest technologischen Unterlegenheit. Dass sie gerade dort und insbesondere im Bereich der Digitalisierung mit an der Spitze liegen könnten, fällt schwer zu glauben. Gegen die Qualität ihrer Wirtschaft, voran ihrer schon zu Zeiten der Sowjetunion erfolgreichen Schwerindustrie, wird immer wieder die extreme Korruption der Landes ins Treffen geführt und die gibt es jenseits jedes Zweifels: Von einem älteren Ukrainer, der in Österreich Waren kauft, die man in seiner Heimat dringend braucht, weiß ich, dass er bei seiner Ausfahrt wie seiner Einfahrt über die Grenze Schmiergeld bezahlen muss, um durchgelassen zu werden; seiner Tochter wurde, als sie ihr Jus Studium abschloss, angeboten, gegen Zahlung von 14.000 Euro einen Posten an der Grenze zu bekommen, wo sie diesen Betrag wieder einnehmen könnte. Aber es gilt zu begreifen, wie sehr Jahrzehnte kommunistischer Misswirtschaft das Verhalten der Menschen geprägt hat: Nur weil es Korruption gab, ist es in diesem System überhaupt dazu gekommen, dass Waren bei Konsumenten gelandet sind. Ich habe das in Polen anhand pelzgefütterter Ledermäntel erlebt, die man überall außer in Geschäftsauslagen sah: Der Chauffeur, der die Rinderhäute transportierte, „verlor“ zwei davon von seiner Ladefläche; in der Gerberei „verbrannten“ zwei davon in der Gerberlohe; auf dem Weg zur staatlichen Schneiderei gingen zwei weitere „verloren“ und dort wurde einer „leider verschnitten“. Der, den ich letztlich (relativ teuer) kaufen konnte, wurde in einem Hinterzimmer geschneidert, zu dem ich dank polnischer Freunde Zutritt fand. Korruption war überlebenswichtig – das gibt sich nicht so rasch.

Auch gegen die Hersteller der Flamingo- Marschflugkörper werden bereits Korruptionsvorwürfe erhoben – aber dennoch sind sie so billig, dass EU-Armeen überlegen, sie zu kaufen und dass man in der EU mittlerweile einig ist, dass es am besten und billigsten ist, wenn man der Ukraine dabei hilft, so viele Waffen wie möglich selbst herzustellen, zumal sie dann schon vor Ort sind. Die Flamingo Marschflugkörper – sie heißen so, weil ihr Geschosskopf ursprünglich  rosafarben war – scheinen die Ukraine in die Lage zu versetzen, Ölförderanlage, Öl-Depots und Ölleitungen innerhalb Russlands zu zerstören und auch Öltanker jener Schattenflotte zu treffen, mit denen Russland die Erdöl-Sanktionen umgeht. Es setzt Russland damit womöglich der Energie-Knappheit aus, mit der Wladimir Putin die Ukraine seit Jahren in die Knie zu zwingen sucht – jedenfalls wurden erstmals Warteschlangen vor russischen Tankstellen beobachtet. Vor allem aber könnte es Russland auf diese Weise schwerer fallen, mittels seiner Ölexporte das Geld zu verdienen, das es für seinen Krieg braucht, denn seine Wirtschaft funktioniert abseits der Waffenproduktion unverändert schlecht und leidet sehr wohl unter den Sanktionen: War ein Rubel im Juni  2022 1,84 Euro wert, so steht er derzeit bei 1,07 Euro und er kann  bei einem wirklichen Einbruch des Erdöl-Absatzes, wie ihn natürlich auch die zerstörten Pipelines herbeiführen, noch viel tiefer sinken. Die Vorstellung, dass Wirtschaftssanktionen Russland in die Knie zwingen, war zwar immer unsinnig, aber sie können Putin sehr wohl bewegen, darüber nachzudenken, ob er sich nicht doch mit der bisher gemachten Kriegsbeute – im ungünstigsten Fall der Krim und nur eines Teils des Donbass zufrieden geben soll.

Ich zweifle nämlich, dass selbst die an Entbehrungen gewohnten Russen und Russinnen, so wie Ukrainer und Ukrainerinnen damit zu Rande kommen, dass es immer wieder Stromausfälle gibt oder im Winter die Heizungen ausfallen. Meine Mutter hat mir erzählt, dass unter den unterernährten Frauen, die in Auschwitz Flecktyphus mit 42 Grad Fieber ohne Herz-stärkende Medikamente überlebten, Ukrainerinnen noch zahlreicher als Russinnen waren: Sie zogen die Decke über den Kopf und erhoben sich nach einer Woche aus dem Bett. Der aktuelle Boxweltmeister im Schwergewicht aller Verbände ist mit Oleksandr Ussyk nicht zufällig ein Ukrainer als Nachfolger der Brüder Vitaly und Wladimir Klitschko, der jetzt Bürgermeister in Kiew ist und wie Ussyk nicht nur über ungeheure Körperkraft, sondern auch größtes boxerisches Können verfügt. Nur Männer dieses Zuschnitts halten es seit mittlerweile drei Jahren an der Front aus.

Hätten die USA und die EU der Ukraine von Beginn an auch nur mit halb so viel Mut geholfen, der Krieg sähe gegenwärtig anders aus.

 

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Die falsche Lohnsteigerung holt uns ein

Für Arbeitnehmer und Pensionisten war es falsch, sich bei ihren Einkommen an der extremen Inflation von 2023 zu orientieren. Für Rumänien oder Kroatien ist es ein Fiasko.

Die Pensionisten-Verbände von SPÖ und ÖVP murren über eine Pensionsregelung, die bekanntlich vorsieht, dass Pensionen bis 2.500 Euro die volle Inflationsabgeltung von 2,7 Prozent erhalten, während Pensionen darüber nur um einen Fixbetrag von 67,50 Euro erhöht werden. Zwar erleiden zwei Drittel der Pensionisten damit keinen Verlust durch unsere weiterhin überdurchschnittliche Inflation, aber die Kaufkraft der Pensionisten insgesamt sinkt derzeit und bedeutet weniger Verkäufe für unsere Unternehmen. Doch da man sich der widersinnigen Forderung der EU nach Milliardeneinsparungen des Staates beugen muss, war es eine gute und sogar faire Lösung, denn die Erhöhung der Pensionen davor ist etwas zu hoch ausgefallen, indem sie sich an der extremen Inflation des Jahres 2023 orientierte.

Die jetzt von der Regierung erzielte Einsparung ist groß, und da künftige Pensionserhöhungen auf dem aktuellen Niveau aufsetzen, wirkt sie fort. Die NEOS drängen daher, auch den Gehaltsabschluss mit den Beamten aufzuschnüren, und Finanzminister Markus Marterbauer will es versuchen. Hat er Erfolg, verringert es derzeit einmal mehr die Kaufkraft eines Teils der Bevölkerung, aber auch die Beamten haben 2023/24 zu hohe Gehaltsabschlüsse erreicht, weil ihnen zu Unrecht die Benya-Formel zu Grunde gelegt wurde, für die die Inflation eine entscheidende Rolle spielt. Noch viel mehr galt das allerdings für die noch viel größere Gruppe der Arbeitnehmer technischer Industrien, deren Einkommen in Kollektivertragsverhandlungen mit den Arbeitgebern fixiert wurden: Diese Abschlüsse waren, voran bei den Metallern, zu hoch- unsere Lohnstückkosten zählen plötzlich zu den höchsten der EU.

Die Benya-Formel, Lohnerhöhung = Produktivitätsfortschritt+ Inflation des abgelaufenen Jahres, ist nämlich nur dann richtig, wenn die Inflationsrate tatsächlich auf den Lohnerhöhungen des abgelaufenen Jahres beruht: Sie liegt dann im Idealfall um die zwei Prozent. Aber die Inflationsrate 2023 hatte nicht wie sonst Lohnerhöhungen, sondern die extreme Verteuerung russischen Gases zur Ursache und war damit als Basis der Benya-Formel ungeeignet. Die deutschen Gewerkschaften, die leider durch 25 Jahre negierten, dass man die Löhne aus Fairness gegenüber anderen Ländern, normaler Weis stets gemäß der Benya-Formel erhöhen muss, begriffen ausgerechnet 2023/24 richtig, dass sich die Benya-Formel diesmal nicht zur Basis von Lohnverhandlungen eignet, zumal die Verteuerung russischen Gases ein befristetes Phänomen ist: Sie begnügten sich mit einer 2,4-prozentigen Erhöhung der Kollektivvertragslöhne zuzüglich einer Einmalzahlung. Unsere sonst so vernünftigen Gewerkschaften begnügten sich nicht damit und so ist es zu einem kritischen Wettbewerbsnachteil gegenüber unserem wichtigsten Konkurrenten gekommen. Nur wenn Deutschland, wie das grundsätzlich richtig wäre, seine Löhne gewaltig erhöhte, könnten andere Länder sie endlich auch erhöhen und es ginge allen besser.

So hingegen sind unsere etwas zu großen Lohnerhöhungen derzeit auch Ursache unserer weiterhin überdurchschnittlichen Inflation: Es bleibt unseren Unternehmen nichts anders übrig, als ihre Lohn-Mehrkosten auf die Preise zu überwälzen. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass sich der ÖGB bei den nächsten Lohnverhandlungen an unserer internationalen Konkurrenzfähigkeit orientieren wird.

Grundgelegt wurde das Missverständnis in Bezug auf die Inflation leider durch die EZB: Auch sie begriff nicht, dass die Teuerung 2023 durch die Explosion des russischen Gaspreises ausgelöst wurde und reagierte bekanntlich mit einer harschen Zinserhöhung, wie das Lehrbuch sie nur für eine lohngetriebene Inflation empfiehlt – dieser Reaktion verdanken wir die Rezession und insbesondere die Probleme der Bauwirtschaft. Es ist das zentrale Problem der EU, dass zentrale Wirtschaftsprobleme von ihren Spitzengremien, sei es die EZB, sei es die Kommission, nicht verstanden werden. Die Kommission versteht nicht, dass die Wirtschaft nicht wachsen kann, wenn der Staat spart, obwohl auch Konsumenten und Unternehmen sparen, oder dass Frankreich und Italien sich schwer verschulden mussten, weil Deutschland ihnen dank Lohnzurückhaltung Marktanteile abjagte. Derzeit sehen weder EZB noch Kommission, dass sich bereits ein nächstes Fiasko anbahnt: So erhöhte etwa Rumänien seine Löhne zuletzt um 18,1 und 16,6 Prozent, und auch das neu aufgenommene Kroatien liegt mit 15,9 und 11,2 Prozent in einem Bereich, der unmöglich den Produktivitätszuwächsen entsprechen kann. Während Österreich die Chancen hat, dass sein künftiger Produktivitätszuwachs seine Lohnerhöhungen aushält, haben diese Staaten sie sicher nicht: Zum kritischen Nord -Süd -Gefälle kommt es in der EU zu einem auch politisch denkbar kritischen West-Ost- Gefälle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Nachteile des totalen Verbrenner-Aus

Ein Verbrenner-Aus, auch für Autos die E-Fuels nutzen, verzögert die Entwicklung klimaneutraler Treibstoffe für Flugzeuge und kostet Österreich eine große Chance.

Auf der IAA Mobility-Messe in München zeigt BMW eine E- Limousine mit 800 Kilometer Reichweite und VW einen E-Polo um nur 25.000 Euro, die auch in China wieder punkten sollen. Porsches Punkstück hingegen ist ein Verbrenner, denn E-Porsches sind Ladenhüter und der Verkauf ist um 90 Prozent eingebrochen. Die Porsche-Aktie ist aus dem prestigeträchtigen Leitindex des DAX geflogen und illustriert den Zustand der Branche.

Hintergrund der Messe ist die Auseinandersetzung zwischen dem Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer, der nur E-Mobilität für zukunftsfähig hält und Kanzler Friedrich Merz der das von der EU beschlossene Verbrenner- Aus ab 2035 wie CSU -Chef Markus Söder kippen will, weil er meint,  dass es der Autoindustrie als Herzstück europäischer Industrie Europas weiteren Schaden zufügt. Wie Karl Nehammer fordert er Technologieoffenheit, während Dudenhöffer meint, dass nur die Festlegung auf E-Autos KFZ-Konzernen unverzichtbare Planungssicherheit vermittelt. Dagegen spricht allerdings, dass weder die USA noch China, Japan oder Südkorea Verbrenner-Autos verbieten – ihre KFZ- Konzerne gehen bei der Planung davon aus, dass es sie in unterentwickelten Ländern noch lange und in entwickelten Ländern weiterhin geben wird. In der EU hält man dem entgegen, dass man der Welt im Kampf gegen den Klimawandel ein Vorbild sein will, indem man die CO2- Emission durch den Straßenverkehr endgültig beendet.

Dieser Ehrgeiz hat nicht zuletzt mit VW zu tun: VW Chef Martin Winterkorn, wegen seines Anteils am einstigen Porsche-Erfolg Vorstand der VW-Dachgesellschaft Porsche SE, war der Mann, unter dessen Aufsicht sich der „Dieselskandal“ ereignet hat: Bekanntlich manipulierte VW sein Abgasmanagement dahin, dass der CO2-Anteil seiner Abgase am Prüfstand weit geringer als im realen Betrieb ausfiel. Winterkorn, der deshalb bis heute vor Gericht steht, behauptet, das nicht gewusst zu haben. Doch der Dieselskandal hat nicht nur die deutsche Autoindustrie in Verruf gebracht, sondern auch den den Beitrag des CO2-Ausstoßes von Autos zum Klimawandel zum Gegenstand ganz besonderer Besorgnis gemacht.

Ich teile die grundsätzliche Besorgnis, nachdem ich das Glück hatte, in Leo Szilárd einen der nach Albert Einstein größten Wissenschaftler des Jahrhunderts zu kennen[1]: Schon in den Fünfzigerjahren machte er mir klar, warum CO2 auf dem Weg eines Glashauseffekts der Erdatmosphäre zu einer Klimaerwärmung führen muss, die zur größten Herausforderung der Zukunft würde. Ich schicke das voraus, weil ich in der Folge begründen will, wieso die EU dieser Herausforderung meines Erachtens verfehlt entgegentritt.

Erstens: Klima entsteht nicht im Himmel über Europa, sondern global und es zeigt sich, dass die CO2-Emission seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 außer während „Corona“ nie abgenommen hat., weil ökonomische Gesetzmäßigkeiten das nicht zulassen: Was immer an fossilen Brennstoffen – Erdgas, Öl und Kohle- gefördert wird, wird auch verbrannt. Was Europa davon unter großen Anstrengungen weniger verbrennt, verbrennen andere Volkswirtschaften mehr. Um die CO2 -Emission ernsthaft zu vermindern, müssten sich die großen Förderländer, Saudi-Arabien, Russland, Iran, Venezuela und USA, einigen, die Förderung kontinuierlich zu drosseln – das ist so gut wie ausgeschlossen.

Zweitens: Obwohl das so ist, soll die EU die Möglichkeiten, die CO2-Emission zu vermindern, natürlich wahrnehmen. Gerade weil Handeln dringlich ist, muss Überlegung dabei vor Hektik gehen. So haben Flugzeuge „nur“ einen 3 Prozent Anteil am weltweiten CO2 -Ausstoß aber leider stark steigend. Klimaneutrales Fliegen kommt daher besonderer Beachtung zu, wegen der enormen Zunahme des Flugverkehrs. 2044 wird es laut Einschätzung der Flugzeughersteller die doppelte Anzahl von Flugzeugen geben. Weil Batterien viel zu schwer sind und Wasserstoff viel zu rasch entweicht, kommen dafür als alternativer Treibstoff nur E-Fuels in Frage: Treibstoffe, die durch die Verbindung von „grün“ erzeugtem Wasserstoff mit der Luft entnommenem CO2 hergestellt werden. Da sich E-Fuels genauso zum Antrieb herkömmlicher Autos eignen und sogar übers bestehende Tankstellennetz vertrieben werden können, wäre es absurd, sie dort nicht einzusetzen, denn ihr Vorteil ist dramatisch: Sie emittieren beim Verbrennen nur das CO2, das der Atmosphäre bei ihrer Herstellung entnommen wurde – sie sind klimaneutral.

Das Grazer Unternehmen AVL-List ist bei ihrer Herstellung führend: es betreibt seit längerem eine funktionierende Probeanlage, in der der benötigt grüne Wasserstoff mittels Solarstrom hergestellt wird. Das Unternehmen ist überzeugt, dass der Preis pro Liter E-Fuel im Fall der Massenproduktion konkurrenzfähig ist, womit man der ernsthaften Verminderung der CO2 Emissionen nahekäme. Entscheidend ist freilich, dass es tatsächlich zur Massenproduktion kommt, und das hängt von der Gesetzeslage ab: Wenn Autos mit Verbrenner-Motoren in der EU ab 2035 verboten sind, auch wenn sie E-Fuels nutzen, kommt es schwerlich dazu. Fällt das Verbot – und die EU bastelt diskutiert eine entsprechenden Ausnahmegenehmigung- so kommt es zum dramatischen Nutzen für klimaneutrales Fliegen, vielleicht doch zum Wettbewerb zwischen E-Autos und E-Fuel-Autos.

[1] Szillard erkannte, dass und wie sich die im Atomkern enthaltene Energie nutzen lässt und wurde damit zum Vater der in Österreich verpönten Kernkraft, (die international allerdings eine Renaissance erlebt) und, zu seinem Leidwesen, auch der Atombombe, deren Abwurf er freilich mit allen Mitteln zu verhindern suchte.

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Sommerlich ORF-Plattform für Herbert Kickl

Ein schlecht vorbereiteter Klaus Webhofer bot Herbert Kickl im letzten „ORF-Sommergespräch“ dieses Jahres die ideale Plattform zu einer die Fakten völlig verdrehenden Kritik an der Regierung und ihrem Verhältnis zu Russland. Nachdem er eine Reihe uninteressanter Fragen gestellt hatte, auf die man sich die Antwort Kickls ausrechnen konnte- etwa: wie er damit umgeht, dass er in Umfragen als nicht vertrauenswürdig bezeichnet wird – kam er auf das Thema Inflation zu sprechen, und Kickl konnte dort lang und breit, und vor allem unwidersprochen, ausführen, dass sie darauf beruht, dass Österreich kein russisches Gas mehr kauft, weil es sich in die Sanktionspolitik der EU einbinden ließ. Nicht einmal ansatzweise wendet Webhofer ein, dass die Ursache der Inflation darin zu finden ist, dass Wladimir Putin in Vorbereitung des Ukraine-Krieges gemeinsam mit der OPEC jene Drosselung der Öl- und Gasförderung beschloss, die Energie so teuer machte, dass alles Produzierte sich entsprechend verteuern musste. Die EU hat zwar den Kauf russischen Öls, nicht aber russischen Gases sanktioniert, weil sie weiß, wie abhängig Österreich, Deutschland, aber auch viele andere Staaten davon waren und zum Teil noch sind. Während die EU Putin wegen seines Krieges wie der damit verbundenen Inflation zu Recht ächtet, hat die FPÖ bekanntlich einen nicht aufgekündigten Freundschaftsvertragmit seiner Partei „Einiges Russland“ und sorgt sich Kickl, dass wir unsere Neutralität gefährden, indem wir Putins Krieg kritisieren und uns den Sanktionen der EU angeschlossen haben.

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Endet Trumps Machtrausch bei der FED?

Einen Präsidenten, der die Unabhängigkeit der FED beschneiden kann, hält nichts mehr auf. Aber eine Notenbank, die das Gegenteil der Politik will, ist ein Problem.

Indem Donald Trump mit Lisa Cook eine Gouverneurin der Notenbank FED gefeuert hat, greift er erstmals in der US-Geschichte in die Unabhängigkeit dieser Institution ein. Er hat zwar das Recht, eine Gouverneurin zu entlassen, aber es bedarf dazu „triftiger Gründe“ und die sind bei Cook höchst fraglich. Der Chef der Aufsichtsbehörde für den Hypothekenmarkt, William Pulte, den CNN einen „republikanischen Kampfhund“ nennt, nachdem er mit Senator Adam Schiff und der New Yorker Generalstaatsanwältin Lätitia James schon zwei heftigen Kritikern Trumps „Hypothekenbetrug“ vorgeworfen hat, erhebt folgenden Vorwurf gegen Cook: Sie hätte einen günstigen Zinssatz für den Kauf ihrer Wohnung in Atlanta erhalten, indem sie sie als Hauptwohnsitz deklarierte, obwohl sie zuvor ihr Haus in Michigan als Hauptwohnsitz deklariert und dafür ebenfalls einen Kredit erhalten hat. Cook nennt diesen Vorwurf unzutreffend und jedenfalls bezieht er sich auf die Zeit vor ihrer FED-Tätigkeit. Aber selbst, wenn er richtig sein sollte, ist fraglich, ob er ein „triftiger Grund“ ist, sie aus einer Funktion zu entlassen, in der ihre unbestrittene ökonomische Expertise gefragt ist. Cook hat jedenfalls gegen ihre Entlassung geklagt und der Rechtstreit wird zweifellos vor dem Supreme Court landen[1]. Dort sind schon mehrere Verfahren um gekündigte Behördenleiter gelandet, doch das Höchstgericht hat bisher noch keine Entscheidung Trumps rückgängig gemacht, hat er doch für eine Mehrheit republikanischer Richter gesorgt. Im Falle der Notenbank gibt es allerdings ein früheres Urteil des Supreme Court, das die Unzulässigkeit personeller Eingriffe in die FED mit ihrer Besonderheit begründet: „Die Federal Reserve (FED) ist eine einzigartig strukturierte, quasi-private Institution, die der besonderen historischen Tradition der Ersten Bank der Vereinigten Staaten folgt.“ Diese historische Tradition ist eindeutig: Die Unabhängigkeit der FED ist ihr höchstes Gut. Das sollte die Entlassung Cooks ausschließen, solange sich FED-Präsident Jerome Powell und andere FED-Gouverneure der Forderung nach ihrer Entlassung nicht anschließen. Aus rechtsstaatlicher Sicht ist die Sache für mich eindeutig: Sollte der Supreme Court ihre Entlassung dennoch akzeptieren, so wäre das ein Riesenschritt hin zu Trumps Allmacht und an Gefährlichkeit nur noch davon übertroffen, dass das Höchstgericht auch akzeptiert, dass er via Notstand Zölle diktiert hat, obwohl ein Berufungsgericht es soeben als unzulässig erklärt hat.

Nur aus ökonomischer Sicht sind beide Themen komplexer. Zölle können nötig sein und Notenbanken sind die mächtigsten auch politischen Akteure:  Als FED-Chef Paul Volcker die Zinsen zu Beginn der Ära Ronald Reagans hochhielt, schwächelte die US-Wirtschaft, als Alan Greenspan sie senkte, boomte sie. Der Euro wäre Geschichte, hätte EZB-Chef Mario Draghi nicht erklärt, ihn mit allen Mitteln zu stützen. Als die Staaten der EU zu wenig investierten, um die Konjunktur aufrecht zu erhalten, verhinderte die EZB mit ihrer Null-Zins -Politik, dass sie völlig einbrach. Zuletzt sorgte sie durch ihre harsche Zinserhöhung für die aktuelle Rezession, obwohl die Teuerung, die sie bekämpfte von der Verteuerung fossiler Brennstoffe herrührte und in einer von deutscher Lohnzurückhaltung geprägten EU nicht das Geringste mit überhöhten Löhnen zu tun hatte.

In den USA ist die Situation anders. Ausgangspunkt der Teuerung war zwar auch dort die Verteuerung fossiler Energie, aber sowohl in Trumps erster Amtszeit wie unter Joe Biden stiegen die US-Löhne massiv und wurde zur Überwindung der Coronakrise noch mehr Geld als bei uns in die Wirtschaft gepumpt – das hat die Inflation sehr wahrscheinlich verschärft. Das Rezept, das das Lehrbuch zu ihrer Dämpfung empfiehlt, verlangt extremes Fingerspitzengefühl, denn es besteht darin, die Wirtschaft durch einen hohen Zins so abzukühlen, dass die Arbeitslosigkeit zunimmt und weitere Lohnerhöhungen ausschließt. Schon unter Biden erhöhte die FED die Zinsen auf 5,5 Prozent, senkte sie unter Trump auf 4,5 Prozent und hat sie bis heute dort belassen. Zuletzt stellte Powell zwar eine vorsichtige Senkung in Aussicht, weil der Arbeitsmarkt schwächelt, aber man kann durchaus meinen, dass Trump recht hat, wenn er seit Monaten eine deutliche Zinssenkung forderte. Weil Regierende niedrige Zinsen fast automatisch vorziehen, hat man den Notenbanken in aller Welt größtmögliche Unabhängigkeit zugestanden, um die Lage möglichst unbefangen einzuschätzen. Zwei Mitglieder des siebenköpfigen FMOC (Federal Open Market Committee) der FED, der die Zinsen festlegt, waren schon bisher dafür, sie zu senken, Brook unterstützte Powell am energischsten, sie beizubehalten. Da mittlerweile eine weitere Gouverneurin freiwillig ausscheidet, kann Trump hoffen, mit den von ihm nominierten Nachfolgern eine Mehrheit für massive Zinssenkungen zu gewinnen. Das ist ein höchst problematischer Eingriff in die Unabhängigkeit der Notenbank, nur ist auch ihre totale Unabhängigkeit ein nicht wirklich gelöstes Problem: Es kann passieren und ist schon passiert, dass die Regierung die Wirtschaft mit hohen Investitionen ankurbeln will, während die Notenbank mit hohen Zinsen auf der Bremse steht. Solang er nicht Recht bricht, ist zulässig, dass ein Präsident die FED auf Seiten seiner Politik sehen will.

 

 

 

 

 

 

[1] Schon Dienstag urteilt ein Gericht, ob Cook vorerst weiter amtieren darf, aber die Entscheidung ist zwar ein Indiz, aber nicht bindend

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Trump im Zoll -Notstand

Zölle wegen angeblichen Notstands zu dekretieren, war rechtswidrig. Nur wenn der Supreme Court ein Berufungsgericht desavouiert, bleibt Trump eine Mega-Blamage erspart. 

Donald Trump könnte vor seiner größten Niederlage stehen – oder der Supreme Court vor dem größten Rechtsbruch der US-Geschichte. Ein US-Berufungsgericht hat Freitag voriger Woche erklärt, Trump habe mit der Verhängung der Zölle vom 2. April seine Befugnisse überschritten und sie seien ungültig. Die Entscheidung tritt erst am 14. Oktober in Kraft, sodass Trump die Zeit hat, sie beim Supreme Court anzufechten. Sollte er Trump im Gegensatz zum Berufungsgericht Recht geben, so wäre der Rechtsbruch beispiellos. Denn das Hauptargument, mit dem Trump Zölle dekretiert hat, war immer grotesk: Die 1,2 Billionen Dollar Leistungsbilanzdefizit, dem die USA gegenüberstünden, stellten einen Notstand dar, der ihm Dekrete erlaube. Nur dass es solches Defizit seit drei Jahrzehnten und vier Präsidenten gibt, ohne dass selbst Trump in seiner ersten Amtszeit von einem Notstand gesprochen hätte.

Nun ist Trump nicht der erste Präsident, der mit Notstandsverordnungen Politik macht. Seit 1977 haben das US-Präsidenten 69-mal getan. Nur das sich diese Notstände doch irgendwo festmachen ließen. So ließ Jimmy Carter 1979 nach der Erstürmung der US-Botschaft in Teheran den Handel mit dem Iran per Notstandsdekret untersagen. George H. W. Bush nutzte das Gesetz für Sanktionen gegen Serbien im Jugoslawienkrieg, sein Sohn für Sanktionen gegen den Irak. Fast immer haben die Präsidenten ein bestimmtes Land ins Visier genommen oder den Handel mit bestimmten Gütern (etwa Diamanten) untersagt. Noch nie aber wurden per Notstand Zölle, noch dazu in globalem Maßstab, verhängt. Primär dort setzte bereits im Mai die Klage mehrerer Unternehmen und US-Bundesstaaten, darunter auch zweier republikanischer, beim US-Gerichtshof für internationalen Handel in New York an: Trump habe kein Recht, Zölle einzuführen, weil das Gesetz es dem Präsidenten nur erlaube, die Einfuhr ausländischer Produkte im Notfall zu unterbinden, nicht aber mit Zöllen zu belegen. Nur das entspreche dem „International Emergency Economic Powers Act“ von 1977, der es ihm erlaubt, Sanktionen einzuführen, wenn eine „außergewöhnliche Bedrohung der Wirtschaft oder der Sicherheit des Landes“ vorliegt. Das ist zwar vage, aber es ist schwer, daraus abzuleiten, dass sich die USA von der Schweiz derart bedroht fühlen, dass sie ihr 39 Prozent Zoll vorschreiben müssen.

Gegen dieses Urteil wehrte sich die Trump-Regierung vor dem Berufungsgericht. Dieses hob eine Blockade der Zölle, die das New Yorker Gericht verfügt hatte zwar vorerst auf, um den Fall zu prüfen, hielt die Entscheidung der unteren Instanz mit seinem nunmehrigen Beschluss aber in großen Teilen aufrecht: „Das Gesetz räumt dem Präsidenten zwar erhebliche Befugnisse ein, um auf einen ausgerufenen nationalen Notstand zu reagieren“, hieß es in der Urteilsbegründung, „aber keine dieser Maßnahmen schließt ausdrücklich die Befugnis ein, Zölle, Abgaben oder Ähnliches zu erheben.“ Das Urteil bezieht sich auf die von Trump erstmals Anfang April angekündigten länderspezifischen Zölle, die Dutzende Handelspartner der USA, darunter die gesamte EU betreffen. Nicht von der Entscheidung betroffen sind Zölle, die auf anderer rechtlicher Grundlage erlassen wurden. So erlaubt ein Gesetz dem Handelsminister, die Einfuhr von zu Gütern zu beschränken, wenn der Import den Sicherheitsinteressen der USA zuwiderläuft. Er muss dazu allerdings ein Prüfverfahren einleiten, das meist um die neun Monate dauert, weil dabei interessierte Parteien öffentlich anzuhören sind. Dieses Verfahren nutzte Trump für seine Zölle auf Stahl und Aluminium sowie Autos, auch wenn ich nicht weiß, wie die Sicherheitsinteressen gefährden – Metalle sind dagegen kriegswichtig.

Für Trump ist die Aufhebung seiner wunderbaren Zölle durch das Berufungsgericht die bisher größte juridische Niederlage und er schäumt entsprechend. Das Gericht sei verrückt, befangen und setze die Nation einer Katastrophe aus. Doch er sei zuversichtlich, dass der Supreme Court sie verhindern werde. Wenn die USA noch ein Rechtssaat sind, wird ihr Urteil zu einer Katastrophe für Trump. Das größte Risiko besteht nicht in der Teilnahme der zuletzt von Tump ernannten religiösen Richterinnen – wer gegen Abtreibung ist, kann dennoch für den Rechtsstaat sein – sondern bei zwei konservativen Richtern, deren Neigung zu Geschenkannahme altbekannt ist und in der so tiefen ideologischen Spaltung des Landes: Wenn das Richterkollegium zu dem Schluss gelangt, hier ginge es nicht um die richtige Auslegung eines Gesetze, sondern um Sein oder Nichtsein des republikanisch-konservativen Amerika, dann ist auch das ungeheuerlichste Fehlurteil denkbar.

In der Sache müsste Trump auch bei einem korrekten Urteil keineswegs voll von seinen Zöllen abrücken, er muss sie nur ordnungsgemäß und vermutlich differenziert und entsprechend langsam im Kongress durchbringen. Für die EU ist spannend, wie weit zwischenstaatliche Abkommen aufrecht bleiben, wenn sie unter dem Druck ungesetzlicher Zölle zustande gekommen sein sollten. Auch das von mir hier so oft aufgezeigte Problem, dass ihr gewaltiger Leistungsbilanzüberschuss gegenüber den USA inadäquaten Löhnen zu danken ist, bliebe bestehen: Trump könnte bei der World Trade Assoziation (WTA) und bei der EU dagegen klagen, denn beide lehnen dauerhafte Überschüsse ab. Trump müsste nur die Mühen zivilisierter Politik auf sich nehmen.

Das New Yorker Gericht hob die sonstigen Zölle jedenfalls auf und argumentierte wie folgt: Der Präsident habe die Verfassung verletzt, als er reziproke Zölle auf so breiter Front eingeführt habe. Das dürfe nur der Kongress.

 

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Österreichs teures, unbrauchbares Heer

Dafür, dass Österreich das militärisch unsicherste Land der EU bleibt, riskieren wir viel Geld und die übliche Korruption für die Aufrüstung des Bundesheeres

 Obwohl von der EU zu absurdem Sparen vergattert, geben wir bekanntlich 16 Milliarden zur Aufrüstung des Bundesheeres aus, und mindestens eine Milliarde davon fließt nach Italien, um Trainingsjets des Typs Leonardo zu bezahlen. Dass wir pro Jet das Doppelte Nigerias zahlen steht fest, aber das Verteidigungsministerium begründete es mit der ganz anderen Ausstattung und Bewaffnung. Dem steht gegenüber, dass seine „Interne Revision“ festhielt, die Ausschreibung sei „ohne Not“ von vornherein auf Leonardo zugeschnitten gewesen. Das Ministerium bestreitet diese Behauptung und die Grünen wittern „Korruption“.

Ich kann den konkreten Fall nicht beurteilen, wohl aber wiedergeben, was VP-Obmann Erhard Busek mir allgemein zu Staatsaufträgen sagte, als er mir die Informationen übergab, die „profil“ den AKH-Skandal aufdecken ließen: „Bei jedem Staatsauftrag sind 10 Prozent Korruption unvermeidlich– bei Rüstungsaufträgen sind es 30 Prozent.“  1970 hatte ich Kontakt zu einem Direktor der Schweizer Waffenschmiede Hispano Suiza, die eben vom Konkurrenten Oerlikon übernommen worden war. Er zeigte mir eine ganze Reihe von Dokumenten, die unter anderem 40 Prozent Korruption bei Waffenkäufen Frankreichs nahelegten. Bezüglich Österreichs besagten sie nur, dass wir für ein Feuerleitsystem das Sechsfache Deutschlands bezahlt hatten. Andere Dokumente wollte er mir erst übergeben, wenn ich diese Story veröffentlicht hatte. Das tat ich, aber weitere Dokumente blieben aus: Oerlikon hatte ihm die strittige Provision bezahlt. Eine Untersuchung der Justiz zu unserem Feuerleitsystem unterblieb unter Christian Broda wie erwartet. Als SP-Verteidigungsmister Karl Lütgendof starb, fanden sich in seinem Safe Oerlikon-Aktien – aber das konnte auch purer Zufall sein. Für Österreich als Kunde für Rüstungskäufe hegte mein Informant jedenfalls größte Wertschätzung: „Österreich kauft alles zum vielfachen Preis.“

Das kann sich natürlich geändert haben, aber wie Erhard Busek halte ich Korruption bei Rüstungsaufträgen für unvermeidlich. Die EU muss dennoch aufrüsten, wenn sie Wladimir Putin nicht hilflos ausgeliefert sein will und da Österreich ihr angehört, sollte es theoretisch auch aufrüsten. Ich teile nur die Ansicht des Präsidenten der Offiziersgesellschaft Erich Cibulka : Das aktuelle Bundesheer mit 6 Monaten Ausbildung ohne Wehrübungen ist zur Landesverteidigung unbrauchbar. Insofern sind die 16 Milliarden Euro, die die Regierung bis 2032 investieren will, hinausgeschmissenes Geld. Man kann sie nur damit rechtfertigen, dass der Bau von Kasernen und der Kauf von Pandur-Panzern die heimische Wirtschaft stärkt.

Vielleicht kann man zumindest diskutieren, was unsere Sicherheit tatsächlich erhöhte. So glaube ich, dass nur ein Berufsheer den Anforderungen moderner Kriegsführung gewachsen ist. Und nur Männern, die sich freiwillig dazu melden und entsprechend bezahlt werden, ist zuzumuten Ihr Leben zu riskieren. Ein Berufshehr ist teuer, aber zu etwas Gut und wir haben beste Offiziere, es zu führen. Vor allem aber müssen wir die Neutralität endlich so diskutieren, wie die Offiziere, die die neue Wehrdoktrin erarbeitet haben, das wollten, ehe Karl Nehammer und Christian Stocker erklärten, sie stünde nicht zur Diskussion, „weil 80 Prozent der Österreicher der Neutralität anhängen.“ Ich will zumindest zur Diskussion stellen, ob wir mit 16 Milliarden Euro nicht sehr viel Geld ausgeben, ohne unsere Sicherheit zu erhöhen.

Es ist zwingend viel teurer, ein Heer zu finanzieren, das allein in der Lage ist, ein Land militärisch zu schützen, als es in einem Bündnis mehrerer Staaten zu tun. Deshalb hat sich im „Westen“ die NATO gebildet, und gab es im „Osten“ den Warschauer-Pakt. Sollten die Österreicher meinen, dass „Neutralität“ an sich vor Krieg schützt, belegt die Geschichte das Gegenteil: Adolf Hitler überfiel nacheinander die neutralen Länder Luxemburg, Belgien, Holland, Dänemark und Norwegen. Dass er die Schweiz verschonte, lag nicht an ihrer Neutralität, sondern daran, dass General Heinz Guderian Hitler überzeugte, dass es viel besser ist, Frankreich überraschend über die angeblichen nicht Panzergängigen belgischen Ardennen als über die Schweiz anzugreifen.

Österreichs Sicherheit nach dem Krieg beruhte in keiner Weise auf der Neutralität, sondern darauf, dass es bei der Teilung der Einflusssphären im Jalta klar dem „Westen“ zugezählt wurde, so dass die Sowjetunion davon ausgehen musste, dass die USA einen Vorstoß nach Österreich nicht hinnehmen würden. In kritischen Situationen, während der Ungarn-Aufstandes oder des Prager Frühlings, hat sich unsere Regierung dennoch immer besorgt bei der US-Regierung erkundigt, ob man uns auch wirklich verteidigte.

Seit der „Wende“ umgeben uns mit Ausnahme der militärisch weit stärkeren Schweiz nur NATO-Staaten: wir sind dank Trittbrettfahrens relativ sicher. Derzeit ist die Nato zwar theoretisch stärker denn je, weil sich ihr auch das neutrale Schweden und das neutrale Finnland angeschlossen haben, aber in der Praxis hat die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sie arg geschwächt -mehr Schutz als die Neutralität bietet sie unverändert. Und die EU wird, wer immer US-Präsident wird, in Zukunft sehr viel mehr für ihre Sicherheit tun müssen. Ob sie ewig hinnimmt, dass Österreich weniger als alle anderen in Rüstung investiert und keine Gefallenen riskiert, weiß ich nicht.

 

 

 

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Das harte Brot des Markus Marterbauer

Zwischen EU-Defizitverfahren und Donald Trumps Zöllen als Finanzminister Erfolg zu haben, wäre ein Wunder. Auch die Lebensmittelpreise zu senken wird nicht leicht sein und die Inflation ist wieder auf einem Zwischenhoch von 3,6 Prozent.

An sich hat mich gefreut, dass nach diversen VP- Kandidaten ohne ökonomische Vorbildung mit Markus Marterbauer jemand Finanzminister wurde, den ich aus der Arbeiterkammer als hervorragenden Ökonomen kenne – aber gleichzeitig habe ich ihn bedauert: zwischen EU-Defizitverfahren und Trumps Zöllen Erfolg zu haben, wäre ein Wunder. Ein deutscher Ökonom, der Marterbauer ebenso schätzt, wundert sich, dass er das Ministeramt überhaupt übernommen hat: Sparauflagen zu exekutieren müsse einen Keynesianer fast physisch schmerzen, wisse er doch, dass Sparen des Staates die Rezession nicht lindert, sondern verschärft. Ich wandte ein, dass Marterbauer wohl davon ausgeht, Schlimmeres  zu verhindern, indem er so behutsam wie möglich spart, vielleicht die eine oder andere Strukturverbesserung erreicht und im Detail „sparsam“ ist. In der Vorwoche konnte ich hier noch schreiben, dass den negativen konjunkturellen Vorzeichen zumindest gegenübersteht, dass Österreichs Unternehmen davon profitieren sollten, dass Deutschland 500 Milliarden in seine Infrastruktur und 1.000 Milliarden in seine Aufrüstung stecken will. Aber die jüngsten deutschen Zahlen lassen befürchten, dass diese Hoffnung voreilig ist: Auftragseingänge und Produktion gingen im Juni erneut zurück- vorerst scheint nichts von den Milliarden in der Realwirtschaft angekommen. Und das Problem des deutschen Geschäftsmodells ist leider so grundsätzlich, wie ich es beschrieben habe: Eine Volkswirtschaft, die derart vom Export abhängt, muss in Schwierigkeiten geraten, wenn sparende EU- Staaten nicht mehr als Abnehmer in Frage kommen, Exporte nach Russland sanktioniert sind, China selbst hervorragende Autos produziert und die USA sich mit Zöllen gegen Exporte wehren. Die Probleme Deutschlands wie der EU werden nicht aufhören, solange man sich nicht vom Sparen des Staates verabschiedet.

Marterbauer versucht daher, im Detail zu punkten: Er erwägt, die durch gestiegene Nahrungsmittelpreise wieder erhöhte Inflationsrate mit Eingriffen in den Markt zu bekämpfen und erinnert an entsprechende Erfolge Spaniens. Doch so sehr ich solche Eingriffe grundsätzlich für zulässig halte, so vorsichtig wäre ich in Kenntnis Spaniens, dessen Verhältnisse auf Österreich zu übertragen. So war es immer verfehlt, Spaniens extrem niedrige Inflation voran dem besonders guten Management der Regierung zuzuschreiben: Spanien war nur fast unabhängig von russischem Gas, weil es billiges Gas aus Afrika bezog, vor allem aber über Atomkraftwerke und viel Solar- und Windkraft verfügt, während Österreich zu 80 Prozent von russischen Gas abhing. Verglichen mit  Ex- Ostblockstaaten, die eine ähnlich große Abhängigkeit verzeichneten, hat die schwarz -grüne Regierung die Inflation nur halb so schlecht bekämpft wie allseits behauptet wird. Bei den Nahrungsmittelpreisen hat Spaniens Regierung allerdings tatsächlich mit besonderem Erfolg eingegriffen, indem sie die Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel  ausgesetzt hat. Während die gleiche Vorgangsweise bei Treibstoffen in Deutschland total daneben ging, weil die Tankstellen die Verbilligung nicht weitergaben, sondern für sich behielten, gaben  Spaniens Nahrungsmittelhändler sie sehr wohl weiter. Allerdings nicht zuletzt deshalb, weil  es in Spanien zahllose miteinander konkurrierende Nahrungsmittelketten gibt, sodass jede, die die Verbilligung nicht weitergegeben hätte, das Risiko eingegangen wäre, dass eine Konkurrentin das sehr wohl tut und ihr so Marktanteile wegnimmt. In Österreich, wo nur Spar, Lidl, Hofer und Rewe miteinander konkurrieren, ist das keineswegs so sicher, liegen ihre Preise doch stets um 20 Prozent über denen in Deutschland. Auch der Ökonom Christoph Badelt zeigte sich skeptisch, dass der Marterbauer- Eingriff, der einmal mehr übersieht, dass Mehrwertsteuersenkungen immer auch Reichen zu Gute kommen, erfolgreich verliefe. Spanien ergänzte seine Mehrwertsteuersenkung denn auch durch eine viel gewichtigere Einmalzahlung an erwiesen Arme und nur diese.

Letztlich ist sowohl der aktuelle Preisanstieg wie das viel ärgerlichere um 20 Prozent über Deutschland liegende Preisniveau unserer Nahrungsmittel die typische Folge mangelnden Wettbewerbs. Markenartikel- Riesen, von denen es in Österreich keine gibt, haben die Stellung von Oligopolen inne: Sie bestimmen im Wege von Verträgen, die ihren Partnern territoriale Lieferbeschränkungen vorschreiben, welches Land sie zu welchen Preisen beliefern und können in einem kleinen Land höhere Margen einplanen, weil sie aus Österreich heraus natürlich keine Konkurrenz haben. Offiziell begründen sie die höheren Preise mit Österreichs höheren Löhnen für Handelsangestellte und angeblich höheren Mieten. Zum Teil produzieren sie freilich  auch in Österreich und das verschafft ihnen auch eine gewisse Hausmacht.  In „Brüssel“ hat man das Wettbewerbsproblem aber erkannt und will dagegen vorgehen. Doch ausgerechnet Österreichs Vertreter im zugehörigen Arbeitskreis haben zu Protokoll gegeben, man möge zuwarten, zumal es keine universelle Lösung gäbe. Als das Protokoll vom ORF publik gemacht wurde, erklärte die  Regierung, diese Stellungnahme entspräche nicht ihrer Linie und VP -Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, aus dessen Ressort die nach Brüssel entsendeten Beamten kommen, beeilte sich, das zu bestätigen. Ich glaube, dass man von ihnen dennoch dringend erfahren muss, wie sie zu ihrer Stellungnahme gekommen sind.

 

 

 

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