Alle Experten wissen, dass wir als NATO- Mitglied sicherer wären, aber niemand wagt, Österreichern das zu sagen. Tun Medien es auch nicht versäumen sie ihre Pflicht.
Das „Gespräch“, das Moderatorin Susanne Schnabl vorige Woche im ORF mit den Militäranalytikern Franz Stefan Gady und Markus Reisner, dem Generaldirektor für die Öffentlicher Sicherheit Franz Ruf und der Geostrategin Velina Tschakarov über „Putins Schattenkrieg“ führte, nahm einen so seltsamen Verlauf, dass ich darauf eingehen will. Alle vier Experten waren nämlich darin einig, dass Österreichs Neutralität sowohl im aktuellen hybriden Krieg Putins gegen die EU wie in einem wirklichen Krieg von Nachteil ist – aber Reisner bezweifelte, dass es Sinn habe, die Neutralität mit den Österreichern auch nur zu diskutieren. Das ginge allenfalls, wenn die Gefahr noch näher sei. Nun gebe ich zu, dass es der Mentalität der meisten Österreicher entspricht, sich möglichst wenig gegen Unrecht zu engagieren, aber wenn die Neutralität Österreich unsicher macht, sollte es doch möglich sein, ihnen das nahezubringen. Soviel dümmer als die Finnen und Schweden sind sie schließlich nicht, auch wenn ihnen die Neutralität zugleich mit dem Wunder des Staatsvertrags zuteil wurde und damit einen besonderen Stellenwert erhielt.So einig alle Unterhändler des Staatsvertrags, von Leopold Figl über Bruno Kreisky bis zu Julius Raab darin waren, dass die Neutralität eine massive Einschränkung der Souveränität darstellt, so eindeutig sieht der heutige Souverän darin etwas, das uns auszeichnet. Zum einen, weil jedes Land sich besonders und ausgezeichnet sehen will, was umso leichter fiel, als die Neutralität uns damals unter so beneidenswerte Länder wie die Schweiz und Schweden reihte, zum anderen, weil mit Staatsvertrag und Neutralität Österreichs unglaublicher wirtschaftlicher Aufstieg einsetzte und man meint, dass auch sie daran Teil gehabt hätte, obwohl sie ihn etwas bremste: Sehr vorsichtige Investoren investierten lieber in NATO-Ländern. Auch dass uns die Neutralität in der Folge davor geschützt hätte neuerlich von Russland vereinnahmt zu werden- es gab solche Planspiele der Generalität -im Zusammenhang mit eine Vorstoß gegen Titos Jugoslawien – stimmt nicht: In kritischen Situation wie dieser hat Österreichs Regierung immer in Washington rückgefragt, ob die USA zu ihrem Versprechen stehen uns in diesem Fall Zur Hilfe zu kommen, was immer bejaht wurde. Österreich galt de facto als NATO-Land.
